Heimweh

Sehnsucht

Manchmal habe ich Heimweh. Nicht an Tagen, an denen es besonders kalt ist, sondern, wenn mir plötzlich bewusst wird, wie kalt es fast immer ist. Wenn mir ein Schauer plötzlich über den Rücken fährt und ich spüre, dass ich hier nicht zu Hause bin. Ich habe mich eingerichtet. Wir haben uns eingerichtet, Häuser gebaut, Gärten gepflanzt…

Es gibt sie, die schönen Sonnentage. Die Tage an denen es warm wird. Eine Umarmung macht warm, auch Zuhören, und Tränen trocknen in der Sonne.

Es ist, als würde ich etwas vermissen, was ich schon gar nicht mehr kenne. Nicht die Erinnerung, sondern die Erinnerung an eine Erinnerung. Ob ich die Heimat wiedererkennen werde? Werde ich durch die Räume gehen und wissen, dass es meine Räume sind?

‚Du bist hier nicht richtig! Du gehörst hier nicht hin!‘ Das Gefühl beschleicht mich  manchmal. Ungerechtigkeiten, Leid, seelischer und körperlicher Schmerz, Wunden, die weitergegeben werden – all das fühlt sich manchmal wie eine Last an. Dazu die Unwichtigkeiten, Nebensächlichkeiten und Oberflächlichkeiten, all die Glitzershows. Anstrengend! Menschen, die unehrlich sind, weil sie sich wichtig nehmen – sehr anstrengend! Menschen, die keine Hilfe annehmen und du siehst ihnen dabei zu, wie sie leiden – mega anstrengend. Menschen, die nicht erwachsen sind und dich dafür verantwortlich machen, dass sie nicht glücklich sind – untragbar anstrengend!

Wenn ich dann zu Gott gehe, spüre, wie geborgen ich bei Ihm bin, dann bekomme ich Heimweh. Heimweh nach einer Heimat, die noch so weit weg ist. Dann spüre ich eine Sehnsucht in mir, die fast nicht auszuhalten ist:

Ich bin meine Wege gegangen,
die Wege sind noch nicht aus.
bin noch immer hier gefangen
und noch immer nicht Zuhaus.

Nicht falsch verstehen: Ich sehne mich nicht nach dem Tod, ich sehne mich nach demjenigen, der von sich selbst sagt „Ich bin das Leben!“

Mich von Gott getragen fühlen, tief in mir zu wissen und zu spüren, dass ich von Ihm geliebt bin, lässt mich durchhalten. Dann kann ich weitermachen. Auch, wenn ich das Gefühl habe, dass es statt weniger, mehr Obdachlose werden, ich sehe, dass mehr Menschen psychische Probleme haben oder bekommen und der Ton in analogen und digitalen Diskussionen rauer wird. Auch, wenn ich selbst um Vergebung bitten und mir persönlich vergeben muss.  

Die Sehnsucht, das Heimweh wird nicht vergehen. Aber das Wissen, dass Gott mit mir zusammen das aushält, stärkt mich.

Amen.