Orangensaft

Eines Morgens goss ich mir ein Glas Orangensaft ein. Nachdem ich einen Schluck davon gekostet habe, dachte ich im ersten Moment „Leckere Brause!“. Dann fiel mir auf, dass der Saft gegoren war. Ich war in Gedanken, deswegen schüttete ich nur das Glas aus.

Am nächsten Morgen machte ich mir wieder Frühstück und wieder stellte ich mir ein Glas Orangensaft hin. Ich bemerkte erneut, dass der Saft gegoren ist. Diesmal schmiss ich gleich die ganze Packung aus dem Kühlschrank weg. Dann holte ich eine neue Saftflasche aus der Kammer und stellte sie in den Kühlschrank.

Sünde ist wie gegorener Orangensaft. Sie tut mir nicht gut, doch ich halte sie für etwas Gutes. Ich tue sie immer wieder, weil ich mir davon etwas verspreche: Erfolg, Anerkennung und andere, vermeintlich erstrebenswerte Dinge. Ich merke es schon nicht mal mehr. Wenn ich es doch erkenne, dann rede ich es mir schön: „Eine kleine Notlüge ist doch nicht schlimm und neidisch sind wir doch alle mal.“ Aber ich sehe nicht, was Sünde mit mir tut. Was gegorener Orangensaft meinem Körper antut, muss ich nicht weiter ausführen. Keiner würde auf die Idee kommen, jeden Tag verdorbenen Saft zu trinken. Beim Thema Sünde jedoch bin ich nicht so konsequent. Doch aus einer Notlüge können leicht mehrere werden und nach einiger Zeit ist das Lügen eine Charaktereigenschaft. Sünde ist nicht „ein verzeihbarer Fehler“. Sie trennt mich von Gott.

Gott vergibt mir meine Schuld, wenn ich ihn darum bitte. Doch kann er so viel mehr für mich tun. Wenn ich aus eigener Kraft versuche nicht mehr zu sündigen, dann schütte ich nur das Glas aus. Wenn ich aber Gott bitte, mich so zu verändern, dass ich nicht mehr sündige, dann schüttet er die gesamte Packung aus und stellt eine neue Flasche in den Kühlschrank.

„Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Philipper 2, 13, revidierte Luther-Übersetzung von 1984)

 

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