„Meine Seele erhebt den Herrn,…“ (Lukas 1, 46)

Ab heute möchte ich mich mit dem Magnificat – Marias Lobgesang beschäftigen. Der Text ist komplett konträr. Erstens, er steht kurz vor der Weihnachtsgeschichte „Es begab sich aber zu einer Zeit… „ (Lukas 2,1) Auch dauert es noch ein wenig bis zum 2. Juli, dem Fest der Heimsuchung.

Zweitens scheint er überhaupt nicht zu den aktuellen Ereignissen zu passen. „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“ (Psalm 23,1) würde doch viel mehr trösten oder Psalm 91, 1 „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, der bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen…“

Warum also jetzt die Betrachtung dieses Lobgesangs?

Gegenfrage: Wann ist ein guter Zeitpunkt, Gott zu loben? Wenn es allen gut geht, die Pandemie und der Krieg vorbei ist, die psychischen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie überwunden, das Land wieder aufblüht, sämtliche Konzerte und Events nachgeholt und selbst alle Krankheiten verheilt sind? – Wenn es danach ginge, wäre es nie ein guter Zeitpunkt, Gott zu loben.

Es ist immer genau die richtige Zeit, Gott zu loben.

Oft wird in Bibeln 1. Samuel 2, 1ff als Parallelstelle angesehen. Schon, als ich mich mit Maria beschäftigte, habe ich angemerkt, dass ich hier keine Parallele sehe. Hanna hatte eine Not, sie hat Gott um ein Kind gebeten. Bei Maria war das anders. Sie war verlobt und ihre kleine Welt war in Ordnung. Alles lief nach Plan und dann kam plötzlich der Engel, der ihr offenbarte, dass sie schwanger werden würde, vom Heiligen Geist und dieses Kind der Sohn Gottes genannt wird. (Lukas 1, 35). Das war keine Gebetserhörung, das war etwas ganz Neues. Das war etwas Un-Erhörtes!

Als sie dann ihre Verwandte Elisabet aufsuchte, war sie bereits schwanger. Vielleicht hatte sie mit Zweifeln zu kämpfen. Vielleicht dachte sie, dass sie sich das alles eingebildet hat. – Und dann bestätigt ihr Elisabet genau das, ohne es eigentlich wissen zu können. Dass ihre Freude groß ist, ist allzu verständlich. sie fängt an, Gott zu loben. Fast greifbar ist ihre Erleichterung.

Maria lobte Gott, weil ihr das, was ihr von ihm gesagt wurde, bestätigt wurde. Das große Wunder, das irgendwie bis heute unglaublich wäre, wenn es nicht längst eingetroffen wäre.

Sie lobt Ihn, bevor Christus am Kreuz gestorben ist, bevor sie eins der Wunder, eine Heilung miterlebt hat, die ihr Sohn vollbringen wird, ja, bevor er überhaupt geboren wurde.

Wieviel mehr haben wir Grund, Gott zu loben und ihn anzubeten? Wieviel mehr müssten wir, müsste ich ihm danken?

Ich kann und darf die Erlösung Christi in Anspruch nehmen. In meinem Leben bin ich schon oft bewahrt worden und ich habe alle Sinne beisammen. Das allein sind schon Gründe genug, Gott zu loben.

Dann gibt es noch einen wesentlichen Grund, warum ich das tun sollte. Gott braucht mein Lob nicht. Er weiß, dass er gut ist. Aber ich brauche es. Es gibt einen oft zitierten Spruch: „Loben zieht nach oben. Danken hilft vor Wanken!“ Indem ich drüber nachdenke, wofür ich Gott loben kann, fallen mir viele persönliche Erlebnisse ein, bei denen er helfend eingegriffen hat. Im Nachhinein macht plötzlich manch schwere Situation Sinn. Dann wird mir bewusst, dass Gott mich, auch in schweren Zeiten nicht allein gelassen hat und ich mit seiner Hilfe schon so manche Krise gemeistert habe.

Deswegen kann ich, ausgerechnet oder gerade jetzt mit Maria sagen „Meine Seele erhebt den Herrn!“

Amen.

3 Antworten zu „„Meine Seele erhebt den Herrn,…“ (Lukas 1, 46)”.

  1. Die Situation der Hanna ist eine andere als die Mariens – aber ihre Lieder sind doch ähnlich.
    Deo gratias.

    1. Ja, der Text ist ähnlich. Es kann sogar sein, dass Maria ihn aus dem Gedächtnis zitiert hat. Trotzdem hat sie eine ganz andere Geschichte als Hanna. Hannas Kind war eine Gebetserhörung. Maria wurde berufen. Sie ist eher mit Mose und Jesaja zu nennen. Auch, wenn sie nicht so lange (zumindest nicht laut Bibel) „diskutiert“ hat, wie Mose. Dabei stand für sie persönlich genauso viel auf dem Spiel, wie für Mose. – Sorry, kleiner feministischer Seitenhieb unter Geschwistern! 😉

      1. Kein Problem, Schwester. 😉
        So können ganz verschiedene Situationen zu der freudigen Erkenntnis führen: Gott ist wunderbar groß und hebelt unsere menschlichen Systeme aus.
        Ich warte jetzt darauf, daß Er den nächsten Mächtigen vom Thron stürzt…

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