„in reinlichen Windeln das himmlische Kind…“ – Liebe alte Weihnachtslieder unter die Lupe genommen

Weihnachten ist bekanntlich das Fest mit den meisten Traditionen. In meiner Familie z. B. ist es bis heute Tradition, während der Bescherung zu singen. Weil mein Bruder und ich aber keine Lust hatten, soo lange auf die Geschenke warten zu müssen, wurden vom Familienrat sechs Lieder festgelegt, die in einer bestimmten Reihenfolge „abgesungen“ werden.

Das vierte Lied ist „Ihr Kinderlein kommet“. Einmal bin ich, wegen des Denkfehlers, dass die Landstraße eher geräumt wird, als die Autobahn, ziemlich spät bei meinen Eltern in der Heimat angekommen. Mein Vater meinte dann während der Bescherung, dass er das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ schon die ganze Zeit singen würde.

Jedes Mal, wenn wir an die Stelle kommen „ in reinlichen Windeln das himmlische Kind…“, muss ich mir ein Lachen verkneifen. Ich frage mich nämlich, wie lange die Windeln vom Kind wohl reinlich waren?

Irgendwie ist mir so manche Krippendarstellung zu steril. Alle Figuren stehen ordentlich an ihrem Platz. Hirten und Könige stehen anbetend davor, Ochs und Esel sind gestriegelt, die Schafe sind alle wollweiss und das Kind hat eben reinliche Windeln.

Da sind mir die italienischen Krippen lieber: Der Stall steht inmitten von einem typischen italienischen Dorf. Die Marktfrauen tratschen, der Pizzabäcker holt gerade eine Pizza aus dem Ofen und nebenan werden die Hühner gefüttert. In bestimmten Gegenden gibt es noch eine kleine Figur, die unauffällig, irgendwo am Rand steht: der Caganer – das „Scheisserle“. Das ist eine Figur mit heruntergelassenen Hosen, die gerade ihren Darm entleert. Man weiß nicht so genau, wie diese Figur ihren Weg zur Krippe fand, aber für mich ist es genau das: der Toilettengang gehört ganz natürlich zum Leben dazu. Jesus ist genau in dieses normale Leben hinein geboren, mit normalen Menschen und natürlichen Bedürfnissen. Maria war nicht besonders heilig. Sie hat nicht leise geniest und das Kind war da. Nein, sie hatte Schmerzen bei der Geburt und vielleicht hat sie ihren Josef auch wüst beschimpft. (Habe gehört, dass das auch im Kreißsaal vorkommt.) Sehr wahrscheinlich hat sie geschrien und ihr Kleid war danach sicher blutverschmiert. In dieses Leben ist Christus hineingeboren. Er hat alles Irdische auf sich genommen und alle himmlische Herrlichkeit abgelegt. Wofür hat er das getan? Er tat es, weil sein himmlischer Vater schon sehr lange ruft „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all!“ Gott sehnt sich nach dir! Er möchte derjenige sein, der dich durch dein Leben leitet. Er hat seinen Sohn geschickt, damit du zu ihm kommen kannst. Er möchte mittendrin in deinem Leben sein. Egal, ob du gerade mit deiner Freundin tratschst, deinen Hund fütterst, Pizza bestellst oder eben das Leben als besch…eiden empfindest. Komm zu ihm, er wartet auf dich. Komm heute noch! – Amen.

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