Begegnung in der Wüste

Photo by Moussa Idrissi on Pexels.com

Es war einst ein Mann, der musste durch die Wüste. Nicht, dass er sich das unbedingt wollte. Er hätte gerne darauf verzichtet.  Er hätte sich auch am Rand der Wüste einrichten können, aber er wusste, dass er da durch musste, wenn er weiterkommen wollte. 

Also bereitete er sich auf den Weg vor, besorgte sich die nötige Ausrüstung und eine Karte und dann ging er los. Er ging mehrere Tage, folgte der Karte und er dachte, dass er sein Ziel bald erreichen würde. Doch dann passierte ihm ein Missgeschick nach dem anderen: sein Schnürsenkel riss, er warf seinen Tee um, der auf die Karte tropfte und damit wurde seine Karte unleserlich und er stieß sich sein Knie auf, nachdem er gestolpert war. So humpelte er missmutig weiter. Alles schien schief zu gehen. Da die Karte unbrauchbar war, machte er aus Versehen einen Umweg und seine Lebensmittel wurden knapp. Hätte er doch sich am Rand der Wüste eingerichtet. So schleppte er sich hin, während es dunkel wurde. Plötzlich sah er neben seinem eigenen Schatten einen weiteren Schatten laufen. Als wäre er nicht allein unterwegs. Vorsichtig schaute er neben sich. Doch da war keiner. “Jetzt werde ich verrückt!” dachte er. Er versuchte sich einzureden, dass er sich das einbildete, doch der Schatten verschwand nicht. Als er stehen blieb, um sich zu orientieren, lief dieser Schatten weiter. Als wüsste er genau, wo es lang geht. Der Wanderer zuckte mit den Schultern. Er würde hier in der Wüste sowieso sterben, kann er könnte er auch einem eingebildeten Schatten folgen. So trabte er dem Schatten hinterher.  

Eines Abends, er hatte sich schon in seine Decke gerollt, spürte er einen starken Wind. Er schreckte hoch, weil er einen Sandsturm vermutete und durch die hektische Bewegung riss er ein Loch in seine Decke. Es war kein Sandsturm, aber seine Decke war kaputt. Nun würde er frieren müssen. Er weinte ein wenig und schlief dann doch ein. 

Am nächsten Morgen erwachte er warm eingepackt in seine Decke. Er untersuchte sie. Doch er fand keinen Riss. Auch in seiner Kleidung war kein Loch zu sehen. Wieder dachte er, dass er wohl sich das nur eingebildet hätte. Also ging er weiter. 

Erst kam er gut voran, doch dann, wie aus heiterem Himmel, kroch die Verzweiflung in ihm hoch. Es fiel ihm auf, dass er diesen eingebildeten Schatten lange nicht mehr gesehen hatte. Da wurde ihm bewusst, was er lange verdrängt hatte: Er war allein!  Allein in der Wüste, ohne Karte und mit inzwischen sehr knappen Lebensmitteln. “Mach dir nichts vor!” dachte er “Du wirst hier sterben!” Dieser Gedanke wurde ihm zur Gewissheit und machte sich in seinem Innern breit. Er blieb stehen, denn es machte für ihn keinen Sinn mehr, weiter zu gehen. Er würde sich hinsetzen und auf seinen Tod warten. Wenigstens hatten die Geier dann etwas zu fressen. Er wollte sich gerade hinsetzen, da sah er im Sand vor sich Spuren. Er fühlte sich bestätigt. Das waren seine Spuren, er hatte sich verlaufen, dachte er. Als er genauer hinschaute, stutzte er. Die Spuren kamen aus einer anderen Richtung, als wäre ihm jemand entgegengekommen, als stände jemand direkt vor ihm. Er blinzelte. Da stand keiner. Doch er folgte ein wenig dieser Spur. Vielleicht gab es eine logische Erklärung, vielleicht führte diese Spur ihn aus der Wüste raus. Sein Lebenswille war wieder erwacht. Er beschloss, dieser Spur weiter zu folgen. So lief er, mit den Augen die Spur suchend, weiter. Irgendwann sah er verschiedene Gräser auf dem Boden. Verwundert schaute er hoch. Er wäre beinahe gegen eine Palme gelaufen. Er hatte eine Oase erreicht. Erleichtert trank er das Wasser und warf sich dann ganz rein. Er plantschte ausgelassen, wie ein Kind. Plötzlich hörte er jemanden hinter sich lachen. Er drehte sich um. Da saß sein Freund, der ihn sein Leben lang schon begleitet hatte. “Endlich bist du da!” sagte er lachend. “Wieso bist du hier?” fragte der Wanderer. “Wo sollte ich sonst sein?” antwortete sein Freund. “Habe ich dich je allein gelassen?” “Nein!” gab der Wanderer zu. “Siehst du, warum sollte ich ausgerechnet jetzt, dich allein lassen?” Da fiel es dem Wanderer wie Schuppen von den Augen: der Schatten, die heile Decke, die Spuren, all das, war sein Freund gewesen, nicht sichtbar, aber doch anwesend. Er hatte sich auf sein Equipment verlassen, auf seine Karte, aber seinen Freund, der immer für ihn da war, hat er nicht ein einziges Mal gefragt, ob er mitkommt. Es sprudelte aus ihm heraus und als er fertig war, bat er seinen Freund um Verzeihung, weil er ihn nicht gefragt hatte. Der nahm ihn nur in den Arm. Da fing der Wanderer an zu weinen, vor Freude und vor Erschöpfung und schlief dann in den Armen des Freundes ein. Es war alles gut. Er würde nicht sterben!  

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück machten sich beide zusammen auf den Weg.  

Nach etlichen Tagen erreichten sie endlich ihr Ziel. Der Wanderer war durch die Wüste gegangen. Als er später an diese Wanderung zurückdachte, wollte er nicht noch einmal durch, aber die Erfahrung wollte er nicht missen. Er hatte verstanden: Selbst in der Wüste war er nicht allein!  

Warum hat mir das keiner gesagt?

Ich beschäftige mich immer noch mit dem Themenkomplex „Freiheit, Gehorsam und dienen“. Also habe ich mir mein Bibellexikon geschnappt und den Artikel “Gehorsam” durchgearbeitet. Der Artikel ließ mich sprachlos zurück. Das kann doch nicht wahr sein! Da bin ich schon so lange Christ, aber das war mir nicht bewusst. “Gott ist Liebe!’ – ja, das wurde in den Gemeinden, in denen ich Mitglied war, hoch und runter gepredigt. Aber dass ich Gott gehorsam zu sein habe, nicht! Ich krame in meinen Erinnerungen. Es gab selten mal eine “Autsch!”- Predigt, also eine Predigt, die weh tat. Aber an eine Predigt, die mir so eindringlich klar machte, dass ich Gott Gehorsam schulde, wie dieser Lexikon-Artikel, kann ich mich nicht erinnern. Ich lese schon länger in der Bibel. Die Bibelstellen, die ich jetzt lese, sind mir nicht bewusst geworden.  

Ich frage jetzt explizit die Prediger von evangelikalen und charismatischen Gemeinden (die anderen kenne ich nicht gut genug): Warum hat mir das keiner gesagt? Wieso hat mir das keiner gepredigt? Gefrustet wie ich war, habe ich gleich eine Freundin angerufen und ihr von meiner Entdeckung erzählt. Sie hat mir von ihrer Erfahrung in der Bibelschule berichtet. Ein Bibelschullehrer hat offen zugegeben, dass nur ein Teil des Evangeliums gepredigt wird.  

Ich bin sauer. Stinksauer! Habt Ihr alle den Arr – ok damenhafter: Seid Ihr alle mit dem Klammerbeutel gepudert oder was ist mit Euch los? Habt Ihr eigentlich eine Ahnung, was Ihr da tut? Kommt mir jetzt nicht mit “Taste nicht den Gesalbten des Herrn an!” an. Eure Forderung, dass eure Schäfchen euch zu gehorchen haben, ist an dem Satz gekoppelt, dass ihr für jedes Mitglied Rechenschaft geben müsst. (Hebräer 13, 17) 

Ihr müsst mir keine Antwort geben. Aber eines Tages werdet Ihr jemand anderen antworten müssen Was wollt Ihr Ihm antworten?  

Ja, Gott kann Krummes wieder geradebiegen.  So sorgt E dafür, dass ich jetzt über die richtigen Bibelstellen “stolpere”. Aber das entbindet Euch nicht von Eurer Verantwortung! 

Wir sind alle Menschen, wir machen alle Fehler. – Das sei Euch zugestanden! Wer aber nicht oder selten über die unbequemen Bibelstellen predigt, weil er Angst hat, dass ihm die Leute aus der Gemeinde laufen, der ist in meinen Augen kein guter Hirte. Ein Hirte läuft, zumindest in Israel, seinen Schafen voran und geht mit ihnen auch mal schwierige und schmale Steige.  

Wie oft werden, zumindest in den Gemeinden, die ich kennengelernt habe, halbe Bibelstellen “weggenuschelt”.: “… müssen alle Dinge zum Besten dienen!” (Römer 8, 28) Doch der komplette Vers lautet: “Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.” – Wenn ich Gott liebe – DANN werden mir alle Dinge zum Besten dienen! 

Ich zeige Ihm meine Liebe, z. B. damit, dass ich Ihm gehorsam bin.  

“…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!” – Es heißt eigentlich “Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.” in Matthäus 11, Verse 29 und 30.  

Ich habe in über 20 Jahren nicht eine Predigt darüber gehört, dass Christen eine Last zu tragen haben, die ihnen von Jesus persönlich zu tragen gegeben wird! Die Ruhe für meine Seele wurde mir erzählt, der Rest wurde “weggenuschelt”. Habt Ihr Prediger eigentlich gedacht, dass das keinem auffällt? Seid Ihr selbst nie darüber gestolpert?    

Jetzt wird mir auch etwas bewusst: Ich kann mich nicht daran erinnern, in einer der freien Gemeinden, in denen ich Mitglied war, zum Bibelstudium angehalten worden zu sein. In der letzten Gemeinde hat der Prediger u. a. darauf Wert gelegt, dass in allen Hauskreisen das gleiche christliche Buch durchgearbeitet wurde. Es waren sicher auch gute Bücher dabei. Aber es war nicht die Bibel selbst. 

Die Bibel ist ein gefährliches Buch! Ein sehr gefährliches Buch! Es gibt zwei wesentliche Gefahren beim Bibellesen: 1. Der Lesende könnte anfangen, den Prediger und/ oder die Gemeindestruktur zu hinterfragen. 2.Der Lesende könnte anfangen, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen! 

Darum geht es im christlichen Glauben: Erkennen, dass Gott mich liebt, um dann aus Liebe zu Ihm, Ihm gehorsam zu sein. Es klingt paradox, aber genau dadurch wird ein Christ zu einem reifen Christen. 

Ein reifer Christ ist aber nicht mehr abhängig von seinem Prediger. Von daher brauche ich jetzt keine Antwort mehr auf meine Frage, warum mir das keiner gesagt hat. Wie geschrieben, Ihr müsst IHM dereinst Rede und Antwort stehen. 

Ich nehme aus meinem Bibelstudium die für mich persönlich sehr wichtige Erkenntnis mit: Ich schulde Gott Gehorsam!  

Amen. 

In die Falle getappt

Kreideflashmob am Ostermorgen „Er ist auferstanden!“

Irgendwie bin ich vor Kurzem in eine Falle getappt. Eine Schulsekretärin hat dafür gesorgt, dass ich einen Impfberechtigungsschein bekomme. Ich habe mich nicht darum gekümmert. Sie fand aber, dass ich als freie Mitarbeiterin nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte habe und ließ diesen Schein für mich ausstellen. Wenige Tage später hatte ich meinen ersten Impftermin. Es lief alles reibungslos ab. Kurze Zeit später saß ich im Beobachtungsraum und wartete darauf, dass ich gehen durfte. Schmunzeln musste ich, als ein Soldat einen Wartenden aufrief und diesen fragte, ob es ihm gut gehe. Die Antwort lautete “Jo, und Ihnen?”  

Zwei Tage später kam dann der Impfstopp von AstraZenica. Seitdem horchte ich in mich hinein: Habe ich Kopfschmerzen? Fühle ich mich irgendwie anders? Ich muss zugeben, dass ich ein wenig mulmiges Gefühl hatte.  

Ich bin in eine Falle getappt. Als meine Pastorin nach dem Gottesdienst verkündete, dass die Impfung unsere einzige Rettung sei, bin ich noch innerlich zusammengezuckt und dachte ‘Huch, ich dachte, unser Retter heißt Jesus?’ 

Jetzt habe ich mich selbst allein auf den Impfstoff verlassen. Dabei ist kein Impfstoff dieser Welt mein Retter. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich eine der sehr seltenen Nebenwirkungen bekomme. Ich halte es auch weiterhin für eine gute Idee, dass ich mich habe impfen lassen. Ich schaue auch, bevor ich über die Straße gehe, nach links und nach rechts. Doch genauso, wie ich nicht verhindern kann, dass im letzten Moment ein Auto um die Ecke geschossen kommt oder ich trotz Impfung noch krank werde, kann ich auch nicht beeinflussen, ob oder welche Nebenwirkungen die Impfung bei mir hat. Ich bin und bleibe in Gottes Hand!  

Genau das macht mich ruhig! Wozu ist mein Glaube sonst gut, wenn er mir nicht bei meinen Ängsten um Gesundheit und Leben hilft? Der Glaube ist doch nicht nur dafür da, damit ich rechtzeitig einen guten Parkplatz bekomme oder damit ich am Sonntagmorgen eine schöne Zeit habe. Genau für diese Sorgen ist er wichtig.  

Ostern ist gerade vorbei. Die Spuren vom Kreideflashmob am Sonntagmorgen mit dem Schriftzug “Er ist auferstanden!” sind vom Schneeregen längst weggespült. Aber es gilt immer noch “Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?“ (Joh. 11,25-26). – Ja, ich glaube es. Das macht Glauben aus – die Hoffnung, die daraus entsteht, dass der Tod seinen Schrecken verloren hat. Da wird die Seele ruhig. Da werde ich ruhig!  Es ist die Gewissheit, dass ich und mein Leben in der Hand dessen liegen, der mich so unendlich liebt, dass er für mich gestorben ist! Einen größeren und besseren Retter kann es nicht geben! Sein Name ist Jesus, der Christus! 

Amen. 

Freiheit

Freiheit ist der Begriff, der gerade am meisten in den Mund genommen wird. Aber, was ist eigentlich Freiheit? Die meisten würden bestätigen, dass es mehr ist, als das Gegenteil von gefangen sein. In Deutschland zergliedern wir die Freiheit u.a. in Presse-  Meinungs- und Reisefreiheit. Aus der Werbung ist der Slogan “Die Freiheit nehm’ ich mir!” bekannt und Westernhagen singt davon, dass die Freiheit wieder abbestellt wurde. 

Ich persönlich halte Freiheit für einen Mythos. Freiheit, zumindest so, wie wir sie uns vorstellen, gibt es nicht. Es mag sein, dass viele in der westlichen Welt physisch nicht gefangen sind, doch wenn man Abhängigkeit mit Unfreiheit definiert, ist jeder Mensch irgendwo unfrei. Es sind “gesellschaftliche Zwänge” oder man ist gefangen in unguten Beziehungen oder eben Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch innerhalb der Gesellschaft wird es immer Grenzen geben, geben müssen. “Jeder macht, was er will!” ist Anarchie.  

So jagen wir also einem Konstrukt hinterher, das es anscheinend nicht wirklich gibt.  

“Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein. “ heißt es in Johannes 8, 36. Es scheint also nicht nur das Konstrukt zu geben, sondern auch eine wirkliche Freiheit. – Was ist diese Freiheit? Wenige Verse vorher sagt Jesus einen anderen Satz, der genauso bekannt ist: “Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!” (Johannes 8, 32) Bevor ich hier jetzt anfange, mit Pilatus zu philosophieren, was denn Wahrheit sei (Johannes 18, 38), nehme ich den Satz Jesu “ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, als nur durch mich!” (Johannes 14, 6), wörtlich. Da bin wieder am Ausgangspunkt: Jesus ist die Wahrheit und er wird mich frei machen.   

Kann ich die Wahrheit vertragen? Kann ich Jesus vertragen? Ich erlebe bei mir immer wieder eine Art Gott-Scheue. Ich weiß, dass Gott mich liebt, ich habe diese Liebe erfahren. Trotzdem merke ich an manchen Tagen, dass es mir schwerfällt, zu Gott zu kommen, zu beten, in der Bibel zu lesen. Es gibt Themen, die ich lieber nicht mit Gott besprechen möchte. Da möchte ich Ihm lieber ausweichen. – “Ihr werdet die Wahrheit erkennen!” – Ich weiß nicht, was im griechischen Original steht. Vielleicht sind damit nicht die vielen Wahrheiten gemeint, das Aufdecken der großen und kleinen (Lebens)Lügen. Vielleicht ist damit die Eine, die große Wahrheit gemeint. Es muss ja eine Wahrheit sein, die jeder erkennen kann. Jesus sprach schließlich nicht zu hoch gelehrten Philosophen.  

Vielleicht ist es schlicht und ergreifend die Wahrheit: “Ich brauche Gott!” – Wenn ich so drüber nachdenke, dann macht dieser Satz frei. Er entmachtet mich! Er entmachtet auch alles andere, was mir wichtig ist oder sich wichtig macht! Ich brauche Gott, weil ich bloß ein Mensch bin, weil ich es nicht alleine schaffe und weil ich ohne Ihn z. B. hilflos einer Regierung ausgeliefert bin, die gerade selbst ziemlich hilflos agiert.  

Ich brauche Gott, weil all’ die guten Vorsätze, all’ die gelobten Besserungen, nicht zu schaffen sind ohne Ihn. Ich brauche Gott, weil es mir schwerfällt, mir selbst auf die Zunge zu beißen, um nicht wieder ungefragt meinen Senf dazuzugeben, um nicht ungeduldig mit den Augen zu rollen, wenn jemand nicht sofort verstanden hat, was ich gerade erklärt habe und um mich nicht zu verteidigen, wenn mich jemand zu Unrecht angreift.  

Mit dem “Ich kann es nicht!” kommt dann das “Ich muss es auch nicht!” in dem Sinne, dass ich es nicht alleine schaffen muss. Es fühlt sich fremd, aber gut an. Einem Gott sich ausliefern, ausgeliefert sein, der die Liebe ist und sich mir im Kreuz Christi selbst hingegeben hat, fühlt sich gut an. 

Es ist eine merkwürdige Freiheit. Sie hat nichts mit den erwähnten Freiheiten zu tun, für die wir notfalls auch kämpfen. Doch bei dieser Freiheit höre ich auf zu kämpfen. Ich merke, wie ich innerlich aufatme, wenn ich drüber nachdenke.  

Ich kann das Thema “Freiheit” nicht in einen Montagsinput reinpressen. Deswegen werde ich die nächsten Wochen mich weiter mit beschäftigen. 

Vielleicht ist es eine gute Idee, im Laufe der Woche sich immer wieder bewusst zu sagen “Ich brauche Gott!” – Mal sehen, was passiert. 

Echt jetzt?

Halbfertige Pralinen

Beim Suchen nach dem Dosenöffner fiel mir die Pralinengabel in die Hand. Da ich gerade nichts zu tun habe, beschließe ich, mal wieder Pralinen zu machen. Also blättere ich im Rezeptebuch und ordere Zutaten. Weil es immer hohe Stückzahlen sind, pro Sorte mindestens 50, frage ich in einem Post alle meine Facebook-Freunde, ob sie welche haben wollen. Diejenigen, die mich persönlich kennen, greifen zu. „Oh ja, bitte!“ und „Für mich auch!“ heißt es in den Kommentaren. Also lege ich los. Es macht mir richtig Freude, die unterschiedlichen Schokomassen brauchen verschiedene Temperaturen und der Rotwein muss geliert werden. Dazu noch das Verpacken, zum Schluss noch eine schöne Schleife. Ich verschicke die ersten Päckchen und frage noch einmal nach via Facebook „Will jemand?“ Zögerlich melden sich jetzt auch einige, die ich nicht persönlich kenne „Echt jetzt? Darf ich kosten?“, „Was willst du dafür?“ Nichts! Was soll ich dafür wollen? Ich habe Langeweile und versuche, irgendwas „Sinnvolles“ zu tun.

Irgendwie bin ich ein wenig überrascht. Was ist denn an der Frage „Will jemand Pralinen?“ nicht zu verstehen? Es macht mir doch Freude. Warum sollte ich die Pralinen alleine essen?

Da fällt mir etwas auf: Vielleicht geht es Gott genauso? Vielleicht ist es auch so mit seinem Angebot. Seine Gnade ist kostenfrei, wir dürfen seine Erlösung annehmen, ohne Gegenleistung. Doch wir scheuen uns, das Angebot anzunehmen. Echt jetzt? Darf ich wirklich?

Vielleicht ist die Antwort dann auch „Aber natürlich. Es macht mir doch Freude. Warum soll ich die Freude des Paradieses alleine haben?“ Woran liegt es, dass viele Menschen dieses Angebot ablehnen? Vielleicht daran, dass viele Gott nicht persönlich kennen.

Diejenigen, die zuerst bei meinem Angebot zugegriffen haben, kennen mich. Sie wussten, dass ich das ernst meine. „Das macht sie wirklich! Da darf ich einfach zugreifen!“ dachten sie wohl.

Wieso stellen wir den Menschen Gott nicht als liebenden Gott vor? Warum sehen sie oft genug an uns Christen, dass dieser Gott wohl ein liebloser, vielleicht ein strafender Gott ist? Aber vielleicht haben wir Ihn selbst noch nicht richtig verstanden?

Welche Gottesbilder haben wir selbst? Glauben wir selbst an einen liebenden Gott? Oder ist da doch noch ganz tief verankert, dass Gott jede Sünde sofort abstraft oder zumindest notiert, um später „zuzuschlagen“? Müssten wir, die wir Gott schon kennen, es nicht besser wissen? Müssten wir nicht, trotz aller Krisen, vor Freude strahlend und singend durch den Tag gehen? Warum benehmen wir uns oft genug genauso, wie die nicht gläubigen Menschen? Genauso ängstlich?

Mich stört diese von den Medien propagierte Ängstlichkeit inzwischen sehr. Ja, ich habe Verantwortung gegenüber anderen und sollte auch nicht leichtfertig mein Leben und meine Gesundheit aufs Spiel setzen. Aber ich glaube doch daran, dass ich mit meinem Jesus die Ewigkeit verbringen werde. Nicht falsch verstehen, ich liebe mein Leben und habe noch ein paar Dinge auf meiner Löffelliste, die ich gern noch erleben möchte, aber die Hoffnung auf das Paradies trägt mich. Es wird eine Zeit kommen, in der alles, was mir jetzt zu schaffen macht, mich aufregt, nicht mehr gültig sein wird. All die großen und kleinen Kämpfe, mein zerbrechlicher Körper wird alles vergangen sein und ich werde in Gottes Gegenwart leben! Wie herrlich!

Darauf darf ich hoffen, weil ich erfahren habe, dass Gott sein Angebot ernst meint. Da darf ich zugreifen.

Es ist also an der Zeit, sich auf den Weg zu machen und Gott noch besser kennenzulernen. Denn nur, wenn ich ihn gut kenne, kann ich anderen das Bild vom liebenden Gott vermitteln.

Amen.

Gefunden

Rose im Garten

Heute ist mir etwas aufgefallen. Ich blättere in meinen Notizen. Da stosse ich auf folgende Zeilen:

Er streichelte die Rose, küsste ihre Dornen.

als sie seine blutigen Lippen sah,

ließ sie ihre Dornen fallen, blühte und duftete für ihn.

Ich weiß, warum ich diese Zeilen schrieb.

Dann fiel mir plötzlich ein Gedicht von Goethe ein:

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen
Da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Es gibt zwei gängige Interpretationen. Erstens, es ist ein Gedicht über die Rücksichtslosigkeit in der Natur. Zweitens, es ist ein Gedicht in Erinnerung an das erste Treffen mit seiner Frau Christiane.

Mir ist eine dritte Möglichkeit eingefallen. Mehrere Dinge machten mich stutzig: Das Blümchen steht im Schatten. Wenn das Blümchen ein Sinnbild für seine Frau ist, dann ist doch die Frage, ob sie denn, nachdem Goethe sie geheiratet hat, wirklich aus dem Schatten herausgetreten ist. Wenn man den Schatten auf ihre geselschaftliche Stellung bezieht, dann ja. Bezieht es sich auf das eigene Ausleben, dann dürfte sie aus dem Schatten des großen Goethe nicht raus gekommen sein.

Das andere ist „der stille Ort“. War es am und im Hause Goethe in Weimar wirklich so still? Natürlich verlocken die ersten Verse gerade zu dieser simplen Interpretation. Zwei links, zwei rechts, fertig! Aber ein Satz, der mir ein Künstler mal gesagt hatte, kam wieder in Erinnerung: „Goethe war Mystiker!“ Für mich war das neu. Mir ist er in der Schule als Aufklärer, als klassischer Dichter vorgestellt worden.

Hier meine, vielleicht gewagte, Interpretation: Vielleicht meint er das Gedicht in zwei Richtungen: die bekannte, dass das Blümchen seine Frau ist und die Variante, dass er das Blümchen ist. Das Blümchen, das im Schatten von Gott gefunden wurde, aus der schlechten Erde ausgegraben, in den Garten d. h. das Paradies wieder eingesetzt wurde.

Vielleicht ist es an den Haaren herbei gezogen. Zugegeben, es ist nicht durchgehend stimmig. Aber warum sollte der Dichter nur eine Interpretation gemeint haben?

Unabhängig davon, ist es die Erfahrung, die ich gemacht habe: im Schatten stehend, von Gott gefunden und in Seinem Garten wieder eingepflanzt worden. Dort kann ich nun wurzeln und reifen. Gott gegenüber kann ich meine Dornen fallen lassen. Es ist die Erkenntnis, dass ich Gott wirklich vertrauen kann.

Diese Erfahrung, dieses tiefe innere Wissen, dass du von Gott gefunden wurdest, wünsche ich jedem!

Clubhouse

Im Moment ist ja Clubhouse angesagt. Wenn ich das richtig verstanden habe, brauche ich dafür ein I-Phone und eine Einladung und dann kann ich mit den Großen dieser Welt diskutieren. Also ziemlich elitär. 

Was wäre, wenn der christliche Glaube ähnlich elitär wäre? Was, wenn jeder, der an Christus glauben möchte, erst eine persönliche Einladung braucht, die er aber nur von bestimmten Predigern, Pastoren oder Priestern bekommt? 

Der christliche Glaube wäre plötzlich attraktiv. Warum aber ist der Glaube so unattraktiv? Sind es “nur” die Skandale, die Intoleranz, das Streben nach Macht und Geld und das konfessionsübergreifend? 

Ich denke, erschwerend kommt hinzu, dass es eine “Jedermannsreligion” ist. Jeder darf kommen. Die Armen, die Kleinen, die Ausgestoßenen, die Kranken… Da ist jemand aus dem Mittelstand mit gesichertem Einkommen doch schnell dabei, zwar zu helfen, aber nicht dabei zu sein. Ach die armen Nutten, die bemitleidenswerten Hartz IV-Empfänger. Ich schenke Kaffee ein, setze mich vielleicht noch dazu, aber selbst brauche ich Gott nicht. Nein danke, ich komme ganz gut ohne klar.  

Es ist genau das, was mir wieder und wieder klar wird, je länger ich über Gott nachdenke: Ich bin bedürftig! Ich brauche Heilung! Ich brauche Gott! 

Ich war, so dachte ich, über 20 Jahre Christ. Seit über 20 Jahren dachte ich, dass ich Gott diene. Gott hat doch mit mir einen guten Fang gemacht. Aber als ich stark verletzt war und spürte, dass ich wieder und wieder von Menschen verletzt werde, merkte ich, dass ich vorsichtig wurde. Ich stellte Gott und seine Liebe infrage und zog mich von Gemeinden zurück. Stattdessen genoss ich es, sonntags auszuschlafen. Ich merkte, dass ich anfing zu verbittern und ich begann zickig um mich zu schlagen. Meine Zunge kann schnell und spitz sein. 

Doch wusste ich keine Lösung. Ich hatte das Gefühl, dass ich keinem, der mir helfen könnte, vertrauen kann. Wer verraten wurde, bleibt in Deckung.  

Als ich dann langsam und vorsichtig wieder vertrauen konnte, hat Gott mich mit seiner Liebe überrascht. Langsam, ganz langsam habe ich verstanden, dass er es gut mit mir meint. Auch wenn es immer noch Momente gibt, in denen ich meine Verletzungen stark spüre oder Reflexreaktionen, ähnlich, wie jemand, der noch humpelt, obwohl das Bein nicht mehr weh tut. Dann spüre ich meine Bedürftigkeit Gott gegenüber, dann spüre ich, dass ich ihn brauche. 

“Zeit heilt alle Wunden!” – Nein, Gott heilt! Manchmal brauche ich Geduld mit mir selber. Weil mir bewusst wird, dass ich doch noch nicht allen Menschen wieder traue: Christen ja, Freikirchler nein! Ich weiß, dass es bestimmte Phrasen gibt, die mich innerlich abschalten lassen. Sollte irgendein Prediger, Leiter auf die Idee kommen, dass wir einander “Schön, dass du da bist!” sagen sollen, war es der letzte Gottesdienst in dieser Gemeinde für mich! 

Ich darf noch verletzt sein. Ich darf wahrnehmen, dass ich noch offene Wunden habe. Ich weiß doch selbst aus meiner aktiven Zeit als Krankenschwester, wie lange manchmal eine Wunde gebraucht hat, bis sie völlig verheilt ist. Sie heilt nicht gleichzeitig komplett zu. Sie wird immer kleiner, bis dann endlich nur noch ein kleines Pflaster aufgeklebt wird, das dann später auch noch wegfällt. 

Mit meinen noch nicht ganz verheilten Wunden darf ich zu Gott kommen. Bedürftig wie ich bin. Kind, wie ich ihm gegenüber bin. Mein Kommen zu Gott ist nicht das Folgen einer elitären Einladung, sondern das erbarmungswürdige Kommen von jemanden, der Hilfe braucht. Ich brauche einen Retter, weil ich gerettet werden muss.  

Nein, es gibt keine Einladung ins “Churchhouse”. Aber es gibt eine Einladung von einem unglaublich barmherzigen und liebenden Gott, sich von ihm helfen zu lassen. Es ist das Versprechen: ”Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” (Matthäus 7,7) 

Amen.  

Lieber mutloser Freund,

du sagst, dass es keinen Grund zur Hoffnung gibt, dass die Zahlen gerade stagnieren, dass die Virus – Mutationen sich ausbreiten, dass der Lockdown wohl doch noch verlängert wird, dass die Regierung ja doch macht, was sie will, dass du dieser ständigen Einschränkungen müde bist, dass du dich gerade schwach fühlst , du aber gerne stark sein möchtest, dass du dich aber fühlst, als ständest du nackt in der Dunkelheit und du nicht mehr glauben kannst.

All das, ist vielleicht die Realität, aber nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass Jesus der Herr der Herren ist, dass Er regiert und Er durchaus quasi über Nacht jeden Kanzler, Präsidenten, Diktator und Monarchen dieser Welt stürzen und neue Regierungen einsetzen kann.

Die Wahrheit ist, dass es immer einen Grund zur Hoffnung gibt, weil Jesus für dich, für uns gestorben ist.

Die Wahrheit ist, dass Gott dich bedingungslos und überwältigend liebt.

Die Wahrheit ist, dass alles, was wir jetzt erleiden, nicht ins Gewicht fallen wird, „gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ ( Römer 8,18)

Die Wahrheit ist, dass Jesus das Licht der Welt ist (Johannes 8,12) und dass dieses Licht nicht von der Dunkelheit überwunden werden kann. (Johannes 1, 5)
Wenn Christus in dir lebt (Galater 2,20), dann kann weder deine innere noch deine äußere Dunkelheit dich überwinden. Das ist die Wahrheit!

Es ist vielleicht nicht das, was du siehst oder fühlst, aber es ist die Wahrheit!

Denn Christus selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14, 6) und Er, also die Wahrheit wird dich frei machen! (Johannes 8, 32)

Du magst dich gerade schwach fühlen, klein und hilflos – aber ist es nicht genau das, was du in Gottes Augen sein sollst? – „… Wenn ihr nicht …werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen!“ (Matth. 18, 3) – Was müssen wir denn stark sein? Ist es nicht so, dass ein Kind klein und hilflos ist, abhängig von seinem Vater ist? Gott ist ein liebevoller Vater, der „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“ (Jeremia 29,11) über uns hat.

Er ist der Gott, der dich bei deinem Namen gerufen hat ( Jesaja 43,1), der dir alle deine Tränen abwischen wird (Offenbarung 21,4) und Er, der dich behütet, schläft und schlummert nicht! (Psalm 121, 3 und 4).

Diesen barmherzigen Gott darfst du Vater nennen! Du darfst klein und schwach sein, weil Seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. (2. Kor. 12, 9)

Du darfst selbst dann zu Ihm kommen, wenn du meinst, dass du keinen Glauben mehr hast und Ihn bitten, dir Glauben zu schenken.

„Ich glaube, hilf‘ meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24) Mehr braucht es nicht!

So gib nicht auf! Hörst du? Du hast deinen Gott schon erlebt, du hast erlebt, dass Er dir geholfen hat, dich wieder aufgerichtet hat. Er wird es wieder tun. Du weißt, dass es so ist und du weißt, dass diese Krise einen Sinn hat, auch, wenn du das heute noch nicht siehst.

Der Friede Gottes hülle dich ein wie einen Mantel, durchtränke dich, wie Wasser einen Schwamm und mache dich ruhig, wie ein gerade gestilltes Kind.


Deine Schwester im Glauben

Hoffnung in Schmerzen

Ich denke gerade an Vieles, was ich mal erlebt habe. So auch an die kurze Zeit, in der ich für einen christlichen Fernsehsender gearbeitet habe.

Es war mein erster Beitrag, den ich recherchiert habe. Meine Kollegin und ich fuhren ins Erzgebirge, vor Ort wartete der Kameramann schon auf uns. Wir bauten auf, besprachen ein paar Details und dann begann ich mit dem Interview.

Es ging um eine Frau, die an der Schmerzkrankheit litt. Sie erzählte, dass sie seit 20 Jahren täglich Schmerzen hat. Sie könne mit dem Filzstift die Nervenbahnen nachzeichnen. Ihr Glaube hat sehr darunter gelitten. In einer Klinik schließlich wurde ihr geholfen und sie konnte dann auch wieder an Gott glauben.

Wir saßen in ihrer Wohnung. Ein paar Fragen wollte ich noch stellen, dann Abbau und nach Hause. Alles ganz locker.

Dann kam er, der Satz, der mich heute noch staunen lässt: „Lieber möchte ich meine Schmerzen behalten, als Jesus noch einmal zu verlieren!“ – Mein Kameramann war Profi. Er setzte nicht die Kamera ab und schwenkte auch nicht zu mir rüber. Mit großen Augen fragte ich noch einmal nach. Doch, das meint sie so. Genau so! – Was für eine Kraft hat der christliche Glaube, dass Menschen so etwas sagen können? Was ist es, was Menschen dazu bringt, ihre Perspektive zu ändern?

Was bringt Menschen dazu, Mut und Hoffnung zu verbreiten, obwohl es ihnen selbst körperlich schlecht geht?

Wie kann es sein, dass Menschen etwas tun, obwohl sie genau wissen, dass es ihnen einen Shitstorm einbringen kann, weil es ihnen wichtiger ist, anderen zu helfen?

Dann sitze ich staunend davor und denke „Das hat sie gerade nicht gesagt!“ oder „Das hat er gerade nicht getan!“

Es gibt nur eine mögliche Antwort: Sie tun bzw. sagen es, weil sie Gottes Liebe erfahren haben. Es ist eine Liebe, die trägt. Sie reicht aus.

Sie reicht aus, wenn sämtliche Facebook-Sprüche versagen, gutgemeintes Schulterklopfen von Freunden nicht mehr trägt, wenn es unsinnig scheint, noch Hoffnung zu haben.

Es ist eine persönliche Erfahrung mit demliebenden Gott.

Es ist die Erfahrung, die Hiob dazu bringt zu sagen „Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!“ (Hiob 42,5)

Diese Erfahrung wünsche ich jedem von uns! – Amen.

Sich lieben lassen

Photo by Pixabay on Pexels.com

Ich bin noch dran am Themenkomplex Gehorsam, dienen und Hingabe. Das muss ich noch für mich klären. Immer wieder fällt mir auf, dass sich etwas innerlich in mir sträubt. Wenn ich mich Gott ausliefere, dann bin ich ihm ausgeliefert. Das fühlt sich nicht gut an.

Aber vielleicht gehe ich es falsch an. Vielleicht sollte ich nicht danach fragen, ob ich bereit bin, Gott gegenüber gehorsam zu sein. Vielleicht sollte ich zuerst bereit sein, mich von ihm lieben zu lassen. Doch wie fange ich das an?

Je nachdem wie viele kirchliche Trauungen man schon mitgemacht hat, kennt man die Verse von 1. Korinther 13, 4 bis 7 mehr oder weniger gut auswendig: „Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“

 Oft wird nur betont, dass es die Messlatte ist, die jeder Gläubige erreichen sollte. Aber was, wenn wir, wenn ich Empfänger dieser Liebe bin? Habe ich solche Liebe schon erlebt? Kann ich sie annehmen?

Was wäre, wenn mir jemand begegnen würde, der mich so behandelt? Der mich nimmt, wie ich bin, bei dem ich keine Angst haben muss, dass derjenige mich fallen lässt, wenn ich mich mal daneben benehme. Jemand, der mich beschenkt, mir Komplimente macht. Jemand, der auch dann noch da ist, wenn ich versagt habe bzw. den ich gar nicht enttäuschen kann, weil er mich genau kennt.

Ich habe schon einige Menschen kennengelernt. Menschen, von denen ich anfangs dachte, dass sie es gut mit mir meinen. Erst im Laufe der Zeit kamen Bemerkungen, bei denen ich mich innerlich fragte, ob meine Annahme stimmt und meist kam kurze Zeit später der „Paukenschlag“, also eine Situation, in der ich deutlich merkte, dass derjenige mich bloß ausnutzt oder einfach mit mir angeben möchte.

Nach solchen Erfahrungen würde ich einem solchen Menschen, der mich einfach nur liebt, skeptisch gegenüber sein.

Was aber, wenn Gott mich genau so liebt? Was, wenn bei ihm kein Paukenschlag kommt?

Wenn ich darüber nachdenke, was Gott für mich getan hat, komme ich oft an einen Punkt, an dem ich nicht weiterkomme. Das ist mir zu groß! Dann kommt nur noch ein geflüstertes „Danke!“ und oft genug gehe ich dann vor Gott auf die Knie.

Es bleibt mir nur, seine Liebe anzunehmen, mich von ihm lieben zu lassen. So lasse ich mich beschenken. Ich suche und finde in Alltäglichkeiten die Spuren seiner Liebe. Sie nehme ich als „Brotkrumen“, um den Weg zu ihm zu finden. Schritt für Schritt mich auf ihn und Menschen einlassen. Immer dran denkend, dass das nicht nur Gefahren, sondern auch immer Überraschungen birgt.

Umso leichter es mir fällt, seine Liebe anzunehmen, umso besser kann ich seinen Willen tun. Wer weiß, vielleicht sträubt sich eines Tages nichts mehr in mir? Das werde ich rausfinden.

Amen.