Sich lieben lassen

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Ich bin noch dran am Themenkomplex Gehorsam, dienen und Hingabe. Das muss ich noch für mich klären. Immer wieder fällt mir auf, dass sich etwas innerlich in mir sträubt. Wenn ich mich Gott ausliefere, dann bin ich ihm ausgeliefert. Das fühlt sich nicht gut an.

Aber vielleicht gehe ich es falsch an. Vielleicht sollte ich nicht danach fragen, ob ich bereit bin, Gott gegenüber gehorsam zu sein. Vielleicht sollte ich zuerst bereit sein, mich von ihm lieben zu lassen. Doch wie fange ich das an?

Je nachdem wie viele kirchliche Trauungen man schon mitgemacht hat, kennt man die Verse von 1. Korinther 13, 4 bis 7 mehr oder weniger gut auswendig: „Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“

 Oft wird nur betont, dass es die Messlatte ist, die jeder Gläubige erreichen sollte. Aber was, wenn wir, wenn ich Empfänger dieser Liebe bin? Habe ich solche Liebe schon erlebt? Kann ich sie annehmen?

Was wäre, wenn mir jemand begegnen würde, der mich so behandelt? Der mich nimmt, wie ich bin, bei dem ich keine Angst haben muss, dass derjenige mich fallen lässt, wenn ich mich mal daneben benehme. Jemand, der mich beschenkt, mir Komplimente macht. Jemand, der auch dann noch da ist, wenn ich versagt habe bzw. den ich gar nicht enttäuschen kann, weil er mich genau kennt.

Ich habe schon einige Menschen kennengelernt. Menschen, von denen ich anfangs dachte, dass sie es gut mit mir meinen. Erst im Laufe der Zeit kamen Bemerkungen, bei denen ich mich innerlich fragte, ob meine Annahme stimmt und meist kam kurze Zeit später der „Paukenschlag“, also eine Situation, in der ich deutlich merkte, dass derjenige mich bloß ausnutzt oder einfach mit mir angeben möchte.

Nach solchen Erfahrungen würde ich einem solchen Menschen, der mich einfach nur liebt, skeptisch gegenüber sein.

Was aber, wenn Gott mich genau so liebt? Was, wenn bei ihm kein Paukenschlag kommt?

Wenn ich darüber nachdenke, was Gott für mich getan hat, komme ich oft an einen Punkt, an dem ich nicht weiterkomme. Das ist mir zu groß! Dann kommt nur noch ein geflüstertes „Danke!“ und oft genug gehe ich dann vor Gott auf die Knie.

Es bleibt mir nur, seine Liebe anzunehmen, mich von ihm lieben zu lassen. So lasse ich mich beschenken. Ich suche und finde in Alltäglichkeiten die Spuren seiner Liebe. Sie nehme ich als „Brotkrumen“, um den Weg zu ihm zu finden. Schritt für Schritt mich auf ihn und Menschen einlassen. Immer dran denkend, dass das nicht nur Gefahren, sondern auch immer Überraschungen birgt.

Umso leichter es mir fällt, seine Liebe anzunehmen, umso besser kann ich seinen Willen tun. Wer weiß, vielleicht sträubt sich eines Tages nichts mehr in mir? Das werde ich rausfinden.

Amen.

3 Kommentare zu „Sich lieben lassen

  1. Glaube, Hoffnung, Liebe – keins der drei können wir aus uns selbst holen. 1.Kor.13 beschreibt Gott, denn Gott ist die Liebe. Wer sich, oder schlimmer noch: anderen das als Aufgabe auferlegt, hat es m.E. nicht begriffen.
    Und deshalb um so mehr: ja, die Liebe können wir nur erfahren, sie kann uns nur geschenkt werden, indem wir geliebt werden und das zulassen. Gar nicht so leicht…

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