In die Wüste geführt

Mir ist etwas aufgefallen. Jesu Wirken beginnt mit einem Fest. Aber davor war er in der Wüste. Jesu Versuchung durch Satan wurde schon oft beleuchtet. Aber wie kam es dazu?

In Matthäus 3, 16+17 heißt es: „Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser; und siehe, da öffnete sich ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen. Und eine Stimme kam vom Himmel, die sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“

Wow, das ist doch mal eine Ansage! Damit ist Jesu Autorität geklärt, jetzt kann er loslegen. Doch der nächste Vers klingt wie ein Stoppschild: „Darauf wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht würde.“ (Matth. 4, 1)

Es klingt ein wenig absurd. Da bekommt jemand eine Zusage vor den Augen aller Anwesenden und anstatt mit dem Wirken zu beginnen, geht es erst einmal in die Wüste. „… damit er vom Teufel versucht würde…“ Das ist schon schräg. Der Gedanke, dass Jesus vom Teufel versucht wurde, geht ja noch. Aber dass er geradewegs in die Wüste geführt wurde, damit genau das passieren kann, ist schon merkwürdig.

Was ist in der Wüste passiert? „Und als er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, war er zuletzt hungrig.“ (Matth. 4,2) Ging es wirklich darum, dass er nur durch den Hunger versucht werden sollte? Jesus sagte später, dass wir uns nicht darum sorgen sollen, was wir essen und trinken werden. „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!“ (Matth. 6, 33) Ich denke, es ging nicht vordergründig darum, ihn durch Hunger zu schwächen.

Was war es dann? Einsamkeit? Ich weiß nicht, ob Jesus wirklich allein war. Laut Matth. 3, 16 war der Heilige Geist auf ihm. Nun kann man sich streiten, ob der Heilige Geist eine Person ist. Also eine Person, die in der Wüste als Gegenüber zählt.

Immerhin hat der Heilige Geist Jesus in die Wüste geführt. Auch da kommt eine Frage in mir hoch. Es ist die alte Theodizee-Frage: „Warum lässt Gott Leid zu?“ Bei dieser Frage ist aber immer von „zulassen“ die Rede, nicht von „bewusst in die Wüste führen“. Das tut Gott doch nicht! In meinem Leben gibt es Wüstenzeiten, die Gott zulässt und aus die er wieder rausführt. Aber er führt doch nicht absichtlich in eine Wüste rein!? Doch! Wenn ich ehrlich bin, tut er genau das: mit den Hebräern. Er führt sie erst aus Ägypten raus und dann direkt in die Wüste rein. Wohin auch sonst? Geografisch gesehen gibt es keine andere Möglichkeit!

Vielleicht ist das genau der Punkt: Jesus musste durch die Wüste, um aus seinem „inneren Ägypten“ raus zu kommen. Vielleicht musste er sein eigenes Mensch-Sein kennenlernen. Seiner Göttlichkeit war er sich bereits bewusst. So erklärte er im Alter von 12 Jahren, als er schließlich im Tempel gefunden wurde „…Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2, 49)

Wer sich seiner eigenen Abgründe bewusst ist, wird barmherzig. Wer merkt, dass seine eigene Kraft nicht ausreicht, ist bereit, sich Gottes Führung zu überlassen. „Gott wurde Mensch!“ wird oft zu Weihnachten gepredigt. Aber vielleicht ist das Kind in der Krippe nur der Anfang. Vielleicht findet die Menschwerdung in den 40 Tagen und 40 Nächten in der Wüste ihren Abschluss. Das würde auch erklären, warum er erst am Ende dieser Zeit auf Satan traf. Denn jetzt war er bereit, sich ganz auf Gott, seinen Vater zu verlassen.

Wenn Jesus vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde, kann es durchaus sein, dass er meine Wüstenzeiten nicht nur zulässt, sondern mich auch bewusst in diese hineinführt. Es gehört zu seinem Plan. Er führt mich rein, durch und wieder raus. Die Wüste ist nur die Wegstrecke zu (m)einem gelobten Land. Wie auch immer das aussehen mag!

Das macht mir Mut. Denn es gibt nicht nur dieser besonderen Zeit einen Sinn, sondern zeigt mir auch, dass Gott führt. Er lässt nicht zu, weil es nun mal passiert ist, er führt! „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl!“ heißt es in meinem momentanen Lieblingslied „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhard.

Amen.   

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