Lebensweisheiten einer Älterwerdenden

Ich bin älter geworden! Da ich nun doch einige Jahre auf dem noch nicht vorhandenden Puckel habe, fühle ich mich berechtigt, vielleicht den einen oder anderen Tipp weiter zu geben.

Ich habe also am Vorabend des „großen Ereignisses“ mich hingesetzt und mein bisheriges Leben Revue passieren lassen. Och, da war schon Einiges dabei: Ich habe den Untergang meines Landes er- und überlebt, eine Ausbildung, ein Studium abgeschlossen, selber ausgebildet, kurze Zeit an einer Filmschule, diverse lustige und spannende Chorauftritte, mobile und stationäre Pflege, jetzt Kinderbetreuung …

Da ich vorhabe, noch oft älter zu werden – es steht ja noch Einiges auf meiner Löffelliste, beschränke ich mich auf einige Tipps. Die dreibändige Autotbiographie kommt später! 😉

Hier sind sie:

  1. Freunde und Wein – wähle sorgfältig aus!
  2. Behandle anstrengende Menschen zwar freundlich, aber zähle sie nicht zu deinen Freunden!
  3. Genieße!
  4. Wenn der einzige Grund, weswegen du etwas tun willst „Das ist vernünftig!“ ist, dann lass es!
  5. Du bist nur dir und Gott Rechenschaft schuldig!
  6. Wenn sich dir eine gute Gelegenheit bietet – greif zu!
  7. Wenn nötig, brich die Regeln, aber handle nicht gegen dein Gewissen!

Ja, das habe ich in meiner kleinen Rede vorgelesen und ich unterschreibe es immer noch. Doch bin ich gedanklich schon weiter. Kommt es nicht hauptsächlich darauf an, wieder Kind zu werden? In vollkommener Abhängigkeit zu Gott? Geht es nicht darum, ein „Ja!“ zu finden zu allem, was Gott mir gibt? Sollte ich nicht lernen, dass ich nicht immer verstehen muss? Sollte ich es nicht vielmehr lernen, sanft nachzugeben anstatt mit Gott zu kämpfen? (So eine ausgerenkte Hüfte kann schmerzhaft sein, wurde mir gesagt.)

Na dann, keine Schwermut aufkommen lassen. Ich habe ein Abenteuer gebucht! Mindestens eins! Die nächsten Lektionen wollen gelernt werden!

„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Psalm 18, 30) – Amen.

Selbstfürsorge vs. Egoismus

Mir fällt etwas auf: Seit einiger Zeit lese ich regelmäßig Tipps zum Thema Selbstfürsorge bzw. Selbstliebe. Coaches, Pastoren mahnen gleichermaßen an, dass man für sich selbst sorgen solle. Das stößt mir ein wenig auf. Es erscheint mir zu einseitig. Wie so oft, scheint der Mensch von einem Extrem ins andere zu fallen. Wurde lange in Kirchen gepredigt, dass der Mensch dem anderen dienen und sich selbst nicht so wichtig nehmen solle, scheint nun die Sorge für sich selbst im Fokus zu sein. Was mich stutzig macht, ist, dass sowohl weltliche, als auch christliche Leiter das zum Thema machen. Ja, Life-Work-Balance ist wichtig. Doch irgendwie scheint das Sorgen für andere unmodern geworden zu sein. sobald jemand sich um andere kümmert, sagt irgendjemand „Sorg auch für dich selbst!“ oder „Du kannst nicht alle retten!“ Auch ich habe schon öfter den Satz gehört. Ich bin verwundert: Ich will gar nicht alle retten. Außerdem stellt sich die Frage, ob ich überhaupt retten kann. Wenn es um das ewige Leben geht, kann nur Jesus retten

Seien wir mal ehrlich: Ein Blick in die öffentliche Diskussion und in die sozialen Netzwerke vermittelt eher den Eindruck, dass die Menschen egoistischer werden. Da wird unbarmherzig aufeinander eingehackt, beleidigt und bloßgestellt. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich die meisten Kommentartoren ermahnen muss „Sorg auch für dich selbst und nicht nur für andere!“.

Ja, trotzdem nimmt die Zahl derjenigen, die an Burnout erkranken, zu. Ich habe eine Zeitlang selbst Seminare zu dem Thema „Burnoutprophylaxe“ gegeben. In der Vorbereitung fand ich heraus, dass es in der Regel Menschen, mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen sind, die prädestiniert sind, einen Burnout zu bekommen. Es sind Menschen, die sich selbst für unabkömmlich halten, diejenigen, die sich über ihren Job definieren, gebraucht werden wollen. Auch ich muss aufpassen, dass ich nicht in diese „Ich möchte gebraucht werden!“-Fall hineintappe.

Jesus selbst war viel für andere da. Er hat auch Grenzen gesetzt und sich zurückgezogen. Seine Predigten lauteten jedoch „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“(Matthäus 11, 29) und „Wenn jemand mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ (Matthäus 16, 24) – Da klingt kein bisschen „Sorge für dich selbst!“ an!

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ist meiner Meinung nach eineFehlinterpretation. Ich denke, es wurde von Jesus einfach vorausgesetzt, dass wir uns bereits selbst lieben. Das war als Maßstab für die Nächstenliebe gemeint. Sicher gibt es Einige, die es erst einmal lernen müssen, sich selbst zu lieben. Aber hier antwortet Jesus einem Gesetzeslehrer, also jemand, der geradezu vor Selbstbewusstsein strotzte. Jesus konnte voraussetzen, dass er sich selbst liebte. Wenn wir die Bibelstelle im Zusammenhang lesen, merken wir, dass hier der Fokus ganz woanders liegt: Es geht nicht vordergründig um Selbstliebe, sondern darum, welches das wichtigste Gebot ist! – Wie so oft hilft es, Zitate im Zusammenhang zu lesen:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. “ (Matthäus 22,37-39.)

Aber wenn ich das, mit dem Kreuz auf mich nehmen, ernst nehme, stolpere ich nicht unweigerlich in den Burnout? Ich denke, das ist eins der vielen Oxymora im christlichen Glauben: Wenn ich etwas für andere tue, weil ich Christus nachfolgen möchte, werde ich selbst nicht zu kurz kommen. Ich habe es schon erlebt, dass ich mich für andere eingesetzt habe und Gott dann für die nötigen Ruhepausen gesorgt hat. Ich musste sie nicht verteidigen oder „frei schaufeln“, sie ergaben sich.

Ich denke, das ist der Knackpunkt bei dieser Frage. Wenn ich etwas tue, weil ich unentbehrlich sein möchte, dann ist die Gefahr groß, dass ich mich selbst vergesse. Wenn aber meine Motivation ist, dass ich es mit und für Gott tue, dann sorgt Gott selbst für Erholung. „…die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40, 31)

Ich muss nicht für mich sorgen, wenn Gott für mich sorgt. Da darf ich wie ein Kind darauf vertrauen, dass er mir nur soviel an Arbeit zumutet, wie ich ertragen kann. Wenn ich das bedenke und auch nicht mehr meine Anerkennung darin suche, dass ich unentbehrlich bin, dann kann ich auch mein Kreuz auf mich nehmen!

Amen.

Darf man einen Mörder in Schutz nehmen?

Ich habe gerade eine unschöne Diskussion hinter mir. Ich habe auf meinem Facebook – Profil einen Post verfasst, in dem ich schrieb, dass ich es nicht in Ordnung finde, dass Presse und Politiker bereits davon sprechen, dass der Mörder vom jungen Studenten an der Tankstelle zur Querdenkerszene gehört und sich radikalisiert hätte. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Polizei selbst erwägt, dass der Maskenstreit ein vorgeschobener Grund wäre und die Motivation in Wirklichkeit eine andere wäre. Gleichzeitig kritisierte ich das Verhalten der Politiker, die m. E. versuchen sich jetzt noch ein wenig damit zu profilieren. Eine einfache Beileidsbekundung hätte doch gereicht, ohne die reflexartigen Verurteilungen und Forderungen nach harten Strafen.

Zwei meiner fb-Freunde haben sich regelrecht mit Gebrüll darauf gestürzt. Mir wurde erklärt, dass die Sache ja wohl klar auf der Hand läge, das war ein Mord, weil der Attila dazu aufgerufen hat und dieser Querdenker sowieso das Letzte. Je mehr ich argumentierte, umso mehr bekam ich den Eindruck, dass beide erst dann Ruhe geben würden, wenn ich mit ihnen auf den Mörder mit dem Finger zeigen und brüllen würde „Du elender Querdenker!“

Ich habe mich geweigert, das zu tun und die „Diskussion“ beendet.

Ich blieb enttäuscht und erschüttert zurück. Enttäuscht, weil ich beide anders eingeschätzt habe. Vielleicht ein wenig naiv, glaubte ich, dass ich mit ihnen vernünftig diskutieren könnte, dass es möglich ist, einen Standpunkt zu haben, der eben nicht schwarz/weiß ist, sondern irgendwo zwischen den vielen Graustufen zu verorten ist. Erschüttert, weil mir beider Hartherzigkeit und Unbarmherzigkeit bewusst wurde. Kein Argument zählte. Zwischendurch erklärte ich einem, dass ich aufgrund meiner eigenen Geschichte, dass ich mich weigere, vorschnell zu verurteilen. Weil ich eben selbst weiß, wie es sich anfühlt, vorverurteilt zu werden und keine Chance zu haben, etwas richtig zu stellen, möchte ich jemanden nicht vorschnell als „Querdenker“ bezeichnen. Dazu kommt mein christlicher Glaube. Der bringt mich dazu, für beide Parteien, für den Verstorbenen und den Mörder zu beten. Darauf wurde mir erklärt, dass ich die Angehörigen verhöhnen würde. – Weil ich für sie bete? Oder weil ich auch für den Mörder bete? Oder weil ich eben mal abwarten möchte, was die Ermittlungen bringen, bevor ich jemanden ein Label aufdrücke?

Allein darum ging es mir. Mord bleibt Mord. Aber trotzdem steht es mir nicht zu, im Voraus jemanden zu verurteilen. Ich bin weder der Richter, noch Gott!

Darf man einen Mörder in Schutz nehmen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass neben Jesus ein Verbrecher hing. Ich kenne mich mit alt-römischen Recht nicht aus, vermute aber, dass er nicht wegen „Diebstahl eines Cents“ gekreuzigt wurde. Er sagt „Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ (Lukas 23, 40) Und Jesus? Nachdem er von diesem gebeten wurde „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ antwortete er „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23, 42 und 43)

Eigentlich unerhört! So ein Verbrecher muss doch erst beweisen, dass er es ernst meint mit der Umkehr! Wie denn? Kann er nicht mehr! Wer diesen Absatz verstanden hat, der hat verstanden, was Gnade ist!

Und der Student? Er hatte keine Chance. Auch hier weiß ich nicht, wieso und warum. Es ist die ewig gleiche Frage: Warum lässt Gott Leid zu?

Doch Gott ist souverän. „Was geht es dich an?“ fragt Jesus den Petrus, als dieser ihn fragt, was mit Johannes ist. Dann redet er weiter „Folge du mir nach!“ (Johannes 21, 22)

Ich weiß nicht, wieviele Chancen der Student hatte, zu Gott zu finden und ob er sie genutzt hat. Ich kenne auch nicht das wahre Motiv des Täters. Ich weiß nicht, ob aus diesem Geschehen irgendetwas Gutes entstehen kann. Ich weiß nicht, ob es später mal Sinn machen wird.

Aber ich weiß, dass Gott nichts entgeht. Er kennt jeden Menschen so gut, dass er jedes einzelne Haar gezählt hat. Er liebt jeden Menschen bedingungslos. Er gibt selbst einen Mörder nicht auf. Er kann die Trauer der Hinterbliebenen in Freude  verwandeln. Er kann Hoffnung geben, wo keine Hoffnung zu sein scheint. Er bringt Wüsten zum Blühen. Er, der die Liebe in Person ist, wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. (nach Jesaja 42, 3)

Vielleicht ist es an der Zeit, auf die Souveränität Gottes zu vertrauen. Vielleicht kann ich es lernen, es zu ertragen, dass es nicht auf jede Frage eine Antwort gibt. Auch das heißt es, Gott als Gott anzuerkennen und das Kind-Sein anzunehmen. „Was geht es dich an? Folge du mir nach!“ – Dann kann ich auch einen Mörder in Schutz nehmen und für ihn beten. Denn nachfolgen heißt lieben, bedingungslos lieben, weil ich zuerst geliebt wurde.

Amen.

„ …in dem Land, wo Ordnung herrscht,…“ (Jesaja26, 10)

Ich bin beim Bibellesen über etwas gestoßen: „Wird dem Gottlosen Gnade erwiesen, so lernt er nicht Gerechtigkeit; in dem Land, wo Ordnung herrscht, handelt er verkehrt und sieht nicht die Majestät des Herrn.“ (Jes. 26, 10)

Das ist eine der Stellen, an die man vorüber geht. Vielleicht wundert man sich kurz, aber dann liest man weiter.

Was ist das Land, in dem Ordnung herrscht? Wieso wird das so betont?

Ich persönlich interpretiere es mit Ägypten. In Ägypten wurde die Ma-at betont, das Prinzip der Ordnung und der Gerechtigkeit. Personifiziert wurde dieses Prinzip als Göttin mit einer Straußenfeder auf dem Kopf. Pharao opferte der Ma-at. Er hatte dafür zu sorgen, dass dieses Prinzip umgesetzt wurde. Es hatte in Ägypten Gerechtigkeit und Ordnung zu herrschen. Doch war es so?

Ich bin oft innerlich verwundert, wenn mir Laien etwas über das Alte Ägypten vorschwärmen. Wie toll doch dieses Land war, wie gut organisiert und kulturell auf einem hohen Niveau. Doch sie wissen nicht, was sich so in den beiden Ländern, also Unter- und Oberägypten im Alltag abspielte. Gerechtigkeit gab es nur für einen bestimmten Personenkreis. Es gibt z. B. das „Märchen vom beredten Bauern“. Nach dem geschah einem Bauern Unrecht. Dieser beklagte sich beim Pharao. Der Pharao gab ihm nicht Recht, sondern bestellte ihn immer wieder ein. Der Bauer beherrschte nämlich die „Kunst der schönen Rede“, die am Hof sehr beliebt war. Deswegen ließ der Pharao den Bauern wiederholt seine Sache vortragen. Ohne zu  es wissen, war dieser zum Entertainment vom Pharao geworden. Nachdem er genug unterhalten worden war, bekam der Bauer endlich sein Recht zugesprochen.

Anderes Beispiel: Die Ägypter waren fremdenfeindlich. Ihre Gerechtigkeit endete an den Grenzen. War das Gold alle, stellte irgendein Feldherr eine bewaffnete „Expedition“ zusammen, die in Nubien einmarschierte und dann Nachschub aus den Goldminen organisierte.

Für meine Abschlussprüfung bereitete ich einen Text vor, der im Grunde genommen die Gräueltaten eines ägyptischen Heeres “im Land der Beduinen“ schildert. Der Abschnitt endet allen Ernstes mit „Ich wurde gelobt dafür über alle Maßen.“

Meine Prüfungsaufgabe, Jahre her: Lebensgeschichte des Uni. „Es kam dieses Heer in Frieden zurück.“ – Ob die Beduinen das auch so sahen?

Von daher sehe ich es kritisch, wenn davon die Rede ist, was für eine tolle Hochkultur das Alte Ägypten doch war.

Gott sah Ägypten auch kritisch: „… in dem Land, wo Ordnung herrscht, handelt er verkehrt und sieht nicht die Majestät des Herrn.“ (Jes. 26, 10)

Doch bevor ich mich darauf ausruhe, dass im Vers um das Alte Ägypten geht, frage ich mich selbst: Sehe ich die Majestät Gottes?

Ich habe viele „Jesus liebt dich!“-Predigten gehört. Aber dass Gott eine Majestät ist, wird selten gepredigt. Bei wortwörtlich aller Liebe: Gott ist immer noch Gott! Er ist König! Er ist der Friedefürst! Er ist allmächtig!

Ein selten zitiertes Gleichnis, in dem es um Nachfolge geht, ist das Gleichnis vom König, der auszieht um mit einem anderen König Krieg zu führen. „Oder welcher König, der ausziehen will, um mit einem anderen König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuvor hin und berät, ob er imstande ist, mit zehntausend dem zu begegnen, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?“ (Lukas 14, 31)

Gott ist ein König mit starker Macht! Wer kann sich Ihm entgegenstellen?

Wer kann sich Ihm entgegenstellen? Sehe ich, siehst du die Majestät des Herrn?

„Ich möchte den Kirchturm seh’n!“

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Ich war im Urlaub. Direkt vor meiner Haustür. Eine Freundin und ich wanderten in der Lüneburger Heide. Einmal planten wir eine Tour, die in Gegenrichtung der vorgeschlagenen ging. Das Wander-Navi führte uns deswegen anfangs im Kreis. Mehrere Male gingen wir hin und her und sahen immer wieder den gleichen Kirchturm. Doch endlich fanden wir den Einstieg in den Weg und marschierten los. Die Tour war lang und zog sich hin. Zum Ende hin sagten wir abwechselnd „Ich möchte den Kirchturm seh’n!“ Wir sehnten uns danach, das Ziel vom Rundweg zu erreichen.

Der Mensch braucht ein Ziel. Egal, was er anfängt, er möchte ein Ziel haben. Er ist nicht dazu geschaffen, dass er ziellos vor sich hinlebt. Ob nun das Laufen lernen, in die Schule kommen, den Abschluss schaffen, eine Freundin/ einen Freund finden, die Karriere, das neue Haus – immer geht es darum, ein Ziel zu erreichen. Selbst dann, wenn es nicht bewusst formuliert wird. Jeder Mensch hat große und kleine Ziele. Diese beeinflussen seine Entscheidungen. Nicht immer erreicht er sie. Krisen, Umstände kommen dazwischen. Je nachdem wie bereit er ist, sich damit zu arrangieren, gelingt ihm das Leben.

Was ist dein Ziel des Lebens? Was ist dein Kirchturm?

Mein Ziel ist Jesus. Jesus ist mein Kirchturm. Ich möchte in Seine Arme laufen.  Ich möchte einmal sagen können, dass ich dieses Ziel erreicht habe. Auch wenn es immer wieder, wie aktuell, Krisen gibt, die mich davon abhalten können. Nur weil dunkle Wolken oder Nebel mir die Sicht nehmen, heißt es noch lange nicht, dass Jesu Arme nicht mehr für mich geöffnet sind. Dann möchte ich durchhalten, darauf vertrauend, dass Gott mir die Kraft dazu schenkt.

Denn es ist Gnade. Alles! Im Grunde genommen ist das Leben ein Rundweg. Wir kommen von Gott und gehen zu Ihm zurück. Doch können wir den Weg verfehlen. Weil wir nicht auf das Navi hören, nicht darauf, was Gott uns durch Sein Wort sagt. Wir haben ein ganzes Leben lang Zeit, den Weg zurück zu finden. Selbst im Sterben können wir noch zu Ihm kommen. Danach ist es zu spät. Das ist die bittere Wahrheit.

„Hier ist es doch auch schön!“ verspricht so mancher Wegweiser. Mag sein, aber darauf verlasse ich mich nicht. Wie oft sagte das Navi „Du hast die Tour verlassen! Bitte schau‘ auf die Karte!“ Es war nicht unsere Absicht, die Tour zu verlassen. Doch im Eifer des Gefechts passierte es schon mal, dass wir bei Weggabelungen falsch abgebogen sind.

Gott ist ein gnädiger Gott. Wir sind nicht gleich „unten durch“, wenn wir den falschen Weg gehen, selbst wenn wir uns bewusst gegen den richtigen Weg entscheiden. Er mahnt aber immer wieder „Du hast die Tour verlassen!“. Geduldig wartet Er darauf, dass wir uns nach Ihm ausrichten. (Oh ja, Er hat viel Geduld! Müsste ich meinem geistlichen Leben eine Überschrift geben, wäre es „Der Widerspenstigen Zähmung“.)

Nachdem wir den Kirchturm, das Ziel unserer Wanderung erreicht haben, haben wir uns einen großen Eisbecher gegönnt. Der war richtig lecker! Wie großartig muss erst die Belohnung sein, wenn ich mein Lebensziel erreicht habe? Wie schön muss es sein, in Seinen Armen? Wenn kein Tod, kein Geschrei mehr ist und alle meine Tränen getrocknet werden. Wenn ich gleichermaßen Gottes Gerechtigkeit und Gnade erlebe und meine Seele endlich zur Ruhe kommt.

Doch hier muss ich noch laufen. Manchmal das Ziel klar vor Augen, manchmal vorsichtig vorantastend, darauf horchend, ob eine leise Stimme innerlich sagt „Du hast die Tour verlassen!“

Und du? Was ist dein Kirchturm? Was ist dein Ziel?

Warum hast du das zugelassen?

„Gott, warum hast du das zugelassen? Du wusstest, dass es passieren würde und  hast nicht eingegriffen!

Du wusstest, dass Judas dich verraten würde. Warum hast du ihn nicht zurückgehalten? Du wusstest, dass sie schreien würden „Kreuzigt ihn!“, und du hast sie trotzdem geheilt? Ihnen trotzdem Brot und Fisch vermehrt, ihre Toten zum Leben erweckt und sie getröstet?

Du wusstest, dass Petrus dich verleugnen würde. Du wusstest dass deine Jünger fliehen würden. Doch du hast sie geduldig gelehrt, ihnen erklärt, was das Reich Gottes ist.

Du wusstest, dass sie dich gefangen nehmen würden, dich auspeitschen und verspotten würden. Du wusstest, dass Pilatus sich nicht für dich einsetzen würde.

Du wusstest, dass du dein Kreuz würdest tragen müssen. Du wusstest, dass sie dich zur Hinrichtungsstelle treiben würden. Du wusstest, dass, während du einen qualvollen Tod stirbst, sie unter deinem Kreuz um dein Obergewand würfeln würden.

Warum Gott, hast du all dies zugelassen? Warum hast du nicht eingegriffen? Warum hast du nicht, wie im Tempel, Tische umgeworfen, ihnen gezeigt, wer der Herr im Hause ist?

Warum hast du nicht Judas als Jünger abgelehnt? Hättest doch sagen können „Tut mir Leid, Verräter brauchen wir hier nicht!“!

Warum hast du nicht gesagt „Ich weiß, wie böse eure Herzen sind. Warum sollte ich mich kümmern? Geht nach Hause und sucht euch selbst was zu essen!“

Warum hast du das alles zugelassen?“

Er schaut mich lange an. Legt dann Seine durchbohrten Hände um mich. Flüstert mir ins Ohr „Weil ich dich liebe!“

Wie Tüpfelchen wieder gesund wurde

(Habe ich Euch schon meine Geschichte von Tüpfelchen, dem Marienkäfer erzählt? Nein? Dan wird es aber Tied! Aber Achtung: Diese Geschichte ist nur für Kinder und kindgebliebene Erwachsene. Erwachsene Erwachsene werden daran keine Freude haben!)

Tüpfelchen saß auf einem Blatt und duckte sich. „Platsch“ machte es und wieder „platsch“. Dicke Regentropfen tropften vom Himmel und Tüpfelchen duckte sich. Sie wollte nicht nass werden und schon gar nicht sollten ihre schönen roten Flügel mit den schwarzen Punkten nass werden. Denn wenn das geschah, musste sie lange warten bis die Sonne die Flügel getrocknet hätte und dann würde sie die Flugschau verpassen. Die anderen Marienkäfer und sie würden als Erste auftreten. Erst große Kreise, dann Achten und zum Schluss würden sie alle so schnell fliegen, dass es so aussah, als würde ein roter Kreis in der Luft schweben. Sie hatten lange dafür geübt. Das würden selbst die bunten Schmetterlinge nicht überbieten können. Soviel war sicher! Tüpfelchen lächelte voller Vorfreude. Da passierte es. Mit einem besonders großen „Platsch“ fiel ein Regentropfen direkt auf sie rauf. „Au, au, au.“ jammerte Tüpfelchen. Das hat richtig weh getan. Tüpfelchen weinte. Jetzt mussten die Anderen ohne sie den Wettbewerb gewinnen. Als es aufgehört hatte zu regnen, krabbelte sie am Blatt entlang, um sich eine Stelle zu suchen, an der sie schnell trocknen würde. Sie ordnete ihre Flügel und breitete sie aus. Doch irgendwie –‚Au!‘ ging das nicht so gut. Als sie gerade darüber nachdachte, woran es denn liegen könnte, hörte sie ein „flap flap“ und der gemeine Kurt landete neben ihr. ‚Na toll!‘ dachte sie ‚Ausgerechnet der gemeine Kurt erfährt als Erster, dass ich mich habe nassregnen lassen.‘ Er würde sie auslachen und allen von ihrem Missgeschick erzählen. „Tüpfelchen, wo bleibst du?“ fragte der gemeine Kurt und klappte aufgeregt seine rotbraunen Flügel auf und zu. Kleinlaut gab sie zu „Ich bin nass geworden.“ und kaum hörbar flüsterte sie „und jetzt kann ich einen Flügel nicht richtig ausbreiten.“ „Lass‘ mal sehen.“ sagte er und da stand er schon hinter ihr. „Oh weh Tüpfelchen, dein linker Flügel ist gebrochen. Du musst zu Doktor Hüpfer. Ich hol‘ ihn.“  Ehe sie widersprechen konnte, flatterte er davon. ‚Der gemeine Kurt will Dr. Hüpfer holen?‘ wunderte sich Tüpfelchen. Da hörte sie wieder das „Flap flap“ vom gemeinen Kurt und dahinter das „Hops hops“ von Dr. Hüpfer. Der Doktor untersuchte lange ihren Flügel und stellte dann die befürchtete Diagnose „Flügelbruch!“ Er nickte ernst „Das muss geschient werden. Tut auch ein bisschen weh.“ Das klang gar nicht gut. Ängstlich schaute Tüpfelchen zum gemeinen Kurt. Der lächelte aufmunternd „Halte dich an mir fest, dann tut es nicht mehr so weh.“ So machten sie es. Dr. Hüpfer band mit einem kleinen Grashalm den Flügel fest zusammen und Tüpfelchen hielt sich ganz doll am gemeinen Kurt fest. Als Dr. Hüpfer weitergehopst war, fragte Tüpfelchen „Kurt, warum nennt man dich den gemeinen Kurt?“ Jetzt war der gemeine Kurt kaum zu hören „Weil ich mal die Bibi vom Ast geschubst habe.“ „Das war wirklich gemein.“ meinte sie. „Aber Tüpfelchen“ er weinte fast „da war ich noch eine Raupe. Eine kleine hässliche Raupe.“ Sie überlegte. Als Larve hatte sie sich einmal vorgedrängelt, weil sie unbedingt die Blattlaus, die direkt vor ihr war, haben wollte. Keiner nannte sie deshalb bis heute das gemeine Tüpfelchen. Sie lächelte „Dann sollst du ab heute der liebe Kurt sein.“ Kurt nickte erleichtert.

Dann fiel Tüpfelchen etwas ein. „Musst du nicht weg? Der Wettbewerb hat doch längst angefangen.“ Doch der liebe Kurt schüttelte den Kopf. Er wolle sie nicht alleine lassen. Schließlich könne er auch nächstes Jahr wieder zusehen. Tüpfelchen und der liebe Kurt redeten und spielten noch lange. Abends verabschiedete sich der liebe Kurt von ihr und versprach, sie morgen besuchen zu kommen.

Am nächsten Tag kamen erst einmal alle Freunde vorbei und fragten, warum sie gestern nicht mitgeflogen sei. Jedem musste Tüpfelchen berichten, wie sie sich den Flügel gebrochen hatte. Sie erzählte auch, wie der Kurt ihr geholfen hatte. Als sie dann noch sagte, dass der gemeine Kurt jetzt der liebe Kurt ist, stimmten ihr alle zu. Am Nachmittag kam der liebe Kurt vorbei und wieder redeten und spielten sie lange.

So ging es mehrere Tage. Ihre Freunde und der liebe Kurt besuchten sie und so merkte sie gar nicht, wie die Tage vergingen. Doch dann kamen immer weniger zu Besuch und Tüpfelchen fing an, sich zu langweilen. Sie setzte sich und sah den Anderen beim Fliegen zu. „Flap flap“ flatterten die Schmetterlinge, „brum sums“ machte die Hummel und „brrs brrs“ der Maikäfer. Selbst der gefährliche Spatz flog weit oben über sie hinweg und tschilpte dabei. Alle, aber wirklich alle schienen fliegen zu können, nur sie nicht. Das machte Tüpfelchen traurig und sie fing an zu weinen.

„Nanu“ sagte jemand hinter ihr „möchtest du etwa Regenwolke spielen?“ Sie drehte sich erstaunt um. Auf leiser Spur war Theresa, die Schnecke herangekrochen. Tüpfelchen schüttelte mit dem Kopf „Nein. Ich bin nur so traurig, weil ich nicht fliegen kann.“ „Das kann ich auch nicht.“ erwiderte Theresa. „Ja, aber du bist -“ sie biss sich auf die Zunge. „Ich bin was?“ fragte Theresa neugierig. „Na ja, eine Schnecke. Die fliegt nicht.“ antwortete Tüpfelchen und zog schnell den Kopf ein. ‚Jetzt wird Theresa schimpfen.‘ dachte sie. Doch diese lachte nur gelassen. „Das wäre lustig. An meinem Häuschen noch Flügel dran.“ kicherte sie. Da musste auch Tüpfelchen lachen. Theresa und Tüpfelchen saßen den ganzen Tag zusammen. Theresa wusste Vieles zu erzählen. „Woher weißt du das alles?“ staunte sie. „Vom Langsam sein.“ antwortete Theresa. „Vom Langsam sein?“ wiederholte Tüpfelchen. Theresa erklärte ihr, dass sie durch das langsame Kriechen viele Dinge genau beobachten könne. Dadurch sähe sie auch, wie sich etwas verändert, wie es wächst. „Flap, flap“ machte es und der liebe Kurt landete neben ihnen. „Ach schau an.“ begrüßte ihn Theresa „was doch aus der kleinen Raupe geworden ist.“ Der liebe Kurt wurde puterrot. „Ein besonders hübscher Schmetterling.“ ergänzte sie. Tüpfelchen sah Theresa verwundert an. „Hast du denn noch nie seine Flügel gesehen?“ fragte Theresa „Doch“ nickte Tüpfelchen „Seine rotbraunen Flügel sehe ich doch immer.“ „Rotbraun?“ wunderte sich Theresa. Dann wandte sie sich dem lieben Kurt zu. „Komm, sei so nett und zeige uns deine Flügel. Doch der liebe Kurt wollte das nicht. „Sie sind so hässlich. Was soll auch aus einer hässlichen Raupe werden?“ Mit viel gutem Zureden gelang es Theresa schließlich, dass er seine Flügel öffnete. Tüpfelchen blieb der Mund offen stehen vor Staunen. „Kurt“ stammelte sie „Weißt du eigentlich, wie schön du bist?“ „Deine Flügel sind samtbraun mit orangen Streifen. An den Seiten sind weiße Punkte und unten hast du einen hellblauen Fleck.“ Kurt winkte ab. „Nein, es ist wahr!“ beharrte Tüpfelchen. „Wenn du dich selbst sehen könntest, dann würdest du nie mehr sagen, dass du hässlich bist.“ Da fing Kurt an zu weinen. „Aber ich bin hässlich. Alle haben zu mir gesagt, dass ich hässlich bin. Und wenn sie es…“ „Die Anderen sagen es, weil sie nicht sehen, was wir jetzt sehen.“ fiel ihm Tüpfelchen ins Wort. „Zeige ihnen doch deine hübschen Flügel, dann werden sie dich nicht mehr hässlich finden.“ „Das solltest du wirklich tun!“ mischte sich jetzt Theresa ein.  „Aber wie?“ überlegte Tüpfelchen. Lange dachten sie darüber nach, wie sie das anstellen könnten. Da hatte Tüpfelchen eine Idee „Wir machen eine Party und laden alle ein. Dann werden Kurt und ich zusammen tanzen und zum Schluss wird Kurt seine Flügel öffnen.“ Der liebe Kurt zögerte noch eine Weile, dann stimmte er zu. So war es beschlossen: Gleich am nächsten Nachmittag würde der liebe Kurt mit Tüpfelchen tanzen üben.

So kam es, dass Tüpfelchen die nächsten Tage viel zu tun hatte: Vormittags lernte sie von Theresa das Langsam sein und nachmittags brachte sie dem lieben Kurt das Tanzen bei. Das war nicht immer einfach, besonders dann, wenn der liebe Kurt ihr mal wieder auf die Füße getreten war. Doch weil sie wusste, dass Theresa viel Geduld mit ihr hat, gab sie sich große Mühe ihm auch eine gute Lehrerin zu sein. Eines Tages klappte es. Der liebe Kurt tanzte jeden Schritt ohne zu stolpern und öffnete zum Schluss seine wunderschönen Flügel. „Perfekt!“ jubelte Tüpfelchen. „Morgen laden wir alle ein und dann werden wir tanzen.“

Am nächsten Tag hatten die drei viel zu tun. Der liebe Kurt flog los, um alle einzuladen, während Tüpfelchen und Theresa den kleinen Sandplatz aufräumten und weiche Blätter hinlegten.

Nach und nach kamen alle Gäste an. Sogar von der Nachbarwiese krabbelten einige Käfer herbei.

Als sie sich alle auf die weichen Blätter gesetzt haben, stellten sich Tüpfelchen und der liebe Kurt in der Mitte auf. Was waren sie beide aufgeregt! Tüpfelchen nickte dem lieben Kurt aufmunternd zu und dann begannen sie zu tanzen. Tüpfelchen merkte, wie sich ihre Aufregung legte und es begann ihr richtig Spaß zu machen. Jeder Schritt stimmte. Dann kam der Abschluss. Der liebe Kurt blieb stehen und breitete weit seine Flügel aus. Tüpfelchen schielte zu den Gästen.  Keiner sagte etwas. Doch dann klatschten alle begeistert in die Hände. Sie standen von den weichen Blättern auf und umringten den lieben Kurt. „Kurt, Kurt“ riefen sie „Wir wussten gar nicht, wie schön du bist!“ und „Darf ich mal sehen?“ und „Bittet, bitte, zeige sie uns noch einmal!“ Alle waren sich einig, dass der liebe Kurt ein wunderschöner Schmetterling ist.

Tüpfelchen stand daneben und freute sich. „Das hast du sehr gut gemacht!“ sagte eine leise Stimme zu ihr. Sie drehte sich um. Theresa sah sie liebevoll an. „Danke.“ freute sich Tüpfelchen. „Jetzt ist alles gut.“ Theresa nickte. An diesem Abend schlief Tüpfelchen glücklich ein.

Der liebe Kurt weckte sie am nächsten Morgen „Aufstehen Tüpfelchen! Doktor Hüpfer ist hier“ „Doktor Hüpfer?“ fragte sie verschlafen. „Ja, Doktor Hüpfer.“ Der liebe Kurt flatterte ganz aufgeregt um sie herum. „Deine Schiene kommt doch heute ab.“ Ach ja! Vor lauter tanzen üben hatte sie ihren gebrochenen Flügel ganz vergessen. Doktor Hüpfer band den Grashalm ab und bat sie, den Flügel zu bewegen. Sie probierte es vorsichtig. Es tat nicht weh! Dann versuchte sie ein wenig zu flattern. Auch das klappte. Nun hielt sie nichts mehr. Sie hob ab und flog eine große Runde über die beiden hinweg. „Oh wie schön. Ich kann wieder fliegen.“ jubelte sie. Lachend landete sie neben dem lieben Kurt. Der freute sich mit ihr und auch Doktor Hüpfer nickte froh.

Tüpfelchen, der liebe Kurt und die anderen Käfer und Schmetterlinge verbrachten den restlichen Sommer gemeinsam. Sie spielten und flogen und – das war nun sehr beliebt – sie tanzten miteinander.

Wenn Tüpfelchen später ihren Kindern  von früher erzählte, sagte sie immer, dass der Sommer, in dem sie sich den Flügel gebrochen hatte, der schönste gewesen wäre.

Der liebe Kurt
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Prognosen

Irgendwie scheint gerade eine Katastrophe die nächste zu jagen. Wir sind noch inmitten einer Pandemie, da gibt es in Deutschland plötzlich ein Hochwasser in einem Ausmaß, mit dem keiner gerechnet hat und dann explodiert ein Tanklaster in Leverkusen. Was passiert als Nächstes?

Weiß keiner. Ausnahmsweise gibt es diesmal keine Experten, die genau wissen, welche Katastrophe wo passieren wird. Im Gegensatz zur Pandemie, bei der sie sich viele mit Prognosen überschlagen, zucken hier alle mit den Schultern.

Merkwürdig, dass es viele Experten gibt, die das Verhalten von einem unbekannten Virus voraussagen wollen, aber bei einem Fluss, dessen Verlauf bekannt ist, da hat keiner mit diesem Hochwasser gerechnet. Waren alle überrascht.

Denn im Grunde genommen kann keiner voraussagen, was als Nächstes passiert.

Geben wir doch endlich zu, dass wir Menschen sind. Wir haben nur begrenzt die Dinge in der Hand. Wir sind, ob es uns bewusst ist oder nicht, von Gott abhängig.

Wir können planen, aber wenn Gott das nicht möchte, wird es nicht passieren. Das zeigt die Geschichte und auch die Bibel berichtet davon. Großartige Herrscher sind plötzlich untergegangen und Armeen in Überzahl haben den Kampf verloren. Da wir in der heutigen Zeit Gott nicht mehr auf dem Schirm haben, erklären wir die Ereignisse mit erstaunlichen Zufällen weg.  

„Wir brauchen Gott nicht!“ ist der Tenor der modernen Gesellschaft. Wir können das Gefühl der Hilflosigkeit nicht zulassen. Wir antworten auf Katastrophen und Krisen mit Plänen und Lösungen. Wenn etwas nicht klappt, suchen wir den Schuldigen. Irgendein Chef hat versagt. Aber was, wenn wir alle schuldig sind? Weil wir nicht nach Gott gefragt haben? Weil wir alles für machbar und alle Probleme für lösbar halten? Was, wenn die Lösung lautet „Kehre zu Gott um!“.

Wenn ein größeres Projekt geplant ist, wird eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Aber wird dabei einmal gefragt, ob Gott dieses Projekt gut heißt? Mir fällt dazu der Turmbau zu Babel ein. In 1. Mose 11, Verse 1 bis 9 wird davon berichtet, dass die Menschen eine Stadt und einen Turm bauen wollten, damit sie nicht über die ganze Erde zerstreut leben. Sie wollten sich selbst einen Namen machen, nicht Gott. Gott verwirrte darauf die Sprache und sie verstanden sich nicht mehr.

Übrigens bewirkte er zum Pfingstfest nach der Auferstehung Christi genau das Gegenteil: Hier sorgt er dafür, dass die Jünger so reden, dass die Anwesenden, die aus den verschiedenen Ländern kommen, sie verstehen. (Apostelgeschichte 2,4 bis 13) Das nur am Rande.

Der Mensch erhebt sich und möchte wie Gott sein. Dieser Wunsch brachte Adam und Eva dazu, die verbotene Frucht zu essen. Es war nicht die Frucht an sich, sondern das Angebot, dass sie nach dem Essen wie Gott sein werden.(1. Mose 3,5)  

Wenn man selbst Gott ist, ist man nicht mehr abhängig von ihm. Ich habe alles in der Hand und kann machen, was ich will.

Aber wir sind abhängig von Gott und dürfen eben nicht machen, was wir wollen. Was ist so schlimm daran? Was ist so schlimm daran, von einem Gott, der die Liebe selbst ist, abhängig zu sein? Ich denke das ist genau das Problem. Die wenigsten von uns wissen, wie sehr uns Gott wirklich liebt. Wir tragen oft falsche Gottesbilder in uns. Ein Gott, der uns gefühlt alles verbietet, was Spaß macht. Ein Gott, der für uns der strenge Lehrer ist, der nichts durchgehen lässt.

Aber im ersten Johannesbrief heißt es „Gott ist die Liebe…“ (1. Johannes 4, 16) Verbietet Liebe alles, was Spaß macht? Führt Liebe Strichlisten über gemachte Fehler? Paulus gibt einen ausführlichen Überblick, was Liebe tut. (1. Korinther 13, 1 bis 8)

Ein kleines Kind hat kein Problem damit, abhängig von den Eltern zu sein. Das Vertrauen in sie ist groß. Was gibt es Schöneres, als sich von jemandem abhängig zu fühlen, von dem man sich gleichzeitig geliebt weiß?

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen.“ heißt es in Matthäus 18,3.

Ich denke, dass ist das Wesentliche am christlichen Glauben. Wenn ich Gott wie ein Kind vertraue, dann muss ich nicht mehr wissen, was als Nächstes passiert. Dann kann ich sogar ein wenig über die angstmachenden Prognosen lächeln. Denn Gott weiß, was ich brauche und sorgt für mich.

Mehr muss ich nicht wissen.

Amen.

Repost: Die Sehnsucht im Herzen

„Als Gott der Herr die Welt schuf, schuf er auch die Sehnsucht.“ Pastell auf Acryl

Als Gott der Herr die Welt schuf, schuf er auch die Sehnsucht. Er sagte ihr, sie dürfe drei Tage lang durch die Welt streifen, und nach dieser Zeit, würde Er ihr, ihren festen Platz zeigen. So machte sich die Sehnsucht auf den Weg.

Sie durchquerte den Regenwald, fror ein wenig in der Arktis, machte es sich nachts in der Wüste gemütlich, und saß am Ozean und sah zu, wie die Wellen entstanden.

„Sie durchquerte den Regenwald.“ Pastell auf Acryl

Nach drei Tagen stand sie vor dem Thron des Herrn. Der Herr fragte sie: „Liebe Sehnsucht, hast du die Welt gesehen?“ „Ja Herr, sie ist wunderschön. Ich erkenne darin deine Handschrift. Du hast sie sehr gut gemacht!“ antwortete die Sehnsucht.

In diesem Augenblick trat ein Engel, der mit vielen anderen vor dem Thron stand, ein wenig zur Seite. Einen kurzen Moment konnte die Sehnsucht einen winzigen Teil von der Herrlichkeit Gottes sehen. Die arme Sehnsucht – denn das Licht war so hell und schön, dass sie beinahe erblindet wäre. Schützend legte der Engel einen Flügel  über ihre Augen, und schloss schnell die entstandene Lücke.

„Schützend legte der Engel einen Flügel über ihre Augen.“
Pastell auf Acryl

Der Herr nahm die Sehnsucht bei der Hand und führte sie. Sie kamen zu einem, für die Sehnsucht unbekanntes Gebilde. Der Herr nahm die Sehnsucht und stellte sie hinein. Da begann die Sehnsucht zu fragen: „Herr, in was für ein Gebilde hast du mich hineingestellt?“ „Das, liebe Sehnsucht, ist das menschliche Herz.“ antwortete der Herr. „Herr, was hast du mit meinen Füßen gemacht? Du hast sie so tief hineingesteckt, dass ich nicht mehr gehen kann!“ klagte die Sehnsucht. „Liebe Sehnsucht,“ sagte der Herr „ich möchte, dass du ganz fest im Herzen verwurzelt bist!“

Wieder fing die Sehnsucht an: „Herr, hier ist es so dunkel! Warum sollte ich vorher die Welt sehen?“ Der Herr erklärte ihr:

„Liebe Sehnsucht, die Menschen werden sich von mir abwenden. Doch du bringst sie zu mir zurück. Der Mensch kann sich nur nach etwas sehnen, was er gesehen hat, oder zu kennen meint!“

Gott!

Ich staune über dich! Ich möchte ein Lobgesang für dich anstimmen, doch bleibe ich stumm. Mir fehlen die Worte. Es gibt Psalmen und unendlich weitere Lobpreislieder, zu jeder Zeit fanden Dichter Worte für dich. Doch keins davon scheint mir passend für dich! Keins beschreibt, was du für mich bist. Ich kniee vor dir und stammle mein Lob, versuche dir zu sagen, wie dankbar ich dir bin. Mein Gott, ich liebe dich! Nie hätte ich gedacht, dass ich das mal sage. Aber ich kann nicht anders. Du hast mich zuerst geliebt! Du hast mich aufgehoben, als ich verwundet am Boden lag. Als ich nicht mehr wollte, ich schwer enttäuscht von Menschen war und auch dir nicht mehr vertrauen wollte, hast du dich zu mir geneigt. Du hast meine Verletzungen verbunden und meinen Schmerz gelindert. Vorsichtig hast du mich an die Hand genommen und mir eine Liebe gezeigt, von der ich nichts ahnte! Deine Liebe!

Du hast mir eine Wunde zugefügt, eine tiefe Sehnsucht in mir geweckt. Die Sehnsucht nach dir und nach meiner Heimat. Dahin werde ich gehen , wenn hier mein Lauf vollendet ist. Dann werde ich zurück sein und dich endlich sehen, mein Gott.

Dann werde ich auch die Worte finden, um dir sagen zu können, wie sehr ich dich liebe.

Bis dahin halte ich es aus, begleitet und getröstet von deinem Geist. Ich fasse es nicht, was du für mich getan hast. Es gibt niemanden, der dir gleich ist, niemanden, der mich mehr liebt, als du! Du liebst mich zurecht!

Ich wollte immer mein Leben leben, niemand sollte sich einmischen! Ich habe auf Menschenrat gehört und wurde enttäuscht. Weil ich dich nicht kannte, habe ich geglaubt, dass auch du mich enttäuschen wirst. Weil ich dich nicht kannte, dachte ich, dass du mich in eine Falle lockst. Doch jetzt lerne ich dich kennen und ich merke: Ich kann mich fallenlassen in dir! In dir bin ich geborgen! Mit dir macht meinen Leben einen Sinn.

Gehorsam, Demut und Hingabe – das waren Worte für mich, die klangen nach Krankheiten. Jetzt möchte ich mich dir hingeben, es lernen, dich zu lieben, indem ich liebe. Indem ich selbst Menschen liebe, die sonst schwierig für mich sind.

Ich weiß nicht, was mir passiert ist. Ich komme mir vor, wie ein geschlagener Krieger, wie jemand der seine Waffe niederlegt und sich beugt vor dem Sieger. Doch bist du mehr für mich als ein Sieger. Du hast nicht mit mir gekämpft, du hast mein Herz berührt. Es wurde heil unter deiner Berührung.

Mein Spiegel sagt, ich bin dieselbe, doch das stimmt nicht. Es hat sich etwas geändert. Du hast etwas geändert. Ich verstehe es nicht. Aber es reicht mir zu wissen, dass du mich liebst. Du bist alles für mich!

Amen.