Ein Glas Saft!

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Kennt ihr das? Manchmal verteidigen andere das Handeln schwieriger Menschen. Da beleidigt dich jemand und jemand springt ein: „Ja, war nicht nett, aber nimm‘ mal Rücksicht, ihm geht es gerade nicht gut!“ Dann werden noch irgendwelche Umstände angeführt wie z. B. eine Migräne o. ä.– Alle  mal die Hand hoch bitte, denen es gerade richtig gut geht. Wer ist der Meinung, dass er den Sommer seines Lebens erlebt? Meine Hand bleibt unten.

Das erinnert mich an einen denk-würdigen Dienst, während meiner Zeit als Krankenschwester:

Zuerst fuhr ich zu einer Patientin. Sie beklagte sich bitter bei mir. Sie war zu Fuß in die Stadt gelaufen und auf dem Rückweg habe sie so schlimme Knieprobleme bekommen, dass sie jetzt am liebsten sterben wolle. Ich erfüllte bei ihr meine Arbeit und fuhr weiter.

Meine nächste Patientin war schwer krank und bettlägerig. Als ich ihre Wohnungstür aufschloss bekam ich einen Schreck. Ich dachte bei mir, dass ich mich eine halbe Stunde an ihr Bett setzen würde und dann würde ich den Arzt anrufen, damit er den Totenschein ausfüllt. Doch sie lächelte mich an. „Im Kühlschrank!“ sagte sie mit heiserer Stimme. Ich fragte nach, was denn im Kühlschrank sei. „Saft!“ antwortete sie. „Sie wollen Saft trinken? Gern, hole ich Ihnen!“ meinte ich. „Nein! Für Sie!“ – Ich war sprachlos! Diese Frau hätte allen Grund gehabt, zu jammern und zu klagen. Sie war schwerkrank und wusste, dass sie bald sterben würde. Doch ihre erste Sorge galt mir, der Krankenschwester. Ich könnte an einem heißen Sommertag zu wenig trinken!

Das war gelebte Demut für mich. Sie hat mich höher geschätzt als sich selbst. Mir ist bewusst, dass diese Demut nicht von ungefähr kam. Sie hat sie jahrelang eingeübt.

Für mich ist diese Dame ein Vorbild.

Seitdem weiß ich, dass es nicht an den äußeren Umständen liegt, sondern an der inneren Entscheidung, wie jemand reagiert.

Keiner von uns kommt ohne Narben durchs Leben. Ich denke, wenn wir die seelischen Wunden von jemanden sehen könnten, wie die körperlichen, wir würden miteinander behutsamer umgehen.

Ich aber möchte mir wieder und wieder bewusst machen, dass der andere nichts für meine Vergangenheit kann. Der Pastor in meiner neuen Gemeinde kann nichts für das, was der andere in der ehemaligen Gemeinde mir angetan hat.

Der andere kann auch nichts dafür, dass es mir gerade körperlich schlecht geht oder mir Sorgen um meine Zukunft mache.

Ich möchte nicht zu einem lebenden Minenfeld mutieren.

Ich möchte mich darin üben, den anderen höher zu schätzen, als mich selbst.

Wenn ich es täglich übe, werde ich es auch dann können, wenn ich eigentlich allen Grund hätte, zu jammern und zu klagen.

Jesus war Single!

Als ich mich zu Weihnachten mit Maria beschäftigte, bin ich über etwas gestolpert, dessen Tragweite mir heute erst bewusst wird.

Weil es mich interessierte, wie es denn nun genau war mit Maria und warum sie nicht wegen vermeintlichen Ehebruchs gesteinigt wurde, fand ich mich plötzlich in Rechtskunde im Alten Israel wieder. Ein Nebensatz machte mich neugierig. Da wurde darauf hingewiesen, dass ein Bastard ein Kind ist, dessen Vater unbekannt ist. Deswegen durfte solch ein Kind im Alten Israel nicht heiraten. Laut einer Webseite über jüdisches Recht (http://juedisches-recht.org/mc-famil-r-mamser.htm) bezieht sich 5. Mose 23, 3 „In die Versammlung des Herrn darf kein Bastard aufgenommen werden, auch in der zehnten Generation dürfen seine Nachkommen nicht in die Versammlung des Herrn aufgenommen werden.“ darauf, dass kein Bastard einen Juden heiraten darf. Laut dieser Webseite darf er auch nicht einen anderen Bastard heiraten.

Im Alten Israel wurden zudem unverheiratete Männer skeptisch angesehen. In Sirach 26, 31 heißt es „ Wie man einem bewaffneten Räuber nicht traut, der von einer Stadt in die andre schleicht, so traut man auch nicht einem Mann, der kein Heim hat und dort bleiben muss, wo er am Abend hinkommt.“

D. h. wenn ich richtig schlussfolgere, war die Ehelosigkeit Jesu nicht von ihm freiwillig gewählt, sondern entsprach jüdischem Recht. Denn aus der Sicht der damaligen Rabbiner war der Vater von Jesus nicht bekannt. Er wurde dazu noch skeptisch angesehen. Dann wirkt plötzlich der Satz „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lukas 9, 58) als Hinweis auf seinen Makel, also die Ehelosigkeit, weil er ein Bastard ist. Es ist, als wolle er damit sagen, dass er nicht hoch angesehen ist und deshalb solle sich der andere gut überlegen, ob er ihm folgen möchte.

Dann bekommt seine Aussage „Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.“ noch eine andere Brisanz. Jesus wurde von Menschen unfähig zur Ehe erklärt. Er hat sich bestehenden Gesetzen untergeordnet. Das ist auch eine Form von Demut.

Oft wird gepredigt, dass Jesus sich dem Menschen gleich machte. Er hat allen Schmerz und Kummer gekannt und hat ziemlich alle Facetten des menschlichen Lebens mitgemacht, bis auf eine: Er hatte keine Partnerin und keine Nachkommen. Er weiß nicht aus persönlicher Erfahrung wie es ist, abends nach Hause zu kommen, von einer lieben Frau empfangen zu werden, mit ihr und den Kids gemeinsam Abendbrot zu essen, sich anzuhören, dass eins von ihnen Nachbars Fenster eingeschmissen hat und das andere für aufmerksames Zuhören in der Thoraschule gelobt wurde.

Auch wenn es sinnvoll klingt und es sicher auch theologisch schwierig geworden wäre, wenn Jesus Nachkommen gehabt hätte, es ist ein Mangel, etwas, was er entbehrt hat. Vielleicht hat er in der Wüste u. a. darüber getrauert und sich dazu durchgerungen, auch an diesem Punkt sich seinem Vater und den Menschen unterzuordnen.

Es ist ein Mangel, den man nicht mal eben rational annehmen kann. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung. Auch das skeptisch angeschaut werden, weil man unverheiratet ist, kenne ich nur zu gut. In freien Gemeinden schlug mir als Single oft eine merkwürdige Mischung aus Ablehnung und Mitleid entgegen. Single-Sein gehört nicht zum Konzept von vielen Freikirchen. Single ist man bloß vorübergehend, es ist eine „Unpässlichkeit“. Die Großstadt, in der ich wohne, ist Single-Hochburg. Trotzdem reden viele freikirchliche Pastoren davon, dass „Kinder, die Zukunft der Gemeinde“ sind. In den Gemeinden gibt es häufig alle möglichen Gruppen: Pfadfinder, Hausaufgabenbetreuung, Mutter-Kind-Gruppen, Seniorenarbeit, aber oft genug keine Single-Gruppe. Unglaublich, wie ich da ausgegrenzt werde!

In der Gesellschaft ist es nicht besser. Im Restaurant bekomme ich den Katzentisch, weil die guten Tische den Paaren und Familien vorbehalten sind. Es gibt Paar-Rabatt und Familien- Arrangements, aber Singles dürfen den Einzelzimmerzuschlag zahlen.

Wie tröstlich ist es da zu wissen, dass Jesus auch Single war. Er weiß, wie es sich anfühlt, mit einem Makel behaftet zu sein. Zum Schluss wurde er nicht nur deswegen ausgegrenzt. Er ist diesen Weg bis zum Ende am Kreuz demütig gegangen. Nicht einmal hat er auf eine Sonderregelung bestanden. Gott hätte eine Lösung gefunden, um den Makel, dass er ein Bastard war, aufzulösen. Doch Jesus fügte sich darein.

Trotz dieses Makels folgten ihm die Menschen nach. Zumindest bis kurz vor dem Pessach war er ein vielgefragter Mann. Er muss eine positive Ausstrahlung gehabt haben.

Für mich lerne ich daraus, meine äußeren Umstände demütig anzunehmen und dass mein Makel, unverheiratet zu sein, bei Gott nicht zählt. Ich gehöre dazu, darf dabei sein. Alle meine Makel werden von Ihm in Makellosigkeit verwandelt.

Amen.

Ehre

Ich denke gerade über Ehre nach. Das ist ein schwer zu fassender Begriff. Wir halten etwas in Ehren, wir verehren jemanden, bei der Hochzeit verspricht das Brautpaar sich gegenseitig zu achten und zu ehren, mancher, der sich engagiert, arbeitet ehrenamtlich und auf der Beerdigung wird dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen.

Wikipedia definiert Ehre mit „Achtungswürdigkeit“ bzw. „verdienter Achtungsanspruch“. Doch worauf begründet sich diese Achtungswürdigkeit? Womit habe ich denn den Anspruch auf Achtung verdient? Kann ich mir überhaupt Achtung bzw. Respekt verdienen? Hat jemand, der nichts leistet, Respekt verdient? Ein Wachkomapatient zum Beispiel, er leistet nichts – muss ich ihn ehren?

Klar, er ist ein Mensch! – Aber Moment mal, hieße das, dass all das Gehabe um Ehre umsonst ist? Viele junge Männer sind in leidvollen Kriegen „Für Ehre und Vaterland“ gestorben, so manche Kneipenprügelei entstand, weil jemand die Ehre seiner Frau wiederherstellen wollte und ganze Bandenkriege sind wegen verletzten Familienehren entstanden.

Was würde passieren, wenn plötzlich ein Philosoph unwiderlegbar feststellen würde, dass Ehre ein Konstrukt ist, das in Wirklichkeit nicht existiert?

Es würde den erwähnten Kriegen und Prügeleien den Grund wegnehmen. Viele Statussymbole, die wir meinen zu brauchen, wie z. B. Markenklamotten würden plötzlich den Wert verlieren. Aber, in letzter Konsequenz würden sicher viele auch depressiv werden.

Der Mensch braucht Bestätigung. Er braucht es, gesehen zu werden. Doch Gott sieht uns. Hagar, die geflohene Magd Abrams, bezeichnet Gott als den „Gott der mich sieht“ (1. Mose 16, 13) Gott sieht mich!

Nicht nur das: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott, und mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt.“ (Psalm 8, 5)

Ein wenig niedriger als Gott selbst – wow! Das ist kein verdienter Achtungsanspruch. Es ist nicht meine persönliche Leistung. Diese Ehre kann ich nicht erarbeiten.

Ich brauche keine Marken-Handtaschen, kein großes Auto und selbst, wenn ich arbeitslos oder krank bin, muss ich mich nicht verstecken.

Diese Ehre kann mir keiner nehmen. Gott hat mir Ehre, im Sinne von Würde gegeben! Ich bin ein Geschöpf Gottes, das ein wenig niedriger als Gott selbst ist!

Wow! und Amen!

Verschenkte Gnade

Vor kurzem war ich im Stadtzentrum und habe Sandwiches an die Straßenkumpels verteilt. Nachdem ich alles verteilt hatte, ging ich zum Parkhaus zurück. Da bemerkte ich einen, der das Brot, das ich ihm gegeben habe, an die Tauben verfütterte. Das gab mir ein Stich ins Herz. Ich habe das Brot extra eingekauft, mir wirklich Mühe gemacht. Ich überlegte, ob ihn deswegen anspreche.

Da fiel mir ein: Benehmen wir Menschen uns nicht Gott gegenüber genauso? Gott möchte uns nahe kommen, uns seine Liebe zeigen. Er hat sich wirklich Mühe gemacht und seinen Sohn auf diese Erde gesandt. Es ist Gnade. Gnade wird oft leichtfertig als „Geschenk“ übersetzt. Doch Gnade ist weit mehr als ein Geschenk. Wer kennt sie nicht die Geschenke, die man bekommt und sich nicht gewünscht hat? Die potthässliche Kristallvase, die partout nicht kaputt gehen will? Höchstens beim Schrottwichteln wird man sie noch los.

Die Kristallvase sichert nicht unser Überleben. Aber wenn es um unser Weiterleben nach dem Tod geht, sind wir Bettler. Wir brauchen Gottes Gnade. Wir können nicht Gott begegnen, ohne seine Gnade anzunehmen.

Der moderne Mensch denkt, dass er Gott nicht braucht. Ja, er ist überzeugt davon, dass Gott nicht existiert. Wir betteln nach Liebe und suchen sie in sexuellen Abenteuern. Eine Seitensprung-Agentur wirbt im Moment auf großen Plakaten mit Sprüchen wie „Ich ziehe auch nicht jeden Tag das Gleiche an!“ – Was für eine Maßlosigkeit! Der Partner wird nur noch als Objekt betrachtet. Der höchste Genuss mit Nervenkitzel wird gesucht. Doch die Seele geht dabei leer aus.

Dabei steht Gott direkt daneben. Er macht ein großartiges Angebot: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4,14) Die Seele könnte satt werden, wenn der Mensch sich nicht verführen ließe von den tollen Versprechungen dieser Welt.

Wir sind Bettler, die noch nicht einmal merken, dass sie betteln. Wir sind dabei zu verdursten, unsere Seelen verkümmern, doch wir halten nur Ausschau, nach dem nächsten großen Kick – das neueste Handy, das größte Auto, der Mega-Trend vom bekanntesten Influencer.

Wie sehr muss es Gott schmerzen, wenn er uns sieht, wie wir das dargebotene Brot an die Tauben verfüttern. Das gebrochene Brot, die Liebe in Person – Christus.

Ich möchte das Brot annehmen. Mir ist bewusst, dass ich bloß ein hungriges Kind bin. Doch mehr muss ich nicht sein. Ich habe einen Vater, der mich versorgt.

Der Ikonenmaler

Abb. aus: Wolfgang Fleckenstein „Ikonen sehen, wahrnehmen und gestalten“, 2018, Ostfildern

In einem kleinen Dorf lebte ein Ikonenmaler. Er hatte schon viele Ikonen gemalt und war für seine Arbeiten bekannt.

Eines Tages wanderte er in einer schönen Gegend. Doch er verlief sich. Endlich sah er von weitem eine kleine Kapelle. Als er dorthin kam, war sie offen und er ging hinein. Er setzte sich auf eine Bank und betrachtete die Kapelle. An einer der Wände bemerkte er einen Fleck, die Umrisse eines Bildes. Als er sich diesen Umriss genauer ansah, kam der Priester herein, der gerade abschließen wollte. Der Maler fragte ihn wegen der fehlenden Ikone. Der Priester erzählte ihm, dass sie schon vor vielen Jahren gestohlen wurde. Die Gemeinde sei aber so klein, dass sie kein Geld hätten, eine ähnliche zu kaufen. Darauf bot der Ikonenmaler an, eine Ikone für diese Kapelle zu malen. Der Priester freute sich sehr über das Angebot. Nachdem sie alles genau besprochen hatten, fuhr er den Maler nach Hause.

Zu Hause machte sich der Maler gleich ans Werk. Es sollte eine besondere Ikone werden, eine, wie er sie noch nicht gemalt hatte. Erst suchte er nach dem Motiv. Er entschied sich für Christus mit dem Buch des Lebens. Er begann mit dem Buch. Doch schon stockte er. Das Buch – sollte es mit Edelsteinen verziert sein? Mit welchen? Er entschied sich für Rubine und Smaragde. Dann kam die nächste Frage: Bei welchem Sonneneinfall sehen Rubine am schönsten aus? Wie müssen sie geschliffen sein? Weil er diese Ikone ganz besonders gestalten wollte, fing er an, sich mit Edelsteinen zu beschäftigen. Er schaute Schmuckherstellern zu und fuhr zur Kapelle, um den Sonneneinfall zu beobachten und versuchte sich selbst im Edelstein beschleifen. Dann wandte er sich dem Buch selbst zu, recherchierte zu Goldschnitt und Ledereinband, bereiste Mittelaltermärkte und Museen, um etwas über Buchbindekunst zu erfahren. Er fand sogar einen alten Buchbinder im Ausland, der bereit war, ihm das alte Handwerk beizubringen.

Als er wieder zurück war, begann er sich für Kleiderherstellung zu interessieren. So beschäftigte er sich etliche Jahre mit jedem Detail seiner Ikone. Als er anfing Christus zu malen, merkte er, dass er ihn nicht malen konnte. Nicht so, wie er es wollte. Da fing er an, sich mit Christus zu beschäftigen. Er las die Geschichten in der Bibel neu und auch viele Auslegungen und Kommentare. Doch damit kam er nicht weiter. So bereiste er die Orte, an denen Jesus war. Weil er herausfinden wollte, wie es sich anfühlt, sanftmütig und demütig zu sein, wurde er es. Die Leute bemerkten diese Änderung. War der Maler vorher als „komischer Kauz“ bekannt, kamen sie nun zu ihm und fragten ihn um Rat. Er half, so gut er konnte. Wenn er dann nach Hause kam, malte er an seiner Ikone weiter.

Eines Tages saß er vor seiner fast fertigen Ikone. Er war so in seine Arbeit versunken, dass er nicht bemerkte, wie jemand sein Haus betrat. Erst als er die Anwesenheit spürte, drehte er sich um. Im Raum stand eine Person, größer als ein Mensch. Er konnte nicht sagen, ob sie eine Frau oder ein Mann war. Plötzlich wusste er, dass das unwichtig war, denn diese Person war kein Mensch. Sie schaute kurz auf die Ikone und dann lange auf ihn. Sie lächelte. „Was für ein wunderschönes Bild von meinem Herrn. Er freut sich, es endlich zu sehen!“ Damit nahm sie den Ikonenmaler an die Hand und brachte ihn nach Hause. Zurück blieb die fast fertige Ikone.   

Gerecht wegen Werke? Aus Gnade? Was denn nun?

Nicht, um sich etwas zu verdienen, sondern mit Liebe gebacken.

Vor kurzem las ich in einem Buch, dass Luther am liebsten den Jakobus-Brief aus dem Neuen Testament rausgenommen hätte. Er hat es zwar nicht getan, ihn aber dafür fast ans Ende der Briefe gepackt. Der Vers, mit dem er Probleme gehabt hätte, war Kapitel 2, Vers 14 und dazu passend noch 17:  Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn dieser Glaube retten?“ (14) und „So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.“ (17)

Für Luther standen diese beiden Schriftstellen wohl im Widerspruch zu „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ (Römer 1, 17)

Ich persönlich sehe darin keinen Widerspruch. Durch Gottes Gnade allein bin ich errettet. Doch da kann ich nicht stehen bleiben. Wenn ich Gottes Liebe für mich erkannt habe, möchte ich auf diese Liebe antworten. Doch das kann ich nicht. Ich kann nicht Jesus umarmen, ihm Gutes tun, für ihn den Tisch decken und all die Dinge tun, die ich für einen Menschen machen würde, wenn ich ihn liebe.

Ich kann all das nur stellvertretend für andere tun. Dass Jakobus in diese Richtung denkt, zeigen auch die Verse 15 und 16 “Wenn nun ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und es ihnen an der täglichen Nahrung fehlt, und jemand von euch würde zu ihnen sagen: Geht hin in Frieden, wärmt und sättigt euch!, aber ihr würdet ihnen nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen?“

Es gibt etliche, die von Christen enttäuscht wurden. Ich gehöre dazu. Lieblose Bemerkungen, Ablehnung, hinter dem Rücken reden, Unterstellungen, was man angeblich getan hat, all das ist mir in Gemeinden passiert. Ich bin nicht die Einzige! Was ist da los, in den Gemeinden? Manchmal habe ich den Eindruck, dass zumindest in freikirchlichen Gemeinden die Gnade überbetont wird. Regelmäßig wird gepredigt, dass Gott uns liebt und wir allein aus Gnade gerettet sind. Ja, das stimmt! Aber das ist doch nicht alles. Gott möchte mich verändern. Er möchte in mir ein Gegenüber haben, das auf seine Liebe antwortet. Dieses Antworten drückt sich eben genau in der Liebe zu anderen Menschen aus. Jesus sagt es selbst „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Matth. 25,40)

Ich tue die Werke nicht, um gerettet zu werden, sondern ich tue sie, um auf die Gnade, die mich errettet hat, zu antworten.

Ansonsten würde ich mich benehmen wie ein Kind, das seiner Mutter zum Muttertag Blumen schenkt und sie den Rest des Jahres wie der letzte Dreck behandelt.

Dann liebt dieses Kind seine Mutter nicht. Liebe möchte immer mit Liebe antworten. Entweder mit Komplimenten, Hilfe oder mit Geschenken.

„Liebe geht durch den Magen!“ Auch wenn es wie ein altbackenes Klischee wirkt: So manche Mutter oder Ehefrau hat ihre Liebe durch kochen und backen gezeigt.

Ich kann Jesus keinen Kuchen backen. Aber ich kann ihn für einsame Menschen backen und sie zum Kaffee einladen. So möchte ich Menschen die Liebe erweisen, die ich bei Gott kennengelernt habe.

Der Duft der Rosen

Rosen im Park

Meine Freundin hat mir Rosen aus dem Garten geschenkt. Sie dufteten sehr. Ich habe sie in eine Vase gestellt. Sie war nicht in meinem Blickwinkel, aber jedes Mal, wenn ich vorbeiging, kam mir der Duft entgegen. Nun sind sie verblüht. Ich mag sie gar nicht wegschmeißen, denn sie duften immer noch.

Da fällt mir ein, dass ich als Kind ein Kinderbuch meiner Mutter gelesen habe „Christine sucht den lieben Gott“, eine Flüchtlingsgeschichte. U. a. erzählte der Autor, dass sie abends von Oma erst später abgeholt wurde. So beobachtete sie, wie die Freundin im Bett die Hände faltete und betete „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm‘!“ Nachdem ich das gelesen habe, machte ich das genauso. Ich betete dieses Gebet jeden Abend. Das hat mir keiner gesagt. Ich habe es einfach gemacht. Ich denke, dass Gott dieses Gebet ernst genommen hat. Denn etliche Jahre später habe ich mich dafür entschieden, Ihm nachzufolgen.

Der Autor war schon einige Jahre tot, als ich das Buch las. Er ist wie diese Rosen: verwelkt und doch „duftet“ er noch.

Wir wissen nicht, welch kleine Gesten für Andere wichtig sind. Mir ist es vor kurzem so gegangen. In der Heimat hatte ich das Gefühl, nichts tun zu können. Jedenfalls nichts Wichtiges. Das Einzige, was mir einfiel, war, einer Bekannten eine selbstgemalte Karte zu schreiben, auf der ich noch eine Bibelstelle geschrieben habe.

So jammerte ich Gott etwas vor. Ich fühlte mich nutzlos. Einen Tag später bekam ich eine Antwort von der Bekannten. Sie hat den Vers nachgeschlagen und mehrmals abgeschrieben und dann hat sie ihn an Obdachlose verteilt. Ich war sprachlos. Das hatte ich nicht gedacht! So kann Gott Kleinigkeiten gebrauchen, die wir selbst als „nicht wichtig“ einstufen. Vielleicht trägt ein kleines Samenkorn erst Jahre später Früchte. Etwas, was wir nebenbei gesagt haben, eine kleine Hilfe. Wir selbst haben es längst vergessen, vielleicht schon lange keinen Kontakt mehr zu diesem Menschen, aber er erinnert sich daran.

Ich möchte jetzt Ausschau halten nach den Kleinigkeiten, die ich tun kann. Nicht jeder ist dazu berufen, vor 20 000 Leuten zu predigen. Aber ein Bibelvers auf einer Karte oder das Angebot, für jemanden zu beten in seinem Kummer, ein Anruf im richtigen Moment – all das kann wie der Duft einer Rose sein!  

„… und gewann ihn lieb…“ (Markus 10, 21)

Ich bin beim Lesen im Evangelium über einen Teilsatz gestolpert „Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb…“

Das klingt zunächst nicht besonders. Doch im Zusammenhang wird es auf einmal außergewöhnlich. Es geht nämlich um den Reichen. Es ist die Geschichte, in der der Reiche sich nicht entschließen kann, sein Hab und Gut zu verkaufen, um konsequent Jesus nachzufolgen.

Oft genug wird gepredigt, dass Jesus für alle da ist: für die Armen, die Kranken, die Witwen, überhaupt für Alle. Aber doch nicht für die Reichen, oder?

Es gibt, zumindest in einigen Freikirchen, eine merkwürdige Auffassung. Es darf jemand zur Mittelschicht gehören. Das ist ok. Es darf jemand Hartz-IV –Empfänger sein. Das ist auch ok. Er wird „durchgefüttert“, denn schließlich sind wir sozial. Aber wenn jemand reich ist oder als reich empfunden wird, dann wird die Sache schon schwieriger. Derjenige wird kritisch beäugt. Gibt er auch großzügig den Zehnten? Meint er das mit dem Glauben ernst?

Doch Jesus schaut nicht auf das Bankkonto. Er schaut auf die Person. „Da blickte ihn Jesus an…“ Zum Thema „anschauen“ fällt mir eine andere Bibelstelle ein: „Und sie nannte den Namen des Herrn, der mit ihr redete: Du bist ‚der Gott, der (mich) sieht!…‘ (1. Mose 16, 13) „Sie“ ist Hagar, die Magd Abrams, die vor Sarai geflohen ist.

Ja, jetzt bin ich wieder in sicheren Gewässern. Die verstoßene Magd, dazu noch schwanger, wird von Gott angeschaut. Das fühlt sich wieder richtig an. Doch so leicht komme ich aus dem inneren Spannungsfeld nicht raus. Jesus geht nicht danach, was sich für mich richtig oder falsch anfühlt. Er verflucht mal eben einen Feigenbaum, weil der noch keine Früchte trägt, (Mk 11,14) und hält eine ungerechte Lohnzahlung für richtig. (Matth.20, 1-16)

Jesus liebt. Er liebt auch diejenigen, denen in unserer neidbehafteten Gesellschaft Misstrauen und Verdächtigungen entgegenschlagen. „Die Reichen mal wieder!“ oder „Wer weiß, auf welche Weise er reich geworden ist! Sind doch alle korrupt!“

Ja, erwähnte Geschichte endet damit, dass der Reiche geht. Jesus muss ihn ziehen lassen, aber das ändert nichts an seiner Liebe!

Mir fällt eins auf: Ich habe schon von vielen Gebetsinitiativen gelesen: für Kranke, für Prostituierte, für Moslems, für Politiker, für verfolgte Christen…, aber nicht für Promis.  

Wieso eigentlich nicht? Spätestens, wenn mal wieder in den Nachrichten ist, dass wieder ein Promi tot im Hotelzimmer gefunden wurde, wird klar, dass Promis auch bloß Menschen sind. Sie mögen ja vieles haben, aber das Wichtigste, nämlich Jesus, haben sie oft nicht. Dabei sind viele von ihnen hochsensibel d. h. sie bekommen mehr Reize aus der Umwelt mit, sind feinfühliger. Künstler, Musiker geben oft viel mehr von sich preis, als „normale“ Menschen. Sie stehen im Rampenlicht und bekommen oft genug den Wechsel zwischen unverhohlener Bewunderung und Shitstorm mit. Wenn einer verstehen kann, wie sich kurz hintereinander der Wechsel von Palmsonntag („Gelobt sei er!“) zu Karfreitag („Kreuzigt ihn!“) anfühlt, dann sind sie es!

Wieso also nicht für Promis beten? Sie brauchen auch Jesus. Wäre doch mal ein Schritt in Richtung „bedingungslose Liebe“.

Such dir einen Promi und bete für ihn. Einmal die Woche, also regelmäßig. Unabhängig davon, ob er sehr bekannt oder ein Z-Promi ist. Denn Jesus schaut nicht nur auf die Hungrigen, Armen, Unterdrückten, sondern auch auf die Reichen und Schönen!

Ja, Vater!

Vor etlicher Zeit wurde ich beim Autofahren auf etwas aufmerksam. Ich hatte Zeit, deswegen parkte ich und spazierte hin. Hinter der Kirche war ein Friedhof, soweit nicht außergewöhnlich. Doch plötzlich stand ich vor dem Grab von Matthias Claudius und seiner Frau Rebekka. Nachdem ich eine Weile davor gestanden habe, drehte ich mich um und blieb wie angewurzelt stehen: Ich stand vor dem Grabkreuz eines Pfarrers und über dem Namen standen zwei Worte: „Ja, Vater“. Mehr nicht. Es war kein bekannter Name. Ich würde also nur mit viel Mühe etwas über ihn rausfinden. Ich weiß nur eins: diese zwei Worte haben mich mehr beeindruckt, als so manches prunkvolle Grabmal.

„Ja, Vater.“ – Wie kommt ein Mensch dazu, zu verfügen, dass diese Worte auf sein Grabstein kommen?

Ich habe mal am Rande mitbekommen, dass die Hinterbliebenen einen Vers auf den Stein gravieren ließen, weil dieser denjenigen fast ein Leben lang begleitet hat.

Diese Worte klingen, als hätte derjenige sich ergeben. Hat er aufgegeben? Ich denke, das ist nicht damit gemeint. Ich weiß nicht, was ihm im Leben passiert ist, welcher Schicksalsschlag seine Pläne durcheinander gebracht hat. War es ein Krieg oder sogar mehrere Kriege? Ist eins seiner Kinder gestorben? Oder seine Frau im Kindbett? „Ja, Vater“ scheint die Antwort auf ein Ringen mit Gott zu sein. Sich dreingeben in den Willen Gottes. Annehmen, dass es nicht nach dem eigenen Willen geht.

Mir fällt auf, dass mir nur schlimme Sachen einfielen, die dem Mann begegnet sein könnten. Eine Karriere, eine tolle Familie, eine blühende Gemeinde, der er als Pfarrer vorstand, gehörten nicht zu meinen Ideen. Woher kommt das? Warum stellen wir nur die Frage, warum Gott Leid zulässt? Warum fragen wir nicht mal zur Abwechslung „Warum lässt Gott Glück zu?“ Haben wir Glück verdient?

Die Maßnahmen, die die Pandemie mit sich bringen, sind für mich schwer. An manchen Tagen fällt es mir schwer, damit gut umzugehen. Wieso muss ich da durch? Wieso passiert das während meines Lebens? Doch wenn ich ehrlich bin, erkenne ich auch, dass viele Dinge passiert sind, die einfach gut waren. Der 9. November ’89 war für mich, mein weiteres Leben einschneidend. Ich konnte es mir nicht vorstellen und weil ich es mir nicht vorstellen konnte, entsprach es nicht meinem Willen. Ich habe mich über die neuen Freiheiten gefreut, aber ich habe nicht gefragt „Warum ich?“

Immer mehr komme ich dahinter, dass es gut ist, wenn meine Pläne durchkreuzt werden. Worauf kommt es an im Leben? Für mich beantworte ich die Frage mit „Jesus ähnlicher werden. Ihn immer besser kennenlernen.“ Das ist meine Sehnsucht.

Vielleicht ist es genau die Erkenntnis, die dieser Pastor durchdacht, durchlebt hat. Gott ist größer. Er ist souverän. Er macht es gut. Er ist der Vater und ich bin Sein Kind. Ein Kind, das immer mehr begreift, wie sehr mich der Vater liebt. Das will ich lernen: In der Freude und im Leid Seinen Willen anzunehmen. Ja, Vater!  

Wer oder was ist die Hure Babylon?

Ich bin neulich über einen Kommentar in Facebook gestolpert. Jemand schrieb, dass er die katholische Kirche liebt. Daraufhin fühlte sich ein Anderer berufen demjenigen zu schreiben, dass die katholische Kirche die Hure Babylon sei und er solle da austreten. Das machte mich traurig. Ich finde es immer traurig, wenn Christen unterschiedlicher Konfessionen sich gegenseitig unterstellen, nicht die „wahre“ Kirche zu sein. Ich liebe meine kostbaren Geschwister in der katholischen Kirche. Ja, es gibt einige Fanatiker unter ihnen. Da unterscheiden sie sich nicht von Charismatikern, Evangelikalen u. a. Das ist eine traurige Gemeinsamkeit!

Doch woher kommt diese These, dass mit der Hure Babylon die katholische Kirche gemeint ist? Das geht auf Luther zurück. Doch wie sehr ich ihn schätze, er war auch bloß ein Mensch und ein Kind seiner Zeit! Ich habe mir jedoch vorgenommen, selbst zu lesen, selbst zu denken und selbst zu glauben. Also mache ich mich auf Spurensuche.

Um die Hure Babylon geht es u. a. in den Kapiteln 17 und 18 in der Offenbarung. Dort wird sie als eine Frau beschrieben, die in kostbaren Gewändern gekleidet ist und sie reitet auf einem Tier. Später wird ihr Untergang beschrieben, über den die Händler trauern werden. Sie sei „die große Stadt, die Herrschaft ausübt über die Könige der Erde.“ (Offb. 17, 18)

Ich möchte hier nicht in die Tiefe gehen. Über die möglichen Interpretationen der Offenbarung könnte man sicher ein ganzes Buch schreiben. Mir ist bereits beim flüchtigen Lesen etwas aufgefallen: Derjenige, der reitet, beherrscht das Reittier. Wenn das Tier bzw. dessen Hörner für verschiedene Reiche stehen, dann hat diese Frau eine große Macht. Das wird auch im eben zitierten Vers bestätigt.

Wenn ich die Offenbarung als etwas lese, was erst eintreffen wird, muss die Hure etwas oder jemand sein, was in der Zeit, in der all dies eintreffen hat, Macht hat und zwar soviel, dass sich ganze Völker dem unterordnen.

Bei vielen Interpretationsansätzen wird gesagt, dass das historische Babylon dafür bekannt war, dass dort viele Götter angebetet wurden. Durch den Polytheismus sei Babylon erblüht, weil die Gläubigen nicht nur zu den Tempeln gereist wären, sondern gleichzeitig dort gehandelt haben.

Ich kenne mich nicht mit dem Alten Babylon aus. Doch ich weiß, dass Polytheismus zu der Zeit gängig war. Im Alten Ägypten gab es je nach Quelle bis zu 1500 Götter. Polytheismus war normal.

Viele Interpreten gehen davon aus, dass die Hure etwas sein muss, was Gott entgegen steht. Die Braut Christi und die Hure Babylon werden gegenüber gestellt. Die Hure als der Inbegriff des Widergöttlichen.

In der katholischen Kirche gibt es Missstände, keine Frage – Aber ist sie deswegen gleich der Inbegriff des Widergöttlichen? Was ist dann mit den anderen Konfessionen? Ich habe Merkwürdigkeiten in Freikirchen erlebt. Geistlicher Missbrauch, Leiter und Pastoren, die sich profilieren – davon wird nicht nur aus katholischen Reihen berichtet.

Ist es also insgesamt die Kirche? Also all jene, die zwar von sich sagen, dass sie Christen sind, aber nicht so handeln, wie Christen handeln sollten?

Es gibt etwas, was für mich dagegen spricht: So gerne sie es hätte, die Kirche hat kaum noch Einfluss auf die Weltpolitik. Sie übt keine Herrschaft aus über die Könige dieser Erde. Die Zeiten sind vorbei.

Auch andere Religionen sehe ich persönlich nicht als das an, was über Könige herrscht. Im Namen von Religionen werden Kriege geführt. Doch oft genug entsteht der Eindruck, dass das nur vorgeschoben ist und es in Wirklichkeit wirtschaftliche Interessen sind.

Vielleicht sind es genau diese wirtschaftlichen Interessen, die gegen Gott sprechen. Ich bin nicht gegen Geld, Geld füllt meinen Kühlschrank. Aber vielleicht hatte Marx doch Recht? Die ungerechte Verteilung des Kapitals bringt die Menschen dazu, ungerecht zu handeln.

Die Pandemie bringt es ans Tageslicht: Bisher fand die Ausbeutung immer nur woanders statt: die Kleiderindustrie in Indien, die buchstäblich über Leichen geht, seltene Erden, die von Kindern abgebaut werden und plötzlich wird bekannt, dass im Deutschland des 21. Jahrhunderts Schlachthofmitarbeiter unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen.

Den wirtschaftlichen Interessen wird Vieles geopfert: die Gesundheit, die saubere Umwelt, moralische Maßstäbe…

Ich gönne den Fußballfans ihren Fußball. Aber ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet die Bundesliga so lange verhandelt, bis die Saison fortgesetzt werden darf? Sie geben sich noch nicht einmal Mühe, die Motivation dahinter zu verbergen. Es sind wirtschaftliche Interessen! „Fußball ist unser Leben. König Fußball regiert die Welt!“ sangen vor etlichen Jahren Mitglieder der Nationalmannschaft. König Fußball oder Gott Fußball?

Fußball an sich ist nichts Schlimmes. Aber hier geht es längst nicht mehr um den Sport an sich. Man könnte das Wort „Fußball“ auch durch etwas Anderes ersetzen: z. B. Schönheit:  Mode-, Diät- und Schönheitsindustrie scheffeln Millionen. Oder Entertainment, oder Waffen oder oder oder.

Ich schreibe hier nicht zu Ende. Da müsste ich sehr in die Tiefe gehen. Mir geht es nur darum, bekannte Interpretationen zu hinterfragen und sich auf die Suche nach eigenen zu machen. Nachplappern möchte ich nicht mehr. Selber-Denken ist angesagt!