Ja, Vater!

Vor etlicher Zeit wurde ich beim Autofahren auf etwas aufmerksam. Ich hatte Zeit, deswegen parkte ich und spazierte hin. Hinter der Kirche war ein Friedhof, soweit nicht außergewöhnlich. Doch plötzlich stand ich vor dem Grab von Matthias Claudius und seiner Frau Rebekka. Nachdem ich eine Weile davor gestanden habe, drehte ich mich um und blieb wie angewurzelt stehen: Ich stand vor dem Grabkreuz eines Pfarrers und über dem Namen standen zwei Worte: „Ja, Vater“. Mehr nicht. Es war kein bekannter Name. Ich würde also nur mit viel Mühe etwas über ihn rausfinden. Ich weiß nur eins: diese zwei Worte haben mich mehr beeindruckt, als so manches prunkvolle Grabmal.

„Ja, Vater.“ – Wie kommt ein Mensch dazu, zu verfügen, dass diese Worte auf sein Grabstein kommen?

Ich habe mal am Rande mitbekommen, dass die Hinterbliebenen einen Vers auf den Stein gravieren ließen, weil dieser denjenigen fast ein Leben lang begleitet hat.

Diese Worte klingen, als hätte derjenige sich ergeben. Hat er aufgegeben? Ich denke, das ist nicht damit gemeint. Ich weiß nicht, was ihm im Leben passiert ist, welcher Schicksalsschlag seine Pläne durcheinander gebracht hat. War es ein Krieg oder sogar mehrere Kriege? Ist eins seiner Kinder gestorben? Oder seine Frau im Kindbett? „Ja, Vater“ scheint die Antwort auf ein Ringen mit Gott zu sein. Sich dreingeben in den Willen Gottes. Annehmen, dass es nicht nach dem eigenen Willen geht.

Mir fällt auf, dass mir nur schlimme Sachen einfielen, die dem Mann begegnet sein könnten. Eine Karriere, eine tolle Familie, eine blühende Gemeinde, der er als Pfarrer vorstand, gehörten nicht zu meinen Ideen. Woher kommt das? Warum stellen wir nur die Frage, warum Gott Leid zulässt? Warum fragen wir nicht mal zur Abwechslung „Warum lässt Gott Glück zu?“ Haben wir Glück verdient?

Die Maßnahmen, die die Pandemie mit sich bringen, sind für mich schwer. An manchen Tagen fällt es mir schwer, damit gut umzugehen. Wieso muss ich da durch? Wieso passiert das während meines Lebens? Doch wenn ich ehrlich bin, erkenne ich auch, dass viele Dinge passiert sind, die einfach gut waren. Der 9. November ’89 war für mich, mein weiteres Leben einschneidend. Ich konnte es mir nicht vorstellen und weil ich es mir nicht vorstellen konnte, entsprach es nicht meinem Willen. Ich habe mich über die neuen Freiheiten gefreut, aber ich habe nicht gefragt „Warum ich?“

Immer mehr komme ich dahinter, dass es gut ist, wenn meine Pläne durchkreuzt werden. Worauf kommt es an im Leben? Für mich beantworte ich die Frage mit „Jesus ähnlicher werden. Ihn immer besser kennenlernen.“ Das ist meine Sehnsucht.

Vielleicht ist es genau die Erkenntnis, die dieser Pastor durchdacht, durchlebt hat. Gott ist größer. Er ist souverän. Er macht es gut. Er ist der Vater und ich bin Sein Kind. Ein Kind, das immer mehr begreift, wie sehr mich der Vater liebt. Das will ich lernen: In der Freude und im Leid Seinen Willen anzunehmen. Ja, Vater!  

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