Der schreckliche Christus

Während meines Urlaubs war ich auch im ehemaligen Kartäuserkloster von Valldemossa. Hier komponierte Chopin seine Regentropfenprelude. Nachdem wir seine Zelle besichtigt hatten, wurden wir in einen kleinen Saal geführt. Wir warteten darauf, dass das kleine Konzert, das uns versprochen wurde, begann.

Mein Blick blieb an einem Bild hängen: Darauf waren viele Menschen abgebildet. Alle schienen sich vor etwas zu erschrecken. Erst dachte ich, es sind die Reiter in Rüstung vor denen sie Schutz suchten. Doch dann sah ich, dass auch sie versuchten, sich vor etwas in Sicherheit zu bringen. Arme, Reiche, Freie und Gefangene wollten sich vor etwas oder jemanden verstecken, der außerhalb des Bildes war. Plötzlich wusste ich, wer es wohl, nach der Absicht des Malers sein sollte: Christus! Wenn Christus wiederkommt, dann wird es für Viele noch schrecklicher sein, als auf dem Bild dargestellt. Die Erkenntnis, dass es wirklich einen Gott gibt, die Erkenntnis, dass man sein Leben vergeudet hat und zum Schluss die Erkenntnis, dass man ein sündiger Mensch ist und man diesem Gott nicht genügen kann, all das wird für Viele schrecklich sein. Sie werden, wie auf dem Bild, ihre Gesichter abwenden und werden versuchen, sich zu verstecken – und es wird ihnen nichts nützen. Jeder, der nicht zu Lebzeiten, nicht rechtzeitig, bevor Christus wiederkommt, sich Ihm, dem liebenden Gott, zuwendet, wird in einem einzigen Moment erkennen „Ich habe meine Chance vertan. Es ist zu spät!“ Das ist eine schreckliche Erkenntnis!

Das ist mir nicht immer bewusst. Ich verlasse mich gern auf die Gnade. Ich weiß, dass mich Gott unendlich liebt, dass Er sich nichts sehnlicher wünscht, als mit mir Gemeinschaft zu haben. „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“ heißt es in Jeremia 31,4 nach der Schlachter – Übersetzung. Ja, die Gnade gilt. Doch sollte ich mir bewusst machen, was sie gekostet hat. Gott kann nur gnädig zu uns sein, weil er seinen eigenen Sohn hergegeben hat. „Denn Gott hat der Welt seine Liebe gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.“ (Johannes 3, 16, NGÜ) Gott möchte nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht. Verloren gehen heißt, keine Gemeinschaft mit Ihm in der Ewigkeit haben. Bei dem Gedanken allein fühle ich mich unwohl. Aber genau das wird Vielen passieren. Sie werden sich nicht nur unwohl fühlen, sondern zutiefst erschrecken. Derjenige, vor dem sie erschrecken, wird nicht gruselig daherkommen, wie in Horrorszenarien, sondern er wird wunderschön sein. Schrecklich – schön! Schrecklich in den Augen derer, die ihn abgelehnt haben und schön für diejenigen, die ihm nachgefolgt sind. Die Nachfolger Christi werden ihren Herrn an der unbeschreiblichen Schönheit erkennen. Wenn auch noch viel Dunkelheit in ihnen ist, ein winziger Teil, aber immerhin ein Teil, wird Ihn erkennen. Das ist der Teil meiner Persönlichkeit, der bereits christus – ähnlich ist. Ich werde zu Lebzeiten mit dieser Umwandlung zur Christus – Ähnlichkeit nicht fertig werden. Das bisschen aber, dieser winzige Teil an Licht reicht Gott. Es reicht aus, dass Christus für mich schön und nicht schrecklich ist. Ich werde nicht erschrecken müssen, wenn Christus wiederkommt. Das ist Gnade! Diese Gnade genügt! (2. Kor 12, 9)

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