„und mein Geist freut sich über Gott meinen Retter,“ (Lukas 1, 47)

Heute geht es weiter mit dem Magnificat. Im vorigen Vers war von der Seele die Rede, in diesem jubelt der Geist.

Hier ein kleiner Exkurs: So ziemlich jeder bejaht inzwischen, dass der Mensch aus wenigstens zwei Teilen besteht: aus dem Körper und der Seele. Sie wird als Mischung aus Gefühlen, Intuition und Gedanken definiert und stellt den unsterblichen Teil des Menschen dar. Der dritte Bestandteil ist der Geist, oft synonym mit Verstand übersetzt. Allgemein kann man sagen, das Rationale.

Also freut sich nicht nur die Seele, die Gefühlsebene, es jubelt auch die Verstandesebene. Mooment, jetzt mal langsam: dass Maria erleichtert ist, weil die Ankündigung des Engels sich als wahr erwiesen hat, ist klar. Aber der Verstand dürfte da gerade Überstunden gemacht haben! Da passiert etwas, was mit dem Verstand nicht fassbar ist! Gott greift ein! Seit Generationen warten die Juden auf den Messias. Die Römer waren  zu dem Zeitpunkt nur das Ende einer langen Reihe von Unterdrückern und Angreifern. Die Römer konnten einfach mal bestimmen, Gesetze schnell mal ändern, jemanden zwingen mit ihm eine Meile zu gehen usw. Da war die Sehnsucht nach einem Messias sicher groß. Aber jeder, der einigermaßen klar bei Verstand war, hat sicherlich nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet, in der irgendwie in mystischer Weise, der Heilige Geist involviert war.

Doch war es genau so! Die Verstandesebene freut sich auch. Worüber genau? „Gott meinen Retter!“ Gott, dass war Maria  wohl klar in diesem Moment, hat sie persönlich vor der Steinigung wegen Untreue gerettet. Jetzt, nachdem Elisabeth ihr bestätigt hat, dass das Kind, was sie Maria, erwartet, „der Sohn des Höchsten“ (Lukas 1,32) ist, weiß sie, dass sie Gott an ihrer Seite hat. Sie muss da nicht alleine durch. Gott ist wirklich da, hat sie wirklich berufen. Auch hat sie jetzt einen Menschen an ihrer Seite, der ihr helfen kann. Elisabeth ist selbst schwanger und hat selbst Gottes Eingreifen erfahren. Ich sehe förmlich vor mir, wie die beiden Frauen in den nächsten Wochen die Köpfe zusammenstecken und über „Frauendinge“ reden, sich gegenseitig ermutigen und Gott gemeinsam loben – und Zacharias sitzt stumm daneben.

So fürsorglich ist Gott. Er gibt manchen Menschen große Berufungen, aber gleichzeitig gibt er diesen auch Menschen an ihre Seite. Mose hatte seinen Bruder Aaron und Maria ihre Verwandte Elisabeth. Gott bürdet keinem etwas auf, was er nicht tragen kann.

Gott lässt nicht im Stich, Gott rettet. Jesus hat mich gerettet, indem er für mich am Kreuz gestorben ist. Das ist nicht mit dem Verstand fassbar. Da muss er sich rantasten. Aber wenn er erst verstanden hat, was diese Rettung bedeutet, nämlich nichts Geringeres, als ein Weiterleben nach dem Tod, dann kann selbst der Geist sich freuen.

Amen.

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