Die Geschichte ist nicht biblisch. Es könnte aber so gewesen sein.

Petrus lernt schreiben

Petrus saß am Tisch und mühte sich mit der vor ihm liegenden Wachstafel ab. Er sollte seinen Namen schreiben. Der erste Buchstabe, das Pi, gelang ihm schon gut: zwei Striche, darüber ein dritter. Epsilon, Tau, Rho und Omikron waren auch gut erkennbar. Aber das Sigma wollte ihm einfach nicht glücken. Das Sigma, das Paulus ihm vorgemalt hatte, war eindeutig ein Halbkreis mit Haken dran. Seine dagegen gerieten immer zu Kringeln, die zur Seite kippten.

„Das geht nicht! Das kann ich nicht!“ Petrus schmiss den Stift hin und stand abrupt auf. Paulus versuchte noch, ihn zu beruhigen, doch Petrus polterte los „Wieso muss ich schreiben? Ich möchte erzählen, was ich erlebt habe!“ Er zeigte seine Hände. „Das sind Hände eines Fischers, nicht die eines Schreiberlings.“ „Aber der Herr hat doch selbst gesagt, dass du ein Menschenfischer sein sollst. Da wäre es gut, dass du -“ „Das ich was?“ unterbrach ihn Petrus „Woher willst du wissen, was der Herr gesagt hat. Du warst nicht dabei! Stattdessen hat der feine Herr Gesetze studiert. Gejagt hast du uns. Die Hände hast du dir nicht schmutzig gemacht, das durften Andere. Du hast nur die Mäntel gehalten. War doch sicher ein schönes Gefühl, als Stephanus starb!“ Paulus war während Petrus redete immer mehr in sich zusammengesunken. Als Petrus jetzt die Tränen in Paulus‘ Augen sah, hielt er inne. „Oh Paulus, das tut mir Leid.“ Er setzte sich wieder zu seinem Lehrer. „Wie war das eigentlich, als dir der Herr erschien?“ Paulus holte tief Luft und fing an „Ich war auf dem Weg nach Damaskus. Ich dachte, ich tue das Richtige. Das Richtige für Gott. Als ich das gleißende Licht sah und die Stimme hörte, war ich starr vor Schreck.“ Als Paulus den erstaunten Blick von Petrus sah, sagte er „Ja Petrus, der feine Herr hatte Angst. Schreckliche Angst sogar. Ich war blind und mir wurde klar, dass ich mich gegen Gott gestellt habe. Gegen Gott! Alles worauf ich mein Leben aufgebaut habe war falsch. Gott würde mich verstoßen. Ich würde nie wieder den Tempel betreten dürfen. Ich dachte, dass ich blind bleibe. Aber das war mir egal. Mein Leben war vorbei! Ich hoffte nur noch auf ein schnelles Ende. Als dann Hananias kam und mir die Hände auflegte, konnte ich es erst gar nicht fassen. Ich darf leben! Ich konnte wieder sehen. Nicht nur das: Ich darf etwas für meinen Herrn tun. Ein größeres Geschenk hätte mir keiner machen können!“ Petrus hatte die ganze Zeit nur stumm genickt. Jetzt hielt er es nicht mehr aus “Genau so! Genau so ging es mir auch! Ich wollte für Jesus sterben. Als er sagte, dass man ihn töten würde, wollte ich nichts davon wissen. Das wollte ich verhindern! Ich habe mir extra ein Schwert besorgt. Meinem Herrn sollte keiner was antun! Doch dann ging alles so schnell. Sie kamen und nahmen ihn fest. Jesus befahl mir, das Schwert fallen zu lassen. Ich folgte ihnen aus der Ferne. Ich dachte, ich könne ihm noch irgendwie helfen. Irgendetwas müsste doch möglich sein. Doch dann -“ Petrus schluckte schwer „fragten sie mich kurz hintereinander, ob ich ihn kenne. Ich, ich“ stammelte er „sagte nein. Kurze Zeit später krähte der Hahn.“ Paulus sah ihn abwartend an. Jetzt kämpfte Petrus mit den Tränen. „Ich hab’s getan. Ich hab ihn verleugnet. So, wie er es vorausgesagt hat. Als ich ihn dann am Ufer sitzen sah, wollte ich nur zu ihm hin. Ich wollte es ihm erklären, mich bei ihm entschuldigen. Doch er schaute mich nur an, mit diesem Blick. Johannes sagte immer, Jesus habe sanfte Augen. Ich habe ihn damit aufgezogen. Aber jetzt wusste ich, was er damit meinte. Mit diesen sanften Augen schaute er mich an und fragte, ob ich ihn liebe. Paulus, er fragte mich, ob ich ihn liebe. Nach allem, was gewesen ist, fragte er mich! Es ging mir genauso wie dir, Paulus. Es ging mir durch und durch.“ Sie sahen sich eine ganze Weile schweigend an. Zwei Männer, die beide in den Abgrund ihrer Seelen geblickt hatten. Zwei Männer, die genau wussten, wie kostbar Vergebung ist.

Irgendwann drückte Paulus dem Petrus den Stift wieder in die Hand „Na komm du Menschenfischer. Versuch es noch einmal. Tu’s für den Herrn.“ „Für den Herrn tu ich alles!“ Damit begann Petrus zu schreiben. Diesmal klappte es besser: ein Halbkreis mit einem Haken dran. Nun stand auf der Tafel Πετρος.

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