Eigentlich wollte ich mit meiner Interpretation der lateinischen Messe weitermachen. Aber passend zum Credo (Glaubensbekenntnis) muss ich mich einfach mal äußern.
Die Predigt von Pastor Quinton Caesar beim Abschlussgottesdienst vom ev. Kirchentag in Nürnberg wurde in vielen Medien abgedruckt. Ich war nicht live dabei. Meine Freundin hat es mir geschickt.
U. a. sagte er Folgendes: „Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Gott ist queer.“
Ich bin erschrocken! Ich kann es einfach nicht stehen lassen! Aber langsam, von vorne! Mich regt nicht auf, dass queere Menschen dafür kämpfen, anerkannt zu werden. Ich hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn er gesagt hätte „Die Kirche ist (auch) queer!“ Oder: Queere Menschen sind in der Kirche willkommen!
Aber hier wurde Gott eine Eigenschaft zugesprochen, die Er schlicht und ergreifend nicht hat! Ich zitiere Wiki: „Queer ist heute eine Sammelbezeichnung für sexuelle Orientierungen, die nicht heterosexuell sind, sowie Geschlechtsidentitäten, die nicht-binär oder nicht- cisgender sind. „(https://de.wikipedia.org/wiki/Queer, eingesehen am 19. 06. 2023)
Gott hat keine sexuelle Orientierung, also kann Er nicht queer sein.
„Mimimi, aber in der Bibel steht doch, dass Er Menschen nach seinem Bilde und als Mann und Frau geschaffen hat! Also ist Er Beides und damit non-binär!“
Ok, in 1. Mose 1,27 steht: „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.“ Was heißt denn hier „zum Bilde“? Bereits während meines Studiums habe ich ein Referat gehalten, in dem es um die Gottesebenbildlichkeit im Alten Ägypten ging. In dieser Kultur gab es verschiedene Worte für „Bild/Abbild“. Der Ägyptologe Hornung stellte drei Grundsätze auf, wie der Ägypter selbst wohl die Aussage „der Mensch als Bild Gottes“ verstanden hat:
1. „Der Mensch ist „Bild“ Gottes, weil er „Kind“ Gottes ist; er gleicht ihm, wie ein Sohn seinem Vater gleicht.
2. Der Mensch erweist sich durch sein gleichgeartetes Handeln als „Bild“ Gottes.
3. Der König gilt als lebendes und handelndes Kultbild Gottes, er repräsentiert ihn wie eine Statue. – Bei der Gelegenheit kann ich gleich mit der leidigen Behauptung in Dokutainments wie sie auf ZDF und Phoenix ausgestrahlt werden, aufräumen: Nein, der Pharao sah sich selbst nicht als gottgleich an!
So, und nun zu der Kultur, die Ägypten immer wieder toll fand, selbst nachdem sie mühevoll daraus ausgewandert ist: Ich zitiere aus meiner Elberfelder Studienbibel: „צֶֶלֶם“ (zäläm) Bild, Abbild, Götzenbild, Schattenbild…Von Israels Gott durfte es keine Darstellungen geben – nur der Mensch als Mann und Frau ist als sein zäläm geschaffen und damit sein Abbild gleichzeitig Teil der Schöpfung und bevollmächtigter Repräsentant Gottes ihr gegenüber (1. Mo 1, 26f; 5,3; 9,6). Dasselbe Wort, das ihn so als Vertretung Gottes aus der übrigen Schöpfung heraushebt und in die Nähe Gottes rückt, kann in anderem Zusammenhang seine Nichtigkeit und Hinfälligkeit beschreiben, als Abbild im Sinn von Schattenbild (Ps 39,7; 73,20).“
Damit ist erwiesen, dass mit „ihm zum Bilde“ nicht das Abbild Gottes gemeint ist und Gott deswegen nicht automatisch Mann und/ oder Frau ist.
„Aber Gott sagt doch selbst, dass er Vater und Mutter ist!“
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem ergötzt werden.“ ist in Jesaja 66, 13 zu lesen. WIE eine Mutter. Gott nimmt hier das Handeln einer Mutter zum Vorbild. Er sagt nicht, dass er eine ist!
Wenn Jesus selbst von Gott als Vater spricht und die Jünger das „Vater unser“ lehrt, heißt das nicht, dass Gott in menschlichen Kategorien existiert. Vielleicht hat Gott auch Flügel? Schließlich sind sich viele Theologen einig, dass mit „Engel Gottes“ Gott selbst gemeint ist. Auch war nicht immer automatisch mit „Vater“ der leibliche Vater gemeint. Es kann auch eine Respektsperson sein. Im alten Ägypten zog der Schüler zum Lehrer und nannte diesen Vater.
„Aber Jesus war doch ein Mann!“
Zu seinen Lebzeiten auf der Erde ja. Aber wer weiß schon, welche Gestalt er jetzt im Himmel hat? Das ist eben genau das, was „wahrer Mensch und wahrer Gott“ bedeutet. Daran haben sich schon viele Theologen abgearbeitet und würde jetzt zu weit führen. Also ja, Jesus war, als er Mensch war ein Mann und hatte eine Sexualität. Ich habe mal vor längerer Zeit für mich entdeckt, dass er ehelos bzw. enthaltsam gelebt haben muss. Da bin ich über „Füchse haben Höhlen…“ gestolpert. Es gibt in den Apokryphen, die in der Einheitsübersetzung stehen, eine Parallelstelle dazu (die ich leider nicht wiederfinde), in der es heißt, dass Leute, die nicht heiraten dürfen, eben wie Leute sind, die keinen Platz wie Füchse haben. Heiraten durfte er deswegen nicht, weil nicht geklärt war, wer sein Vater ist. (nach jüdischem Recht. Du erinnerst dich: die Geschichte mit Maria, die nach Auslegung der damaligen Richter außerhalb der Stadt vergewaltigt und deswegen nicht gesteinigt wurde.)
„Ja aber, dann bist du ja homophob!“
Nein! Ich sage nur, dass Gott nicht queer ist! Gegen diesen einen Satz wehre ich mich. Nach meiner bisherigen Erkenntnis ist das nicht biblisch. Das heißt aber nicht, dass ich Angst vor Homosexuellen habe! Ich habe keine Zeit, um irgendwelche Menschen, die ich nicht kenne, zu beschimpfen, zu verurteilen, bloß zu stellen oder sonstwie anzugreifen! Ich habe genug damit zu tun, meine eigene Beziehung zu Gott zu gestalten, es einzuüben, andere bedingungslos zu lieben, Menschen, die mich verletzt haben, zu vergeben und bei all dem, mich selbst nicht zu vergessen!
„Fundamentalist!“
„Fundamentalismus… ist eine Überzeugung, Anschauung oder Geisteshaltung, die sich durch ein kompromissloses Festhalten an ideologischen oder religiösen Grundsätzen kennzeichnet und das politische Handeln bestimmt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentalismus, eingesehen am 26. 06. 2023) – Solltest du mir sagen wollen, dass mein Festhalten an meinem religiösen Grundsatz „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“, der sehr wohl mein politisches Handeln bestimmt, mich in deinen Augen zum Fundamentalisten macht, dann danke ich dir für das Kompliment!
