„die Niedrigkeit seiner Magd“

Weiter geht es mit dem Magnificat. Der dritte Vers lautet „Dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter!“ (Lukas 1, 48)

Maria ist noch nicht fertig mit freuen. Jetzt kommt erstmal die Begründung. Dabei fällt mir direkt ein Wort auf „die Niedrigkeit“. In der Luther, der Einheitsübersetzung, der Zürcher  ist es die Niedrigkeit, während die Neue Genfer Übersetzung  es mit eine „geringe und unbedeutende Frau“ übersetzt. In der Elberfelder Studienbibel steht allerdings, dass im griechischen Original das Wort Ταπείνωσιϛ – tapeinosis zu lesen ist. Das bedeutet Demütigung oder eben Demut, Niedrigkeit.

An dem Wort „Demut“ knabbere ich noch rum. Ist nicht wirklich ein modernes Wort. Klingt nicht nach Erfolg, Effizienz und anderen modernen Worten. Worten, an denen du heute in der Gesellschaft gemessen wirst. Keiner fragt dich heute, ob du dich auch ja in Demut übst, dich selbst erniedrigst oder ob du heute schon dein Kreuz auf dich genommen hast. Wir leben in einer Zeit, in der die Kreuzverse sehr selten in Predigten vorkommen und in denen „ das Kreuz täglich auf sich nehmen“ mit „ sein Päckchen tragen“ verwechselt wird.

Zurück zur Demut. Ich tappe immer wieder in die „Eigentlich-bin-ich-ganz-toll“-Falle. Nachdem ich mir viele Jahre anhören musste, dass ich die kleine Dumme bin, man mir sowieso nichts zutraun kann usw., merke ich, dass es auch andere Menschen gibt, die mir durchaus etwas zutrauen. Manche geben mir ein Feedback, das überhaupt nicht zu den Einschätzungen meiner Kindheit passt. Habe ich mir lange nur wenig zugetraut, muss ich heute aufpassen, dass ich mich nicht für allzu genial halte. (Also nur ein bisschen genial! 😉

Dann ist es ganz gut, dass mich Gott immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Er zeigt mir manchmal meine innersten Gedanken, über die ich dann ganz erschrocken bin. Oder etwas gelingt mir nicht und ich bin dringend auf die Hilfe anderer angewiesen. Das ist die Gefahr, wenn man sich in der „bürgerlichen Mitte“ befindet: Schnell bin ich dabei, mich auf mich selbst zu verlassen. Wenn ein HartzIV-Empfänger Zeugnis gibt, dann sind das oft diese Geschichten, dass am Ende des Monats Geld fehlte 47,11 € und genau 47,11 € waren dann plötzlich im Briefkasten, obwohl es keiner wusste! Oder die Bekehrungsgeschichten von Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind: alkoholabhängig oder drogensüchtig oder als Prostituierte gearbeitet und dann Gott kennengelernt. Jetzt schon mehrere Jahre clean und einen ehrenhaften Beruf gelernt. Als Bürgerlicher bleibt man gern außen vor, bleibt bequem im Sessel sitzen: Ja, ja, wie gut, dass Gott ihn/ sie erreicht hat. Er/ sie braucht Gott – aber ich doch nicht!

Und dann kam Corona: Seitdem ich mitbekommen habe, dass die Regierung ihre eigenen Versprechen nicht einhält – und es spielt für mich keine Rolle mehr, ob die alte oder neue, seitdem fühle ich mich unsicher. Die Regierung hat mein vollstes Misstrauen! Obwohl in der DDR aufgewachsen, habe ich mich noch nie einer Regierung so ausgeliefert gefühlt, wie der Merkel- und Scholz-Regierung. In Bezug auf Pandemie und Ukraine-Krieg habe ich nicht das Gefühl, dass es der Regierung darum geht, dass es dem Volk gut geht. Im Gegenteil, ich vermute viel mehr, dass „die da oben“ doch machen, was sie wollen. Machtgier und Gewinnmaximierung scheinen ihre einzige Motivation zu sein. Man könnte ihnen auch den berühmten Satz, den man Marie Antoinette zu Unrecht in den Mund geschoben hat, unterstellen: „Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es Kuchen essen!“ – Plötzlich fühle ich mich ausgeliefert, ganz klein und machtlos. Plötzlich brauche ich Gott, werde mir meiner Niedrigkeit bewusst. Meine eigene Macht reicht nicht aus. Ich fühle mich erbärmlich – erbarmungs-würdig in Gottes Augen!

Während ich einem Herrn Scholz egal bin, er weiß ja nichts von meiner Existenz, sieht Gott mich an. So, wie er Maria angesehen hat: επιβλέπω – epiblepo = blicken auf, sehen auf mit Wohlwollen, sich kümmern um, sich annehmen, von

Auf einmal hören die Sorgen auf. Gott ist größer als der Gesundheitsminister, als der Bundeskanzler und erst recht größer als Putin!

Gott schaut mich an, trotz meiner schlimmen innersten Gedanken, mein mich Überschätzen und mein mich hilflos und ausgeliefert Fühlens.

Darum preise ich ihn! Ich bin dankbar! Ich bin nicht Menschen ausgeliefert, solange ich mich meinem liebenden Gott ausliefere! Darum juble ich! Magnificat anima mea dominum!

Amen.

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