Und wenn sie ‚Nein!‘ gesagt hätte?

Ich war in diesem Herbst in Florenz und habe mir die Uffizien angesehen. Dabei ist mir ein Bild mit dem Motiv „Maria Verkündigung“ aufgefallen. Es gibt viele Bilder mit diesem Motiv, aber das ist mir in Erinnerung geblieben:

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 Man sieht Maria förmlich an, dass ihr die Sache suspekt ist. Sie wendet sich vom Engel ab. Man spürt regelrecht, dass nur der Respekt vor dem himmlischen Boten sie davon abhält, wegzulaufen. Ganz ehrlich – ich kann Maria verstehen. Das, was der Engel da verkündete, war nichts Geringeres als ihr wahrscheinliches Todesurteil. Denn darauf wäre es hinausgelaufen, wenn Josef sie angezeigt hätte. Schwanger vor der Hochzeit von einem anderen, wurde mit Steinigung bestraft. Josef hätte sogar das Recht gehabt, den ersten Stein zu werfen. Wie hätte Maria das ihrem Josef beibringen sollen? „Hör mal Josef, ha ha, da ist mir etwas Unglaubliches passiert, also da kam ein Engel…“ Nein, das klang einfach zu unglaublich. Wer hätte ihr geglaubt? Ich weiß leider nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn einem nicht geglaubt wird. Da steht man nicht einfach drüber. Schon gar nicht, wenn man, wie im Falle von Maria, vom Todesurteil bedroht ist. In der Bibel steht nicht, wie lange es dauerte, bis Maria auf den Engel antwortete. Diesen Zeitpunkt scheint das Gemälde einzufangen. Diese Abwendung, diese Unsicherheit, was jetzt werden soll. Immerhin hat der Maler keinen leeren Stuhl gemalt, vor dem der Engel kniet. Sie ist geblieben. Aber trotzdem steht die Frage im Raum „Und wenn sie ‚Nein!‘ sagt?“  –  Es gibt im Evangelium genau zwei Momente, in denen jemand eine Frage gestellt wurde, deren Antwort den kompletten Erlösungsplan Gottes infrage hätte stellen können: 1. wie gesagt, die im Raum stehende Frage an Maria, ob sie bereit ist, diese Todesgefahr anzunehmen und 2. die im Raum stehende Frage an Jesus Christus in Gethsemane, ob er bereit ist, den Tod auf sich zu nehmen. Maria antwortete „Ich bin die Dienerin des Herrn. Was du gesagt hast, soll mit mir geschehen.“ (Lukas 1,38) und Jesu Antwort lautete „Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.“ (Lukas 22,42) Das ist Hingabe! Das ist die Unterordnung des eignen Lebens unter den Willen Gottes. Das ist genau das, was mir so unheimlich schwer fällt. Ich habe gerade viel Ungerechtigkeit erlebt und am liebsten würde ich genau, wie ‚Die Prinzen‘ singen, „eine Bombe sein und einfach explodiern…“ Es fällt mir schwer, Ungerechtigkeit hinzunehmen. Doch wieviel schwerer muss es Maria gefallen sein, hinzunehmen, dass sie wohl falsch verdächtigt werden wird, fremd gegangen zu sein. Wieviel schwerer wird es Jesus gefallen sein, es hinzunehmen, dass er, der sündlos war, zum Tode verurteilt wurde. Doch haben sich beide zu einem ‚Ja!‘ durchgerungen. In Jesu Tod am Kreuz zeigt sich Gottes Liebe zu den Menschen, in der Wahl Marias seine Weisheit. Er hat sich die Frau ausgesucht, die mutig genug war, sich seinem Willen zu unterstellen. Weil Jesus für mich am Kreuz gestorben ist, kann ich darauf vertrauen, dass Gott für meine Gerechtigkeit sorgt. Jesus hat es selbst versprochen „Glücklich zu preisen, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden.“ (Matth. 5,6) Weil Maria sich Gottes Willem unterstellt hat, kann ich mich auch Seinem Willen unterstellen. Denn Gott weiß, was ich tragen kann. Amen!

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