Gefunden

Rose im Garten

Heute ist mir etwas aufgefallen. Ich blättere in meinen Notizen. Da stosse ich auf folgende Zeilen:

Er streichelte die Rose, küsste ihre Dornen.

als sie seine blutigen Lippen sah,

ließ sie ihre Dornen fallen, blühte und duftete für ihn.

Ich weiß, warum ich diese Zeilen schrieb.

Dann fiel mir plötzlich ein Gedicht von Goethe ein:

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen
Da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Es gibt zwei gängige Interpretationen. Erstens, es ist ein Gedicht über die Rücksichtslosigkeit in der Natur. Zweitens, es ist ein Gedicht in Erinnerung an das erste Treffen mit seiner Frau Christiane.

Mir ist eine dritte Möglichkeit eingefallen. Mehrere Dinge machten mich stutzig: Das Blümchen steht im Schatten. Wenn das Blümchen ein Sinnbild für seine Frau ist, dann ist doch die Frage, ob sie denn, nachdem Goethe sie geheiratet hat, wirklich aus dem Schatten herausgetreten ist. Wenn man den Schatten auf ihre geselschaftliche Stellung bezieht, dann ja. Bezieht es sich auf das eigene Ausleben, dann dürfte sie aus dem Schatten des großen Goethe nicht raus gekommen sein.

Das andere ist „der stille Ort“. War es am und im Hause Goethe in Weimar wirklich so still? Natürlich verlocken die ersten Verse gerade zu dieser simplen Interpretation. Zwei links, zwei rechts, fertig! Aber ein Satz, der mir ein Künstler mal gesagt hatte, kam wieder in Erinnerung: „Goethe war Mystiker!“ Für mich war das neu. Mir ist er in der Schule als Aufklärer, als klassischer Dichter vorgestellt worden.

Hier meine, vielleicht gewagte, Interpretation: Vielleicht meint er das Gedicht in zwei Richtungen: die bekannte, dass das Blümchen seine Frau ist und die Variante, dass er das Blümchen ist. Das Blümchen, das im Schatten von Gott gefunden wurde, aus der schlechten Erde ausgegraben, in den Garten d. h. das Paradies wieder eingesetzt wurde.

Vielleicht ist es an den Haaren herbei gezogen. Zugegeben, es ist nicht durchgehend stimmig. Aber warum sollte der Dichter nur eine Interpretation gemeint haben?

Unabhängig davon, ist es die Erfahrung, die ich gemacht habe: im Schatten stehend, von Gott gefunden und in Seinem Garten wieder eingepflanzt worden. Dort kann ich nun wurzeln und reifen. Gott gegenüber kann ich meine Dornen fallen lassen. Es ist die Erkenntnis, dass ich Gott wirklich vertrauen kann.

Diese Erfahrung, dieses tiefe innere Wissen, dass du von Gott gefunden wurdest, wünsche ich jedem!

Clubhouse

Im Moment ist ja Clubhouse angesagt. Wenn ich das richtig verstanden habe, brauche ich dafür ein I-Phone und eine Einladung und dann kann ich mit den Großen dieser Welt diskutieren. Also ziemlich elitär. 

Was wäre, wenn der christliche Glaube ähnlich elitär wäre? Was, wenn jeder, der an Christus glauben möchte, erst eine persönliche Einladung braucht, die er aber nur von bestimmten Predigern, Pastoren oder Priestern bekommt? 

Der christliche Glaube wäre plötzlich attraktiv. Warum aber ist der Glaube so unattraktiv? Sind es “nur” die Skandale, die Intoleranz, das Streben nach Macht und Geld und das konfessionsübergreifend? 

Ich denke, erschwerend kommt hinzu, dass es eine “Jedermannsreligion” ist. Jeder darf kommen. Die Armen, die Kleinen, die Ausgestoßenen, die Kranken… Da ist jemand aus dem Mittelstand mit gesichertem Einkommen doch schnell dabei, zwar zu helfen, aber nicht dabei zu sein. Ach die armen Nutten, die bemitleidenswerten Hartz IV-Empfänger. Ich schenke Kaffee ein, setze mich vielleicht noch dazu, aber selbst brauche ich Gott nicht. Nein danke, ich komme ganz gut ohne klar.  

Es ist genau das, was mir wieder und wieder klar wird, je länger ich über Gott nachdenke: Ich bin bedürftig! Ich brauche Heilung! Ich brauche Gott! 

Ich war, so dachte ich, über 20 Jahre Christ. Seit über 20 Jahren dachte ich, dass ich Gott diene. Gott hat doch mit mir einen guten Fang gemacht. Aber als ich stark verletzt war und spürte, dass ich wieder und wieder von Menschen verletzt werde, merkte ich, dass ich vorsichtig wurde. Ich stellte Gott und seine Liebe infrage und zog mich von Gemeinden zurück. Stattdessen genoss ich es, sonntags auszuschlafen. Ich merkte, dass ich anfing zu verbittern und ich begann zickig um mich zu schlagen. Meine Zunge kann schnell und spitz sein. 

Doch wusste ich keine Lösung. Ich hatte das Gefühl, dass ich keinem, der mir helfen könnte, vertrauen kann. Wer verraten wurde, bleibt in Deckung.  

Als ich dann langsam und vorsichtig wieder vertrauen konnte, hat Gott mich mit seiner Liebe überrascht. Langsam, ganz langsam habe ich verstanden, dass er es gut mit mir meint. Auch wenn es immer noch Momente gibt, in denen ich meine Verletzungen stark spüre oder Reflexreaktionen, ähnlich, wie jemand, der noch humpelt, obwohl das Bein nicht mehr weh tut. Dann spüre ich meine Bedürftigkeit Gott gegenüber, dann spüre ich, dass ich ihn brauche. 

“Zeit heilt alle Wunden!” – Nein, Gott heilt! Manchmal brauche ich Geduld mit mir selber. Weil mir bewusst wird, dass ich doch noch nicht allen Menschen wieder traue: Christen ja, Freikirchler nein! Ich weiß, dass es bestimmte Phrasen gibt, die mich innerlich abschalten lassen. Sollte irgendein Prediger, Leiter auf die Idee kommen, dass wir einander “Schön, dass du da bist!” sagen sollen, war es der letzte Gottesdienst in dieser Gemeinde für mich! 

Ich darf noch verletzt sein. Ich darf wahrnehmen, dass ich noch offene Wunden habe. Ich weiß doch selbst aus meiner aktiven Zeit als Krankenschwester, wie lange manchmal eine Wunde gebraucht hat, bis sie völlig verheilt ist. Sie heilt nicht gleichzeitig komplett zu. Sie wird immer kleiner, bis dann endlich nur noch ein kleines Pflaster aufgeklebt wird, das dann später auch noch wegfällt. 

Mit meinen noch nicht ganz verheilten Wunden darf ich zu Gott kommen. Bedürftig wie ich bin. Kind, wie ich ihm gegenüber bin. Mein Kommen zu Gott ist nicht das Folgen einer elitären Einladung, sondern das erbarmungswürdige Kommen von jemanden, der Hilfe braucht. Ich brauche einen Retter, weil ich gerettet werden muss.  

Nein, es gibt keine Einladung ins “Churchhouse”. Aber es gibt eine Einladung von einem unglaublich barmherzigen und liebenden Gott, sich von ihm helfen zu lassen. Es ist das Versprechen: ”Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” (Matthäus 7,7) 

Amen.  

Lieber mutloser Freund,

du sagst, dass es keinen Grund zur Hoffnung gibt, dass die Zahlen gerade stagnieren, dass die Virus – Mutationen sich ausbreiten, dass der Lockdown wohl doch noch verlängert wird, dass die Regierung ja doch macht, was sie will, dass du dieser ständigen Einschränkungen müde bist, dass du dich gerade schwach fühlst , du aber gerne stark sein möchtest, dass du dich aber fühlst, als ständest du nackt in der Dunkelheit und du nicht mehr glauben kannst.

All das, ist vielleicht die Realität, aber nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass Jesus der Herr der Herren ist, dass Er regiert und Er durchaus quasi über Nacht jeden Kanzler, Präsidenten, Diktator und Monarchen dieser Welt stürzen und neue Regierungen einsetzen kann.

Die Wahrheit ist, dass es immer einen Grund zur Hoffnung gibt, weil Jesus für dich, für uns gestorben ist.

Die Wahrheit ist, dass Gott dich bedingungslos und überwältigend liebt.

Die Wahrheit ist, dass alles, was wir jetzt erleiden, nicht ins Gewicht fallen wird, „gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ ( Römer 8,18)

Die Wahrheit ist, dass Jesus das Licht der Welt ist (Johannes 8,12) und dass dieses Licht nicht von der Dunkelheit überwunden werden kann. (Johannes 1, 5)
Wenn Christus in dir lebt (Galater 2,20), dann kann weder deine innere noch deine äußere Dunkelheit dich überwinden. Das ist die Wahrheit!

Es ist vielleicht nicht das, was du siehst oder fühlst, aber es ist die Wahrheit!

Denn Christus selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14, 6) und Er, also die Wahrheit wird dich frei machen! (Johannes 8, 32)

Du magst dich gerade schwach fühlen, klein und hilflos – aber ist es nicht genau das, was du in Gottes Augen sein sollst? – „… Wenn ihr nicht …werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen!“ (Matth. 18, 3) – Was müssen wir denn stark sein? Ist es nicht so, dass ein Kind klein und hilflos ist, abhängig von seinem Vater ist? Gott ist ein liebevoller Vater, der „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“ (Jeremia 29,11) über uns hat.

Er ist der Gott, der dich bei deinem Namen gerufen hat ( Jesaja 43,1), der dir alle deine Tränen abwischen wird (Offenbarung 21,4) und Er, der dich behütet, schläft und schlummert nicht! (Psalm 121, 3 und 4).

Diesen barmherzigen Gott darfst du Vater nennen! Du darfst klein und schwach sein, weil Seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. (2. Kor. 12, 9)

Du darfst selbst dann zu Ihm kommen, wenn du meinst, dass du keinen Glauben mehr hast und Ihn bitten, dir Glauben zu schenken.

„Ich glaube, hilf‘ meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24) Mehr braucht es nicht!

So gib nicht auf! Hörst du? Du hast deinen Gott schon erlebt, du hast erlebt, dass Er dir geholfen hat, dich wieder aufgerichtet hat. Er wird es wieder tun. Du weißt, dass es so ist und du weißt, dass diese Krise einen Sinn hat, auch, wenn du das heute noch nicht siehst.

Der Friede Gottes hülle dich ein wie einen Mantel, durchtränke dich, wie Wasser einen Schwamm und mache dich ruhig, wie ein gerade gestilltes Kind.


Deine Schwester im Glauben

Hoffnung in Schmerzen

Ich denke gerade an Vieles, was ich mal erlebt habe. So auch an die kurze Zeit, in der ich für einen christlichen Fernsehsender gearbeitet habe.

Es war mein erster Beitrag, den ich recherchiert habe. Meine Kollegin und ich fuhren ins Erzgebirge, vor Ort wartete der Kameramann schon auf uns. Wir bauten auf, besprachen ein paar Details und dann begann ich mit dem Interview.

Es ging um eine Frau, die an der Schmerzkrankheit litt. Sie erzählte, dass sie seit 20 Jahren täglich Schmerzen hat. Sie könne mit dem Filzstift die Nervenbahnen nachzeichnen. Ihr Glaube hat sehr darunter gelitten. In einer Klinik schließlich wurde ihr geholfen und sie konnte dann auch wieder an Gott glauben.

Wir saßen in ihrer Wohnung. Ein paar Fragen wollte ich noch stellen, dann Abbau und nach Hause. Alles ganz locker.

Dann kam er, der Satz, der mich heute noch staunen lässt: „Lieber möchte ich meine Schmerzen behalten, als Jesus noch einmal zu verlieren!“ – Mein Kameramann war Profi. Er setzte nicht die Kamera ab und schwenkte auch nicht zu mir rüber. Mit großen Augen fragte ich noch einmal nach. Doch, das meint sie so. Genau so! – Was für eine Kraft hat der christliche Glaube, dass Menschen so etwas sagen können? Was ist es, was Menschen dazu bringt, ihre Perspektive zu ändern?

Was bringt Menschen dazu, Mut und Hoffnung zu verbreiten, obwohl es ihnen selbst körperlich schlecht geht?

Wie kann es sein, dass Menschen etwas tun, obwohl sie genau wissen, dass es ihnen einen Shitstorm einbringen kann, weil es ihnen wichtiger ist, anderen zu helfen?

Dann sitze ich staunend davor und denke „Das hat sie gerade nicht gesagt!“ oder „Das hat er gerade nicht getan!“

Es gibt nur eine mögliche Antwort: Sie tun bzw. sagen es, weil sie Gottes Liebe erfahren haben. Es ist eine Liebe, die trägt. Sie reicht aus.

Sie reicht aus, wenn sämtliche Facebook-Sprüche versagen, gutgemeintes Schulterklopfen von Freunden nicht mehr trägt, wenn es unsinnig scheint, noch Hoffnung zu haben.

Es ist eine persönliche Erfahrung mit demliebenden Gott.

Es ist die Erfahrung, die Hiob dazu bringt zu sagen „Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!“ (Hiob 42,5)

Diese Erfahrung wünsche ich jedem von uns! – Amen.

Sich lieben lassen

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Ich bin noch dran am Themenkomplex Gehorsam, dienen und Hingabe. Das muss ich noch für mich klären. Immer wieder fällt mir auf, dass sich etwas innerlich in mir sträubt. Wenn ich mich Gott ausliefere, dann bin ich ihm ausgeliefert. Das fühlt sich nicht gut an.

Aber vielleicht gehe ich es falsch an. Vielleicht sollte ich nicht danach fragen, ob ich bereit bin, Gott gegenüber gehorsam zu sein. Vielleicht sollte ich zuerst bereit sein, mich von ihm lieben zu lassen. Doch wie fange ich das an?

Je nachdem wie viele kirchliche Trauungen man schon mitgemacht hat, kennt man die Verse von 1. Korinther 13, 4 bis 7 mehr oder weniger gut auswendig: „Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“

 Oft wird nur betont, dass es die Messlatte ist, die jeder Gläubige erreichen sollte. Aber was, wenn wir, wenn ich Empfänger dieser Liebe bin? Habe ich solche Liebe schon erlebt? Kann ich sie annehmen?

Was wäre, wenn mir jemand begegnen würde, der mich so behandelt? Der mich nimmt, wie ich bin, bei dem ich keine Angst haben muss, dass derjenige mich fallen lässt, wenn ich mich mal daneben benehme. Jemand, der mich beschenkt, mir Komplimente macht. Jemand, der auch dann noch da ist, wenn ich versagt habe bzw. den ich gar nicht enttäuschen kann, weil er mich genau kennt.

Ich habe schon einige Menschen kennengelernt. Menschen, von denen ich anfangs dachte, dass sie es gut mit mir meinen. Erst im Laufe der Zeit kamen Bemerkungen, bei denen ich mich innerlich fragte, ob meine Annahme stimmt und meist kam kurze Zeit später der „Paukenschlag“, also eine Situation, in der ich deutlich merkte, dass derjenige mich bloß ausnutzt oder einfach mit mir angeben möchte.

Nach solchen Erfahrungen würde ich einem solchen Menschen, der mich einfach nur liebt, skeptisch gegenüber sein.

Was aber, wenn Gott mich genau so liebt? Was, wenn bei ihm kein Paukenschlag kommt?

Wenn ich darüber nachdenke, was Gott für mich getan hat, komme ich oft an einen Punkt, an dem ich nicht weiterkomme. Das ist mir zu groß! Dann kommt nur noch ein geflüstertes „Danke!“ und oft genug gehe ich dann vor Gott auf die Knie.

Es bleibt mir nur, seine Liebe anzunehmen, mich von ihm lieben zu lassen. So lasse ich mich beschenken. Ich suche und finde in Alltäglichkeiten die Spuren seiner Liebe. Sie nehme ich als „Brotkrumen“, um den Weg zu ihm zu finden. Schritt für Schritt mich auf ihn und Menschen einlassen. Immer dran denkend, dass das nicht nur Gefahren, sondern auch immer Überraschungen birgt.

Umso leichter es mir fällt, seine Liebe anzunehmen, umso besser kann ich seinen Willen tun. Wer weiß, vielleicht sträubt sich eines Tages nichts mehr in mir? Das werde ich rausfinden.

Amen.

„Verleih‘ uns Frieden gnädiglich…“

Während ich letzte Woche an meinem Input schrieb, fiel mir plötzlich diese Liedzeile ein, die ich mal im Schulchor gesungen habe:

„Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.“

Der Chor hat diesen Vers in der Fassung von Heinrich Schütz gesungen. Als ich dann nachschaute, ob es ein Bibelvers ist, stieß ich plötzlich auf den Vers, über den ich dann weiter nachdachte „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. ²Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.“ (Römer 13, 1 bis 2).

Zunächst bin ich beruhigt, dass da nicht steht „Finde deine Regierung toll!“. Trotzdem ist es ein schwieriger Vers für mich! Denn die Corona-Regeln sind nicht logisch, nicht nachvollziehbar und einfach nur nervig!

Aber war die Regierung zu Paulus‘ Zeiten besser? Wohl kaum! In der Bergpredigt steht u. a. „und wenn dich jemand nötigt, eine Meile weit zu gehen, so geh mit ihm zwei.“ (Matthäus 5, 41) – Jeder Pastor, der auf sich hält, erwähnt in der Predigt darüber, dass es ein Gesetz gab, nach dem jeder römische Offizier einen Bürger zwingen durfte eine schwere Last für ihn eine Meile zu tragen. (So sollte dann auch Simon von Kyrene später eine Last tragen, weil der Verurteilte, der die Last der Welt trägt, es nicht mehr konnte.)

Dieses Gesetz klingt nicht gerade nach Fairness. Aber trotzdem schreibt Paulus diese Verse. Ich denke, Gott weiß, dass es ungerechte Regierungen oder unfaire Gesetze gibt. Aber, solange diese Regierung nicht grundsätzlich gegen Gottes Gebote handelt, sollen wir uns dieser unterordnen. Damit ist auch die Frage nach Apostelgeschichte 5, 29 -„Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen!“ – geklärt. Dieser Vers spricht im Kontext betrachtet, das mutige Bekenntnis zum christlichen Glauben, auch wenn eine Obrigkeit das verbietet, an. Eine Parallele dazu finden wir in der bekannten Geschichte von Daniel in der Löwengrube. (Daniel 6) Daniel weigert sich, einen anderen Gott anzubeten.

Wenn Gott die Obrigkeit einsetzt, dann ist er auch in der Lage, diese auch wieder abzusetzen. Paradebeispiel ist Pharao. Pharao, König von Unter- und Oberägypten, „Lebender Horus“, musste die Hebräer ziehen lassen und ist kurze Zeit später jämmerlich im Meer ertrunken. (Merkwürdigerweise muss nach altägyptischen Vorstellungen jeder Leichnam vollständig erhalten sein, um ins Jenseits zu gelangen, außer man ist ertrunken, dann darf man auch ohne Körper ins Jenseits.)  

Also ist Apostelgeschichte 5, 29 doch kein Freifahrtsschein, um sich nicht an die Regeln zu halten.

Warum fällt es Vielen so schwer jemanden gehorsam zu sein bzw. sich unterzuordnen? Als ich noch ausbildete, hatte ich immer wieder Teilnehmer, die bei der Vorstellung sagten „Ich lass‘ mir nichts sagen!“ und mit stolzgeschwellter Brust schauten sie sich um. Tja, deswegen hatten sie auch 2 bis 3 abgebrochene Ausbildungen im Lebenslauf und saßen jetzt hier, in der einer Qualifikation, die sie befähigte, gerade mal ein wenig besser zu verdienen, als eine ungelernte Kraft.

Nach dem 2. Weltkrieg war klar, dass man nicht jeden Befehl befolgen muss. „Ich folgte nur den Befehlen!“ ist keine gültige Ausrede, wenn es um Mord, Totschlag und andere Kapitalverbrechen geht! Aber wann ist aus „Nie wieder Kadavergehorsam!“ ein „Nie wieder Gehorsam!“ geworden? In den 68ern in Westdeutschland? In den 90ern in Ostdeutschland?

Mir persönlich fällt es auch schwer, mich jemanden unterzuordnen! Zu oft in meinem Leben haben Menschen versucht, mich zu bevormunden. Gehorsam klingt nach Fräulein Rottenmeier, nach gesenktem Kopf und nach in der Ecke zum Schämen stehen.   

Aber wenn ich den Kindern Kurse gebe, stelle ich Regeln auf. Ich erkläre ihnen, dass es die Regeln gibt, damit wir Spaß haben können. Es ist auch so. In den Kursen, in denen die Kids sich an die Regeln halten, schaffen wir mindestens 2 Experimente mehr.

In dem Wort Unterordnung, steckt das Wort Ordnung. Gott ist ein Gott der Ordnung.

Vielleicht kann ich das Pferd von hinten aufzäumen: Ich habe meinen Gott als liebenden Gott erlebt. Deswegen kann ich ihm vertrauen. Deswegen kann ich mich ihm auch unterordnen. Wenn „sich Gott unterordnen“ heißt, dass ich mich der Regierung unterordne, dann kann ich es Gott zuliebe tun. Wie anfangs geschrieben, ich muss sie nicht toll finden!

Na gut, Gott zuliebe. Mit Zähneknirschen, aber Ihm zuliebe.   

Heute ein ganz zaghaftes „Amen“.

„Du bist nicht der Bestimmer!“

Vor einigen Jahren war ich für zwei kleine Mädchen die Babysitterin. Als ich die Beiden ins Bett brachte, machte ich klare Ansagen. Darauf meinte die Jüngere empört „Du bist nicht der Bestimmer!“ Ich musste die Kleene enttäuschen: Doch, bin ich!

Wer macht die Ansagen in meinem Leben? Wer ist mein Bestimmer?

Ich kann sehr aufmüpfig sein. Besonders dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich manipuliert werden soll oder dass mir jemand weismachen will. Dann reagiere ich skeptisch. Mir ist es wichtig, das Zepter in der Hand zu behalten. Ich bin der Chef! Ich mache die Ansagen!

Doch hat mich die Pandemie gelehrt, dass es nicht immer danach geht, was ich möchte. Ich erlebte/ erlebe eine nicht gekannte Hilfslosigkeit. Mein Bewegungsradius wird immer mehr eingeschränkt, meine Arbeit darf ich nicht ausüben.

Wer bestimmt nun? Frau Merkel? Oder Herr Steinmeier? Ich selbst?  

Da fällt mir etwas ein, lange her. In Frankreich, in einer kleinen Kirche, in Notré Dame da Mare, wenn ich mich richtig erinnere: „Jesus, ich geb‘ dir mein Leben!“ war mein gedachtes Gebet. Keiner von den anderen aus der Gruppe hat es mitbekommen. Mir war es ernst. Ist es heute noch! Gott ist mein Bestimmer! Gott ist derjenige, der mich an die Hand nimmt. Er „ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ (Psalm 23, 1)

Er ist auch jetzt mit mir, mittendrin in der Krise. Auch wenn es mir selbst schwerfällt, daran fest zu halten.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43, 1) – Das ist ein Satz, den kein Mensch sagen kann. Ich bin frei gegenüber Menschen, doch gehöre ich zu Gott. Das heißt aber nicht, dass Frau Merkel mir nichts zu sagen hat. Es gibt eine Bibelstelle, die unangenehm ist, an die ich mich auch erinnern muss: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. ²Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.“ (Römer 13, 1 bis 2) Das ist ein schwieriger Vers, den ich mir die nächsten Tage genauer anschauen möchte.  – Ich bin nicht mit allen verordneten Maßnahmen einverstanden. So manche Regel erscheint mir unlogisch. Aber trotzdem versuche ich, soweit ich es kann, die Regeln einzuhalten.

Ich denke nicht, dass es hier um blinden Gehorsam geht. Aber, wie geschrieben, ich werde noch weiter darüber nachdenken.

Trotzdem steht für mich fest, dass Gott mein Herr ist. Wenn ich zu Ihm gehöre, dann wird er auch für mich sorgen. So hat er es auch einen Vers nach „…; du bist mein!“ versprochen „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. „ (Jesaja 43, 2) Deswegen kann ich wieder ruhig werden und sein in diesen unruhigen Zeiten! Deswegen kann ich wieder Hoffnung schöpfen, auch, wenn ein Lockdown den anderen jagt.

Denn er ist „mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20, 28)

Verlass dich nicht auf deinen Verstand!

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„Ich denke, also bin ich“ ( Descartes)

Es geht munter weiter mit den Prognosen! Politiker und Wissenschaftler geben ihre Prognosen ab. Immer selbstbewusst in die Kamera! Immer mit dem Satz „So wird es kommen!“ Nicht einmal habe ich es bisher erlebt, dass jemand von ihnen nur vorsichtig angedeutet hat „Es könnte so kommen!“ oder „Das müsste eventuell passieren, wenn es denn so läuft,…“ – Nein, der jeweilige Sprecher ist davon überzeugt, dass seine Prognose genauso eintrifft!

Ich schreibe hier mal ein paar Prognosen auf, die Leute ausgesprochen haben, die zu dem Zeitpunkt als seriös angesehen wurden:

„Hillary Clinton wird die Wahl gewinnen!“ (2016)

„Die Contergan-Kinder (wahlweise auch die Downsyndrom-Kinder) werden nicht erwachsen!“

„Eine Frau darf keinen Marathon laufen, weil ihr sonst die Gebärmutter rausfällt!“

Wie geschrieben, das waren ernst gemeinte Prognosen und die, die sie ausgesprochen haben, wurden als seriös beklatscht.

Weil wir Menschen so vergesslich sind, lassen wir uns wieder und wieder neu etwas erzählen und überprüfen es nicht. Da steht einer lächelnd im Anzug da, hat womöglich ein abgeschlossenes Studium, noch besser, einen selbst erarbeiteten Doktortitel und schon glauben wir alles, was er sagt. – Nicht falsch verstehen: Ich halte die Wissenschaft für etwas Gutes. Viele Lehrsätze sind beweisbar und im Alltag absolut nützlich.

Doch so manche Erkenntnis hatte es schwer bis sie von führenden Wissenschaftlern anerkannt wurde. Ich habe zwar „bloß“ ein geisteswissenschaftliches Fach studiert, aber selbst da mitbekommen, wie mit harten Bandagen gekämpft wurde. Du kannst dreimal die richtige These haben, wenn du das falsche Geschlecht hast, sprich: wenn du eine Frau bist und/oder deine These der Lehmeinung vom hoch angesehenen Professor widerspricht, dann kämpfst du auf verlorenen Posten. Wie z. B. Ignaz Semmelweis, der für seine These ausgelacht wurde, dass es Tiere gibt, die kleiner sind als die Käsemilben, die Menschen krank machen. Die Ärzte fühlten sich angegriffen, als sie von ihm aufgefordert wurden, sich doch bitte, wenn sie vom Sezieren der Leichen kommen, die Hände zu waschen, bevor sie zu den Wöchnerinnen gehen. 

Woher kommt diese Ignoranz? Dieses hochmütige Beiseiteschieben der Möglichkeit, dass man sich auch irren könnte?

Wissenschaftliche Thesen sind in der Regel beweisbar und damit belegbar. Fakten sind überprüfbar. Die Schwerkraft existiert und kann gerne mit diversen Gegenständen, vielleicht nicht unbedingt mit dem neuen Handy, überprüft werden.

Dabei ist die Frage, was ich denn genau erfasse. Ich sehe u. U. nur die Dinge, die ich sehen will. Oder ich bemerke nicht, dass ich bereits das Gesehene interpretiere. Während ich ausgebildet habe, bin ich mal mit dem Finger an der Tischkante entlang gefahren, zusammengezuckt und habe anschließend meinen Finger untersucht. Danach habe ich meine Teilnehmer gefragt, was sie denn gesehen haben. Alle antworteten, dass ich mir einen Splitter in den Finger gezogen hätte. Falsch! Das war bereits Interpretation! Gesehen haben sie nur, dass ich mit dem Finger an der Tischkante lang gegangen, dann zusammengezuckt bin und anschließend meinen Finger betrachtet habe! (Das Experiment kann gerne selbst ausprobiert werden.)

Ich will mich jetzt nicht in Philosophie verlieren. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass wir uns nicht immer auf den Verstand verlassen können.

Auch Prognosen können nur aufgrund bereits gemachter Erfahrungen bzw. erfasster Daten erstellt werden.

Wenn ich nur noch das als richtig anerkenne, was ich mit meinen Verstand erfassen kann, dann mache ich den Verstand zu meinem Gott. Wenn ich nur noch Prognosen glaube, dann muss ich nicht zugeben, dass dieses Leben unsicher ist und ich von Gott abhängig bin.

„Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“ (Sprüche 3, Vers 5 und 6)  – Das rückt das moderne Denken von der Unfehlbarkeit des Verstandes wieder zurecht. Gott zu vertrauen, ist sicherlich schwer in Zeiten wie diesen. Aber warum sollte man das nicht ausprobieren? Gerade in Zeiten wie diesen? Ich habe Gott als einen liebenden Gott kennengelernt. Er ist einer, auf den Verlass ist.

Also warum nicht mal, zur Abwechslung, Gott vertrauen? Ich kann mich an Gottes Versprechen erinnern, mich daran festhalten. Dann bin ich nicht mehr davon abhängig, dass die Prognosen auch eintreffen. Ich werde ja sehen, ob meine Pfade geebnet werden!

Bereit? Kommst du mit?

Mögest du leben!

Ich wünsche noch ein gesegnetes und friedvolles Neues Jahr!

Schwierig, etwas zu schreiben, wenn gerade wieder der Lockdown verschärft wurde. Doch je schärfer die Maßnahmen werden, umso mulmiger wird mir. Nicht, weil ich irgendeine Verschwörung vermute oder die genommenen Freiheiten so wichtig sind. Es ist nur, dass eine innere leise Stimme immer lauter wird „Hier stimmt was nicht!“. Seit Monaten starren wir auf Zahlen, wie das Kaninchen auf die Schlange. Wir lassen uns von der Angst beherrschen und unser Denken und Reden kennt nur noch ein Thema. Es dauert nicht mehr lange, dann beten wir die Impfung wie einen Gott an. – Nicht falsch verstehen! Ich werde mich, sobald ich dran bin, impfen lassen. Doch ist die Frage: Von wem oder was lasse ich mich beherrschen? Schon vor der Pandemie bin ich innerlich zusammengezuckt, wenn einem Geburtstagskind Gesundheit gewünscht wurde, denn „Gesundheit ist nun mal das Wichtigste“! –  Ist sie das?

Wir, im westlichen Kulturkreis verbinden mit Gesundheit Freiheit: Reisen, Freizeitgestaltung und das Umsetzen von Projekten, alles nur halb so schön, wenn man nicht gesund ist.  

U. a. in Südamerika, den USA und auf Mallorca sollen Menschen wegen der Corona – Schutzmaßnahmen bereits hungern. Was für ein Sinn macht es, Menschen vor einer Krankheit zu schützen und sie deswegen dem Tod durch Verhungern preis zu geben?

Was ist eigentlich mit all den anderen Krankheiten, die auch tödlich sind? Letztes Jahr gab es in meiner Familie zwei Todesfälle. Eine andere Krankheit hat schnell und unbarmherzig zugeschlagen. Der Virus hätte sich sehr beeilen müssen…

Wir konzentrieren uns auf eine Krankheit und verlieren andere Dinge, die mindestens genauso wichtig sind, aus dem Fokus.

„Gesundheit zuerst!“ oder auch „America first!“ – Merkt Ihr was? Wo bleibt Gott in diesen Ansagen? Sollte nicht Gott an erster Stelle stehen?

Wir fürchten uns vor Ansteckung. Nichts scheint mehr sicher.

Christen, die die Politik der derzeitigen Regierung infrage stellen, proklamieren regelmäßig Apostelgeschichte 5, 29 „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ – Hat Gott denn befohlen, dass wir uns fürchten sollen?

Würde der moderne Mensch einem aus dem Alten Ägypten erklären, dass die Gesundheit das Wichtigste sei, würde der diesen verständnislos anschauen – und dann weiter am Grab seines Herrn bauen. Für diese Kultur war nämlich das Weiterleben im Jenseits immens wichtig. Es war ihnen klar, dass sie nicht unsterblich sind. Aber nach dem Tod wollten sie weiterleben und das möglichst gut. Deswegen die Mumifizierung, die reich verzierten Gräber und all die mythisch anmutenden Papyri.

Dadurch, dass wir im reichen Europa bereits zu Lebzeiten unser kleines Paradies erschaffen, denken wir nicht mehr daran, für dasjenige nach unserem Tod zu sorgen. Wir sind besorgt über das Leben vor dem Tod und haben das Leben nach dem Tod aus den Augen verloren.

Nicht nur das, wir verlieren auch denjenigen aus den Augen, der das Leben ist: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14,6) sagt Jesus von sich selbst. Dazu verspricht er uns auch ein erfülltes Leben „…; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.“ (Johannes 10,10)

Er möchte uns das Leben sein. Vielleicht heißt es nicht, dass uns keine Krankheit trifft, aber es heißt, dass wir eine Hoffnung auf das ewige Leben haben! Das ist eine Hoffnung, die die Zahlen vom RKI zurück an den eigentlichen Platz bringt und Jesus selbst wieder in den Fokus! Es ist die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern es nur die Rückkehr in die Heimat ist!

In Gedanken sind wir weg vom altägyptischen Grab. Der Arbeiter ruft uns noch den damals üblichen Gruß hinterher „Mögest du leben, heil und gesund sein!“ Es klingt nach der richtigen Reihenfolge. Wie schön es auch ist, gesund zu bleiben, verlieren wir doch nicht Jesus, das Leben selbst aus den Augen! Denn das ist es doch, was Christ-Sein ausmacht.

Amen.

Der Kiwi am Weihnachtsbaum

Vor einigen Jahren wurde in der Gemeinde dazu aufgerufen, Weihnachtsdekoration mitzubringen. Man wollte den Baum in der Gemeinde damit schmücken.

So brachte ich meinen Plüschkiwi mit. Er hing mit am Weihnachtsbaum. Ich fand das schön, weil jeder etwas mitgebracht hatte. Es war eine bunte Mischung und irgendwie war es für mich ein Symbol, dass jeder in dieser Gemeinde willkommen war.

Ein Jahr später durfte keiner etwas mitbringen. Das Deko-Team hatte beschlossen, dass sie den Baum einheitlich schmücken. Irgendwie scheint es heute in unserer Gesellschaft so zu sein: Es muss passen, wir sollen einheitlich sein und funktionieren. Wer nicht zu den anderen passt, darf nicht dabei sein!

Mein Kiwi hängt dieses Jahr an meinem Weihnachtsstrauß. Mit seinem goldenen Schnabel und Füßen sieht er putzig aus, zwischen den bunten Kugeln.

Ich habe den Kiwi auf einer Reise gekauft, weil die anderen schon fertig waren, musste ich mich schnell entscheiden.

Ich mag Kiwis. Sie sind komische Vögel und passen nicht wirklich zur heimischen Tierwelt. So fühle ich mich auch manchmal, wie ein komischer Vogel.

Wir feiern zu Weihnachten die Geburt Jesu. Jesus kam in die Welt, um „zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.“ Vielleicht fühlen sich gerade dieses Weihnachten viele verloren. Sie feiern alleine oder fühlen sich durch die Corona-Dauerbeschallung der Medien ausgelaugt, sind durch Existenzängste flugunfähig oder sind einfach komische Vögel. All denen möchte ich zurufen: Du musst nicht funktionieren! Du musst nicht zu anderen passen! Du darfst schwach sein! – Denn Gott ist in diese Welt gekommen, damit wir nicht mehr alleine sind. Wir sind geborgen in Seiner Hand. Wenn wir Jesus in unser Herz einlassen, dann ist Weihnachten.

Bei Gott geht es nicht darum, ob wir funktionieren. Er möchte, dass wir uns von Ihm lieben lassen. Er hat eine große Sehnsucht danach, dass wir uns auf Ihn einlassen.

Vor Ihm dürfen wir ehrlich sein, unsere Schwachheit zugeben. Er will unsere Stärke sein: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12, 9)  

So darf ich kommen, wie ich bin: schwach, besorgt, verzweifelt, gefrustet… Er wird sich aller annehmen. Er hat es versprochen: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11, 28)

Denn er ist für alle in diese Welt gekommen – auch für Kiwis!

So wünsche allen ein friedliches Weihnachtsfest!