Gott möchte geliebt werden

Ich lese regelmäßig in der Bibel. Doch manchmal habe ich das Gefühl, da wurde in der Nacht ein Vers extra für mich reingeschrieben. Da wird mir plötzlich etwas klar, obwohl ich diesen Text schon x – mal gelesen habe.

Vor einigen Tagen hatte ich das Gefühl, dass nicht ein Vers neu geschrieben wurde, sondern ein einziges Wort in einem Vers geändert wurde: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ (5. Mose, 6, 4 und 5)

Mir wurde plötzlich bewusst, dass in dieser Stelle lieben und nicht dienen steht. Mitten in einem Seminar über die Weisheit der Wüstenväter traf mich diese Erkenntnis wie ein Schlag. Bis zu diesem Moment hätte ich schwören können, dass da dienen steht.

Woher kommt das? Ich denke, es gibt mehrere Gründe dafür. Zunächst ist es das, womit ich nach diesem Vers lieben soll. Mit ganzer Kraft, mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen – das klingt geradezu nach Anstrengung, Leistung und vollem Einsatz. In meinem Verstand ist aber „voller Einsatz“ mit „arbeiten“ bzw. „dienen“ verknüpft. Das passt auch gut zu unserer Gesellschaft. Leistung wird erwartet, voller Einsatz. Wer liefert, wird belohnt – so lautet das Mantra unserer wettbewerbssüchtigen Gesellschaft. Erfolg macht sexy, also streng‘ dich an!

Doch damit nicht genug. Das Dienen wird landesweit konfessionsübergreifend gepredigt. In gefühlt jeder zweiten Predigt geht es ums Dienen. Schon allein die Versammlung sonntags nennt sich „Gottes-Dienst“. In freien Gemeinden wird es gern gesehen, wenn jedes Mitglied mindestens einen Dienst, sprich‘ ein Ehrenamt übernimmt. Die Überbetonung vom Dienen ist m. E. die Krankheit der Kirche in der heutigen Zeit.

Gott aber möchte geliebt werden. Doch wie soll das gehen? Wie liebt man Gott?

Was bringt dich dazu zu lieben? Liebe! Ich wollte über 20 Jahre Gott dienen. Bis ich Seine Liebe kennenlernte. Als ich nicht nur mit meinem Verstand, sondern auch mit meiner Seele begriff, dass Gott mich zärtlich liebt, konnte ich nicht anders, ich begann, Ihn auch zu lieben. Ergriffen von Seiner Liebe bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihn zu lieben. Ich habe es nicht gemacht, nicht produziert. Gott hat es einfach getan.

Als ich aufhörte, Trost bei Menschen zu suchen, hat Gott mich getröstet.

Nicht irgendeine Predigt, ein toller Lobpreis oder ein christliches Seminar brachte mich an diesen Punkt. Es war in der Zeit, in der ich so sehr von Christen verletzt war, dass ich beschlossen habe, in keinen Gottesdienst mehr zu gehen. Ich wollte mit Christen nichts mehr zu tun haben. Genau in dieser Zeit begegnete Er mir neu. Anders. Schwer zu beschreiben.

Deswegen kann ich nur schreiben: Halte dich Gott hin! Wenn Gott dich berührt, dann wirst du Ihn lieben können. Dann wirst du auch deinen Nächsten lieben, wie dich selbst! (3. Mose 19, 18) Dieser Vers und der Vers aus dem 5. Buch Mose bezeichnet Jesus als die beiden höchsten Gebote. (Markus 12, 29 bis 31) Es ist keine Leistung, keine Anstrengung. Du gibst nur Gott zurück, was Er dir selbst gegeben hat!

Halte dich Gott hin!

Amen.

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