Verschenkte Gnade

Vor kurzem war ich im Stadtzentrum und habe Sandwiches an die Straßenkumpels verteilt. Nachdem ich alles verteilt hatte, ging ich zum Parkhaus zurück. Da bemerkte ich einen, der das Brot, das ich ihm gegeben habe, an die Tauben verfütterte. Das gab mir ein Stich ins Herz. Ich habe das Brot extra eingekauft, mir wirklich Mühe gemacht. Ich überlegte, ob ihn deswegen anspreche.

Da fiel mir ein: Benehmen wir Menschen uns nicht Gott gegenüber genauso? Gott möchte uns nahe kommen, uns seine Liebe zeigen. Er hat sich wirklich Mühe gemacht und seinen Sohn auf diese Erde gesandt. Es ist Gnade. Gnade wird oft leichtfertig als „Geschenk“ übersetzt. Doch Gnade ist weit mehr als ein Geschenk. Wer kennt sie nicht die Geschenke, die man bekommt und sich nicht gewünscht hat? Die potthässliche Kristallvase, die partout nicht kaputt gehen will? Höchstens beim Schrottwichteln wird man sie noch los.

Die Kristallvase sichert nicht unser Überleben. Aber wenn es um unser Weiterleben nach dem Tod geht, sind wir Bettler. Wir brauchen Gottes Gnade. Wir können nicht Gott begegnen, ohne seine Gnade anzunehmen.

Der moderne Mensch denkt, dass er Gott nicht braucht. Ja, er ist überzeugt davon, dass Gott nicht existiert. Wir betteln nach Liebe und suchen sie in sexuellen Abenteuern. Eine Seitensprung-Agentur wirbt im Moment auf großen Plakaten mit Sprüchen wie „Ich ziehe auch nicht jeden Tag das Gleiche an!“ – Was für eine Maßlosigkeit! Der Partner wird nur noch als Objekt betrachtet. Der höchste Genuss mit Nervenkitzel wird gesucht. Doch die Seele geht dabei leer aus.

Dabei steht Gott direkt daneben. Er macht ein großartiges Angebot: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4,14) Die Seele könnte satt werden, wenn der Mensch sich nicht verführen ließe von den tollen Versprechungen dieser Welt.

Wir sind Bettler, die noch nicht einmal merken, dass sie betteln. Wir sind dabei zu verdursten, unsere Seelen verkümmern, doch wir halten nur Ausschau, nach dem nächsten großen Kick – das neueste Handy, das größte Auto, der Mega-Trend vom bekanntesten Influencer.

Wie sehr muss es Gott schmerzen, wenn er uns sieht, wie wir das dargebotene Brot an die Tauben verfüttern. Das gebrochene Brot, die Liebe in Person – Christus.

Ich möchte das Brot annehmen. Mir ist bewusst, dass ich bloß ein hungriges Kind bin. Doch mehr muss ich nicht sein. Ich habe einen Vater, der mich versorgt.

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