Schluss machen – und neu anfangen

Ich habe mit meinem Freund Schluss gemacht. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir bewusst, dass er gar nicht mein Freund war. Er wollte nicht mit mir Zeit verbringen. Ständig war etwas Anderes wichtiger: das Sommerhäuschen seiner Mutter, der Sohn schwänzt die Schule und die Tochter lebt in Scheidung. Nach Feierabend mal kurz vorbeikommen war auch nicht drin. Sehr merkwürdig! Ich habe ihm dann eine WhatsApp geschrieben, dass er mich in Ruhe lassen soll. Was soll ich ihm hinterherrennen?

Ob es Gott vielleicht ähnlich geht? Er möchte Zeit mit uns verbringen. Doch es ist immer etwas wichtiger:  die schlechten Leistungen der Kinder in der Schule, die kränkelnde Schwiegermutter, die Angst vor dem nächsten Terroranschlag. Später Gott, später! Wenn die Wohnung aufgeräumt, die Tochter beim Ballett und die Katze des Nachbarn gefüttert ist. Verstehen wir wirklich, dass Gott bei uns mittendrin sein möchte? Die tägliche Gebetszeit sollte nicht ein weiterer Punkt auf der to-do-Liste sein, sondern eine eingeplante Pause, das bewusste Programmieren des inneren Navis. Zeit mit dem Gott zu verbringen, der mich unendlich liebt, sollte keine Pflichtübung sein, sondern gemeinsame Zeit, nach der wir uns sehnen. Ich zumindest habe noch keine to-do-Liste gesehen, auf der drauf steht „mit Ehepartner kuscheln“.

Über eins sollten wir uns im Klaren sein: Wenn wir nicht im Hier und Jetzt mit Gott Zeit verbringen möchten, wird Er in Ewigkeit sie auch nicht mit uns verbringen wollen. Das klingt hart und intolerant. Aber mal ehrlich, wieso sollte ich meinen Ex zwingen, mich zu lieben? Und warum sollte Gott dies tun? – Ich habe mit einem Menschen Schluss gemacht, aber mit meinem Gott kann ich jederzeit neu anfangen. Das kannst du auch. Fang heute wieder neu an mit deinem Gott. Erzähl‘ ihm von deiner Angst, deiner Wut und, auch das darfst du, von deinen Zweifeln an seiner Gerechtigkeit. Fang an zu beten! Es ist die einzige Waffe, die dir keiner nehmen kann! Amen!

 

 

 

„Ein frohes Fest, anlässlich der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes!“

Während meines Studiums fanden selbstverständlich die obligatorischen Weihnachtsfeiern des Instituts statt. Auf einer schrieb mein Kommilitone, ein absolutes Sprachgenie, „Frohe Weihnachten“ in Hieroglyphen an die Tafel. Übersetzt schrieb er an: Ein frohes Fest anläßlich der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes!“ – So hätten es wohl die Alten Ägypter ausgedrückt. Das Traurige daran ist, dass es zwar altbacken anmutet, für viele moderne Deutsche Weihnachten genau das ist: es ist das Fest der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes. Es ist ein unbekannter Gott, der irgendeine Geschichte hat mit einem Volk im Nahen Osten. Nur wenigen ist dieser Gott bekannt. Sie wissen nicht, dass dieser Gott eine persönliche Beziehung zu ihnen haben möchte.
Vor etlichen Jahren sang band aid „Do they know it’s christmas time?“ – Wissen sie, dass Weihnachten ist? Ich möchte diese Frage neu stellen: Wissen die Nicht-Christen, dass Weihnachten ist und was es bedeutet bzw. für jeden von ihnen bedeuten kann? – Vielleicht wäre es ein guter Anfang, die Bibel rauszukramen und Heilig Abend auch vor Noch- Nicht – Gläubigen die Weihnachtsgeschichte vorzulesen und zwar nicht in der Luther-Fassung, die jeder mitsprechen kann, sondern eine moderne Übersetzung wie die Neue Genfer Übersetzung, die Volxbibel oder Hoffnung für alle. Vielleicht könnte man auch auf die letzten Karten statt „Frohe Weihnachten“ eine schöne Geburtstagsfeier wünschen. Vielleicht gibt es auch andere kleine Ideen, um anderen von diesem unbekannten Gott zu erzählen.
Leider habe ich damals die Hieroglyphen nicht abgeschrieben. So bleibt mir nur euch die Kurzfassung zu wünschen:
heb nefer hena nebet neferet en renepet! – Ein schönes Fest und ein gutes Neues Jahr!

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Und wenn sie ‚Nein!‘ gesagt hätte?

Ich war in diesem Herbst in Florenz und habe mir die Uffizien angesehen. Dabei ist mir ein Bild mit dem Motiv „Maria Verkündigung“ aufgefallen. Es gibt viele Bilder mit diesem Motiv, aber das ist mir in Erinnerung geblieben:

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 Man sieht Maria förmlich an, dass ihr die Sache suspekt ist. Sie wendet sich vom Engel ab. Man spürt regelrecht, dass nur der Respekt vor dem himmlischen Boten sie davon abhält, wegzulaufen. Ganz ehrlich – ich kann Maria verstehen. Das, was der Engel da verkündete, war nichts Geringeres als ihr wahrscheinliches Todesurteil. Denn darauf wäre es hinausgelaufen, wenn Josef sie angezeigt hätte. Schwanger vor der Hochzeit von einem anderen, wurde mit Steinigung bestraft. Josef hätte sogar das Recht gehabt, den ersten Stein zu werfen. Wie hätte Maria das ihrem Josef beibringen sollen? „Hör mal Josef, ha ha, da ist mir etwas Unglaubliches passiert, also da kam ein Engel…“ Nein, das klang einfach zu unglaublich. Wer hätte ihr geglaubt? Ich weiß leider nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn einem nicht geglaubt wird. Da steht man nicht einfach drüber. Schon gar nicht, wenn man, wie im Falle von Maria, vom Todesurteil bedroht ist. In der Bibel steht nicht, wie lange es dauerte, bis Maria auf den Engel antwortete. Diesen Zeitpunkt scheint das Gemälde einzufangen. Diese Abwendung, diese Unsicherheit, was jetzt werden soll. Immerhin hat der Maler keinen leeren Stuhl gemalt, vor dem der Engel kniet. Sie ist geblieben. Aber trotzdem steht die Frage im Raum „Und wenn sie ‚Nein!‘ sagt?“  –  Es gibt im Evangelium genau zwei Momente, in denen jemand eine Frage gestellt wurde, deren Antwort den kompletten Erlösungsplan Gottes infrage hätte stellen können: 1. wie gesagt, die im Raum stehende Frage an Maria, ob sie bereit ist, diese Todesgefahr anzunehmen und 2. die im Raum stehende Frage an Jesus Christus in Gethsemane, ob er bereit ist, den Tod auf sich zu nehmen. Maria antwortete „Ich bin die Dienerin des Herrn. Was du gesagt hast, soll mit mir geschehen.“ (Lukas 1,38) und Jesu Antwort lautete „Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.“ (Lukas 22,42) Das ist Hingabe! Das ist die Unterordnung des eignen Lebens unter den Willen Gottes. Das ist genau das, was mir so unheimlich schwer fällt. Ich habe gerade viel Ungerechtigkeit erlebt und am liebsten würde ich genau, wie ‚Die Prinzen‘ singen, „eine Bombe sein und einfach explodiern…“ Es fällt mir schwer, Ungerechtigkeit hinzunehmen. Doch wieviel schwerer muss es Maria gefallen sein, hinzunehmen, dass sie wohl falsch verdächtigt werden wird, fremd gegangen zu sein. Wieviel schwerer wird es Jesus gefallen sein, es hinzunehmen, dass er, der sündlos war, zum Tode verurteilt wurde. Doch haben sich beide zu einem ‚Ja!‘ durchgerungen. In Jesu Tod am Kreuz zeigt sich Gottes Liebe zu den Menschen, in der Wahl Marias seine Weisheit. Er hat sich die Frau ausgesucht, die mutig genug war, sich seinem Willen zu unterstellen. Weil Jesus für mich am Kreuz gestorben ist, kann ich darauf vertrauen, dass Gott für meine Gerechtigkeit sorgt. Jesus hat es selbst versprochen „Glücklich zu preisen, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden.“ (Matth. 5,6) Weil Maria sich Gottes Willem unterstellt hat, kann ich mich auch Seinem Willen unterstellen. Denn Gott weiß, was ich tragen kann. Amen!

„in reinlichen Windeln das himmlische Kind…“ – Liebe alte Weihnachtslieder unter die Lupe genommen

Weihnachten ist bekanntlich das Fest mit den meisten Traditionen. In meiner Familie z. B. ist es bis heute Tradition, während der Bescherung zu singen. Weil mein Bruder und ich aber keine Lust hatten, soo lange auf die Geschenke warten zu müssen, wurden vom Familienrat sechs Lieder festgelegt, die in einer bestimmten Reihenfolge „abgesungen“ werden.

Das vierte Lied ist „Ihr Kinderlein kommet“. Einmal bin ich, wegen des Denkfehlers, dass die Landstraße eher geräumt wird, als die Autobahn, ziemlich spät bei meinen Eltern in der Heimat angekommen. Mein Vater meinte dann während der Bescherung, dass er das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ schon die ganze Zeit singen würde.

Jedes Mal, wenn wir an die Stelle kommen „ in reinlichen Windeln das himmlische Kind…“, muss ich mir ein Lachen verkneifen. Ich frage mich nämlich, wie lange die Windeln vom Kind wohl reinlich waren?

Irgendwie ist mir so manche Krippendarstellung zu steril. Alle Figuren stehen ordentlich an ihrem Platz. Hirten und Könige stehen anbetend davor, Ochs und Esel sind gestriegelt, die Schafe sind alle wollweiss und das Kind hat eben reinliche Windeln.

Da sind mir die italienischen Krippen lieber: Der Stall steht inmitten von einem typischen italienischen Dorf. Die Marktfrauen tratschen, der Pizzabäcker holt gerade eine Pizza aus dem Ofen und nebenan werden die Hühner gefüttert. In bestimmten Gegenden gibt es noch eine kleine Figur, die unauffällig, irgendwo am Rand steht: der Caganer – das „Scheisserle“. Das ist eine Figur mit heruntergelassenen Hosen, die gerade ihren Darm entleert. Man weiß nicht so genau, wie diese Figur ihren Weg zur Krippe fand, aber für mich ist es genau das: der Toilettengang gehört ganz natürlich zum Leben dazu. Jesus ist genau in dieses normale Leben hinein geboren, mit normalen Menschen und natürlichen Bedürfnissen. Maria war nicht besonders heilig. Sie hat nicht leise geniest und das Kind war da. Nein, sie hatte Schmerzen bei der Geburt und vielleicht hat sie ihren Josef auch wüst beschimpft. (Habe gehört, dass das auch im Kreißsaal vorkommt.) Sehr wahrscheinlich hat sie geschrien und ihr Kleid war danach sicher blutverschmiert. In dieses Leben ist Christus hineingeboren. Er hat alles Irdische auf sich genommen und alle himmlische Herrlichkeit abgelegt. Wofür hat er das getan? Er tat es, weil sein himmlischer Vater schon sehr lange ruft „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all!“ Gott sehnt sich nach dir! Er möchte derjenige sein, der dich durch dein Leben leitet. Er hat seinen Sohn geschickt, damit du zu ihm kommen kannst. Er möchte mittendrin in deinem Leben sein. Egal, ob du gerade mit deiner Freundin tratschst, deinen Hund fütterst, Pizza bestellst oder eben das Leben als besch…eiden empfindest. Komm zu ihm, er wartet auf dich. Komm heute noch! – Amen.

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„Ist auch mir zur Seite, still und unerkannt…“ – Liebe alte Weihnachtslieder unter die Lupe genommen

1-liedWeihnachten ist bekanntlich das Fest mit den meisten Traditionen. In meiner Familie z. B. ist es bis heute Tradition, während der Bescherung zu singen. Weil mein Bruder und ich aber keine Lust hatten, soo lange auf die Geschenke warten zu müssen, wurden vom Familienrat sechs Lieder festgelegt, die in einer bestimmten Reihenfolge „abgesungen“ werden. Meine Mutter singt die zweite Stimme, ich halte mit meiner Altstimme dagegen und mein Vater brummt den Bass – zumindest das, was er für den Bass hält. Das erste Lied, das angestimmt wird, ist „Alle Jahre wieder“. So sehr ich es gerne singe, macht mich doch der Text ein wenig traurig. „Ist mir auch zur Seite, still und unerkannt, das es (das Christuskind) treu mich leite, an der lieben Hand.“ – Genau das ist das Missverständnis der heutigen Zeit: Christus möchte weder still und schon gar nicht unerkannt an deiner Seite stehen! Er möchte, dass du ihn erkennst, dass du ihn kennen lernst. Ja, Christus möchte dich leiten! Er möchte der Herr deines Lebens sein! Aber was hier der Liedtext vermittelt, ist eher das Leiten durch einen Unbekannten. Als würden wir blind durch das Leben stolpern und ein Unbekannter schubst und zerrt uns in die richtige Richtung und am Ende des Lebens erkennen wir, dass uns jemand um die schlimmsten „Pfützen“ umgelenkt und an den größten Steinen vorbeigeführt hat. Aber ist das die Leitung, die wir brauchen und nach der wir uns insgeheim sehnen? Wäre es nicht viel schöner, jemanden an der Seite zu haben, den ich persönlich kenne und vertraue? Jemanden, der mich nicht nur um die Pfützen führt, sondern der mit mir zusammen durch jede Pfütze geht? Der selbst bis zum Knie im Wasser steht, damit ich nicht den Halt verliere? Dieser Jemand ist Jesus Christus. Er möchte dich leiten und dir ein erfülltes Leben schenken. Jetzt in der Adventszeit wird oft gesagt, dass Advent „Ankunft“ bedeutet, weil in dieser Zeit die Christen auf die Ankunft ihres Herrn warten. Doch es ist auch umgekehrt: Gott wartet auf deine Ankunft! Er wartet sehnsüchtig auf dich! Er möchte dir neues Leben schenken und an deiner Seite sein. ER ist derjenige, der dich „treu leiten“ möchte. Komm zu ihm! Heute! – Amen.

„… diesem einen will ich folgen. Diesen einen will ich König nennen.“ (Balin über Thorin Eichenschild im Film „Der Hobbit. Eine unerwartete Reise“)

Ein Zwerg erzählt, wie er in einer gewaltigen Schlacht einen tapferen Kämpfer sieht. Nur mit einem Eichenstamm als Schild geht er auf den übermächtig scheinenden Feind los und bringt ihm eine schwere Wunde bei.

In Zeitlupe dreht sich der Held um, es ertönt heroische Musik und der alte Zwerg erzählt weiter, dass er an dem Tag beschlossen hat „… diesem einen will ich folgen. Diesen einen will ich König nennen.“

In der heutigen Zeit ist Monarchie ein Auslaufmodell. Es gibt sie noch die Könige. Aber das, was sie sagen und tun, füllt nur die Regenbogenpresse. Auf die erste Seite der großen Tageszeitungen schaffen sie es nicht. Schlagzeilen wie „Königin Elisabeth verhindert Brexit!“ oder „ König Haakon erfolgreich bei Friedensverhandlungen!“ werden wir nicht lesen. Wir, die modernen und aufgeklärten Menschen lassen uns nicht mehr regieren, schon gar nicht von einem König. Den Regierenden weht ein scharfer Wind entgegen, einen Stinkefinger gegen Merkel hier, einen deftigen Post gegen Trump da. Keine Macht keinem! Wir merken gar nicht, dass wir uns längst andere Majestäten gekrönt haben. Freiwillig gehen Kinder und Jugendliche zu dem ungnädigen König Dieter Bohlen und singen ihm vor. Sie beugen sich seinem harten Urteil und das anwesende Publikum johlt. „Wie kann dieser Dilettant es wagen, vor seiner Majestät dem König zu erscheinen?“. Junge hübsche Mädchen gehen freiwillig zur unbarmherzigen Königin Heidi Klum und glauben ihr, dass sie zu dick sind. Das Volk klatscht. „Wie kann denn diese Fette es wagen, vor der Königin zu erscheinen?“ Doch wenn wir dahinter schauen, merken wir schnell, dass die Legitimation dieser Majestäten kaum Bestand hat. Ihre Heldentaten bestehen darin, dass sie es geschafft haben, berühmt zu sein. Sie haben ihr Talent genutzt, ja, aber sie setzen es nicht ein, um anderen damit zu helfen. Von Dieter Bohlen habe ich noch nicht gehört, dass er einen Verein gegründet hat, der dazu dient, dass das Selbstbewusstsein von Kindern mittels Gesangsunterricht gefördert wird. Heidi Klum setzt sich nicht dafür ein, dass z. B. Menschen mit körperlichen Defiziten ihre eigene Schönheit entdecken. (Ist mir zumindest nicht bekannt.)

Menschen krönen also andere zu Königen, die ihnen anschließend klar machen, dass sie, die sie nicht die Idealmaße haben und nicht singen können, nichts wert sind. Doch sie sehen nicht, dass diese Könige sich nicht für sie einsetzen, nichts für sie tun.

Dann gibt es noch einen anderen König. Er reitet auf einem Esel und ist mit einer Dornenkrone gekrönt. Er hätte die Macht gehabt, Menschen zu befehlen, ihn anzubeten. Doch er entschied sich, sie zu lieben. Er starb für sie, für mich. Er tat es für mich. Er befreite mich von meiner Sünde. Es ist Jesus, mein Christus.

Über ihn sage ich mit Balins Worten „… diesem einen will ich folgen. Diesen einen will ich König nennen!“ Amen!

Bist du gefährlich?

Heute in der Predigt erwähnte der Pastor eine repräsentative Umfrage, nach der jeder vierte Christ in Deutschland nicht mehr in die Kirche/ Gemeinde gehen möchte, aus Angst vor Terroranschlägen.
Nun mag man von repräsentativen Umfragen halten, was man will, aber mir schoss eine Frage in den Kopf: Bin ich in meiner Gemeinde sicher? Inzwischen ist es ja leider so, dass Terroristen wahllos zuschlagen. Aber große Anschlagsziele werden immer noch nach ihrer Medienwirksamkeit und nach Gefährlichkeit nach Ansicht der Täter ausgesucht. Gemeinden, die sich nur sonntags zum Gottesdienst treffen, von deren Existenz die Leute in nächster Nachbarschaft nichts wissen, sind in den Augen von Fanatikern harmlos. Ein Anschlag würde den Bekanntheitsgrad der Gemeinde vorübergehend steigern, aber die mediale Betroffenheit wäre nicht groß. Christen und Gemeinden dagegen, die sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen und ihren Glauben leben z. B. durch Obdachlosenarbeit, Arbeit mit Prostituierten oder andere diakonische Projekte, sind aus der Sicht von Terroristen gefährlich.
Bist du Mitglied einer gefährlichen Gemeinde? Bist du gefährlich?
Wenn man diese Frage mit „Nein!“ beantwortet, kann man sich entspannt zurücklehnen. Ein Undercover-Christ bzw. eine Undercover-Gemeinde ist nicht in großer Gefahr, Opfer eines Anschlags zu werden. Er bzw. sie ist saved. Doch nach kurzer Zeit kommt ein mulmiges Gefühl auf: ein Christ, der seinen Glauben nicht bekennt, mag in diesem Leben sicher sein, muss sich aber fragen, ob er im Jenseits auch „saved“ ist. Im Schreiben an die Gemeinde in Philadelphia heißt es: „Ich weiß, wie du lebst und was du tust; ich weiß, dass du weder kalt noch warm bist. Wenn du doch das eine oder das andere wärst! Aber weil du weder warm noch kalt bist, sondern lauwarm, werde ich dich aus meinem Mund ausspucken.“ (Offenbarung 3, 15+16, NGÜ) Hier spricht es Jesus ganz deutlich aus: Entweder du bist im Diesseits gefährlich und damit selbst in Gefahr und dafür im Jenseits bei Jesus und damit in Sicherheit oder umgekehrt. Beides geht nicht!

Die Fleischtöpfe Ägyptens

Als die Hebräer auf dem Weg ins Gelobte Land in der Wüste wanderten, beklagten sie sich bei Mose „Wären wir doch im Land Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und Brot in Fülle zu essen hatten! Denn ihr habt uns in diese Wüste hinausgeführt, um diese ganze Gemeinde verhungern zu lassen!“ (2. Mose 16, 3) Doch wonach sehnten sich die Hebräer zurück? Was genau waren denn die Fleischtöpfe Ägyptens?

Von Grabdarstellungen wissen wir, dass oft Rinder verzehrt wurden. So gibt es ein eindrückliches Modell einer Schlachtszene aus der Zeit des Mittleren Reiches ( ca. 2050 bis 1790 v. Chr.). Auch Modelle bei denen das Rupfen einer Gans bzw. das Braten einer Ente dargestellt sind, geben Aufschluss über den Speiseplan. Schaf und Ziege landeten ebenfalls auf dem Tisch. Ergänzt wurde das mit Datteln und Feigen und einem guten

Das möchte ich daraus lernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich gerade in einer Wüste bin, dann möchte ich mich selbst fragen, ob das Vergangene wirklich so gut war, wie es mir in Erinnerung ist. Ein Faktencheck ist oft hilfreich. Dann entpuppt sich mancher Fleischtopf zu Brot und Bier. Was auch immer mein Ägypten ist, Gott führt mich nicht nur da raus, sondern auch durch die Wüste ins verheißenes Land.

„Wir sind die Guten, nicht die Netten!“

Auf dem Tolkien -Thing habe ich auch beim Rollenspiel mitgemacht. Da saßen wir also um einen Tisch mit Papier und Stift und ließen uns vom Spielleiter in ein Abenteuer führen.  Im Laufe des Nachmittags erzählte uns der Spielleiter von einer Spielrunde, in der die Mitspieler entschieden, ein ganzes Dorf nieder zu brennen. Das Dorf hatte die Gruppe verraten.  – Es sei noch angemerkt, dass das Abenteuer nur in den Köpfen stattfand. Es gibt weder das Dorf, noch wurde gezündelt. –  Es wurde gesagt „Wir sind die Guten, nicht die Netten!“

Dieser Satz machte mich nachdenklich. Manchmal habe ich das Gefühl, Christ – sein wird mit nett- sein verwechselt. Da wird abgewiegelt, dass man ja nicht missionieren möchte und man nickt dazu, wenn behauptet wird, dass wir ja alle irgendwie an den gleichen Gott glauben. Wenn das Kind zu seinen Spielkameraden sagt, dass sie in die Hölle kommen, wenn sie nicht an Jesus glauben, beschwichtigt die Mutter mit hochrotem Kopf und stellt es „richtig“. Auch in den Gemeinden scheint es eine Kultur der Nettigkeit zu geben. Statt auch mal etwas zu wagen, werden Events nicht durchgeführt, weil jemand aus der Gemeinde verletzt sein könnte. Warum sind wir Christen so zahnlos? Wir werden sowieso, so denke ich, in nicht allzu ferner Zukunft Stellung beziehen müssen. Entweder, weil Terroristen uns  mit geladener Waffe fragen „Bist du Christ?“ oder weil wir der Gesellschaft nicht mehr zu Munde reden können. Jesus war nicht nett! Er hat den reichen Jüngling ( Lukas 18, 18 – 27) gehen lassen! Er ist ihm nicht hinterhergerannt und hat gesagt „Weißt du, wir können ja noch einmal darüber reden. Du musst ja auch nicht gleich alles verkaufen. Vielleicht doch nur 30 % und mir nachfolgen musst du auch nicht. Ich komme dich ab und zu mal besuchen. Und wenn du mich und meine Jünger aufnimmst, dann reicht das erst mal. Ist das ok für dich?“

Er hat auch nicht mit den Geldwechslern diskutiert.(Matthäus 21, 12 und 13) Er hat ihre Tische umgeworfen und sie rausgeworfen. Die Geldwechsler waren diejenigen, die mit ihrem Service es den gläubigen Juden ermöglichten, die vorgeschriebenen Opfer zu bringen. Sie machten ihren Job! Jesus hatte keine Angst, dass er sie verletzen könnte! Er war gekommen, um die Menschen mit Gott zu versöhnen, nicht, um nett zu sein!

Als ich mit meinem alten Pfarrer und seiner Frau darüber sprach, sagte ich, dass ich den Satz gerne ändern würde in „Wir sind die Gerechten, nicht die Netten!“ Darauf meinte seine Frau nachdenklich „Vielleicht ist es genau das : Weil wir gerecht sind, müssen wir nicht nett sein!“ – Ich denke, sie hat Recht. Wenn es darum geht, zu unserem Glauben zu stehen, dann sollten wir nicht „nett“ sein , weil wir Andere nicht verletzen wollen. Wir sind die Gerechten, nicht die Netten!

 

„Du kommst nicht vorbei!“ – Was wir Christen von Gandalf lernen können

 

Vor kurzem war ich auf dem Tolkien Thing – dem Treffen der Deutschen Tolkien Gesellschaft und habe mit anderen „Herr der Ringe“ -Fans ein schönes Wochenende erlebt. Heute fiel mir der Autoaufkleber, den ich dort gekauft habe in die Hände : „You shall not pass!“ – Du kommst nicht vorbei! Das ist ein Zitat aus dem ersten Film der „Herr der Ringe“ – Triologie. Gandalf, augenscheinlich ein alter Mann, sieht sich einer bösen personifizierten Macht gegenüber und spricht diesen Satz aus „Du kommst nicht vorbei!“. Gandalf wird von vielen Bewohnern Mittelerdes ( der Welt, in der „Herr der Ringe“ spielt) unterschätzt. Er ist der graue Wanderer, sicherlich alt und weise, aber eigentlich harmlos. Für die fröhlichen und kindlichen Wesen dieser Welt, Hobbits genannt, ist er der Gutmütige, der wunderschöne Feuerwerke zu ihren Festen beisteuert. Und jetzt steht dieser Gutmütige in höchster Gefahr vor dem Bösem und ruft laut und bestimmt „Du kommst nicht vorbei!“ Nachdem es vorübergehend so aussah, als ob er unterliegt, wird später klar, dass er diesen Feind besiegt hat und in die „tiefste Tiefe“ geschleudert hat.
Mir als Fantasy – Fan wird manchmal vorgeworfen, dass ich mich in meine eigene Welt verkrieche, weil die reale mir zu trist ist. Natürlich ist es verlockend, sich in Mittelerde hineinzuträumen. Einmal Heldin sein, das Schwert schwingen, für das Gute kämpfen, Gefangene befreien – wer will das nicht? Das habe ich aber nicht nötig. Ich muss nicht davon träumen, dass ich Gandalfine bin. Ich bin Christ. Ich habe Vollmacht! Ich habe nicht nur ein Schwert, sondern eine ganze Waffenrüstung zur Verfügung! ( Epheser 6, 14-17) Ich muss nicht im Traum Fantasy – Monster besiegen. Ich habe als Christ das Recht und die Pflicht geistliche Kämpfe zu führen, Ketten zu lösen und Gefangene in die Freiheit Christi zu führen. Mag ja sein, dass ich für die Menschen die Gutmütige bin, die Basteltante für die Kids.
Aber ich habe von Gott Vollmacht verliehen bekommen. Deswegen kann ich mich hinstellen und Satan sagen „Du kommst nicht vorbei!“