Clubhouse

Im Moment ist ja Clubhouse angesagt. Wenn ich das richtig verstanden habe, brauche ich dafür ein I-Phone und eine Einladung und dann kann ich mit den Großen dieser Welt diskutieren. Also ziemlich elitär. 

Was wäre, wenn der christliche Glaube ähnlich elitär wäre? Was, wenn jeder, der an Christus glauben möchte, erst eine persönliche Einladung braucht, die er aber nur von bestimmten Predigern, Pastoren oder Priestern bekommt? 

Der christliche Glaube wäre plötzlich attraktiv. Warum aber ist der Glaube so unattraktiv? Sind es “nur” die Skandale, die Intoleranz, das Streben nach Macht und Geld und das konfessionsübergreifend? 

Ich denke, erschwerend kommt hinzu, dass es eine “Jedermannsreligion” ist. Jeder darf kommen. Die Armen, die Kleinen, die Ausgestoßenen, die Kranken… Da ist jemand aus dem Mittelstand mit gesichertem Einkommen doch schnell dabei, zwar zu helfen, aber nicht dabei zu sein. Ach die armen Nutten, die bemitleidenswerten Hartz IV-Empfänger. Ich schenke Kaffee ein, setze mich vielleicht noch dazu, aber selbst brauche ich Gott nicht. Nein danke, ich komme ganz gut ohne klar.  

Es ist genau das, was mir wieder und wieder klar wird, je länger ich über Gott nachdenke: Ich bin bedürftig! Ich brauche Heilung! Ich brauche Gott! 

Ich war, so dachte ich, über 20 Jahre Christ. Seit über 20 Jahren dachte ich, dass ich Gott diene. Gott hat doch mit mir einen guten Fang gemacht. Aber als ich stark verletzt war und spürte, dass ich wieder und wieder von Menschen verletzt werde, merkte ich, dass ich vorsichtig wurde. Ich stellte Gott und seine Liebe infrage und zog mich von Gemeinden zurück. Stattdessen genoss ich es, sonntags auszuschlafen. Ich merkte, dass ich anfing zu verbittern und ich begann zickig um mich zu schlagen. Meine Zunge kann schnell und spitz sein. 

Doch wusste ich keine Lösung. Ich hatte das Gefühl, dass ich keinem, der mir helfen könnte, vertrauen kann. Wer verraten wurde, bleibt in Deckung.  

Als ich dann langsam und vorsichtig wieder vertrauen konnte, hat Gott mich mit seiner Liebe überrascht. Langsam, ganz langsam habe ich verstanden, dass er es gut mit mir meint. Auch wenn es immer noch Momente gibt, in denen ich meine Verletzungen stark spüre oder Reflexreaktionen, ähnlich, wie jemand, der noch humpelt, obwohl das Bein nicht mehr weh tut. Dann spüre ich meine Bedürftigkeit Gott gegenüber, dann spüre ich, dass ich ihn brauche. 

“Zeit heilt alle Wunden!” – Nein, Gott heilt! Manchmal brauche ich Geduld mit mir selber. Weil mir bewusst wird, dass ich doch noch nicht allen Menschen wieder traue: Christen ja, Freikirchler nein! Ich weiß, dass es bestimmte Phrasen gibt, die mich innerlich abschalten lassen. Sollte irgendein Prediger, Leiter auf die Idee kommen, dass wir einander “Schön, dass du da bist!” sagen sollen, war es der letzte Gottesdienst in dieser Gemeinde für mich! 

Ich darf noch verletzt sein. Ich darf wahrnehmen, dass ich noch offene Wunden habe. Ich weiß doch selbst aus meiner aktiven Zeit als Krankenschwester, wie lange manchmal eine Wunde gebraucht hat, bis sie völlig verheilt ist. Sie heilt nicht gleichzeitig komplett zu. Sie wird immer kleiner, bis dann endlich nur noch ein kleines Pflaster aufgeklebt wird, das dann später auch noch wegfällt. 

Mit meinen noch nicht ganz verheilten Wunden darf ich zu Gott kommen. Bedürftig wie ich bin. Kind, wie ich ihm gegenüber bin. Mein Kommen zu Gott ist nicht das Folgen einer elitären Einladung, sondern das erbarmungswürdige Kommen von jemanden, der Hilfe braucht. Ich brauche einen Retter, weil ich gerettet werden muss.  

Nein, es gibt keine Einladung ins “Churchhouse”. Aber es gibt eine Einladung von einem unglaublich barmherzigen und liebenden Gott, sich von ihm helfen zu lassen. Es ist das Versprechen: ”Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” (Matthäus 7,7) 

Amen.  

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