Herr, wie geht es dir eigentlich?

Herr, wie geht es dir eigentlich? Ich habe dir oft genug erzählt, wie es mir geht. Habe dir mein Leid geklagt, dir meine Tränen geweint, dich angeschrien, meine Freude mit dir geteilt und dich angebetet. Aber bisher habe ich dich noch nie gefragt, wie es dir geht. Was hast du auf dem Herzen? Was ist dein Kummer? Deine Freude?

Habe ich dir schon danke gesagt, dafür, dass du mich geschaffen hast, dafür, dass du dir mich so wunderbar ausgedacht hast? Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe? Weißt du, wie froh ich bin, dich zu kennen? Wo wäre ich ohne dich? Das möchte ich mir lieber nicht ausdenken. Danke, dass ich mich in deiner Hand bergen darf. Danke, dass du mich nicht alleine läßt. Nur mit dir macht mein Leben Sinn.

Herr, wie geht es dir eigentlich? Was kann ich für Dich tun?

Filme mit „Draufsicht“

Es gibt Filme, die erzählen die Handlung mit der sogenannten Draufsicht. D. h. der Zuschauer weiß mehr als der Held des Films. Ich habe den Überblick. Ich habe gesehen, wie die Journalistin ihrem Chef versprochen hat, ihm einen Exklusivbericht über diesen netten Kerl zu liefern. Ich weiß, dass sie nur deswegen zu ihm nett ist. Am liebsten würde ich diesem naiven Typen zurufen „Stopp! Sie nutzt dich nur aus! Schmeiß sie raus. Sie tut dir nicht gut!“ Doch der Film ist längst abgedreht – und zwar so, wie Drehbuchautor und Regisseur es sich gedacht haben. Der Naivling muss alleine drauf kommen, dass er ausgenutzt wird. Die Journalistin muss von selbst erkennen, dass der nette Kerl nicht so dumm ist, wie sie dachte.

Manchmal passieren mir Dinge, die mir nicht gefallen. Ich frage mich dann, warum sie mir passiert sind. Wieso gerade jetzt? Warum ausgerechnet mir? Manchmal frage ich auch, warum Gott nicht eingegriffen hat. Für Gott ist mein Lebensfilm ein Film mit Draufsicht. Er kennt alle Details. Er weiß, welche Menschen es ehrlich mit mir meinen und welche nicht. Er ist nicht nur Zuschauer, sondern auch Drehbuchautor und Regisseur. Er könnte eingreifen. Er könnte mir die Dinge, die ich selbst für erstrebenswert halte, einfach schenken. Doch würde es mich Gott näher bringen?

In einem Drehbuchseminar habe ich gelernt, dass es in jedem Film einen Konflikt geben muss. Der Held möchte entweder etwas bekommen oder etwas loswerden. Dafür muss er kämpfen. Die Schwierigkeiten werden immer größer und der Held muss sich in ihnen bewähren. So funktioniert ein guter Film. Wäre Frodo einfach nach Mordor spaziert und hätte den Ring in den Schicksalsberg geworfen, so wie wir Abfall in den Mülleimer werfen, dann hätte der Film sicher keinen Oscar gewonnen.

Ich denke, es ist im Leben ähnlich. Wir sind so geschaffen, dass wir lernen müssen. Wir haben nicht die Übersicht, was uns wirklich gut tut. Aber Gott hat die Draufsicht. Er weiß, wie es ausgeht. Er hat sich uns ausgedacht, er lässt Dinge zu. Denn er weiß, was gut für uns ist.

Erst nachdem die Journalistin ins Eis eingebrochen ist und nun vor dem naiven netten Kerl steht, erkennt sie, dass sie selbst nicht weiß, wer sie eigentlich ist. Erst dann gibt es den obligatorischen Filmkuss. Erst nachdem sich Frodo tapfer zum Schicksalsberg durchgekämpft hat, kann er erleichtert sagen „It’s done!“ und in sein Auenland zurückkehren. Wir Zuschauer bleiben dann zurück, wischen uns das letzte Tränchen aus dem Auge und räumen die leere Chipstüte weg. Wir seufzen kurz und wünschen uns, dass uns auch mal jemand oder etwas herausfordert, ehrlich vor sich selbst zu werden oder mutig und tapfer für eine Sache einzutreten. Aber vielleicht sind die Dinge, die uns zu schaffen machen, genau die Chance, die wir uns wünschen!

Gott behält den Überblick! „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.“ (Römer 8, 28 –Elberfelder Übersetzung) – Liebst du Gott? Vertraust du ihm? Wenn ja, dann wird dir ALLES zum Besten dienen.

Bleib auf deinem Posten

Es war einst ein König, der hatte ein großes Reich. Dieses Reich wurde oft angegriffen. Immer wieder musste er seine Burgen verteidigen oder geraubtes Land zurückerobern. An seiner Seite stand sein General. Der General hatte nur die Tapfersten in seiner Truppe. Selbst der Kleinste unter ihnen war groß zu nennen. Einst hatte der König dem General das Leben gerettet. Der General, damals noch einfacher Soldat war dann an den Hof des Königs gekommen. Seitdem wich er seinem König nicht von der Seite. Im Laufe der Zeit wurden sie erst Freunde, dann enge Vertraute und schließlich Brüder. Sie schlugen viele Schlachten zusammen. Vor jedem Kampf berieten sie gemeinsam, wie sie den Feind am besten zurückschlagen könnten. Oft genügte ein Blick und beide wussten, was zu tun war. Ihre Freundschaft war legendär. Bei Freunden hoch angesehen, vom Feind gefürchtet: der König und sein General.

Eines Tages waren sie auf einer Burg, die es zu verteidigen galt. Doch diesmal rückte der Feind schneller als erwartet heran. Der General stellte seine Mannen in den Burghof auf. Er sah, wie sich die Bogenschützen auf der Mauer in Stellung brachten. Da kam der König. „Bleib auf deinem Posten!“ sagte er zu seinem General. Es schien, als wolle er noch was sagen. Doch hörte man nun das Kriegsgebrüll des Feindes sehr deutlich. So sagte der König nur noch einmal „Bleib auf deinem Posten!“ und ging, um den anderen Truppen letzte Anweisungen zu geben.

Kurze Zeit später stürmte der Feind gegen das Burgtor. Er war zu schnell gewesen. Die Zugbrücke konnte nicht mehr hochgezogen werden. Der General sah fassungslos, wie das Tor fast von alleine aufging. Die Bogenschützen schienen wie gelähmt, kaum einer von ihnen traf. Der General auf seinem Platz kämpfte mit sich. „Bleib auf deinem Posten!“ hatte der König gesagt. Er wusste, er konnte sich auf seinen König verlassen. Er hatte unzählige Male bewiesen, dass er ein starker König war, der nie den Überblick verlor. Doch diesmal schien es anders zu sein. Fast widerstandslos fiel der Feind in die Burg ein. Plötzlich sah er den König oben auf der Mauer bei den Bogenschützen stehen. Ohne Harnisch, noch nicht einmal ein Schild in der Hand. Schon näherte sich ein Soldat von den feindlichen Truppen und richtete seinen Pfeil gegen den ungeschützten König. Der General hielt es nicht mehr aus. Er zog sein Schwert. „Mir nach!“ rief er seiner Truppe zu und rannte dem Feind entgegen.

Als der Feind den gefürchteten General sah, floh er. Aber nur, um sich neu zu formieren. Der General setzte ihm mit seinen Soldaten nach. Plötzlich war er von feindlichen Truppen umzingelt. Er kämpfte tapfer. Doch er hatte keine Chance. Die königliche Armee rückte zwar auch aus. Aber für den General kam jede Hilfe zu spät. Als er vom Schwert durchbohrt zusammenbrach, sah er als Letztes die traurigen Augen seines Königs. Traurig und gelähmt standen die königlichen Soldaten auf freiem Feld. Das nutzte der Feind für sich. Er rannte geschlossen zur Burg zurück und verschloss das Tor von innen. Schlacht und Burg waren verloren.

Der König setzte sich traurig zu seinem toten Bruder. Er verstand nicht, wie das passieren konnte. Es gehörte zu seinem Plan, dass der Feind fast kampflos in die Burg gelassen wurde. Der Feind sollte sich sicher wähnen und nur auf den scheinbar ungeschützten König achten. Erst, wenn alle feindlichen Soldaten durch das Tor gekommen wären, sollte es geschlossen werden. Der Feind wäre eingekesselt gewesen: die Bogenschützen von hinten, versteckte Fußtruppen von den Seiten und der tapfere General mit seinen Mannen von vorn. Der König hätte gesiegt. Doch der General ist nicht auf seinem Posten geblieben. Der General hat seinem König nicht vertraut!

Denkst du vielleicht auch, die Schlacht ist bereits verloren? Glaubst du, dass dein König Jesus nicht den Überblick hat? Wenn das so ist, dann möchte ich dir zurufen: „Bleib auf deinem Posten!“ Bleib auf deinem Posten! – denn Jesus hat den Überblick. Er, der jedes Haar auf deinem Kopf kennt, (Matthäus 10, 30) weiß auch, was nötig ist, um die Schlacht zu gewinnen. „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht!“ schreibt Paulus an die Philipper (Philipper 4, 13) Alles heißt ALLES. Halte dich daran fest und bleibe auf deinem Posten.

Der Steuermann

Heute vor 195 Jahren wurde Theodor Fontane geboren. Ich komme aus der Fontanestadt, von daher interessiert mich dieser Dichter.

Fontane hat u. a. eine Ballade geschrieben, die zum Zeitgeschehen passt:

John Maynard

John Maynard!

„Wer ist John Maynard?“

„John Maynard war unser Steuermann,

aushielt er, bis er das Ufer gewann,

er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,

er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

John Maynard.“

 

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,

Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
die Herzen aber sind frei und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Fraun
im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
und plaudernd an John Maynard heran
tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.“

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
„Feuer!“ war es, was da klang,
ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
am Steuer aber lagert sich´s dicht,
und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
der Kapitän nach dem Steuer späht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
aber durchs Sprachrohr fragt er an:
„Noch da, John Maynard?“
„Ja, Herr. Ich bin.“

„Auf den Strand! In die Brandung!“
„Ich halte drauf hin.“
Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“

Und noch zehn Minuten bis Buffalo. – –

„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
und kein Aug‘ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
mit Blumen schließen sie das Grab,
und mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

„Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
hielt er das Steuer fest in der Hand,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Die Passagiere der „Norman Atlantic“ hatten nicht „30 Minuten bis Buffalo“, sondern mussten teilweise 30 Stunden auf ihre Rettung warten. Für Einige kam jede Hilfe zu spät. Auch beim Schiffsunglück, das Fontane als Vorbild für seine Ballade diente, kamen Menschen ums Leben. Von den 200 bis 300 Passagieren (genaue Angaben existieren nicht) überlebten nur 29. Die Heldentat des Einzelnen, der alle rettete ist nur eine Geschichte – dichterische Freiheit, die Fontane sich nahm.

Es gibt jedoch eine Geschichte, die ich für mich als wahr erkannt habe. Einer ist für mich gestorben, für jeden, der dieses Opfer annimmt. Ich möchte die erste Strophe umdichten:

„Jesus Christus.

Wer ist Jesus Christus?

Jesus Christus ist mein Steuermann,

aushielt er, bis er das Ufer gewann.

Er hat mich gerettet, er trägt die Kron‘,

er starb für mich, meine Liebe sein Lohn.

Jesus Christus.“

Wer ist dein Steuermann? Wer steuert dein Lebensschiff? Brennt es?

Ich wünsche uns 2015 die Zeit und die Muße über diese Fragen nachzudenken und den Mut, ehrliche Antworten zu finden. Gott segne Euch.

 

 

 

Memento mori – „auf dass wir klug werden“

Vor einer Woche wurden mir zwei Weisheitszähne gezogen. Da ich bei Zahnbehandlungen nicht besonders mutig bin, habe ich mich mit dem Chirurgen auf eine Dämmerschlafnarkose geeinigt. Kurz vor der OP bekam ich Angst vor dieser Narkose. Ich hatte Angst davor, dass ich nicht wieder aufwachen könnte. Als Krankenschwester weiß ich nur zu gut, wie schnell Komplikationen auftreten können. Ich wäre nicht die Erste gewesen, die bei einem Routineeingriff „auf dem Tisch geblieben“ wäre. Plötzlich wurde mir bewusst, was ich eigentlich immer unterschwellig wusste: Mein Leben ist begrenzt! Es kann jederzeit vorbei sein!

Meine Freundin versuchte mich zu trösten und sagte „Wenn du stirbst, dann bist du bei Gott.“ Es klingt im ersten Moment makaber, aber im Grunde genommen ist es genau das, worauf ich als Christ meine Hoffnung gründen sollte: Wenn ich sterbe, bin ich bei Gott. Habe ich diese Gewissheit? Bin ich mir wirklich sicher, dass Jesus mich erlöst hat und ich die Ewigkeit mit ihm verbringe? Hält mein Glaube auch dann, wenn „Todesschatten mich umgeben“ (Psalm 23, NGÜ)?

Im Mittelalter war in Klöstern „Memento mori – Gedenke des Todes“ ein oft wiederholter Satz. So wurde an Kirchenwände häufig der Totentanz gemalt: Der Tod als Skelett dargestellt, bittet alle zum Tanz. Alle, ohne Ausnahme müssen mit ihm tanzen: der König, der Bauer, der Papst, die Jungfrau, ja selbst das Kind in der Wiege, das noch nicht laufen, geschweige denn tanzen kann. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (nach Luther) heißt es im Psalm 90, 12. Mir fällt auf, dass der Psalmist dichtet „auf dass wir klug werden.“ und nicht „auf dass wir Angst bekommen.“ Es geht nicht darum, Angst zu haben, sondern klug zu werden. Mein Leben ist begrenzt. Ich bin ein Mensch und nicht Gott. Ich habe mein Leben nicht in der Hand. Selbst die moderne Medizin kann mich nicht davor bewahren Schmerzen zu haben, schwach, krank und sterblich zu sein. Das macht mich demütig. Demütig vor meinem Gott. Ich spüre meine Abhängigkeit von Gott. Es beruhigt mich sehr, dass dieser Gott mein Vater ist, der mich unendlich liebt.

Wenn ich meine Grenzen bejahe, wenn ich meine Schwachheit sehe und dabei Gottes Stärke anerkenne und seine Liebe für mich annehme, dann kann ich ruhig werden, trotz meiner eigenen Begrenztheit.

„Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor. 5, 20) ist der Ruf hinter dem mittelalterlichen „Memento mori“. Aber nicht nur mit Gott, sondern auch mit den Menschen sollte ich im Reinen sein. Im Hinblick auf meine eigene Sterblichkeit ist Vergebung wichtig. Es fällt nicht immer leicht, dem Anderen zu vergeben. Manchmal kann ich es nur mit meinem Verstand und muss Gott bitten, es mir zu schenken, dass ich es auch mit dem Herzen kann. Aber grundsätzlich sollte ich Vergebung nicht auf die lange Bank schieben. Vergib heute – morgen könnte es zu spät sein!

Ausschnitt aus dem Baseler Totentanz – Der Tod bittet jeden zum Tanz.

So verstehe ich „Gedenke des Todes – auf dass wir klug werden.“

War Jesus glücklich?

Vor einigen Tagen fand ich ein Notizbuch,  das ich 1992/ 93 geführt habe. Es war die Zeit nachdem ich zum ersten Mal gehört habe, dass Jesus eine persönliche Beziehung zu mir haben möchte und bevor ich ihm mein Leben gegeben habe.

Darin fand ich auch folgende Abhandlung:

„Glück

Was ist Glück? Was ist Glück für dich? Du sitzt hier in der S-Bahn mit anderen Leuten im Abteil. Wenn du aufstehen und sie fragen würdest „Sind Sie glücklich?“ würden sie dich für verrückt halten. Und wenn nicht, was würden sie antworten? ‚Nein!‘ – Warum nicht? ‚Ja!‘ Warum? Spätestens dann wüßten sie keine Antwort mehr!

Wann nennst du dich glücklich? Wenn du Geld hast? Wenn du Arbeit hast und eine Wohnung? Bist du jetzt glücklich? Nein – wieso nicht? Du hast doch alles! Wann wärst du unglücklich? Wenn ich etwas verlieren würde. Wenn ich es wiederfände, wäre ich glücklich. Doch warum bist du nicht jetzt schon glücklich, bevor du etwas verlierst?

Es heißt: glücklich irgendwo angekommen sein. Wenn auf der Reise nichts schief gegangen ist, bist du glücklich. Es heißt: glücklich und zufrieden. Hängt das immer zusammen? Ist man automatisch glücklich, wenn man zufrieden ist?

Ist dir schon mal aufgefallen, dass die Menschen schneller unglücklich sind, als glücklich? Es gibt die Sendung ‚Glücksrad‘. Sind die Menschen wirklich glücklich? Wenn du sie kurz nach Sendung fragen würdest, würden sie sicher antworten ‚Ja, denn ich habe das Gold und das Auto gewonnen!‘ Aber später, im Alltag?

War Jesus glücklich? Hat er Glück gespürt? Andauernd hat er Kranke um sich gehabt und Leidende. Immer wieder hat er erfahren, dass die Menschen ihm nicht richtig glauben und vertrauen. Bis heute haben die Menschen nichts begriffen. Er hat seinen Tod voraus gesehen und man hat ihn verraten.

Sind Christen glücklich? Wenn ja, worüber?

Glück, was ist das?“

Am meisten fasziniert mich die Frage „War Jesus glücklich?“ Ich denke, Jesus war, als er hier auf der Erde war, glücklich. Sicher konnte er sich auf das konzentrieren, was gerade um ihn rum passierte. Er hat sicherlich, das beschriebene Elend wahr genommen. Doch konnte er wohl auch die schönen Augenblicke genießen z. B. wenn jemand begriffen hatte, was er gepredigt hat, wenn Kranke, die er geheilt hat, ihm überschwänglich dankten. Ich denke, dass ich glücklich sein kann, trotz unerfüllter Wünsche. Deswegen war meiner Meinung nach Jesus glücklich. Er ist es heute noch – weil er mich ansieht und dabei sieht er den Teil von mir, der ihm schon ähnlich ist. Er sieht mein kleines bisschen Vertrauen, mein Staunen über ihn, das Bißchen, was ich schon verstanden habe. Wenn Jesus mich ansieht, dann ist er mindestens genauso stolz, wie eine Mutter auf ihr kleines Kind. Keine Mutter würde denken ‚Schon ein halbes Jahr alt: macht noch in die Windel, schläft immer noch viel, redet noch kein vernünftiges Wort, laufen ist auch Fehlanzeige – ziemlich lästig, dieses Kind.‘ Nein! Eine Mutter schaut ihr Kind an und findet jedes Lächeln toll und freut sich über jeden kleinen Fortschritt.

Vielleicht sollten wir aufhören, uns selbst fertig zu machen und uns stattdessen bewußt werden: Jesus ist glücklich, weil er mich hat!

Der schreckliche Christus

Während meines Urlaubs war ich auch im ehemaligen Kartäuserkloster von Valldemossa. Hier komponierte Chopin seine Regentropfenprelude. Nachdem wir seine Zelle besichtigt hatten, wurden wir in einen kleinen Saal geführt. Wir warteten darauf, dass das kleine Konzert, das uns versprochen wurde, begann.

Mein Blick blieb an einem Bild hängen: Darauf waren viele Menschen abgebildet. Alle schienen sich vor etwas zu erschrecken. Erst dachte ich, es sind die Reiter in Rüstung vor denen sie Schutz suchten. Doch dann sah ich, dass auch sie versuchten, sich vor etwas in Sicherheit zu bringen. Arme, Reiche, Freie und Gefangene wollten sich vor etwas oder jemanden verstecken, der außerhalb des Bildes war. Plötzlich wusste ich, wer es wohl, nach der Absicht des Malers sein sollte: Christus! Wenn Christus wiederkommt, dann wird es für Viele noch schrecklicher sein, als auf dem Bild dargestellt. Die Erkenntnis, dass es wirklich einen Gott gibt, die Erkenntnis, dass man sein Leben vergeudet hat und zum Schluss die Erkenntnis, dass man ein sündiger Mensch ist und man diesem Gott nicht genügen kann, all das wird für Viele schrecklich sein. Sie werden, wie auf dem Bild, ihre Gesichter abwenden und werden versuchen, sich zu verstecken – und es wird ihnen nichts nützen. Jeder, der nicht zu Lebzeiten, nicht rechtzeitig, bevor Christus wiederkommt, sich Ihm, dem liebenden Gott, zuwendet, wird in einem einzigen Moment erkennen „Ich habe meine Chance vertan. Es ist zu spät!“ Das ist eine schreckliche Erkenntnis!

Das ist mir nicht immer bewusst. Ich verlasse mich gern auf die Gnade. Ich weiß, dass mich Gott unendlich liebt, dass Er sich nichts sehnlicher wünscht, als mit mir Gemeinschaft zu haben. „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“ heißt es in Jeremia 31,4 nach der Schlachter – Übersetzung. Ja, die Gnade gilt. Doch sollte ich mir bewusst machen, was sie gekostet hat. Gott kann nur gnädig zu uns sein, weil er seinen eigenen Sohn hergegeben hat. „Denn Gott hat der Welt seine Liebe gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.“ (Johannes 3, 16, NGÜ) Gott möchte nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht. Verloren gehen heißt, keine Gemeinschaft mit Ihm in der Ewigkeit haben. Bei dem Gedanken allein fühle ich mich unwohl. Aber genau das wird Vielen passieren. Sie werden sich nicht nur unwohl fühlen, sondern zutiefst erschrecken. Derjenige, vor dem sie erschrecken, wird nicht gruselig daherkommen, wie in Horrorszenarien, sondern er wird wunderschön sein. Schrecklich – schön! Schrecklich in den Augen derer, die ihn abgelehnt haben und schön für diejenigen, die ihm nachgefolgt sind. Die Nachfolger Christi werden ihren Herrn an der unbeschreiblichen Schönheit erkennen. Wenn auch noch viel Dunkelheit in ihnen ist, ein winziger Teil, aber immerhin ein Teil, wird Ihn erkennen. Das ist der Teil meiner Persönlichkeit, der bereits christus – ähnlich ist. Ich werde zu Lebzeiten mit dieser Umwandlung zur Christus – Ähnlichkeit nicht fertig werden. Das bisschen aber, dieser winzige Teil an Licht reicht Gott. Es reicht aus, dass Christus für mich schön und nicht schrecklich ist. Ich werde nicht erschrecken müssen, wenn Christus wiederkommt. Das ist Gnade! Diese Gnade genügt! (2. Kor 12, 9)

Radieschen

Als Kind hatte ich ein kleines Stueckchen Garten. Meine Eltern hatten es mir vom grossen Garten zugeteilt. Jedes Fruehjahr bestellte ich es neu. Ich machte mir richtig einen Plan, wie ich das Stueck aufteilen wuerde, wo die Radieschen und wo die Petersilie hin kommt. Dann machte ich mich ans Werk: erst grub ich den Garten um, was mein Vater regelmaessig mit „In unserem Garten war ein Wildschwein!“ kommentierte. Dann zog ich, wie ich es in Schulgarten gelernt habe, die Reihen. Sie waren zwar schief, aber sie waren wenigstens parallel schief. Endlich saete ich aus: Radieschen, Moehren und Petersilie. Ich war sehr gespannt, was daraus werden wuerde.

Als Erstes keimten die Radieschen. Jeweils zwei Herzblaetter streckten sich der Sonne entgegen. Doch ich war sehr ungeduldig. Weil ich nachschauen wollte, ob sie schon reif  zum Ernten sind, rupfte ich immer wieder einzelne Pflaenzchen raus. Doch an den kleinen Blaettern hing nur eine duenne weisse Wurzel, noch weit entfernt, ein ausgewachsenenes Radieschen zu sein. Das schmaelerte natuerlich meine Ernte. Mit der Zeit lernte ich, dass erst, wenn die Blaetter nicht mehr herzfoermig waren, sondern ihre radieschen-typische Form hatten, das Radieschen erntereif war.

Ich bin bis heute ungeduldig. Manches kann mir nicht schnell genug gehen. Doch muss ich mir immer wieder eingestehen, dass Ungeduld nichts beschleunigt. Im Gegenteil, wenn ich  nicht abwarte, werde ich nicht das Ergebnis erhalten, dass ich erhoffe. Es wird meine Ernte schmaelern. Gott wird ein „schneller“ nicht zulassen, wenn mir dieses „schneller“ nicht gut tut. Dass, was ich brauche, bekomme ich „zu Seiner Zeit“. Er weiss, was gut fuer mich ist und er hat noch immer den Ueberblick.  „Gott sitzt im Regimente und fuehret alles wohl.“ (Paul Gerhardt)

Der Pfirsich

 

Vor Kurzem habe ich mir Pfirsiche gekauft. Auf den letzten habe ich mich besonders gefreut. Ich wollte ihn genießen. Es war der Letzte für dieses Jahr. Er war groß, roch süß nach Pfirsich und hat sah von außen richtig lecker aus. Ich biss rein – und war enttäuscht. Der Pfirsich war innen verfault. Traurig schmiss ich ihn weg.

Manchmal treffe ich auf Menschen, die sind wie dieser Pfirsich. So hatte ich vor wenigen Wochen eine Beziehung mit einem Mann. Anfangs klang alles gut für mich. Er machte mir Komplimente und erzählte mir, dass er mich bewundere. Er beteuerte, dass es ihm wichtig sei, mir, seiner Freundin jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Als ich ihm kurz darauf schrieb, dass ich eine Gehirnerschütterung habe, reagierte er nicht und einige Tage später beendete er die „Beziehung“.

Ich frage mich, ob ich vielleicht selbst an einigen Stellen innerlich „faule“. Verhalte ich mich vielleicht ähnlich? Versprechen sich vielleicht Menschen etwas von mir, was ich dann nicht halte? Zum Beispiel, wenn sie wissen, dass ich Christ bin und ich habe nicht die Geduld und die Barmherzigkeit ihnen gegenüber, wie ich sie haben sollte. Dann bemerken sie die „faule Stelle“ an mir. Aus mir heraus kann ich nicht so liebevoll und barmherzig sein, wie ich es gerne wäre. Aber Gott kann es mir schenken. Er möchte mich so verändern, dass ich ihm immer ähnlicher werde. Ein Pfirsich kann nicht wieder gut werden, wenn er schon faul geworden ist. Aber mich kann Gott innerlich erneuern, die faulen Stellen kann er heilen. Er tut es gern, ich muss es nur zulassen. „Und ihr wurdet gelehrt, euch in eurem Geist und eurem Denken erneuern zu lassen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen.“ (Epheser 4, 23-24, Neue Genfer Übersetzung)

Strecke ich mich nach diesem neuen Menschen aus, dann werden die faulen Stellen in mir heilen. Ich werde authentisch sein. Ich werde das leben, was ich sage und sagen, was ich lebe. Dann werde ich wie ein Pfirsich sein, der von außen und innen schön ist.

Die Geschichte ist nicht biblisch. Es könnte aber so gewesen sein.

Petrus lernt schreiben

Petrus saß am Tisch und mühte sich mit der vor ihm liegenden Wachstafel ab. Er sollte seinen Namen schreiben. Der erste Buchstabe, das Pi, gelang ihm schon gut: zwei Striche, darüber ein dritter. Epsilon, Tau, Rho und Omikron waren auch gut erkennbar. Aber das Sigma wollte ihm einfach nicht glücken. Das Sigma, das Paulus ihm vorgemalt hatte, war eindeutig ein Halbkreis mit Haken dran. Seine dagegen gerieten immer zu Kringeln, die zur Seite kippten.

„Das geht nicht! Das kann ich nicht!“ Petrus schmiss den Stift hin und stand abrupt auf. Paulus versuchte noch, ihn zu beruhigen, doch Petrus polterte los „Wieso muss ich schreiben? Ich möchte erzählen, was ich erlebt habe!“ Er zeigte seine Hände. „Das sind Hände eines Fischers, nicht die eines Schreiberlings.“ „Aber der Herr hat doch selbst gesagt, dass du ein Menschenfischer sein sollst. Da wäre es gut, dass du -“ „Das ich was?“ unterbrach ihn Petrus „Woher willst du wissen, was der Herr gesagt hat. Du warst nicht dabei! Stattdessen hat der feine Herr Gesetze studiert. Gejagt hast du uns. Die Hände hast du dir nicht schmutzig gemacht, das durften Andere. Du hast nur die Mäntel gehalten. War doch sicher ein schönes Gefühl, als Stephanus starb!“ Paulus war während Petrus redete immer mehr in sich zusammengesunken. Als Petrus jetzt die Tränen in Paulus‘ Augen sah, hielt er inne. „Oh Paulus, das tut mir Leid.“ Er setzte sich wieder zu seinem Lehrer. „Wie war das eigentlich, als dir der Herr erschien?“ Paulus holte tief Luft und fing an „Ich war auf dem Weg nach Damaskus. Ich dachte, ich tue das Richtige. Das Richtige für Gott. Als ich das gleißende Licht sah und die Stimme hörte, war ich starr vor Schreck.“ Als Paulus den erstaunten Blick von Petrus sah, sagte er „Ja Petrus, der feine Herr hatte Angst. Schreckliche Angst sogar. Ich war blind und mir wurde klar, dass ich mich gegen Gott gestellt habe. Gegen Gott! Alles worauf ich mein Leben aufgebaut habe war falsch. Gott würde mich verstoßen. Ich würde nie wieder den Tempel betreten dürfen. Ich dachte, dass ich blind bleibe. Aber das war mir egal. Mein Leben war vorbei! Ich hoffte nur noch auf ein schnelles Ende. Als dann Hananias kam und mir die Hände auflegte, konnte ich es erst gar nicht fassen. Ich darf leben! Ich konnte wieder sehen. Nicht nur das: Ich darf etwas für meinen Herrn tun. Ein größeres Geschenk hätte mir keiner machen können!“ Petrus hatte die ganze Zeit nur stumm genickt. Jetzt hielt er es nicht mehr aus “Genau so! Genau so ging es mir auch! Ich wollte für Jesus sterben. Als er sagte, dass man ihn töten würde, wollte ich nichts davon wissen. Das wollte ich verhindern! Ich habe mir extra ein Schwert besorgt. Meinem Herrn sollte keiner was antun! Doch dann ging alles so schnell. Sie kamen und nahmen ihn fest. Jesus befahl mir, das Schwert fallen zu lassen. Ich folgte ihnen aus der Ferne. Ich dachte, ich könne ihm noch irgendwie helfen. Irgendetwas müsste doch möglich sein. Doch dann -“ Petrus schluckte schwer „fragten sie mich kurz hintereinander, ob ich ihn kenne. Ich, ich“ stammelte er „sagte nein. Kurze Zeit später krähte der Hahn.“ Paulus sah ihn abwartend an. Jetzt kämpfte Petrus mit den Tränen. „Ich hab’s getan. Ich hab ihn verleugnet. So, wie er es vorausgesagt hat. Als ich ihn dann am Ufer sitzen sah, wollte ich nur zu ihm hin. Ich wollte es ihm erklären, mich bei ihm entschuldigen. Doch er schaute mich nur an, mit diesem Blick. Johannes sagte immer, Jesus habe sanfte Augen. Ich habe ihn damit aufgezogen. Aber jetzt wusste ich, was er damit meinte. Mit diesen sanften Augen schaute er mich an und fragte, ob ich ihn liebe. Paulus, er fragte mich, ob ich ihn liebe. Nach allem, was gewesen ist, fragte er mich! Es ging mir genauso wie dir, Paulus. Es ging mir durch und durch.“ Sie sahen sich eine ganze Weile schweigend an. Zwei Männer, die beide in den Abgrund ihrer Seelen geblickt hatten. Zwei Männer, die genau wussten, wie kostbar Vergebung ist.

Irgendwann drückte Paulus dem Petrus den Stift wieder in die Hand „Na komm du Menschenfischer. Versuch es noch einmal. Tu’s für den Herrn.“ „Für den Herrn tu ich alles!“ Damit begann Petrus zu schreiben. Diesmal klappte es besser: ein Halbkreis mit einem Haken dran. Nun stand auf der Tafel Πετρος.