Reisen mit leichtem Gepäck

Ich melde mich verspätet aus dem Urlaub zurück. Der lange Rückflug steckt mir noch in den Knochen.

Bevor wir mit dem kleinen Bus abgeholt wurden, um zum Flughafen gebracht zu werden, hatten wir bis zum Schluss ein Hotelzimmer, so dass wir uns umziehen konnten. D. h. die Sommerhosen und die Sandalen konnte ich noch schnell, wenn auch schweren Herzens in den Koffer packen. Dadurch war mein Handgepäck auf einen kleinen Rucksack reduziert. Nachdem mein Koffer aufgegeben war, war alles, was ich die nächsten 16 Stunden brauchen würde in meinem Rucksack: Ticket, Pass, Zahnbürste und Buch waren die wichtigsten Begleiter für mich.

Ich genoss es, so wenig Gepäck dabei zu haben.

„Ich bin ein Gast auf Erden!“ Mein Leben ist eine Reise. Wäre es nicht schön, wenn ich auch hier nur leichtes Gepäck dabei hätte? Was macht mein Gepäck schwer? Es sind die Sorgen, die mich belasten. Es sind aber auch die schweren Erlebnisse in meinem Leben. All das, woran ich rumknabbere, was mich verletzt und misstrauisch gemacht hat, macht mir das Gepäck schwer. Das Einzige, was hier wirklich auf Dauer hilft, ist die Vergebung. Ich habe mich damit schwer getan. Ich wurde von Vielen auf sehr verletzende Art und Weise abgelehnt. Nicht nur, wie in früheren Inputs beschrieben, von meinem ehemaligen Pastor. Ich möchte jetzt keine theologische Abhandlung über Vergebung schreiben. Wie auf der Unterseite „über“ bereits geschrieben, schreibe ich hier von meinen persönlichen Einsichten und Erfahrungen. Meinem Pastor habe ich anfangs aus Gehorsam gegenüber Gott vergeben. Ich wusste, dass Gott mein Herz kennt. Deshalb brauche ich Ihm nichts vorzumachen. So habe ich sinngemäß gebetet „Herr, ich vergebe ihm, weil du es in deinem Wort so erwartest. Ich kann es im Moment nur mit meinem Verstand. Bitte hilf‘ mir, dass ich es eines Tages mit dem Herzen kann!“ Es war ein rein mechanisches Ritual. Anfangs habe ich ihm immer und immer wieder vergeben. Jedes Mal, wenn ich mich an etwas erinnerte, was er mir angetan hat, habe ich ihm vergeben.

Ich habe einen Menschen in meinem Umkreis, der nicht vergeben hat. Seine Welt ist klein und eng geworden. „Jetzt bin ich dran!“ ist ein typischer Spruch von ihm.

Für mich ist das eine Warnung. Ich wollte nicht verbittern. Immer noch bin ich überrascht, wie tief Gott in mein Leben eingegriffen hat! War es am Anfang noch Gehorsam, ist es heute das Wissen und zwar das Wissen, das ich mit jeder Faser meiner Seele erfasst habe, dass Gott mich liebt. Nachdem ich staunend begriffen habe, wie groß Gottes Liebe für mich tatsächlich ist, sind meine Verletzungen nicht mehr so schmerzhaft. Es fällt mir leichter Gott zu vertrauen und kann deswegen Altes, Schmerzhaftes loslassen.

Ähnlich geht es mir mit den Sorgen. Sie an Gott abzugeben, Ihm zu vertrauen ist nun nicht mehr so schwer für mich. Es gibt Momente, in denen es wieder weh tut oder es mir schwer fällt zu vertrauen. Dann merke ich, wie sehr Gott mich schon verändert hat. Denn das habe ich nicht selbst getan.

So wird mein Gepäck immer leichter und meine Lebensreise dadurch angenehmer.   

Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. (Lukas 1,37)

9. November 1989: Ich sitze mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher und kann es nicht fassen. Das, wovon ich dachte, dass es nie passieren würde, passiert gerade und ich schaue zu. Ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, dass ich erst im Rentenalter West-Berlin sehen werde. Da fällt die Mauer. Für mich ist das bis heute ein Wunder.

9. November 2019: Ich laufe über ein Pagodenfeld und mache eifrig Fotos. Zwischendurch wird mir bewusst, dass ich heute nicht hier wäre, wenn nicht vor 30 Jahren die Mauer gefallen wäre.

Ich bin vorsichtig geworden mit Prognosen. Sätze wie „Das wird nie passieren!“ kommen mir nicht so schnell über die Lippen.

Maria hat keinen Mauerfall erlebt. Sie ist jedoch mit den alten Geschichten aufgewachsen. Die Geschichten von Mose und Josef und Abraham. Zumindest ist in derBBibel nicht erwähnt, dass sie, bevor der Engel sie besucht hat, persönlich ein Wunder erlebt hat. Doch die Geschichten, mit denen sie aufgewachsen ist, haben ihr gereicht, um Gott zu vertrauen.

Nachdem ihr gesagt wurde „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ hat sie geglaubt. Ihre Antwort war schlicht „Siehe ich bin des HERRN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Lukas 1,38)

So möchte ich auch glauben. Denn im Gegensatz zu ihr habe ich persönlich ein Wunder erlebt.

Lob der Stille

Ich bin gerade in Asien unterwegs und habe schon einige Tempel gesehen. Doch muss ich zugeben, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Viele Touristen, ständig wird ein Gong geschlagen und Händler umlagern mich. Etwas Wesentliches fehlt mir.

Mit dem Boot fahren wir Richtung Brücke. Wir betrachten den Sonnenuntergang. Die meisten schwatzen. Eigentlich schön, aber etwas Wesentliches fehlt mir.

Vor einiger Zeit habe ich ein kontemplatives Gebet in einer Gemeinde besucht. Es wurde ein Bibelvers wiederholt vorgelesen, im Hintergrund lief Fahrstuhlmusik. Etwas Wesentliches fehlte mir.

Mir fehlte die Stille. Einfach mal zur Ruhe kommen, mal nichts sagen. Warum fällt es vielen so schwer? Wenn ich zur Ruhe komme, was kann denn passieren? Woher soll mein Frieden kommen, wenn ich ihn innerlich nicht zulasse? Was suche ich in der Welt, wenn ich es in mir habe? Wenn ich innerlich zur Ruhe komme, kann ich erst Gott entdecken.

„Werdet still und erkennt, dass ich Gott bin.“ heißt es im Psalm 46,1. Nur wenn ich mal zulasse, dass keine Hintergrundmusik läuft, kann ich Gott hören. Gott überschreit nicht den Lärm, sondern spricht leise in dein Herz. Verliebte schreien sich nicht an, sie flüstern sich liebevoll Kosenamen ins Ohr. So gib doch Gott die Chance, dir liebevoll ins Ohr zu flüstern. Komm zur Ruhe und hör ihm zu.

Verständnis haben, ist nicht biblisch!

Es gibt eine Unart, die m. E. immer mehr um sich greift: Verständnis haben für das böswillige Handeln von Menschen. Ich halte allgemein Verständnis für eine gute Sache. Doch finde ich, dass sie Grenzen hat. Nämlich dann, wenn all das Verständnis dazu führt, dass Verbrechen und mutwillige Bosheit nicht mehr als solche gesehen werden! In den sozialen Netzwerken wird oft beklagt, dass in Deutschland der Täter- vor dem Opferschutz steht. Auch das milde Strafmaß wird oft bemängelt. Oft genug wird eine geringe Freiheitsstrafe mit der schlechten Kindheit des Täters begründet. Wir sollen Verständnis haben. Doch ist das sinnvoll?

Wir Christen sind inzwischen so weichgespült durch die Predigten, dass wir schon gar nicht mehr merken, dass der Aufruf zum Verständnis komplett an der Bibel vorbei geht. Zumindest in meiner Bibel steht nirgendwo, dass Jesus dazu aufruft, Verständnis zu haben. Er spricht davon, dass wir lieben, den Anderen höher als uns selbst achten, wir demütig sein sollen. Aber nirgendwo steht ‚Habt Verständnis für die, die euch Böses tun!‘

Wie schmerzhaft es sein kann, wenn man gesagt bekommt, dass man Verständnis haben soll, habe ich selbst erlebt.

Im Moment arbeite ich meine Verletzungen auf, die mir durch geistlichen Missbrauch zugefügt wurden. Am Anfang habe ich noch versucht, anderen Christen davon zu erzählen. Doch statt des erhofften Trostes bekam ich nur Sätze wie „Ein Pastor ist auch nur ein Mensch!“ zu hören.

Besonders wütend machte mich eine Definition von geistlichen Missbrauch. Da stand sinngemäß, dass die Täter in der Regel die ihnen anvertrauten Menschen ganz unabsichtlich missbrauchen. Es sind halt Narzissten und die sind sich der Folgen ihres Handelns nicht bewusst. – Ich widerspreche! Narzissten wissen ganz genau, dass sie den anderen verletzen. Sie bemerken es, es ist ihnen aber egal!

Wer schon einmal mit einem Narzissten zu tun hatte, weiß, wovon ich rede. Solche Anmerkungen tragen nur noch dazu bei, dass die Taten der Täter verschleiert werden. Was wäre, wenn es um sexuellen Missbrauch ginge? Würde man da auch sagen „Der arme Pädophile kann nichts dafür. Er folgt bloß seinem Trieb!“ – Das ist mein doppeltes Leid: Der geistliche Missbrauch an sich und, dass mein Leid nicht als solches nicht anerkannt wird!

Es kann nicht angehen, dass von mir noch erwartet wird, dass ich Verständnis für meinen Ex-Peiniger aufbringe! Die Kindheit meines Ex-Pastors interessiert mich nicht. Mich interessiert nicht, warum er zum Narzissten geworden ist. Das Wissen darüber macht mein erlebtes Leid nicht einen Deut besser und mich auch nicht heil.

Es gibt ein Verstehen, was mir das Leid leichter machte: Als ich erkannte, dass mein Ex-Peiniger nicht nur mit mir persönlich so umgegangen ist, sondern mit jedem anderen auch, der nicht bereit war, ihn widerspruchslos anzuhimmeln.

Auch das Verstehen oder eher das Ahnen, warum Gott das zugelassen hat, hilft mir weiter. Als ich meinen Halt bei diesem Menschen suchte, war Gott mir zwar wichtig, aber nicht mein Ein und mein Alles. Als ich mich verletzt von Christen und Gemeinden zurückgezogen habe, war ich offen für Gott. Ich hatte keinen Menschen mehr, auf den ich mich auf geistlicher Ebene verlassen wollte und konnte. Für kluge Ratschläge, Seelsorge, Predigten, schlaue christliche Ratgeberbücher war ich nicht erreichbar. Da sprach Gott in mein Leben rein. Er begegnete mir auf unübliche Weise, berührte meine Seele. Heute ist Er mein Ein und Alles, meine Sehnsucht und ich liebe Ihn, weil er mich zuerst geliebt hat.

Bei Ihm fühle ich mich sicher und geborgen. Das möchte ich nicht missen.

Ich muss kein Verständnis für meinen Ex-Pastor haben. Das Einzige, womit ich aktiv zu meiner Heilung beitragen kann, ist die Vergebung. Meinem Ex- Pastor zu vergeben, war schon schwer genug!

Lasst uns also aufhören, uns wohlgemeinte Ratschläge, die wir irgendwo aufgeschnappt haben, um die Ohren zu schlagen! Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, dann sag‘ nichts! Hör zu. Das reicht oft schon. Wenn der Andere in einer Krise steckt, die du selbst nicht kennst und du dir auch nicht vorstellen kannst, wie es ihm wohl gerade geht, dann lass die Ratschläge bleiben!  

Wenn nicht anders, dann bete mit ihm. Denn Gott ist sowieso der beste Ratgeber!

Der Herr ist mein Hirte (Ps. 23,1)

Der Herr ist mein Hirte – das ist der Psalm, der am meisten bekannt ist. Viele haben ihn auswendig gelernt oder er hängt, hübsch gestickt, gerahmt im Flur.

Ich möchte diese eine Zeile genauer betrachten. Ein Hirte geht, zumindest in Israel, voraus. „Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.“ (Johannes 10, 4, nach Einheitsübersetzung 2016)

Jesus spricht in diesem Text von sich selbst als guten Hirten. Er geht voraus. Wer voraus geht, zeigt damit den Nachfolgenden, dass der Weg sicher ist.

Es gibt ein paar Verse im Neuen Testament, die gefallen mir nicht sonderlich: „Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ (Markus 8, 34, nach Schlachter 2000) – „Der Herr ist mein Hirte!“ Er ging mir voran. Er, dem alle Ehrungen zugestanden hätten, hat sich selbst verleugnet.

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11, 29 + 30, ebenda) – „Der Herr ist mein Hirte!“ Er ging mir voran. Er hat es mir vorgelebt, wie es ist, sanftmütig und demütig zu sein. Dazu kommt noch eine Verheißung „…; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“

Ruhe für die Seele, die gehetzt wird, hin und her getrieben zwischen Likes und Shitstorm.

Lange habe ich mich übergangen, übersehen gefühlt. Ich dachte, ich muss für mein Recht kämpfen. „Jetzt bin ich dran!“ dachte ich. Doch bemerkte ich, dass mich das auf mein Recht pochen, viel Kraft kostet. Wenn es mir dagegen gelingt, mich darauf zu verlassen, dass Gott für mein Recht sorgen wird, dann passieren mir merkwürdige Dinge. Die Verkäuferin am Tresen winkt mich ran, weil sie bemerkt hat, dass sich jemand vordrängeln wollte. Der Stuart im Flugzeug schenkt mir eine Extra-Portion Schokolade. Es sind die Kleinigkeiten, die mir nicht passieren, wenn ich mal wieder mit dem Ellenbogen kämpfe.

Jesus geht vor. Er ist nicht nur gekreuzigt worden, er ist auch auferstanden. Auch da geht er mir voran.

All das, was mir zu schaffen macht, was mir schwierig scheint im christlichen Glauben, wiegt nichts mehr, wenn ich mir bewusst mache, dass Jesus mir voran geht.

Meine Zweifel, mein Leid, die Ablehnung, die ich erfahren habe, mein ruinierter Ruf, die Lügen, die hinter meinem Rücken erzählt wurden – er war dabei und er weiß genau, wie es sich angefühlt hat. Aus eigener Erfahrung! Er geht voran! „Der Herr ist mein Hirte!“

Zum Schluss noch die Geschichte vom Lokalreporter, der den Pastor anrief und ihn fragte, was denn das Thema der Predigt sei. „Der Herr ist mein Hirte!“ antwortete dieser. „Ist das alles?“ hakte der Reporter nach. „Das genügt!“ erwiderte der Pastor. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: Thema der Predigt: ‚Der Herr ist mein Hirte – das genügt!‘

Gott möchte geliebt werden

Ich lese regelmäßig in der Bibel. Doch manchmal habe ich das Gefühl, da wurde in der Nacht ein Vers extra für mich reingeschrieben. Da wird mir plötzlich etwas klar, obwohl ich diesen Text schon x – mal gelesen habe.

Vor einigen Tagen hatte ich das Gefühl, dass nicht ein Vers neu geschrieben wurde, sondern ein einziges Wort in einem Vers geändert wurde: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ (5. Mose, 6, 4 und 5)

Mir wurde plötzlich bewusst, dass in dieser Stelle lieben und nicht dienen steht. Mitten in einem Seminar über die Weisheit der Wüstenväter traf mich diese Erkenntnis wie ein Schlag. Bis zu diesem Moment hätte ich schwören können, dass da dienen steht.

Woher kommt das? Ich denke, es gibt mehrere Gründe dafür. Zunächst ist es das, womit ich nach diesem Vers lieben soll. Mit ganzer Kraft, mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen – das klingt geradezu nach Anstrengung, Leistung und vollem Einsatz. In meinem Verstand ist aber „voller Einsatz“ mit „arbeiten“ bzw. „dienen“ verknüpft. Das passt auch gut zu unserer Gesellschaft. Leistung wird erwartet, voller Einsatz. Wer liefert, wird belohnt – so lautet das Mantra unserer wettbewerbssüchtigen Gesellschaft. Erfolg macht sexy, also streng‘ dich an!

Doch damit nicht genug. Das Dienen wird landesweit konfessionsübergreifend gepredigt. In gefühlt jeder zweiten Predigt geht es ums Dienen. Schon allein die Versammlung sonntags nennt sich „Gottes-Dienst“. In freien Gemeinden wird es gern gesehen, wenn jedes Mitglied mindestens einen Dienst, sprich‘ ein Ehrenamt übernimmt. Die Überbetonung vom Dienen ist m. E. die Krankheit der Kirche in der heutigen Zeit.

Gott aber möchte geliebt werden. Doch wie soll das gehen? Wie liebt man Gott?

Was bringt dich dazu zu lieben? Liebe! Ich wollte über 20 Jahre Gott dienen. Bis ich Seine Liebe kennenlernte. Als ich nicht nur mit meinem Verstand, sondern auch mit meiner Seele begriff, dass Gott mich zärtlich liebt, konnte ich nicht anders, ich begann, Ihn auch zu lieben. Ergriffen von Seiner Liebe bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihn zu lieben. Ich habe es nicht gemacht, nicht produziert. Gott hat es einfach getan.

Als ich aufhörte, Trost bei Menschen zu suchen, hat Gott mich getröstet.

Nicht irgendeine Predigt, ein toller Lobpreis oder ein christliches Seminar brachte mich an diesen Punkt. Es war in der Zeit, in der ich so sehr von Christen verletzt war, dass ich beschlossen habe, in keinen Gottesdienst mehr zu gehen. Ich wollte mit Christen nichts mehr zu tun haben. Genau in dieser Zeit begegnete Er mir neu. Anders. Schwer zu beschreiben.

Deswegen kann ich nur schreiben: Halte dich Gott hin! Wenn Gott dich berührt, dann wirst du Ihn lieben können. Dann wirst du auch deinen Nächsten lieben, wie dich selbst! (3. Mose 19, 18) Dieser Vers und der Vers aus dem 5. Buch Mose bezeichnet Jesus als die beiden höchsten Gebote. (Markus 12, 29 bis 31) Es ist keine Leistung, keine Anstrengung. Du gibst nur Gott zurück, was Er dir selbst gegeben hat!

Halte dich Gott hin!

Amen.

„Wer von euch groß werden will, der sei euer Diener,…“ – Gedanken zu Markus 10,43 +44

Vor kurzem habe ich auf meinem privaten Facebookprofil folgenden Satz gepostet: „Wenn dein Pastor predigt, dass man dienen soll, dann drück‘ ihm nach der Predigt einen Besen in die Hand!“ Es gab ein paar Lachsmileys und Likes. Doch was die wenigsten meiner fb-Freunde ahnen: Dieser Satz war mein bitterer Ernst!

Es gab eine Zeit, da hatte ich Respekt vor Pastoren, Priestern und Predigern, also über den „normalen“ Respekt hinaus. Ich ging davon aus, dass sie es verdient haben, dass ich ihnen vorbehaltlos glaube. Diese Zeit ist vorbei. Ich habe vor ihnen zwar Respekt, aber „nur“ weil sie, wie jeder andere, Menschen sind. Ich gebe ihnen keine Vorschusslorbeeren mehr. Im Gegenteil: Ich beobachte sie genau! Seine Predigt mag sich gut anhören, aber wenn sein Tun eine andere Sprache spricht, dann glaube ich ihm nicht mehr. Ich klatsche keinen Beifall, sage nicht „Ja“ und erst recht nicht „Amen.“ zu ihm und wenn er in sozialen Medien unterwegs ist, dann kriegt er weder Herzchen, noch Herzsmileys von mir.

Ich habe geistlichen Missbrauch erlebt. Ich habe es erlebt, dass ein Prediger mir u. a. den Satz an den Kopf knallte „Es hat der Gemeinde gut getan, dass du nicht da warst!“ (Es war noch das Harmloseste!) – Und nein, ich kann es nicht beweisen, dass es so gewesen ist. Dieser Mensch war leider schlau genug, mir solche Bemerkungen immer nur unter vier Augen anzutun.

Dieser Mensch hat m. E. nur so getan, als wäre er bescheiden, hat, gewollt beiläufig, verkündet, dass er selbstverständlich mit anderen Gemeindemitgliedern die Gemeinde putzt.

Doch hat er, sobald er den Raum betrat, das Gespräch an sich gerissen. Es war egal, ob sich die Anderen gerade über etwas Anderes unterhielten, er hat das Thema an sich gerissen. In meinen Augen hat er sich nicht wie ein Diener aller verhalten, wollte aber der Größte sein.

Deswegen bin ich dafür, einen Prediger daran zu prüfen, ob er handelt, wie er predigt. Deswegen dieser anfangs erwähnte Post auf Facebook.

Szenenwechsel: Ich war gerade in einem Kloster. Zum Mittagessen konnte man sich am warmen Buffet anstellen. Beim auf dem Teller tun, fiel mir etwas Essen runter. Ich habe nicht weiter darauf geachtet. Etwas später stand ich in der Nähe des Tisches und unterhielt mich. Da kamen ein Bischof und ein Priester mit je einem Papiertaschentuch und fingen an, diesen Essensrest aufzuheben. Mit staunenden Augen sah ich, wie zwei geistliche Leiter vor mir auf dem Boden hockten und meinen Patzer wegräumten. Als ich daraufhin den Priester ansprach, antwortete er „Aber ich bin doch der Diener aller!“ Das in einem selbstverständlichen Ton, dass ich merkte, dass er das ernst meinte. Das war seit Langem die beste Predigt, die ich gehört habe! Sie hat mich gleichzeitig ein Stück geheilt.

Für dieses kleine Stückchen Heilung danke ich Gott!

Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder (Matth. 18,3)

Wie viele Predigten zu dieser Bibelstelle habe ich bereits gehört. Oft genug war nur von dem Vertrauen von Kindern die Rede, untermalt von einem oft kitschigen Bild von einer großen Hand, die eine kleine Patschhand hält. Die einzige Herausforderung bei dieser Art von Predigt ist, rechtzeitig beim abschließendem „Amen“ wieder wach zu sein.

Dabei steckt in diesem Satz viel mehr:

1. Kinder vergeben! – Das erstaunt mich immer wieder! Da habe ich eben mit meinen Nachmittagskindern geschimpft und auch die angesagten Konsequenzen umgesetzt und eine kurze Zeit später kommt eins der Kinder und umarmt mich. Oder es wird mir was geschenkt, eine Kastanie oder ein schöner runder Stein, irgendetwas, was dem Kind selbst lieb ist.

Kinder vergeben! Ganz unkompliziert und ohne „klärendes Gespräch“. Einfach so! – Wie oft habe ich es dagegen erlebt, dass bei Erwachsenen erst einmal „Funkstille“ herrscht oder ich mich mehrmals entschuldigen musste, bevor wieder „alles gut“ ist. (Das mehrmals entschuldigen gewöhne ich mir gerade ab.) – Werdet wie die Kinder!

2. Kinder erwarten Vergebung! – „Das haben wir doch schon besprochen!“ erinnert mich Jonas, weil er denkt, dass er ein zweites Mal angezählt wird. Ich konnte ihn beruhigen, dass ich nicht von seinem Fehlverhalten berichte. Aber er hätte Recht gehabt! Das war besprochen und ich habe seine Entschuldigung angenommen. Da darf er erwarten, dass nicht mehr darüber gesprochen wird. Wie schwer tun wir uns manchmal damit, Vergebung anzunehmen oder uns selbst zu vergeben. Wenn es uns schwer fällt, uns selbst zu vergeben, dann stellen wir uns damit unbewusst über Gott. Er hat uns vergeben, sind wir also größer als Gott, dass wir seinen Freispruch wieder aufheben können? – Werdet wie die Kinder!

3. Kinder fordern Hilfe ein! – „Ulrike, kannst du mir die Zacken schneiden?“ „Meine auch!“ „Ich brauche auch Hilfe!“ – so tönt es von allen Seiten, wenn ich eine schwierige Bastelarbeit mitgebracht habe. Je mehr Zeit vergeht, um so dringlicher werden die Anfragen. Schnell wird das „bitte“ vergessen. Kinder wissen, dass sie nicht alles können und fordern ganz selbstverständlich Hilfe ein. Wie oft habe ich mich selbst erwischt, wie ich versucht habe, ein Problem selbst zu lösen, statt meinen himmlischen Vater um Hilfe zu bitten. Wie oft brechen Menschen erst zusammen, bevor sie zugeben, dass sie Hilfe brauchen. – Werdet wie die Kinder!

4. Kinder sind ehrlich! – Irgendwann, als ich mal wieder schwer enttäuscht war von den Menschen, ihren Intrigen und Lügen, postete ich auf meinem Facebook- Profil „Ich liebe Kinder und Demenzkranke! Sie sind wenigstens ehrlich!“ Wenn Kinder etwas nicht toll finden, dann sagen sie es mir direkt ins Gesicht! Das ist zwar nicht nett, aber ich kann mit dieser Aussage umgehen. Besser, als mit der falschen Freundlichkeit, bei der ich genau spüre, dass sie nicht echt ist. Wenn Kinder mir ehrlich sagen, dass ihnen mein Nachmittagsprogramm nicht gefällt, dann kann ich etwas ändern oder zumindest erklären, dass ich mir etwas ausdenken werde. Die Unehrlichkeit von „höflichen“ Erwachsenen dagegen verunsichert mich. – Werdet wie die Kinder!

Die Liste ließe sich noch fortführen. Wer eigene Kinder hat, wird noch viel mehr beobachten, als ich, die ich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig bin. Der Satz „Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder..,“ wird plötzlich vielschichtiger, als gedacht. Auf einmal liegt die Messlatte sehr hoch. Doch sind wir auch hier nicht allein mit unseren Bemühungen. Denn:

5. Jesus selbst wurde ein Kind! – Er hat unser Mensch-Sein erlebt, von Anfang an. Jede Hilflosigkeit, jede Ungerechtigkeit, die Kinder als unfair erleben und auch jedes Staunen und jedes kleine Glück hat er empfunden. Er weiß, wie es ist, klein zu sein. Er weiß, wie es sich anfühlt, in einer Welt, in der oft nur die Erwachsenen gesehen und respektiert werden, selbst erwachsen zu werden.

Wir können und dürfen uns Ihm anvertrauen. Wir dürfen Ihn bitten, uns zu lehren, wie wir vergeben und Vergebung annehmen können, wie wir wieder ehrlich vor uns und anderen werden und um Hilfe zu bitten, wenn wir sie brauchen. Aus dem Kind in der Krippe wurde der Mann, der am Kreuz für uns starb. Er ist derjenige, der uns helfen kann, wieder wie ein Kind zu werden. Zwar in der Verantwortung den anderen gegenüber, aber mit dem Wissen, dass wir ohne Ihn nichts sind, aber mit Ihm alles. Wie ein Kind!

Ein Liebesbrief

Geliebte,
wie liebe ich dich, liebe alles an dir,
dein Lächeln, deine Fältchen,
wie du gehst, wie du lachst.
Ich sehne mich nach dir und verzehre mich nach dir.
Die Sehnsucht nach dir treibt mich -
bringt mich dazu,mich selbst aufzugeben.
Die Sehnsucht nach dir, nach deiner Nähe,
bringt mich dazu, dir nachzulaufen.
Doch du schaust mich nicht an,
läßt mich stehen,
würdigst mich keines Blicks. Du gehst an mir vorbei,
ich schaue dir sehnsuchtsvoll nach.
So bleibt mir nur, dich zu betrachten,
kummervoll zu sehen,
wie du dich mit einem Anderen triffst.
Heimlich gehe ich dir nach,
nur, um zu schauen, ob es dir gut geht.
Ich wollte dir alles sein,
alles tun für dich.
Ich habe dich heute gesehen,
du saßest auf der Bank und weintest.
Am liebsten hätte ich dir jede einzelne Träne
von der Wange geküsst,
deinen Kopf gestreichelt und dir versichert,
dass alles gut wird.
Doch als ich mich zu dir setzte,
hast du mich böse angeguckt
und bist gegangen.
Im Weggehen tipptest du die Nummer deiner Freundin.
Geliebte, ich warte auf dich,
denn ich gebe nicht auf.
Vielleicht siehst du mich eines Tages.
Eines Tages wirst du zu mir kommen.
Dann werde ich dich in den Arm nehmen
und zärtlich küssen.
Vergessen wird dann der Kummer sein,
den ich wegen dir hatte.
Vergessen all' die mitleidigen Blicke,
die mir galten.
Vergessen die vielen Male,
die du auf hohen Absätzen
mit erhobenem Haupt an mir vorbeirauschtest.
Vergessen alles, was du mir angetan hast.
Geliebte, dann werde ich dir meine Liebe zeigen.
Sie wird fließen,
wie lang angestautes Wasser.
Ich werde dich halten,
dein weiches Haar streicheln,
dir Kosenamen ins Ohr flüstern
und deine Tränen trocknen.
Ich liebe dich
und werde dich immer lieben.
Dein Jesus

Der Schmerz Gottes

Heute beschäftigt mich ein Thema, über das selten bis nie gepredigt wird: Der Schmerz Gottes.

Eine der schwierigsten Lektionen während meiner aktiven Zeit als Krankenschwester war: nicht zu helfen! Ich habe das Wissen, den Willen und die praktische Erfahrung, um Menschen bei den täglichen Dingen helfen zu können. Allein, wenn sie es nicht wollen, sind mir die Hände gebunden.

Während meiner Einsätze in der ambulanten Pflege betreute ich u. a. eine alkoholkranke Frau. Täglich fuhr ich hin und bot ihr an, ihr bei der Körperpflege zu helfen. Sie lehnte regelmäßig ab und mir blieb nichts anderes übrig, als zu dokumentieren: „Pat. lehnt Körperpflege ab.“ Das war schwer für mich zu ertragen. Es ging mir nicht nur um den unangenehmen Körpergeruch, sondern vor allem um die abgelehnte Hilfe. Eines Tages stand sie in der Badewanne und schaute aus dem Fenster. Da gingen die Pferde mit mir durch. Ich ließ kurzerhand Wasser ein, zog sie vorher unter Protest aus und badete sie. Ich redete auf sie ein, dass es gut wäre. Wie sehr ich sie auch wusch, der Dreck ging nicht ab. Ich hätte sie regelrecht einweichen müssen, um den vernachlässigten Körper sauber zu bekommen. Sie war nicht sauber und ich habe Grenzen überschritten. Ich kann von Glück sagen, dass sie mich nicht angezeigt hat.

Wenn ich mich heute mit Menschen unterhalte und wir kommen auf den Glauben zu sprechen, sagen mir diese oft „Missionier mich nicht!“. Sie erzählen mir ihren Kummer und oft genug bemerke ich hinter ihrer Fassade ihr Leid, aber von Jesus darf ich ihnen nicht erzählen.

Das tut weh. Aber wie sehr, mag es Gott weh tun? Er könnte für die Menschen viel tun. Er könnte sie an Leib und Seele heilen, ihrem Leben einen Sinn geben, ihnen einen Wert geben. Aber sie lehnen ihn ab. Sie möchten nicht, dass ihre vernachlässigte Seele gewaschen wird. Sie möchten sich ihm nicht anvertrauen, aus Angst vor Kontrollverlust oder weil in der Kindheit falsche Gottesbilder geprägt wurden. Es gibt viele Gründe, warum Gott abgelehnt wird. Nicht selten sind es Menschen, die den Blick auf den liebenden Vater verstellen.

Bitten wir Gott, uns zu verändern, dass wir nicht den Blick verstellen, bitten wir ihn, uns Liebe für die Verlorenen zu schenken. Lasst uns beten für die, die keine Hilfe wollen und sie doch dringend bräuchten und lasst uns den Heiligen Geist bitten, uns zu zeigen, wie wir die Menschen erreichen können.