Ägypten in der Bibel – Ausländer in Ägypten

Tempel Edfu: Pharao schlägt Feinde

Nachdem ich mich mit Mose und Josef beschäftigt habe, möchte ich noch Einiges zum Thema „Ausländer in Ägypten“ schreiben. Die Alten Ägypter waren ausländerfeindlich. Schon an den Grenzen war auf den Festungen in Übergröße das Motiv „Pharao schlägt seine Feinde“ zu sehen.

Von einer dieser Festungen ist der Bericht überliefert, dass unterernährte Fremde versuchten, das Land zu betreten. Sie wurden aufgegriffen und abgewiesen.

In manchen Gräbern ist zu lesen, dass der Grabherr diese und jene Expedition nach Nubien geleitet hat. Unter „Expedition“ verstand man in Ägypten das, wohl eher gewalttätige Einreisen mit Truppen, die dann wahrscheinlich die Nubier zwangen in den Goldminen Gold abzubauen und es den Ägyptern unentgeltlich zu überlassen.

Ägypten hat viele andere Kulturen beeinflusst. Doch umgekehrt muss man die Spuren, die andere Kulturen in Ägypten hinterlassen haben, mit der Lupe suchen z. B. stammt der Gott Bes aus dem Sudan. Diese Angst vor fremden Kulturen hat vielleicht etwas damit zu tun, dass, wie bereits geschrieben, Ägypten selbst aus mehreren Volksgruppen bestand und nicht jederzeit homogen war. Letztendlich hat all diese Angst nichts genutzt. Ägypten ist untergegangen.

Ägypten hatte also nur Beziehungen zum Ausland zugelassen, von denen es sich persönliche Vorteile versprach.

Jakobs Sippe musste das Getreide kaufen, das sie von Pharao bekamen.

Bevor ihnen Land zugeteilt wurde, fragte Pharao sie nach ihrem Beruf. Sie waren Hirten. Es gab eine ambivalente Einstellung zu Hirten: Geübte Hirten waren gefragt und trotzdem nicht hoch angesehen. Andererseits wurden Götter, Könige und hohe Beamte auch als Hirten bezeichnet. So heißt es in der „Lehre für Merikare“: „Der Mensch ist das Kleinvieh Gottes“ oder es hieß, wenn ein hoher Beamter gestorben war „Der gute Hirt ist fortgegangen!“.

Vielleicht hat genau diese Ambivalenz den Pharao bewogen, Jakob und seiner Familie Weideland zuzusprechen. Sie machten einen Job, der gebraucht wurde, aber keiner machen wollte. Als Hirte in Ägypten musste man nämlich mutig sein. Das Vieh wurde einmal im Jahr auf die Weideplätze getrieben. Dafür musste, je nach Standort der Nil überquert werden. Einige Hirten saßen, zusammen mit Kälbern oder Lämmern, die noch zu klein waren in Booten. Die anderen schwammen mit der Herde zusammen, um diese gegen lauernde Krokodile und Nilpferde zu verteidigen. Das tun gute Hirten: sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um die Herde zu beschützen.

Jakob und seine Familie hat also dem Pharao Vorteile gebracht und durfte bleiben.

Eine weitaus kleinere Familie flüchtete Jahrhunderte später nach Ägypten: Maria, Josef und Jesus. Warum wurden sie nicht aufgegriffen und zurückgeschickt? Was hatten sie zu bieten? Gold, Weihrauch und Myrrhe! Ich habe mich schon öfter gefragt, was diese kleine Familie wohl mit den Gaben der Weisen anfangen könnte. Sie gehören nicht unbedingt zur Erstausstattung für ein Baby.

Gold, Weihrauch und Myrrhe sind Dinge, die für die Grabausstattung benötigt wurden. Es würde mich nicht wundern, wenn meine Kollegen eines Tages in einem Grab von einem Beamten, der jahrelang in einer Grenzfestung stationiert war, Reste von Weihrauch und Myrrhe finden würden, die ursprünglich aus dem „Morgenland“ stammen.

Als Archäologe steht es mir nicht zu, zu behaupten, dass es so war. Bereits im ersten Semester wurde mir beigebracht, dass ein „Es könnte so gewesen sein!“ besser zu meinem Beruf passt. Aber wenn ich richtig vermute, dann spricht es ein weiteres Mal dafür, dass Gott vorsorgt. Gott sorgt dafür, dass Maria und Josef sich in Ägypten „einkaufen“ können. Gott sorgt dafür, dass Maria, wie hier Mitte Januar geschrieben, nicht gesteinigt wird.

Sie haben nicht immer vor anderen den besten Ruf, aber er bewahrt sie und sorgt für sie. Auch wenn es manchmal ein harter Weg ist, aber Er, der gute Hirte, lässt uns, seine Herde nicht im Stich. Pharao schlägt seine Feinde. Jesus dagegen sagt „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Matthäus 11, 28)  

3 Kommentare zu „Ägypten in der Bibel – Ausländer in Ägypten

  1. Sehr interessant. Wir brauchen Input von Fachexperten, die biblische Geschichte veranschaulichen und nicht verdrehen wollen. Ich bin kein Fachexperte, aber ich habe gelesen, dass es damals eine jüdische Gemeinschaft in Alexandria gab. Ägypten war in der NT Zeit nicht mehr wie in früheren Zeiten, weil Alexander diese ganze Region erobert hatte. Schon vor dem NT wurde Ägypten gezwungen, für griechischer Kultur und dann römische Macht offen zu sein. Das Alte Testament wurde von Juden ins Griechische Übersetzt. Ich dachte das ist in Alexandria stattgefunden. Ist das wahr?

  2. Sehr interessant. Gott versorgt. Die Geschenke von den Persern war Gottes Versorgung. Wir brauchen Input von Fachexperten, die biblische Wahrheit veranschaulichen und bestätigen können, und nicht verdrehen. Ich habe eine Frage. Alexander der Große hatte Ägypten mehr als 250 Jahren vor Christus erobert. Schon vor der NT Zeit wurde Ägypten von den Griechen gezwungen, andere Kulturen und Sprachen Freiraum zu geben. Ägyptische Gelehrten haben in der griechischen Sprache akademische Werke veröffentlicht. Ich habe gelesen, dass Alexandria eine große Bibliothek aufgerichtet wurde. Jüdische Gelehrten waren auch in Alexandria sehr prominent.

    Die Septuaginta (lateinisch für siebzig, altgriechisch ἡ μετάφρασις τῶν ἑβδομήκοντα hē metaphrasis tōn hebdomēkonta ‚Die Übersetzung der Siebzig‘, Abkürzung LXX), auch griechisches Altes Testament genannt, ist die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel in die altgriechische Alltagssprache, die Koine. Die Übersetzung entstand ab etwa 250 v. Chr. im hellenistischen Judentum, vorwiegend in Alexandria. Die meisten Bücher waren bis etwa 100 v. Chr. übersetzt, die restlichen Bücher folgten bis 100 n. Chr.[1]
    WIKIPEDIA
    Aber der Schwerpunkt deines Artikels ist 100% richtig. ´´Gold, Weihrauch und Myrrhe war die finanzielle Versorgung für Maria und Josef mit Jesus in Ägypten.

    Sie brauchten auch Geld für ihre Rückkehr nach Israel nach dem Tod von Herodes.

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