Therese von Lisieux – Das Kreuz auf sich nehmen

Glasfenster, Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Höxter

Heute möchte ich über eine Frau schreiben, die mich sehr beeindruckt: Therese von Lisieux.

Ihr äußeres Leben ist schnell erzählt: 1873 wurde sie in eine stark katholische Familie geboren. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre Mutter. Schon früh wollte sie ins Kloster eintreten. Das wurde ihr nicht gestattet. Nachdem sie mit ihrem Vater zusammen den Papst um Erlaubnis gefragt hatte, durfte sie mit 15 endlich in den Karmel eintreten. Mit nur 24 Jahren starb sie an Tuberkulose.

Ihr inneres Leben dagegen ist nicht so schnell umrissen. Sie hatte sehr tiefe Gedanken. Ihre Themen waren die Gnade Gottes, die liebevolle Hingabe an eben diesen gnädigen Gott.

Oft genug wird sie als „ihrer Zeit voraus“ angesehen, als jemand, der trotz falscher Kirchenlehre den richtigen Weg gefunden hat.

Sie war ein Kind der Kirche. Sie liebte ihre Kirche. Ich denke, es war nicht ihr Ziel revolutionär zu sein. Sie wollte nichts Neues bringen. Sie wollte „das Alte“, also die Worte Jesu, die zu ihrer Zeit schon über 1800 Jahre alt waren, bestätigen.

Sie hat mir meine Fragen, wie einige Bibelstellen zu verstehen seien, intensiver beantwortet, als Pastoren und Prediger, deren Predigten ich gehört habe.

Manchmal ist es schwierig für mich, dass, zumindest in Freikirchen, nur noch das halbe Evangelium gepredigt wird. Oft ist von Gottes Liebe und seiner Gnade die Rede.

Therese von Lisieux dagegen, schreibt davon, was es heißt täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. (Markus 8, 34)

Selbstverleugnung ist heute so beliebt wie abgestandenes Bier. Sehr oft ist von „Grenzen setzen“ und „sich selbst behaupten“ die Rede.

Da klingen Episoden in denen Therese beschreibt, dass sie sich nicht verteidigt hat, als ihr etwas unterstellt wurde oder dass sie besonders freundlich zu einer älteren Ordensschwester war, der man es eigentlich nie recht machen konnte, merkwürdig in modernen Ohren.

„Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vater im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matth. 4,44-45) steht im Neuen Testament. Das ist kein neues Wort von Therese.

Für mich war „Geschichte einer Seele“ eine Gebrauchsanweisung. Ich habe in meinem bisherigen Leben viel Ablehnung erfahren. Wenn ich Details erzählen würde, würden mir sicher Viele raten, für mich selbst zu sorgen, Menschen nicht mehr so dicht an mich ran zu lassen. Das scheint heute so eine Art Krankheit zu sein: viele fühlen sich zum Psychologen berufen und geben ungefragte Rat-Schläge, obwohl sie kein Semester Psychologie studiert haben. Der Lieblingsratschlag von diesen Pseudo-Psychologen ist übrigens der Kontaktabbruch, am besten ohne Vorwarnung und ohne Chance für den anderen, Dinge, die in der Beziehung schief gegangen sind, zu klären.

Es gibt sicher Situationen, in denen ein dauerhafter Kontaktabbruch angebracht ist. Das ist aber nicht so oft der Fall, wie es heute empfohlen wird.

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, wie ich mit meinen alltäglichen Verletzungen umgehe. Die Gedanken von Therese haben mich bestärkt: Demjenigen vergeben, der mich verletzt hat, ist nur der erste Schritt. Der zweite ist, für ihn zu beten. Der dritte wäre, ihm etwas Gutes zu tun. Klar ist es anstrengend, wenn man täglich von der gleichen Patientin angemault wird. Aber das Mitbringen von einem Glas selbstgemachter Marmelade kann manchmal kleine Wunder wirken.

Täglich das Kreuz auf sich nehmen, für die beten, die einen beleidigen und das sanfte Joch Christi tragen – wenn eine weiß, wie es geht, dann Therese von Lisieux.

Sie ist mir Glaubensvorbild. Sie ermutigt mich, meinen Glauben radikal zu leben. Radikal in dem Sinne, dass ich Jesu Worte auch so ernst nehme wie sie.

Kleine Gesten, kleine Liebesdienste, Menschen in ihrem Alltag zu ermutigen, die Übersehenen sehen, für Fremde innerlich beten, weil man gerade deren akute Not spürt, so verstehe ich ihren „kleinen Weg“.

Ich werde weiter über sie nachdenken. Denn ich möchte, dass mein „Jesus, ich liebe dich!“ kein Lippenbekenntnis ist. Ich kann Ihm nicht meine Liebe zeigen, aber ich kann liebevoll mit Seinen Geschöpfen umgehen. Auch oder gerade dann, wenn sie es nicht sind.  

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