Ist das Glaube oder kann das weg?

Glaube: Pastell auf Acryl

Im Moment sind gerade ganz andere Dinge wichtig als sonst. Während uns geraten wird, Masken zu tragen, zerbröseln die unsichtbaren Masken, die wir sonst aufsetzen. Plötzlich sind wir nicht mehr cool. Plötzlich lassen wir Einblicke zu, zu denen wir sonst nicht bereit waren. Das fängt bei den Promis an: Musiker streamen kleine Live-Konzerte aus dem Wohnzimmer. Selbst diejenigen, die bisher „Home-stories“ abgelehnt haben, geben jetzt mit der Handykamera Einsichten in das Privatleben preis. Facebook-Freunde, die sonst nur Witze teilten, posten auf einmal Bibelverse. So lerne ich Menschen jetzt von einer anderen Seite kennen.

Auch ich lerne mich noch einmal anders kennen. Seit über 20 Jahren bin ich Christ. Es ist etwas Anderes, im Gottesdienst mit anderen zusammen zu singen „Jesus, ich liebe dich!“, als jetzt, nur noch online mit den Geschwistern im Glauben verbunden, zu Hause zu sitzen. „Jesus, ich liebe dich!“? Wirklich? Immer noch? Es scheint eine innere Inventur stattzufinden. Beim Entrümpeln der Seele kommt öfter der Satz hoch „Ist das Glaube oder kann das weg?“ Was hält denn, wenn nichts mehr hält? All die mutigen Glaubenssätze, in guten Zeiten ausgesprochen: Jesus, ich vertraue dir und folge dir nach!- Gelten sie doch? „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern. Des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand. Dann nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“ – Der bekannte Text von Dietrich Bonhoeffer singt sich zum Jahreswechsel mit einem Glas Sekt in der Hand irgendwie leichter als jetzt.

Woran glaube ich wirklich? Glaube ich noch an einen großen Gott? Oder höre ich den düsteren Prognosen zu?

Eine leise Stimme erreicht mich, ein Liedvers, ein vertonter Psalm „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ (Psalm 139, 9 und 10) Da ist jemand, der auch da ist, wenn ich denke, dass ich allein bin. Da ist jemand bei mir, selbst in der größten Dunkelheit. „Denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag, Finsternis ist wie das Licht.“ (Psalm 139, 12) – Darauf antwortet mein, verloren geglaubter, Glaube „Ja, Amen!“ Vielleicht glaube ich nicht so mutig und so stark, wie ich bisher dachte. Aber ich muss nicht stark sein!

Das hat schon Paulus erkannt. Er schrieb „Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2. Kor. 12,9)

Ich erkenne immer mehr: Glaube ist Gnade! Ich kann und darf mir Glauben schenken lassen. Also nein, das kann nicht weg. Das ist Glaube!    

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