An meinen Täter!

Vor einigen Wochen sind wir uns begegnet. Du hast neben mir eingeparkt und bist dann ausgestiegen. Eine ganze Weile standest du da und hast mich beobachtet. Zum Glück habe ich dich nicht gleich erkannt. Ich habe mein Auto weiter aufgeräumt und dich einfach stehen lassen. Dann gingst du weiter.

Erst später wurde mir bewusst, dass du es warst. In einem Bundesland, in dem man höchstens ein „Moin“ für Fremde übrig hat, bleibt man nicht einfach minutenlang stehen, um den anderen zu beobachten. Was hast du erwartet? Dass ich dich anspreche, um dir endlich meine Meinung zu geigen? Dass ich mich entschuldige, für Dinge die du mir angetan hast? Dass ich auf dich losgehe und dir damit einen Grund liefere, mich anzuzeigen? Dass ich mich an dir räche?

Meine Rache ist, dass ich lebe! Ich habe nicht nur deine Attacken überlebt, ich lebe! Ich muss dir nichts beweisen, dich nicht mit irgendwas eifersüchtig machen. Ich lebe! Ich lebe, sogar besser als vorher. Denn ich habe gelernt. Ich habe gelernt, dass ich mir selbst vertrauen kann. Dass ich stark bin! Dass ich sehr wohl etwas bewegen kann. Dass ich dich nicht um Erlaubnis fragen muss, um etwas zu bewegen.

Du hast versucht, mich innerhalb der Gemeinde zu isolieren. Das ist dir gelungen. Aber was dir nicht gelungen ist: mich von meinen Freunden zu isolieren, die ich außerhalb der Gemeinde hatte und habe. Das hast du übersehen! Schlecht gespielt, nicht zu Ende gedacht und deswegen verloren!

Du hast aber auch etwas Wesentliches übersehen: Gott! Was du nicht wusstest: Ich habe vor Jahren mit Gott einen Deal gemacht: ‚Gott, sorge bitte dafür, dass ich dir nie verloren gehe!‘ Ich selbst habe es vergessen, du hast es nicht gewusst, aber Gott hat sich daran gehalten! Er hat eingegriffen, Er hat dafür gesorgt, dass ich Ihm nicht verloren gehe! Er hat meine Füße  wieder auf einen Felsen gestellt. Er hat dafür gesorgt, dass mir Menschen über den Weg laufen, die mir helfen, dass ich wieder glauben kann, tiefer als vorher!

Deswegen gilt mein Dank, Gott! Deswegen freue ich mich über Ihn und erhebe ich Seinen Namen! Er ist mein Glück! Ihm juble ich zu! Er hat mich aus den Schlingen meines Täters gerettet, dafür gesorgt, dass ich nicht zu Fall gekommen bin! Meine Wunden hat Er geheilt und wird Er weiter heilen! Er ist mein Herr! Ihn bete ich an! Nur Er kann mir das sein, was Er für mich ist! Menschen können nicht Seine Stelle ersetzen! Er ist großartig! Er sorgt für Gerechtigkeit! Mein Lob und Dank gilt Ihm allein! Was meine Gegner mir genommen haben, gibt Er  tausendfach wieder! Bei Ihm kommt mein Herz zur Ruhe!

Mein Herr und mein Gott, ich gehöre dir!

Amen.

„… von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter!“ (Lukas 1, 48)

Fot: privat, Rjiksmuseum Amsterdam

(Werbung wegen Titelnennung)

Eigentlich wollte ich zu Ostern etwas schreiben. Doch ich war krank. Dann dachte ich, ich könnte einfach mal weiter machen mit Vers 49 – fällt ja nicht auf! Aber mir fällt es auf, dass ich mich als evangelische Christin um genau den Teilvers drücken möchte, der meine eigene Überzeugung hinterfragt. Dieser Vers wird oft begründet, warum zu Maria gebetet werden kann.

Erfahrungsgemäß komme ich über kurz oder lang auf dasselbe Problem zurück, also kann ich auch gleich mich damit beschäftigen.

Bekanntlich kann man Denk-Prozesse nur gewinnen! Also los: Was steht hier genau?

Wenn ich in meiner Studienbibel nachlese, dann finde ich bei „glücklich preisen“ den Hinweis, dass hier das griechische Verb μακαρίζα – makariza steht. Es kann übersetzt werden mit „als von Gott erfüllt und gesegnet und damit völlig zufrieden“.

Maria war also „von Gott erfüllt und gesegnet und damit völlig zufrieden“. Es muss für sie ein erhebender Moment gewesen sein. Nachdem sie diese besondere Gottes-Berührung erlebt hat und anschließend von ihrer Verwandten bestätigt bekommen hat, dass das kein Traum oder Einbildung war, konnte sie nur Gott anbeten.

Was ist dieser Frau nur passiert? Kann jemand auch nur im Ansatz begreifen, was für ein besonderes Vorrecht Maria hatte? Als Charismatikerin habe ich schon Einiges erlebt. „Im Geist ruhen“ oder „im Geist lachen“ habe ich schon erfahren. Auch habe ich mich ein wenig mit Mystikerinnen beschäftigt z. B. Theresa von Avila oder Mechthild von Magdeburg. Aber, schwanger vom Heiligen Geist? Das ist eine ganz andere Hausnummer! Maria hat ohne Frage die höchste Berufung erfahren. Es wird darüber diskutiert, ob sie ihr Leben lang Jungfrau geblieben ist. Dogmatiker suchen nach Beweisen und Gegenbeweisen. Aber wurde in all den Diskussionen einmal drüber nachgedacht, ob Maria überhaupt noch die Ehe mit Josef vollziehen konnte bzw. wollte? Sie wurde vom Heiligen Geist überschattet. Wie immer man sich das vorstellen kann, es war ein heiliges Erlebnis. Kann es nicht einfach sein, dass sie dermaßen davon beeindruckt war, dass jede sexuell konnotierte Intimität ein fader Abklatsch war?

In der heutigen Zeit vergessen wir, dass Sex wesentlich mehr ist, als Vergnügen, Entspannung usw., sondern ein sich verschenken und hingeben. Das bedeutet, dass beide Partner sehr viel Vertrauen ineinander investieren. – gut, das ist heute oft nicht so. Aber ursprünglich war das so gemeint.

Im Wikipedia-Artikel wird „heilig“ mit „einer Sphäre des Göttlichen, Vollkommenen oder Absoluten angehörig“ übersetzt. Wenn man aber bei Maria von einer Hingabe sprechen kann („Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!“ – Lukas 1, 38), dann ist sie in diesem Sinne heilig. Ich kenne mich mit Marien-Dogmen nicht aus, es klingt aber einleuchtend, dass bis heute Maria, „als von Gott erfüllt und gesegnet und damit völlig zufrieden“ angesehen wird.

Spannend an den Absatz über μακαρίζα – makariza, finde ich den Verweis auf μακάριος – makarios. Dieses Wort findet sich in den Seligpreisungen. Jesus preist glückselig: die geistlich Armen, die Trauernden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit hungernden, die Barmherzigen und die, die reinen Herzens sind (Matthäus 5, 2 -11)  Jesus betet nicht zu den Sanftmütigen, den Barmherzigen und nach Gerechtigkeit dürstenden. Er sagt, dass sie diejenigen sind, die „völlige Zufriedenheit“ besitzen.

Makarios dagegen ist jmd., den Gott nicht durch günstige Umstände glücklich macht, sondern auf Zeit und Ewigkeit völlig zufriedengestellt, indem er durch Christus und den Heiligen Geist in ihm Wohnung nimmt und ihn in seine ewige Gemeinschaft aufnimmt. Makarios zu sein bedeutet, zum Reich Gottes zu gehören, das auch sichtbar werden wird. …Deshalb bezeichnet makarios den Zustand, in dem man zwar noch in der Welt, aber  von ihr unabhängig ist; man ist ganz von Gott abhängig, der schon jetzt und dann einmal endgültig allen Mangel ausfüllt, und nicht von den Umständen.“ ( Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel und Handkonkordanz⁸, SCM R. Brockhaus, Dillenburg, 20212., Artikel zu „μακάριος – makarios“)

Wenn ich also jemanden glückselig preise, dann bete ich ihn nicht an. Dann sage ich damit nur, dass er völlige Zufriedenheit besitzt. Ich sehe in Lukas 1,48 nicht die Aufforderung, zu Maria zu beten.

Aber: Ich kann und darf anerkennen, dass sie eine ganz besondere Berufung hatte. In früheren Inputs habe ich geschrieben, dass sie mit Mose und Jesaja in eine Reihe zu sehen ist. Ich denke, sie ist außerhalb einer Reihe zu stellen. Ihre Berufung ist einfach nur einmalig. Das bringt ja diese Berufung mit sich.

Ja, Maria ist glückselig zu preisen. Man kann nicht genug anerkennen, was sie für uns Menschen getan hat. Doch steht sie nicht mit Gott auf einer Stufe. Jesus hat die Menschheit erlöst und eine Frau hat ihn geboren. Das klingt absurd und wäre allein einen Input wert. Aber vielleicht hat all die Unterdrückung von uns Frauen ihre Wurzel genau in diesem Glaubenssatz: eine Frau hat den Sohn Gottes auf diese Welt gebracht. Mose war Leiter seines Volkes, Jesaja sein Prophet, aber Maria hat ihre Berufung durch ihr Mutter werden und sein erfüllt.

Paulus hat Adam und Jesus miteinander verglichen und Händel hat es vertont: „Since by man came death,by man came also the resurrection of the dead“( „Kam durch einen Tod, so kam durch Einen die Auferstehung vom Tod“,  Händel, The Messiah – Na toll, jetzt habe ich einen Ohrwurm.)  Aber man kann auch Eva mit Maria vergleichen! – Wer jetzt aus Evas Sündenfall einen Grund für die Unterdrückung der Frau basteln möchte, dem sei gesagt: Eva war einer Macht, dem Satan selbst ausgesetzt! Adam hat noch nicht einmal seiner eigenen Frau standgehalten!

Während Eva durch ihren Ungehorsam der Menschheit die Trennung von Gott brachte, bringt Maria mit ihrem Gehorsam die Voraussetzung für die Versöhnung mit Gott!

Amen.   

„die Niedrigkeit seiner Magd“

Weiter geht es mit dem Magnificat. Der dritte Vers lautet „Dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter!“ (Lukas 1, 48)

Maria ist noch nicht fertig mit freuen. Jetzt kommt erstmal die Begründung. Dabei fällt mir direkt ein Wort auf „die Niedrigkeit“. In der Luther, der Einheitsübersetzung, der Zürcher  ist es die Niedrigkeit, während die Neue Genfer Übersetzung  es mit eine „geringe und unbedeutende Frau“ übersetzt. In der Elberfelder Studienbibel steht allerdings, dass im griechischen Original das Wort Ταπείνωσιϛ – tapeinosis zu lesen ist. Das bedeutet Demütigung oder eben Demut, Niedrigkeit.

An dem Wort „Demut“ knabbere ich noch rum. Ist nicht wirklich ein modernes Wort. Klingt nicht nach Erfolg, Effizienz und anderen modernen Worten. Worten, an denen du heute in der Gesellschaft gemessen wirst. Keiner fragt dich heute, ob du dich auch ja in Demut übst, dich selbst erniedrigst oder ob du heute schon dein Kreuz auf dich genommen hast. Wir leben in einer Zeit, in der die Kreuzverse sehr selten in Predigten vorkommen und in denen „ das Kreuz täglich auf sich nehmen“ mit „ sein Päckchen tragen“ verwechselt wird.

Zurück zur Demut. Ich tappe immer wieder in die „Eigentlich-bin-ich-ganz-toll“-Falle. Nachdem ich mir viele Jahre anhören musste, dass ich die kleine Dumme bin, man mir sowieso nichts zutraun kann usw., merke ich, dass es auch andere Menschen gibt, die mir durchaus etwas zutrauen. Manche geben mir ein Feedback, das überhaupt nicht zu den Einschätzungen meiner Kindheit passt. Habe ich mir lange nur wenig zugetraut, muss ich heute aufpassen, dass ich mich nicht für allzu genial halte. (Also nur ein bisschen genial! 😉

Dann ist es ganz gut, dass mich Gott immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Er zeigt mir manchmal meine innersten Gedanken, über die ich dann ganz erschrocken bin. Oder etwas gelingt mir nicht und ich bin dringend auf die Hilfe anderer angewiesen. Das ist die Gefahr, wenn man sich in der „bürgerlichen Mitte“ befindet: Schnell bin ich dabei, mich auf mich selbst zu verlassen. Wenn ein HartzIV-Empfänger Zeugnis gibt, dann sind das oft diese Geschichten, dass am Ende des Monats Geld fehlte 47,11 € und genau 47,11 € waren dann plötzlich im Briefkasten, obwohl es keiner wusste! Oder die Bekehrungsgeschichten von Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind: alkoholabhängig oder drogensüchtig oder als Prostituierte gearbeitet und dann Gott kennengelernt. Jetzt schon mehrere Jahre clean und einen ehrenhaften Beruf gelernt. Als Bürgerlicher bleibt man gern außen vor, bleibt bequem im Sessel sitzen: Ja, ja, wie gut, dass Gott ihn/ sie erreicht hat. Er/ sie braucht Gott – aber ich doch nicht!

Und dann kam Corona: Seitdem ich mitbekommen habe, dass die Regierung ihre eigenen Versprechen nicht einhält – und es spielt für mich keine Rolle mehr, ob die alte oder neue, seitdem fühle ich mich unsicher. Die Regierung hat mein vollstes Misstrauen! Obwohl in der DDR aufgewachsen, habe ich mich noch nie einer Regierung so ausgeliefert gefühlt, wie der Merkel- und Scholz-Regierung. In Bezug auf Pandemie und Ukraine-Krieg habe ich nicht das Gefühl, dass es der Regierung darum geht, dass es dem Volk gut geht. Im Gegenteil, ich vermute viel mehr, dass „die da oben“ doch machen, was sie wollen. Machtgier und Gewinnmaximierung scheinen ihre einzige Motivation zu sein. Man könnte ihnen auch den berühmten Satz, den man Marie Antoinette zu Unrecht in den Mund geschoben hat, unterstellen: „Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es Kuchen essen!“ – Plötzlich fühle ich mich ausgeliefert, ganz klein und machtlos. Plötzlich brauche ich Gott, werde mir meiner Niedrigkeit bewusst. Meine eigene Macht reicht nicht aus. Ich fühle mich erbärmlich – erbarmungs-würdig in Gottes Augen!

Während ich einem Herrn Scholz egal bin, er weiß ja nichts von meiner Existenz, sieht Gott mich an. So, wie er Maria angesehen hat: επιβλέπω – epiblepo = blicken auf, sehen auf mit Wohlwollen, sich kümmern um, sich annehmen, von

Auf einmal hören die Sorgen auf. Gott ist größer als der Gesundheitsminister, als der Bundeskanzler und erst recht größer als Putin!

Gott schaut mich an, trotz meiner schlimmen innersten Gedanken, mein mich Überschätzen und mein mich hilflos und ausgeliefert Fühlens.

Darum preise ich ihn! Ich bin dankbar! Ich bin nicht Menschen ausgeliefert, solange ich mich meinem liebenden Gott ausliefere! Darum juble ich! Magnificat anima mea dominum!

Amen.

„und mein Geist freut sich über Gott meinen Retter,“ (Lukas 1, 47)

Heute geht es weiter mit dem Magnificat. Im vorigen Vers war von der Seele die Rede, in diesem jubelt der Geist.

Hier ein kleiner Exkurs: So ziemlich jeder bejaht inzwischen, dass der Mensch aus wenigstens zwei Teilen besteht: aus dem Körper und der Seele. Sie wird als Mischung aus Gefühlen, Intuition und Gedanken definiert und stellt den unsterblichen Teil des Menschen dar. Der dritte Bestandteil ist der Geist, oft synonym mit Verstand übersetzt. Allgemein kann man sagen, das Rationale.

Also freut sich nicht nur die Seele, die Gefühlsebene, es jubelt auch die Verstandesebene. Mooment, jetzt mal langsam: dass Maria erleichtert ist, weil die Ankündigung des Engels sich als wahr erwiesen hat, ist klar. Aber der Verstand dürfte da gerade Überstunden gemacht haben! Da passiert etwas, was mit dem Verstand nicht fassbar ist! Gott greift ein! Seit Generationen warten die Juden auf den Messias. Die Römer waren  zu dem Zeitpunkt nur das Ende einer langen Reihe von Unterdrückern und Angreifern. Die Römer konnten einfach mal bestimmen, Gesetze schnell mal ändern, jemanden zwingen mit ihm eine Meile zu gehen usw. Da war die Sehnsucht nach einem Messias sicher groß. Aber jeder, der einigermaßen klar bei Verstand war, hat sicherlich nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet, in der irgendwie in mystischer Weise, der Heilige Geist involviert war.

Doch war es genau so! Die Verstandesebene freut sich auch. Worüber genau? „Gott meinen Retter!“ Gott, dass war Maria  wohl klar in diesem Moment, hat sie persönlich vor der Steinigung wegen Untreue gerettet. Jetzt, nachdem Elisabeth ihr bestätigt hat, dass das Kind, was sie Maria, erwartet, „der Sohn des Höchsten“ (Lukas 1,32) ist, weiß sie, dass sie Gott an ihrer Seite hat. Sie muss da nicht alleine durch. Gott ist wirklich da, hat sie wirklich berufen. Auch hat sie jetzt einen Menschen an ihrer Seite, der ihr helfen kann. Elisabeth ist selbst schwanger und hat selbst Gottes Eingreifen erfahren. Ich sehe förmlich vor mir, wie die beiden Frauen in den nächsten Wochen die Köpfe zusammenstecken und über „Frauendinge“ reden, sich gegenseitig ermutigen und Gott gemeinsam loben – und Zacharias sitzt stumm daneben.

So fürsorglich ist Gott. Er gibt manchen Menschen große Berufungen, aber gleichzeitig gibt er diesen auch Menschen an ihre Seite. Mose hatte seinen Bruder Aaron und Maria ihre Verwandte Elisabeth. Gott bürdet keinem etwas auf, was er nicht tragen kann.

Gott lässt nicht im Stich, Gott rettet. Jesus hat mich gerettet, indem er für mich am Kreuz gestorben ist. Das ist nicht mit dem Verstand fassbar. Da muss er sich rantasten. Aber wenn er erst verstanden hat, was diese Rettung bedeutet, nämlich nichts Geringeres, als ein Weiterleben nach dem Tod, dann kann selbst der Geist sich freuen.

Amen.

„Meine Seele erhebt den Herrn,…“ (Lukas 1, 46)

Ab heute möchte ich mich mit dem Magnificat – Marias Lobgesang beschäftigen. Der Text ist komplett konträr. Erstens, er steht kurz vor der Weihnachtsgeschichte „Es begab sich aber zu einer Zeit… „ (Lukas 2,1) Auch dauert es noch ein wenig bis zum 2. Juli, dem Fest der Heimsuchung.

Zweitens scheint er überhaupt nicht zu den aktuellen Ereignissen zu passen. „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“ (Psalm 23,1) würde doch viel mehr trösten oder Psalm 91, 1 „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, der bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen…“

Warum also jetzt die Betrachtung dieses Lobgesangs?

Gegenfrage: Wann ist ein guter Zeitpunkt, Gott zu loben? Wenn es allen gut geht, die Pandemie und der Krieg vorbei ist, die psychischen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie überwunden, das Land wieder aufblüht, sämtliche Konzerte und Events nachgeholt und selbst alle Krankheiten verheilt sind? – Wenn es danach ginge, wäre es nie ein guter Zeitpunkt, Gott zu loben.

Es ist immer genau die richtige Zeit, Gott zu loben.

Oft wird in Bibeln 1. Samuel 2, 1ff als Parallelstelle angesehen. Schon, als ich mich mit Maria beschäftigte, habe ich angemerkt, dass ich hier keine Parallele sehe. Hanna hatte eine Not, sie hat Gott um ein Kind gebeten. Bei Maria war das anders. Sie war verlobt und ihre kleine Welt war in Ordnung. Alles lief nach Plan und dann kam plötzlich der Engel, der ihr offenbarte, dass sie schwanger werden würde, vom Heiligen Geist und dieses Kind der Sohn Gottes genannt wird. (Lukas 1, 35). Das war keine Gebetserhörung, das war etwas ganz Neues. Das war etwas Un-Erhörtes!

Als sie dann ihre Verwandte Elisabet aufsuchte, war sie bereits schwanger. Vielleicht hatte sie mit Zweifeln zu kämpfen. Vielleicht dachte sie, dass sie sich das alles eingebildet hat. – Und dann bestätigt ihr Elisabet genau das, ohne es eigentlich wissen zu können. Dass ihre Freude groß ist, ist allzu verständlich. sie fängt an, Gott zu loben. Fast greifbar ist ihre Erleichterung.

Maria lobte Gott, weil ihr das, was ihr von ihm gesagt wurde, bestätigt wurde. Das große Wunder, das irgendwie bis heute unglaublich wäre, wenn es nicht längst eingetroffen wäre.

Sie lobt Ihn, bevor Christus am Kreuz gestorben ist, bevor sie eins der Wunder, eine Heilung miterlebt hat, die ihr Sohn vollbringen wird, ja, bevor er überhaupt geboren wurde.

Wieviel mehr haben wir Grund, Gott zu loben und ihn anzubeten? Wieviel mehr müssten wir, müsste ich ihm danken?

Ich kann und darf die Erlösung Christi in Anspruch nehmen. In meinem Leben bin ich schon oft bewahrt worden und ich habe alle Sinne beisammen. Das allein sind schon Gründe genug, Gott zu loben.

Dann gibt es noch einen wesentlichen Grund, warum ich das tun sollte. Gott braucht mein Lob nicht. Er weiß, dass er gut ist. Aber ich brauche es. Es gibt einen oft zitierten Spruch: „Loben zieht nach oben. Danken hilft vor Wanken!“ Indem ich drüber nachdenke, wofür ich Gott loben kann, fallen mir viele persönliche Erlebnisse ein, bei denen er helfend eingegriffen hat. Im Nachhinein macht plötzlich manch schwere Situation Sinn. Dann wird mir bewusst, dass Gott mich, auch in schweren Zeiten nicht allein gelassen hat und ich mit seiner Hilfe schon so manche Krise gemeistert habe.

Deswegen kann ich, ausgerechnet oder gerade jetzt mit Maria sagen „Meine Seele erhebt den Herrn!“

Amen.

Meine lieben katholischen Geschwister,

ich bin bestürzt über den Inhalt des Gutachtens. Es bedrückt mich sehr. Mir geht es gerade nicht darum, darüber zu urteilen, ob die Motivation der Handelnden richtig oder falsch war, was man hätte anders machen können und ob das Zölibat nun endlich abgeschafft werden sollte. Das alles ist nicht meine Aufgabe.

Ihr sollt einfach nur wissen, dass ich auch traurig darüber bin. Ganz einfach deswegen, weil ich Euch als meine Geschwister ansehe. Paulus schreibt „Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit;…“ (1. Korinther 12, 26) So geht es mir gerade: Ich leide mit Euch mit! Ich kann mir gut vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man Dinge erfährt, die man vielleicht irgendwie ahnte, aber doch nicht wahrhaben wollte. Ich weiß, wie es ist, wenn gefühlt alles nicht mehr wahr ist und man plötzlich vor einem Scherbenhaufen steht.

Ich selbst habe geistlichen Missbrauch in einer Freikirche erlebt. Ich war deswegen vor wenigen Jahren kurz davor, meinen Glauben an Gott zu verlieren. Einige von Euch, liebe Geschwister, haben dafür gesorgt, dass ich den Glauben NICHT verloren habe. Dafür bin ich sehr sehr dankbar. Nicht alle von denjenigen kenne ich persönlich. Bei manchen war es einfach nur die Ausstrahlung, dieses „Wow- Gefühl“. Noch bis heute bewundere ich so manchen von Euch wegen seiner/ ihrer Innigkeit im Glauben. Manche von Euch kenne ich persönlich und sie begleiten bzw. begleiteten mich auf eine sanfte und mutmachende Weise.

Ich habe es erlebt, dass geistliche Leiter ihre Macht missbrauchen. Das, wie geschrieben, in einer Freikirche. Auch wurde mir anschließend nicht geglaubt. Keine Konfession ist davor gefeit, dass ihre geistlichen Leiter ihre Macht missbrauchen. Deswegen hat keiner das Recht, auf Euch mit dem Finger zu zeigen. Ihr, die Ihr unermüdlich Euch einsetzt für Eure Kirche. Die Ihr ehrenamtlich Kinderkirche, Seniorenkreis und Jugendgruppe leitet, Stühle hin- und wegstellt, Kuchen backt und vorlest ( und all die anderen Dinge tut, die oft als selbstverständlich angesehen werden). Ihr sorgt dafür, dass all das Gute und Erhaltenswerte in der Kirche läuft. Ihr seid  NICHT diejenigen, die missbraucht oder vertuscht haben. Deswegen tut es mir weh, dass Ihr jetzt bei Vielen mit auf der Anklagebank sitzt. „Die Kirche“ heißt es oft, oder „Die Katholiken“! Euch geschieht gerade großes Unrecht! Das tut mir auch weh.

Anfangs habe ich mich auch geärgert, wenn ich vereinzelt Relativierungen gelesen habe, wie „Das waren damals andere Zeiten!“ oder „Die Kirche musste stark sein gegen den Ostblock!“ Doch jetzt habe ich verstanden, dass es wohl eine Form des nicht-Wahr-Haben-Wollens ist. Ähnlich wie, wenn der Arzt, der berichtet, dass der geliebte Angehörige die OP nicht überstanden hat, beschuldigt wird, die Patienten-Akte vertauscht zu haben.

Liebe Geschwister, bitte tretet aus der Kirche nicht aus, und wenn schon geschehen, tretet bitte wieder ein. Die Kirche braucht Euch jetzt. Seht Ihr denn nicht, wieviel Gutes die Kirche trotz allem bietet? Wisst Ihr denn nicht, welche  nicht-materiellen Schätze Eure Kirche birgt? Ich habe die Kontemplation und die christliche Mystik für mich entdeckt. Es hilft mir, zur Ruhe zu kommen und mich neu auf Gott auszurichten. Ich bewundere, dass Ihr regelmäßig Euer Stundengebet betet. Es bringt Euch eine Tagesstruktur, um die ich manchmal sehr ringen muss. Manchmal fällt es mir schwer, Gott in rechter Weise anzubeten. Da nutze ich gern das Stundengebet. Ich mag Therese von Lisieux sehr. Sie inspiriert mich auf meinem Glaubensweg. Hätte die katholische Kirche nicht ihre Schriften und ihr Andenken bewahrt, gäbe es wohl höchstens ein paar Abhandlungen mit psychologischen Fragestellungen über sie.  

Vor allem: Verliert nicht den Glauben an Gott! Menschen können Euch im Stich lassen, Gott tut es nicht! Er weiß, wie es Euch gerade geht! Ihr fühlt Euch vielleicht jetzt hilflos, aber Er hilft! Er geht mit Euch durch diese Krise. Ich bin mir sicher, dass Er Euch wieder aufhelfen und trösten wird. Denn: „Das geknickte Rohr wir d er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen;… (Jesaja 42, 3)

Ich bete für Euch. Ich wünsche Euch, dass Ihr wieder bzw. weiter Trost und Hoffnung in Gott und im Glauben findet, Ihr bald aus dieser Krise rausfindet und hoffe, dass Ihr es schafft, mutig zu sagen „Ich glaube trotzdem an Gottes großartige Liebe!“

Vielleicht lässt sich das Zusammenbrechen von alten Strukturen nicht verhindern und vielleicht stellt sich später raus, dass es notwendig war, auch wenn es schmerzhaft war/ ist. Aber eins ist gewiss: Gott ist immer noch größer als unser Schmerz und unsere Hilflosigkeit.

Zum Schluss noch etwas aus dem kleinen  Schatzkästchen des Evangelischen Gesangbuches: Es ist ein Zitat aus dem Lied „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt: „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“ Darauf dürfen wir vertrauen.

Gott segne Euch!

                                                             Es grüßt Eure Schwester im Glauben

Ulrike

 

„Ich wäre dir gefolgt, mein König!“

Silvester lief nicht so, wie geplant. Ursprünglich wollte ich mit Freunden feiern. Doch dann kam etwas dazwischen und ich verbrachte die Nacht allein im Haus meiner Eltern. Ich hatte den „Herrn der Ringe“ mit – die extended edition selbstverständlich und die Speisekammer meiner Eltern war gut gefüllt. Es gibt Schlimmeres!

Ein Satz aus dem ersten Teil hallt immer noch in mir nach. Der sterbende Boromir richtet seine letzten Worte an Aragorn „Ich wäre dir gefolgt, mein Hauptmann, mein König!“ Um das zu verstehen, muss man ein wenig vorspulen. Bei einer Versammlung, in der beraten wird, wie man weiter vorgeht, wird Aragorn, von einem Elben (So werden in Tolkiens Universum die Elfen genannt.) als der Thronerbe Gondors vorgestellt. „Du schuldest ihm Gehorsam!“ Darauf antwortet Boromir „Gondor hat keinen König, Gondor braucht keinen König!“

Jetzt, im Sterben erkennt Boromir Aragorn als König an. Klar, nur eine Szene aus einem Fantasy-Film, hat nichts mit dem realen Leben zu tun! Wirklich?

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich selbst gesagt „Ich habe keinen König, ich brauche keinen König!“ Dann begann ich, die Liebe, mit der mich Gott liebt, zu verstehen. Obwohl es kaum mit dem Verstand zu verstehen ist! Immer mehr begreife ich, wie sehr ich einen König brauche. Keinen König dieser Welt. Keinen Menschen, der sich schnell irrt. Ich brauche einen König, der den Überblick hat! Es ist ein barmherziger König! Für Ihn bin ich nicht nur ein Untertan, sondern Braut. Wow, die Geliebte des Königs! Also wenn ich an Filme alá „Drei Musketiere“ denke, dann hatte die Braut des Königs eine Menge zu sagen! – Das nur am Rande.

Christus ist mein König! Doch es gibt etwas, was mich am oben erwähnten Filmzitat stört: „Ich wäre dir gefolgt, mein König!“ Es wäre traurig, wenn ich am Ende meines Lebens sagen müsste „Ich wäre dir gefolgt, mein König!“ Ich wäre dir gefolgt, wenn ich meine Zweifel beiseite geschoben hätte. Ich wäre dir gefolgt, wenn es mir nicht so wichtig gewesen wäre, was andere über mich denken. Ich wäre dir gefolgt, wenn mir nicht mein Smartphone, meine Arbeit, meine Freunde wichtiger gewesen wären.

Was wäre, wenn wäre nicht wäre? Was hält mich ab? Was hält dich ab?

Das neue Jahr ist zwar schon ein paar Tage alt, aber noch jung genug, um all die vorgeschobenen Gründe – und nichts anderes als vorgeschoben sind sie – an das Kreuz zu geben und endlich damit anzufangen, klar und deutlich auszusprechen: „Ich folge dir, mein König!“ und dann das genau zu tun!

Kommst du mit?

Gottes Führung

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Der letzte Tag vor Weihnachten war ereignisreich für mich. Beim Dusche trocken wischen bin ich ausgerutscht und habe meinen Arm überstreckt. Kurze Zeit später wurde mir vom Arzt in der Notaufnahme bescheinigt, dass nichts gebrochen oder ausgekugelt ist und wieder nach Hause geschickt. Durch den Zeitverlust bin ich erst abends losgekommen. Die Autobahn war inzwischen glatt geworden und ich brauchte die doppelte Zeit. Aber schließlich kam ich in der Heimat an. Zwischendurch habe ich schon überlegt, ob es wirklich eine gute Idee war, dass ich noch am selben Tag gefahren bin.

Am nächsten Tag las mein Vater, dass es bereits vormittags schwere Unfälle gegeben hat, genau auf meiner Fahrstrecke. Nun war ich froh, dass ich doch am Vorabend gefahren bin.

Als ich drüber nachdachte, wann ich wieder arbeiten muss, fiel mir auf, dass ich im Januar nur wenig zu tun habe. Die Kurse haben teilweise schon geendet und die Neuen fangen erst mit dem nächsten Halbjahr an. D. h. ich kann meinen Arm noch ein wenig schonen.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.“ heißt es in Römer 8, 28. Ich weiß nicht, warum ich mir den Arm gezerrt habe und ich dadurch diese anstrengende Fahrt hatte. Aber ich sehe Gottes Führung darin, dass es jetzt passiert ist. Nicht mittendrin in der Hektik, sondern nach meinem letzten Arbeitstag.  

Schon beim Weihnachtslieder singen fiel mir plötzlich ein anderes Lied ein: „So nimm denn meine Hände“. Es wird oft auf Beerdigungen gesungen. Doch das scheint mir ein Missverständnis zu sein. Ich kann doch nicht erst nach meinem Tod damit beginnen, Gott zu vertrauen. Nein, ich möchte es jetzt schon tun. Ich möchte Ihm vertrauen, Ihm nachfolgen.

Deswegen möchte ich auch keinen üblichen Jahresrückblick geben. Vielmehr möchte ich nach vorne blicken. Ich brauchte viel Vertrauen im vergehenden Jahr, doch im nächsten Jahr möchte ich dieses Vertrauen noch vertiefen. Ich möchte mich an Gott hängen, darauf vertrauen, dass Er es gut mit mir meint. Ich weiß nicht, was kommt, wie lange wir noch mit Corona zu tun haben, ob die neue Regierung auch hält, was sie verspricht, ob mein erster Arbeitstag wirklich Mitte Januar ist und nicht erst Mitte März wie in diesem Jahr usw.

Aber der großartige Gott, der sich so klein gemacht hat, dass Er in eine Krippe hineinpasste, Er weiß es. Er liebt mich, möchte mein Bestes. Regierungen, Regeln und Krankheiten kommen und gehen, aber mein Gott bleibt an meiner Seite!

Deswegen habe ich Hoffnung! Deswegen blicke ich neugierig, aber ruhig in die Zukunft!

So sei das Lied, mit dem ich in das neue Jahr empfange und das mich sicher noch in diesem begleiten wird, dieses, wenn auch für den Jahresanfang untypische Lied:

„So nimm denn meine Hände
Und führe mich
Bis an mein selig Ende
Und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen,
Nicht einen Schritt;
Wo du wirst gehn und stehen,
Da nimm mich mit.“ (Julie Hausmann)

Ich wünsche Euch, dass Ihr gut ins und durch das Neue Jahr kommt, dass Ihr Gott so vertrauen könnt, wie es dieses Lied ausdrückt!

Ein merkwürdiger Trost?

Im Moment übe ich für meinen Chor einzelne Stücke z. B. „Wie lieblich ist der Boten Schritt“ aus dem Messias. Ich habe eine Notenausgabe, in der beide Sprachfassungen, die deutsche und die englische übereinander stehen: „ How beautyful are the feet of Him that bringeth glad tidings,of salvation, that saith unto Zion, Thy God reigneth! – Wie lieblich ist der Boten Schritt, sie bringen frohe Kunde, künden von Erlösung und sagen zu Zion: Dein Gott waltet!“

Während ich versuche die richtige Textverteilung und Aussprache zu erfassen, stutze ich plötzlich – Warum soll die Nachricht, dass Gott regiert, eine gute Nachricht sein? Das ist doch bloß eine Feststellung und kein Trost! Da fällt mir etwas auf: Seit fast 2 Jahren sind die Pandemie-Regeln der bestehenden Regierung, kaum noch nachvollziehbar. Anfangs war es die R-Zahl, die als wichtig postuliert wurde und merkwürdigerweise seit geraumer Zeit kaum erwähnt wird. Dann wurden Inzidenzen als Maßstab gesetzt und deren Grenzwerte wurden, anscheinend nach Belieben hoch oder runter gesetzt, dann war davon die Rede, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird, inzwischen wird ein dritter erwogen, danach wurde uns versprochen, dass, wenn wir geimpft sind, die Regeln entfallen, weil ja die Impfung unsere „einzige Rettung“ ist, später wurde 3G, später 2G eingeführt und jetzt schwebt uns 2G+ d. h. selbst die Geimpften sollen einen PCR-Test machen, wie ein Damokles-Schwert über uns. Viel Geschnatter und wenig Erfolg. Kontinuität und Vertrauenswürdigkeit – Fehlanzeige!

Wie wohltuend ist dagegen der Gedanke, dass Gott regiert! Auf Gott ist Verlass! Er ändert nicht seine Meinung und bleibt sich selbst treu! Er beruft schwache Menschen und setzt diese Berufung auch durch diese und trotz ihnen um. Er steht zu seinen Versprechen. „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit!“ heißt es in Hebräer 13, 8. Der Psalmbeter schreibt „Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, und all sein Tun ist Treue.“ (Psalm 33,4)  Gott sagt durch den Propheten Jesaja „…genau so soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe!“ (Jesaja 55, 11)

Gott ist ein Gott, der sich nicht ändert! Politiker, die ihre Versprechen nicht halten, ungerechte Fürsten und Könige gab es schon immer. Ja, das hat Gott zugelassen. Aber er hat noch immer eingegriffen, wenn diese Machthaber sich zu sehr erhoben haben. Er hat Pharao ertrinken lassen, Daniel aus der Löwengrube und die drei Männer aus dem Feuerofen gerettet. Der König Xerxes erließ ein neues Dekret, das die Juden schützte und Kyros der Große sorgte dafür, dass die Juden nach Jerusalem zurückkehren durften. Man könnte Gottes Handeln dabei anzweifeln, aber es fällt auf, dass es regelmäßig nach dem gleichen Muster abläuft: die Pläne von Herrschern werden, wenn sie eine bestimmte Grenze überschreiten, vereitelt.

Gestern erst erzählte mir eine Freundin, dass der Sturm auf das Kapitol wohl eigentlich von Trump als Putsch geplant war. Darauf sagte ich „Wir fragen oft, warum Gott etwas zugelassen hat, aber ich möchte lieber nicht wissen, was er NICHT zugelassen hat!“

Wenn ich so drüber nachdenke, dann ist das Wissen darum, dass Gott regiert, doch ein starker Trost! So kann ich mich und mein Gefühl, dass ich einer Regierung, die selbst keine Ahnung von der Pandemie hat, ausgeliefert bin, in Gottes Hand legen. Er weiß, was ich brauche. Das macht mich ruhig.

Amen.

Ist Gott ein schlechter Personaler?


Ist Gott etwa ein schlechter Personaler?
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Es gibt in freikirchlichen Kreisen einen Satz, der insgeheim zum Dogma erhoben wurde: „Gott beruft nicht die Begabten, sondern er begabt die Berufenen!“- Dieser Satz macht mich sauer. Ich habe erlebt, wie er von einem Leiter manipulativ missbraucht wurde. Dieser Pastor hatte nichts anderes zu tun, als m. E. ungeeignete Mitglieder, die aber ihm nach dem Mund redeten, in Leitungspositionen einzusetzen. Dagegen wurde z. B. ein IT-Fachmann nicht in die Gruppe eingeladen, die für die Erstellung der Webseite zuständig war. Ab davon, dass dieser Satz schnell manipulativ eingesetzt wird, er ist schlicht und ergreifend falsch!

Wir bekommen alles von Gott! Auch unsere Begabungen. Wenn also unsere Begabungen von Gott kommen, warum sollte er uns dann nicht auch berufen? Warum sollte er uns Begabungen geben, wenn es nichts gibt, wofür wir sie einsetzen können? Sind denn nicht nur unsere Fähigkeiten, sondern unser ganzes Sein dafür da, dass wir das für Ihn zur Ehre einsetzen? Nehmen wir Mose. Wäre er nicht an Pharaos Hof aufgewachsen und hätte er nicht dort die damals übliche Bildung genossen, hätte er niemals das Volk leiten können. Genauso Josef: kein Ägypter wäre auf die Idee gekommen, ihn, den Ausländer, als Vorstand des Haushalts einzusetzen, wenn er nicht eine gewisse Cleverness an den Tag gelegt hätte. Außerdem muss er eine hohe Sprachkompetenz gehabt haben, denn normalerweise lernten Schreiber die Schrift von Kindesbeinen an. Weiter: Paulus war Pharisäer d. h. er war gebildet, war es gewohnt in der Öffentlichkeit zu reden und kannte die jüdischen Gesetze in- und auswendig. Auch hier gab es zunächst die Begabung, dann die Berufung. Was allen erwähnten Personen fehlte, war die Demut, die Gott sie auf sehr unterschiedliche Weise lehrte. Sie waren entweder von sich selbst oder von ihrer bereits ausgesprochenen Berufung sehr eingenommen.

Hinzu kommt, dass dieser Satz Gott in einem falschen Licht darstellt. Es klingt, als wäre er ein schlechter Personaler. Ein Personaler also, der nicht die vorhandenen Potentiale der Mitarbeiter nutzt, sondern allein auf Schulung bzw. Fortbildung setzt. Das gäbe ein großes Chaos!

Außerdem steckt ein gefährliches Gottesbild dahinter! Es ist das Gottesbild, dass unbewusst in vielen Köpfen steckt: „Weil Gott Gott ist, kann er mich jederzeit als Missionar nach Timbuktu berufen und dort werde ich einen qualvollen Märtyrertod sterben! Das alles nur, weil Gott mich liebt!“ – Nein! Warum sollte er das tun?

Ich habe es vor einiger Zeit mitbekommen, wie jemand die Berufung von Gott verspürte, nach Griechenland zu gehen. Derjenige hatte schon als Jugendlicher Gruppen mit Griechen geleitet. Er liebte da schon ihre Art zu denken und hatte einen guten Draht zu ihnen. Von einer Missionarin, die wirklich nach Afrika gegangen ist, las ich, dass sie, seitdem sie Christ geworden ist, den Wunsch hegte, nach Afrika zu gehen. Ich habe noch andere Berufungsgeschichten gehört, aber immer brachte die Berufung eine Saite im Menschen zum Klingen. Auch bei meiner persönlichen Berufung habe ich das Gefühl, dass Gott mir vor der Geburt schon Begabungen gegeben hat, die ich jetzt für seine Berufung nutzen kann. Auch bei mir sind von dem ersten Gefühl „Ich bin für etwas berufen!“ bis hin zur konkreten Aufgabe etliche Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hat Gott an meinem Charakter gearbeitet. Vielleicht irgendwann mehr davon.

Ich habe vor einiger Zeit einen ähnlichen Satz von Karl Barth gelesen: „Gott begabt nicht, ohne zu berufen – und er beruft nicht, ohne zu begaben.“

Diesen Satz unterschreibe ich gern! So macht es Sinn mit der Begabung und der Berufung!

Amen.