Das brennende Haus

Mir fällt in unterschiedlichen Konfessionen/ Dominationen eine traurige Gemeinsamkeit auf: Jeder bezichtigt den jeweils anderen der Irrlehre. Das macht mich sehr sehr traurig. Deswegen habe ich eine Parabel geschrieben.

Eines Nachmittags brannte ein Hochhaus. Das Feuer breitete sich rasant aus und viele Menschen waren eingeschlossen. Da rückten die Feuerwehren an. Sie kamen aus verschiedenen Richtungen aus den umliegenden Dörfern und Städten. Doch statt einen gemeinsamen Plan zu entwickeln, wie man das Feuer löschen könne, fingen sie an, miteinander zu streiten. Ihre Helme und Schläuche hatten nämlich unterschiedliche Farben. Sie stritten also darüber, ob ein Helm grün, blau oder rot zu sein hätte. Nach kurzer Zeit wurden sie handgreiflich. Während sich die ersten Feuerwehrmänner gegenseitig verprügelten, kam noch eine kleine, alte Feuerwehr angefahren. Der Löschzug war noch aus Holz und das Wasser wurde mit der Hand aus dem Schlauch gepumpt. Diese Feuerwehrleute wollten wirklich löschen, doch das passte den anderen nicht. Sie steckten die Holzfeuerwehr einfach an. Es brach ein großes Chaos aus. Die Feuerwehrleute prügelten sich gegenseitig krankenhausreif. Einer brach sogar in einen Laden für Malerbedarf ein, um einen grünen Schlauch rot zu streichen. Drei Feuerwehrmänner breiteten ein Sprungtuch aus, um die Menschen aus dem brennenden Haus zu retten. Doch andere schnitten Löcher rein. Jeder Rettungs- oder Löschversuch wurde sofort von den Anderen vereitelt.

Am Ende waren fast alle Feuerwehrmänner im Krankenhaus, das ganze Viertel ist abgebrannt und keiner überlebte. Das nur, weil die Helme und Schläuche in den Augen des jeweils anderen die falsche Farbe hatten.   

Bist du noch zu retten, Josef?

Das war mein erster Gedanke, als ich die Geschichte von Josef vor Pharao las, nachdem ich mein Ägyptologiestudium beendet habe.

Doch schauen wir einmal in den Text rein. In 1. Mose 42 lesen wir, wie Josef vor Pharao steht. Laut Vers 8 war da angeblich „keiner, der ihn [den Traum] dem Pharao deuten konnte.“ (zitiert nach Schlachter)

Träume hatten im Alten Ägypten eine große Bedeutung. Von daher ist es sehr verwunderlich, dass es anscheinend keinen gab, der diese Träume deuten konnte. Ich behaupte dagegen, dass sich einfach keiner getraut hat.

Pharao war dafür zuständig, dass es eine hohe Nilüberschwemmung gab. Jedes Jahr trat der Nil über seine Ufer. Das war, im Gegensatz zu anderen Ländern, etwas Gutes. Denn floss das Wasser wieder ab, blieb der fruchtbare Nilschlamm auf den Äckern liegen. Das war natürlicher Dünger. Je höher die Überschwemmung, umso besser für das Land. Eine der Aufgaben von Pharao war, durch Opfer an die Nilgottheit Hapi, für eine hohe Überschwemmung zu sorgen. Eine Hungersnot betraf immer nur, nach dem damaligen Verständnis, die Nachbarländer. Wurden verhungernde Menschen dargestellt, waren es Bewohner anderer Länder. Dem Pharao mitzuteilen, dass eine Hungersnot kommen wird, heißt nichts anderes, als ihm Unvermögen, wenn nicht Impotenz im übertragenen Sinne zu attestieren.

Die Legitimation des Königtums war im Alten Ägypten sehr wichtig. Dadurch, dass Ägypten von unterschiedlichen Ethnien in Unter- und Oberägypten bevölkert wurde, musste der König ständig überzeugend nachweisen, dass er ein potenter Herrscher war. Das wurde z. B. durch die Heirat mit der Schwester, die auch königlichen Blutes war, erreicht. (Es ist aber nicht klar, ob es eine symbolische Ehe war oder ob diese auch vollzogen wurde.)

Man kann Josef zu Gute halten, dass es Unwissenheit war und dass er nicht tiefer fallen konnte. Er war bereits im Gefängnis.

Vers 38 gibt einen Hinweis, was den Pharao bewogen haben könnte, Josef nicht ins Gefängnis zurück zu bringen oder zum Tode zu verurteilen: „…Können wir einen Mann finden, wie diesen, in dem der Geist Gottes ist?“ Es ist nicht klar, welchen Gott der Pharao im Sinn hatte. Sehr unwahrscheinlich, dass er an den, ihm unbekannten Gott Jahwe dachte, vielleicht doch eher an Amun, der Gott, der über allen Göttern des altägyptischen Pantheons stand.

Wenn dieser hebräische Sklave also von einem Gott benutzt wurde, damit der Pharao durch kluges Handeln seine Legitimation erneut beweisen kann, dann ist das ägyptische Weltbild wieder in Ordnung.

Wie auch immer die Gedankengänge Pharaos waren, Jahwe hat sie so stehen lassen. Es ging ihm nicht darum, sich den Alten Ägyptern als Gott zu erweisen. Er schrieb seine Geschichte mit einem kleinen unbedeutenden Volk. Nicht die Ägypter, nicht die Babylonier und auch nicht die Assyrier, nein, die Hebräer erwählte er sich zu seinem Volk. Auch wenn ich es als Ägyptologin ungern zugebe: Pharao ist in dieser Geschichte nur Staffage!

Zum Schluss noch zwei kleine Anmerkungen: 1. Im Mittelalter ging man davon aus, dass die Pyramiden die Vorratshäuser Josefs waren.

2. Leider habe ich mir nicht gleich das Buch notiert: während meines Studiums las ich in einem Fachbuch, dass es wirklich eine siebenjährige Hungersnot in Ägypten gegeben hat! Nicht acht und nicht fünf Jahre – sieben! Das kann kein Zufall sein!










Warum „geistig arm“ nicht allein selig macht – Ein Aufruf zur Aufmüpfigkeit

Mir fällt immer wieder auf, dass in Predigten / Andachten betont wird, dass der christliche Glaube für Menschen jeder Couleur ist. Jeder Bildungsstand, Status, jedes Geschlecht … jeder darf und kann an Christus glauben. Oft wird über die „geistig Armen“ gepredigt. ‚Du musst kein Philosoph sein, um an Gott glauben zu können!‘ lautet die Aussage und dann folgt ein Amen, ein paar (lieblos gesungene) Lobpreislieder und zum Schluss der Segen. Echt jetzt? Darf ich als Christ nicht meinen Verstand benutzen? Darf ich nicht über Gottes Wesen nachdenken? Was ist denn mit den Altvorderen, den Mystikern? Meister Eckhart, Jacob Böhme? Paulus, der Ex-Pharisäer? Manchen Satz in seinen Briefen muss man mehrmals lesen, um ihn zu verstehen! Hat Gott mir nicht den Verstand gegeben, um ihn zu benutzen? Darf ich nicht in die Tiefe denken und den Heiligen Geist um Erkenntnis bitten? Ich möchte in die Glaubens-Materie tief eindringen, selbst verstehen, wovon die Rede ist und ja, Dogmen in Frage stellen.
Aber enttäuscht stelle ich fest, dass christliche Mystik selten rein angeboten wird. Hatte gerade die „Gottesgeburt“ von Meister Eckhart angefangen zu lesen. Der katholische Theologe Günter Stachel hatte nichts Besseres zu tun, dessen Predigten mit Hilfe der hinduistischen Seelenlehre zu „interpretieren“. Soweit ist es also schon: wir überlassen das Feld der Meditation und Kontemplation den fernöstlichen Religionen. Obwohl diese auch im christlichen Glauben verankert waren /sind. Die Kirche (nicht nur die katholische!) hat ihren Gläubigen aus Angst vor Machtverlust das Selbst-Denken ausgetrieben! Dann wurde die Kuschel-Decke „Selig sind die geistig Armen!“ drüber gebreitet. Liebe Geschwister, lasst euch das nicht bieten! Hinterfragt wieder! Benutzt euren Verstand, den Gott euch gegeben hat!
Wenn wir nicht selbst fragen und nur noch aus zweiter Hand konsumieren – nämlich die Interpretationen der Pastoren – werden wir nicht geistig arm, sondern verdummen! Selber die Bibel lesen! Selber denken! Nicht nur Andachten lesen, sondern auch mal selbst ein vergleichendes Bibelstudium durchführen! Auch mal kritische Kommentare lesen! Was heißt den „täglich sein Kreuz auf sich nehmen“? Wie kann ich denn „Christus in mir und ich in Christus „verstehen? Kein vorgekochtes Fast-Food vom Pastor, sondern mal selbst theologische Abhandlungen lesen und dann abwägen! Seid doch mündige Kinder Gottes! In manchen Gemeinden wird gepredigt, man solle Bibelverse auswendig lernen. Sicherlich eine gute Idee. Aber mir nützt ein Bibelvers nichts, wenn ich ihn vor dem Lernen nicht ordentlich „durchgekaut“ habe!
Wenn Glaube nur noch aus den ewig-selben Worthülsen besteht, dann sage ich nicht mehr „Amen!“, sondern nur noch „Prost Mahlzeit!“

Wer oder was sind die Kopten?

20170412_013851Aus aktuellem Anlass poste ich hier mal ein paar Hintergrundinfos zu meinen koptischen Geschwistern: Die Kopten oder präziser, die koptisch-orthodoxen Gläubigen haben ihre Wurzeln in Ägypten. Die frisch, laut ihrer Legende von Markus gegründete Gemeinde, lehnte die Hieroglyphen als heidnische Schrift ab und entwickelte eine eigene Schrift aus griechischen Buchstaben und fünf weiteren Schriftzeichen. (Ich habe mal meine Prüfungsaufgabe angehängt.)Die gesprochene Sprache dagegen ist die jüngste Sprachstufe des Ägyptischen. Diese Sprache wird gerade wiederbelebt. So wird z. B. durch das Team des Ägyptologen Prof. Rainer Hannig die Bibel neu ins Koptische übersetzt. Die Kopten sind eigenständig d. h. sie ordnen sich nicht der katholischen Kirche unter, sondern haben einen eigenes Oberhaupt. Z. Zt. ist das Bischof Tawadros II.

Was sicher nur wenige wissen: Es gibt auch eine kleine koptische Gemeinde in Deutschland. Vor einigen Jahren hatte ich die Ehre, Bischof Damian, deren Oberhaupt im Kloster Brenkhausen kennen zu lernen. Ich habe bisher selten so einen freundlichen und demütigen Menschen erlebt. Mit Hingabe buk er die Oblaten für das Abendmahl. Er erlaubte einem Studenten einen Psalm auf koptisch während des Gottesdienstes vorzulesen, obwohl das nur ausgewählten Gemeinde-Mitgliedern vorbehalten ist. Er schenkte jedem Tagungsbesucher ein koptisches Kreuz am Lederband. Ich erlebte einen schönen liturgischen Gottesdienst. Obwohl ich nicht viel verstand, fühlte ich mich willkommen. Meine koptischen Geschwister nehmen ihren Glauben sehr ernst und lassen sich das Kreuz auf das Handgelenk tätowieren. Sie können und wollen sich nicht verstecken.

Am vergangenen Sonntag sind sie erneut angegriffen worden. Man spricht von 40 Toten! Was mich verwundert: zwar schreibt eine Kollegin, also Ägyptologin auf ihrem Profil und antwortet auf einen Kommentar, dass sie für die Kopten und Ägypten beten wird, aber bei christlichen Geschwistern habe ich kaum etwas von Betroffenheit gelesen. Vielleicht zeigt mir fb nicht alles an und vielleicht habe ich nicht genug runter gescrollt, aber ich vermisse die Gebetsaufrufe. Ich vermisse die Profilbilder in ägyptischen Farben, das vorübergehende Profilbild in Form eines koptischen Kreuzes. Woran liegt das? Zuviele Anschläge in letzter Zeit? Zu wenig Zeit fürs Gebet? Oder fehlt uns Christen das Bewusstsein, dass es unsere Geschwister sind? Oder ist die Kultur einfach zu fremd?

Ich bin jetzt mal ein wenig, nun ja, böse.Ich habe mir die Freiheit genommen, ein Gedicht von Martin Niemöller umzudichten: „Als der IS die Kopten tötete, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kopte. Als sie die Katholiken erhängten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Katholik. Als sie die Protestanten enthaupteten, habe ich nicht protestiert, ich war ja kein Protestant. Als sie mich bedrohten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Das Wenigste, was wir tun können, ist beten. Vielleicht ist aber auch dran, sich mal mit den Kopten zu beschäftigen, das Kloster zu besuchen ( z. B.am „Tag der Ägyptologie“), Solidarität zeigen via fb usw. Ich wünsche eine nachdenkliche Nacht.0001

Martin Luther in den Mund gelegt:

Lieber Christenmensch des 21. Jahrhunderts!

Lucas_Cranach_d.Ä._-_Martin_Luther,_1529_(Museen_Böttcherstraße,_Bremen)

Du feierst in diesen Tagen die Reformation, die ich begonnen habe. Ich habe gegen den Ablasshandel gekämpft. Es ist schändlich zu denken, dass durch den Kauf eines Ablassbriefes die Seele aus dem Fegefeuer errettet werden kann. Solus Christus! Nur durch Christus kann der Mensch erlöst werden! Doch möchte ich dich auch an etwas Anderes erinnern. Ich habe nicht nur 95 Thesen an Erzbischof Albrecht geschickt – ich hatte nie einen Hammer in der Hand, ich bin Theologe, kein Zimmermann – ich habe auch die Bibel ins Deutsche übersetzt. Das tat ich, damit du lieber Christenmensch, darin lesen kannst! Damit dir nicht die Bischöfe und Pastoren erzählen, womöglich noch auf Latein, was in der Heiligen Schrift drin steht. Das einfache Volk, einfach jeder sollte selbst lesen können, was in der Bibel steht. Die lieben Christenmenschen, auch die des 21. Jahrhunderts, sollten nicht auf bunte Bildchen in Kirchen und Kapellen angewiesen sein. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Schrift zu übersetzen. Lies die Bibel! Weißt du eigentlich, wieviel Mühe mir die Übersetzung gemacht hat? Alt-Griechisch und Hebräisch sind schwierige Sprachen. Ein Wort kann mehrere Bedeutungen haben, die allesamt in den Zusammenhang passen könnten. Ungefähr 200 Jahre nach mir hat ein gewisser Freiherr von Goethe in seinem „Faust“ das Ringen des Herrn Doktor um die rechte Übersetzung beschrieben:  „Geschrieben steht: ‚Im Anfang war das Wort!‘ Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? …Ich muß es anders übersetzen,…Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.“ (Goethe, Faust I) – Auch wenn der Doctore ein Elender war, der seine arme Seele an den Satanas verkaufte, so beschreibt doch dieser Goethe genau das Suchen, das Ringen nach dem richtigen Wort. Du hast es sicher längst erkannt, lieber Christenmensch der modernen Zeit, dass es sich hier um den Anfang des Johannesevangeliums handelt, was Faustos zu übersetzen sucht. Du wusstest das nicht? Lies die Bibel!

Mit den schwierigen alten Sprachen noch nicht genug! Ich musste auch noch eine Sprache finden, die alle Teutschen verstehen. Hätten die märkischen Bauern bairisch verstanden? Oder de Hesse sächsisch? Oder hätten die Thüringer etwas mit der niederdeutschen Sprache anfangen können? Manche sagen, dass ich das Hochdeutsche erfunden hätte. Nun, vielleicht ist das so. Aber in deiner Zeit ist es anders. Die Bibel in Deutsch gibt es in vielen Übersetzungen. Ein anderer Martin hat mit seiner Volxbibel dem jungen Volk aufs Maul geschaut. Das ist recht so und hoch zu loben! Auch die „Hoffnung für alle“ ist eine gute Übertragung. Gut geeignet für Suchende, für frisch zum Glauben gekommene und Wiedereinsteiger. Ziemt es sich für einen Mann, Kinderschuhe zu tragen? „Das sei ferne!“ würde der Apostel Paulus sagen! Ein reifender Christ sollte auch mal zu einer schwereren Übersetzung greifen. Frisch ans Werk lieber Christenmensch. Lies die Bibel! Überhaupt Paulus: Er hat vor Irrlehrern gewarnt. Wie willst du dich gegen Irrlehrer wappnen, wenn du die Schrift nicht kennst? Lies die Bibel! Wie willst du einen zweifelnden Freund zurück auf den rechten Weg bringen, wenn du selbst das Wort nicht kennst? Lies die Bibel! Und hast du keine Zeit zum Lesen, dann lass sie dir vorlesen. Ich habe mich in deiner Zeit ein wenig umgesehen: dir stehen wunderbare Dinge zur Verfügung wie Computer, Smartphone und CD-Player für das Auto, wie du die pferdelosen Kutschen nennst. Damit kannst du dir die Bibel vorlesen lassen. Hör die Bibel! Ich habe nicht Jahre mit der Bibelübersetzung auf der Wartburg verbracht, damit du einzelne Verse auf Blümchenkarten schreibst, sondern, damit du zu deiner eigenen Erbauung und Reife im rechten Glauben in ihr liest!

Bau mir keine Denkmäler, lieber Christenmensch! Du willst mich feiern? Dann ehre, was ich dir geschenkt habe. Lies die Bibel!

Dein Dr. Martin Luther – Soli deo gloria!

Faszination Ägypten

Vielleicht fällt es nur mir als Ägyptologin auf, dass im Alten Testament regelmäßig von Ägypten die Rede ist: Abraham und die Familie Jakobs ziehen nach Ägypten und auch Jahrhunderte nach dem erfolgtem Auszug sucht Israel Schutz beim „Schwarzen Land“ – Kemet, wie die Ägypter ihr Land nannten. Ob nun bei Jesaja oder bei Hesekiel – ständig wird Israel davor gewarnt, nach Ägypten zu gehen oder einen Bund mit ihm einzugehen. Die Propheten weissagen gegen Ägypten. Das Land scheint attraktiv gewesen zu sein. – Auch heute ist das noch so: Kein Sommerloch, das nicht mit Ägypten gefüllt wurde und die Dokumentationen über diese Kultur werden gefühlt in Dauerschleife gesendet. Zu meinem Leidwesen fühlt sich auch so mancher Journalist berufen, ein Buch darüber zu schreiben. Kein Archäologe käme auf die Idee mal eben ein Anatomiebuch zu schreiben! Aber was genau macht die Faszination für diese Kultur aus? Es gab die Babylonier, die Römer, die Kelten, die Assyrier – doch für viele ist das Land am Nil am spannendsten. Vielleicht sind es die Pyramiden, die so faszinieren und die wohl auch schon die Hebräer gesehen haben. Vielleicht war es der gut organisierte Staat, ein König über 2 Länder, der ihnen imponiert hat? Oder aber der Umstand, dass Ägypten, bedingt durch seine geographische Lage, so schnell nicht angreifbar war? Obwohl es dem Volk definitiv nicht gut ging in diesem Land, versuchten sie immer wieder dorthin zurück zu gelangen. Zuletzt flüchtete die Heilige Familie dorthin. – Doch machen wir es nicht genauso? Gott hat uns aus unserer Schuld herausgeführt, uns von unserer Sünde befreit, doch wir liebäugeln immer mla wieder damit. Diese kleinen Versuchungen, diese gewisse Sehnsucht zurück. Mit den Freunden von früher ein bisschen Spaß haben – und dann am nächsten Morgen verkatert aufwachen und erschrocken feststellen, dass die „Freunde“ Fotos von dir, auf denen du betrunken bist, bei Facebook gepostet haben. Oder wenn es einem schlecht geht, dann doch lieber zum EX rennen und sich bei ihm ausheulen. Blöd nur, dass man fast automatisch im Bett landet – ja, es wäre besser gewesen zu beten, statt zum Hörer zu greifen – aber irgendwie ist das die gewohnte Reaktion. Da denkt man nicht weiter drüber nach, ist ein Automatismus! Mühsam erst lernt man, sich anders zu entscheiden. – Deswegen ist es für mich nur allzu verständlich, dass Israel regelmäßig Hilfe bei Ägypten suchte. Sie waren einfach noch zu fasziniert davon. Wovon bist du noch fasziniert? Was ist dein Ägypten?

Wo sich Himmel und Erde berühren

Heute ist offiziell der letzte Weihnachtstag. D. h. ich schmücke heute ab und sortiere die Geschenke weg. Als ich den neuen Kalender anhänge, lese ich mir noch einmal den Vers vom letzten Dezember durch: „Ein Missionar des Mittelalters berichtet: Er habe den Punkt gefunden, wo sich Himmel und Erde berühren. Darauf sei ihm der Blick aus der irdischen Himmelsglocke gelungen!“

Mir fällt das Lied von Albert Frey „Zwischen Himmel und Erde“ ein. „Zwischen Himmel und Erde hängst du dort/ Wo die Balken sich kreuzen, ist der Ort/ Wo sich Himmel und Erde trifft in dir/Dort am Kreuz.“ – Mir fällt auch ein, was meine Freundin mich auf dem Weihnachtsmarkt gefragt hat „Warum seid ihr Christen so depressiv?“ Als ich sie fragend anschaute, fuhr sie fort „Naja, ihr hängt euch ein Kreuz um. Das ist ein Folterwerkzeug, damit wurden Menschen getötet! Sowas hängt man sich doch nicht um den Hals! Habt ihr keine schöneren Symbole?“ Hilflos, antwortete ich, dass das Kreuz die Kernaussage des christlichen Glaubens sei. Es war nicht nur der Glühwein, den ich da schon intus hatte. Es machte mich etwas Anderes sprachlos. Es kam mir vor, als hätte jemand den gehüteten Familienschmuck, der nur zu ganz besonderen Anlässen getragen wird, weil er so kostbar ist, als billigen Modeschmuck abgetan. Ja, das Kreuz ist ein Folterwerkzeug. Kein Geringerer als Gottes Sohn ist daran gestorben. Für mich. Damit ich mit Gott leben kann. Nicht nur hier, sondern auch in der Ewigkeit. Kann es etwas Kostbares, etwas Schöneres geben als dieses Kreuz? Kann es etwas Hoffnungsvolleres geben, als die Chance versöhnt mit Gott zu leben? Für mich ist es wieder und wieder unfassbar, dass dieser liebende Gott mit mir zu tun haben möchte. Da schreibt ein Gott mit einem Volk im Nahen Osten seine Geschichte. Plötzlich möchte dieser Gott mit mir persönlich zu tun haben. Ich darf seine Versöhnung annehmen und aus seiner Gnade leben. Ich bin ihm so wichtig, dass er seinen eigenen Sohn sterben lässt, damit ich mit ihm leben kann. Unfassbar! Unfassbar und doch wahr!

Das Kreuz ist der Punkt, an dem sich Himmel und Erde berühren. Das ist der Blick „aus der irdischen Himmelsglocke“. Etwas Schöneres als das Kreuz kenne ich nicht. Amen!

Mit Indiana Jones ins Neue Jahr oder ein radikaler Neuanfang

Zum Ende des Jahres kommt von mir statt der üblichen guten Wünsche eine mahnende Frage: Bist du dir wirklich sicher? Bist du dir sicher, dass du konsequent mit Jesus gehst? Dass Jesus wirklich an erster Stelle in deinem Leben steht?

Vor kurzem wurden mal wieder alle Indiana Jones-Filme wiederholt. In „Der letzte Kreuzzug“ gibt es eine Szene, in der Gral, nachdem alle im Film gesucht haben, in einer Erdspalte verschwindet. Indi versucht nun, selbst an der Spalte hängend diesen Gral zu bekommen. Er kommt mit der Fingerspitze ran, doch er erreicht ihn nicht. Sein Vater ermahnt ihn, es nicht weiter zu versuchen. Jeder weitere Versuch würde ihm das Leben kosten und das sei es nicht wert.

Was, wenn wir selbst an dieser Felsspalte hängen? Wonach strecken wir uns aus? Was ist uns so wichtig, dass wir sogar unser Leben dafür riskieren? Du bist seit über 20 Jahren Christ. Gehörst zu den alten Hasen. Keine Predigt, die du noch nicht gehört, keine Bibelübersetzung, die du noch nicht gelesen hättest. Du rockst den KiGo, ohne dich schmiert die Technik im Gottesdienst ab, ohne deine glockenhelle Stimme würde der Lobpreis zusammenbrechen und kein Kuchenbasar ohne deinen legendären Apfelkuchen.

Wofür tust du das? Für dich, die Gemeinde oder für Gott? Bist du dir wirklich sicher? Bist du dir sicher, dass du konsequent mit Jesus gehst? Bist du noch verliebt in Jesus? Oder solltet ihr beide mal zum Paartherapeuten gehen? Ich möchte nicht infrage stellen, dass KiGo rocken und Kuchen backen ein Dienst für Gott wären. Aber vielleicht wäre mal eine Glaubensinventur dran. Und vielleicht ist das Jahresende dafür ein guter Zeitpunkt.

Indi sieht es schließlich ein und lässt sich vom Vater hochziehen. – Genau das möchte Gott auch mit dir tun. Habe keine Angst vor dieser Inventur. Sollte rauskommen, dass die Liebe zu Jesus nur noch ein kleines Flämmchen ist, dann wirst du nicht entlassen, wie die Kassiererin, bei der zu wenig Geld in der Kasse ist. Du kannst Gott deine kleine Flamme geben und er wird daraus ein neues Feuer anfachen. Lass dich von Gott dem Vater hochziehen. Setz‘ deine Prioritäten neu. Streck‘ dich nicht nach Dingen aus, die es nicht wert sind, dass man dafür sein Leben riskiert.

Das wünsche ich dir und mir: Mögest du Ende 2017 sagen können – Mein Vater hat mich hochgezogen, jetzt folge ich wieder konsequent Jesus. Amen!

Schluss machen – und neu anfangen

Ich habe mit meinem Freund Schluss gemacht. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir bewusst, dass er gar nicht mein Freund war. Er wollte nicht mit mir Zeit verbringen. Ständig war etwas Anderes wichtiger: das Sommerhäuschen seiner Mutter, der Sohn schwänzt die Schule und die Tochter lebt in Scheidung. Nach Feierabend mal kurz vorbeikommen war auch nicht drin. Sehr merkwürdig! Ich habe ihm dann eine WhatsApp geschrieben, dass er mich in Ruhe lassen soll. Was soll ich ihm hinterherrennen?

Ob es Gott vielleicht ähnlich geht? Er möchte Zeit mit uns verbringen. Doch es ist immer etwas wichtiger:  die schlechten Leistungen der Kinder in der Schule, die kränkelnde Schwiegermutter, die Angst vor dem nächsten Terroranschlag. Später Gott, später! Wenn die Wohnung aufgeräumt, die Tochter beim Ballett und die Katze des Nachbarn gefüttert ist. Verstehen wir wirklich, dass Gott bei uns mittendrin sein möchte? Die tägliche Gebetszeit sollte nicht ein weiterer Punkt auf der to-do-Liste sein, sondern eine eingeplante Pause, das bewusste Programmieren des inneren Navis. Zeit mit dem Gott zu verbringen, der mich unendlich liebt, sollte keine Pflichtübung sein, sondern gemeinsame Zeit, nach der wir uns sehnen. Ich zumindest habe noch keine to-do-Liste gesehen, auf der drauf steht „mit Ehepartner kuscheln“.

Über eins sollten wir uns im Klaren sein: Wenn wir nicht im Hier und Jetzt mit Gott Zeit verbringen möchten, wird Er in Ewigkeit sie auch nicht mit uns verbringen wollen. Das klingt hart und intolerant. Aber mal ehrlich, wieso sollte ich meinen Ex zwingen, mich zu lieben? Und warum sollte Gott dies tun? – Ich habe mit einem Menschen Schluss gemacht, aber mit meinem Gott kann ich jederzeit neu anfangen. Das kannst du auch. Fang heute wieder neu an mit deinem Gott. Erzähl‘ ihm von deiner Angst, deiner Wut und, auch das darfst du, von deinen Zweifeln an seiner Gerechtigkeit. Fang an zu beten! Es ist die einzige Waffe, die dir keiner nehmen kann! Amen!

 

 

 

„Ein frohes Fest, anlässlich der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes!“

Während meines Studiums fanden selbstverständlich die obligatorischen Weihnachtsfeiern des Instituts statt. Auf einer schrieb mein Kommilitone, ein absolutes Sprachgenie, „Frohe Weihnachten“ in Hieroglyphen an die Tafel. Übersetzt schrieb er an: Ein frohes Fest anläßlich der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes!“ – So hätten es wohl die Alten Ägypter ausgedrückt. Das Traurige daran ist, dass es zwar altbacken anmutet, für viele moderne Deutsche Weihnachten genau das ist: es ist das Fest der Geburt des Sohnes des unbekannten Gottes. Es ist ein unbekannter Gott, der irgendeine Geschichte hat mit einem Volk im Nahen Osten. Nur wenigen ist dieser Gott bekannt. Sie wissen nicht, dass dieser Gott eine persönliche Beziehung zu ihnen haben möchte.
Vor etlichen Jahren sang band aid „Do they know it’s christmas time?“ – Wissen sie, dass Weihnachten ist? Ich möchte diese Frage neu stellen: Wissen die Nicht-Christen, dass Weihnachten ist und was es bedeutet bzw. für jeden von ihnen bedeuten kann? – Vielleicht wäre es ein guter Anfang, die Bibel rauszukramen und Heilig Abend auch vor Noch- Nicht – Gläubigen die Weihnachtsgeschichte vorzulesen und zwar nicht in der Luther-Fassung, die jeder mitsprechen kann, sondern eine moderne Übersetzung wie die Neue Genfer Übersetzung, die Volxbibel oder Hoffnung für alle. Vielleicht könnte man auch auf die letzten Karten statt „Frohe Weihnachten“ eine schöne Geburtstagsfeier wünschen. Vielleicht gibt es auch andere kleine Ideen, um anderen von diesem unbekannten Gott zu erzählen.
Leider habe ich damals die Hieroglyphen nicht abgeschrieben. So bleibt mir nur euch die Kurzfassung zu wünschen:
heb nefer hena nebet neferet en renepet! – Ein schönes Fest und ein gutes Neues Jahr!

fest