Warum hat mir das keiner gesagt?

Ich beschäftige mich immer noch mit dem Themenkomplex „Freiheit, Gehorsam und dienen“. Also habe ich mir mein Bibellexikon geschnappt und den Artikel “Gehorsam” durchgearbeitet. Der Artikel ließ mich sprachlos zurück. Das kann doch nicht wahr sein! Da bin ich schon so lange Christ, aber das war mir nicht bewusst. “Gott ist Liebe!’ – ja, das wurde in den Gemeinden, in denen ich Mitglied war, hoch und runter gepredigt. Aber dass ich Gott gehorsam zu sein habe, nicht! Ich krame in meinen Erinnerungen. Es gab selten mal eine “Autsch!”- Predigt, also eine Predigt, die weh tat. Aber an eine Predigt, die mir so eindringlich klar machte, dass ich Gott Gehorsam schulde, wie dieser Lexikon-Artikel, kann ich mich nicht erinnern. Ich lese schon länger in der Bibel. Die Bibelstellen, die ich jetzt lese, sind mir nicht bewusst geworden.  

Ich frage jetzt explizit die Prediger von evangelikalen und charismatischen Gemeinden (die anderen kenne ich nicht gut genug): Warum hat mir das keiner gesagt? Wieso hat mir das keiner gepredigt? Gefrustet wie ich war, habe ich gleich eine Freundin angerufen und ihr von meiner Entdeckung erzählt. Sie hat mir von ihrer Erfahrung in der Bibelschule berichtet. Ein Bibelschullehrer hat offen zugegeben, dass nur ein Teil des Evangeliums gepredigt wird.  

Ich bin sauer. Stinksauer! Habt Ihr alle den Arr – ok damenhafter: Seid Ihr alle mit dem Klammerbeutel gepudert oder was ist mit Euch los? Habt Ihr eigentlich eine Ahnung, was Ihr da tut? Kommt mir jetzt nicht mit “Taste nicht den Gesalbten des Herrn an!” an. Eure Forderung, dass eure Schäfchen euch zu gehorchen haben, ist an dem Satz gekoppelt, dass ihr für jedes Mitglied Rechenschaft geben müsst. (Hebräer 13, 17) 

Ihr müsst mir keine Antwort geben. Aber eines Tages werdet Ihr jemand anderen antworten müssen Was wollt Ihr Ihm antworten?  

Ja, Gott kann Krummes wieder geradebiegen.  So sorgt E dafür, dass ich jetzt über die richtigen Bibelstellen “stolpere”. Aber das entbindet Euch nicht von Eurer Verantwortung! 

Wir sind alle Menschen, wir machen alle Fehler. – Das sei Euch zugestanden! Wer aber nicht oder selten über die unbequemen Bibelstellen predigt, weil er Angst hat, dass ihm die Leute aus der Gemeinde laufen, der ist in meinen Augen kein guter Hirte. Ein Hirte läuft, zumindest in Israel, seinen Schafen voran und geht mit ihnen auch mal schwierige und schmale Steige.  

Wie oft werden, zumindest in den Gemeinden, die ich kennengelernt habe, halbe Bibelstellen “weggenuschelt”.: “… müssen alle Dinge zum Besten dienen!” (Römer 8, 28) Doch der komplette Vers lautet: “Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.” – Wenn ich Gott liebe – DANN werden mir alle Dinge zum Besten dienen! 

Ich zeige Ihm meine Liebe, z. B. damit, dass ich Ihm gehorsam bin.  

“…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!” – Es heißt eigentlich “Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.” in Matthäus 11, Verse 29 und 30.  

Ich habe in über 20 Jahren nicht eine Predigt darüber gehört, dass Christen eine Last zu tragen haben, die ihnen von Jesus persönlich zu tragen gegeben wird! Die Ruhe für meine Seele wurde mir erzählt, der Rest wurde “weggenuschelt”. Habt Ihr Prediger eigentlich gedacht, dass das keinem auffällt? Seid Ihr selbst nie darüber gestolpert?    

Jetzt wird mir auch etwas bewusst: Ich kann mich nicht daran erinnern, in einer der freien Gemeinden, in denen ich Mitglied war, zum Bibelstudium angehalten worden zu sein. In der letzten Gemeinde hat der Prediger u. a. darauf Wert gelegt, dass in allen Hauskreisen das gleiche christliche Buch durchgearbeitet wurde. Es waren sicher auch gute Bücher dabei. Aber es war nicht die Bibel selbst. 

Die Bibel ist ein gefährliches Buch! Ein sehr gefährliches Buch! Es gibt zwei wesentliche Gefahren beim Bibellesen: 1. Der Lesende könnte anfangen, den Prediger und/ oder die Gemeindestruktur zu hinterfragen. 2.Der Lesende könnte anfangen, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen! 

Darum geht es im christlichen Glauben: Erkennen, dass Gott mich liebt, um dann aus Liebe zu Ihm, Ihm gehorsam zu sein. Es klingt paradox, aber genau dadurch wird ein Christ zu einem reifen Christen. 

Ein reifer Christ ist aber nicht mehr abhängig von seinem Prediger. Von daher brauche ich jetzt keine Antwort mehr auf meine Frage, warum mir das keiner gesagt hat. Wie geschrieben, Ihr müsst IHM dereinst Rede und Antwort stehen. 

Ich nehme aus meinem Bibelstudium die für mich persönlich sehr wichtige Erkenntnis mit: Ich schulde Gott Gehorsam!  

Amen. 

7 Kommentare zu „Warum hat mir das keiner gesagt?

  1. Nun lieber Löwenzahn 71,

    es gibt eben seit etlichen Jahrzehnten die These und die Theologie,
    daß wir allein durch die Gnade gerettet sind.
    Das hört sich doch auch schön an, muß man sich ja im Endeffekt auch nicht zwingend ändern.

    Der gute Luther hatte ja, nach dem heftigen Erkenntnisgewinn auch noch einiges zu tun mit der neuen Betrachtung jenseits seiner alten katholischen Kollegen.
    So hat er anfänglich ja auch nicht viel mit dem Brief des Jacobus anfangen können. Doch mit der Zeit hat sich auch der liebe Doktor Martin „fangen können“.
    (Gut, wir haben 500 Jahre später gut lachen)

    Was jedoch heute immer noch viele Christen überlesen sind diese „unds“ in der Bibel.
    Ganz gleich ob es die Erlösung ist oder vielleicht auch die Segnungen und Verheißungen.
    Wir schauen immer erst auf den direkten Benefit (sozusagen der Amazon.Virus).

    Doch so ein bißchen dürfen wir unseren Stall oder unser Feld dann doch aufräumen und vorbereiten.
    Tja und
    dazu gehört dann auch der Gehorsam – der Wille, dem Herrn erstmal und bedingungslos(?) zu zuhören … oder sein Wort zu lesen.
    Dann gibt es ja noch so etwas wie Folgsamkeit – was letztendlich nur die logische Konsequenz des Gehörten ist.

    Dazwischen passiert natürlich auch noch etwas, sonst hätten wir ja blöderweise wieder das Prinzip und den vermeintlich einfachen Weg der „Werksgerechtigkeit“.

    Doch was passiert dazwischen, zwischen dem Hören und dem Tun?
    Erkennen, lernen wir kennen, sehen und verinnerlichen wir die Prinzipien des Herrn, das Erkennen seiner Liebe, das Erkennen seiner Gerechtigkeit …
    Habe wir das dann kapiert, dann kommen automatisch die Taten, weil Jesús in uns ist und wirkt – ooops, doch das ist wieder ein anderes Thema.

    Genug herum theologisiert, ich schweige und wünsche einen erkenntnisreichen Sonntag,
    dem Tag vor dem Montag,

    Raphael.

    1. Danke, genau das meine ich! Ich denke, dass es schwierig ist, nicht wieder in die Werksgerechtigkeit „hinein zu geraten“. Gleichzeitg sollten wir nicht nur auf die eigene Rettung schauen und auf der Gnade uns ausruhen. Liebe ohne Gehorsam, ohne daraus folgende Taten scheint nicht möglich zu sein. Dabei ist es ein Gehorsam, der für uns selbst gut ist. Ähnlich, wie die Kinder im Nachmittagsprogramm: Sind sie mir gehorsam, schaffen wir prompt zwei spannende Experimente mehr, muss ich ständig ermahnen, sind es weniger. – Schade, dass das Thema Gehorsam in den Freikirchen so wenig gelehrt wird.

  2. Der Liebe Gott hat jedem Menschen einen Verstand gegeben und wenn man den nicht selbst benutzt, dann meckert man an andere Leuten herum.
    Gott verlangt nicht deinen Gehorsam. Das ist die Ausdrucksweise der Katholischen Kirche. Gott verlangt gar nichts von dir. Entweder du lebst mit Gott oder eben nicht. Du wirst die Auswirkungen deines Tuns zu rechtfertigen haben. Nicht vor Gott, vor dir selbst. Gott hilft dir immer wenn du darum weißt. Weißt du nicht dann kommt auch keine Hilfe. Die Bibel ist ein gefährliches Buch schreibst du. Stimmt, aber nicht aus deinen angeführten Gründen. Sie wurde so umgeschrieben, dass jeder rein interpretieren kann was er möchte. Das genau war das Ziel der Katholischen Kirche. Nichts woran man sich wirklich festhalten könnte. Nichts das alle gleich sehen. So sät man Zwietracht. Nur so kann man herrschen. Sie allein besitzen die Wahrheit und die beziehen sie aus einem Märchenbuch. Der Bibel. Mehr haben sie von dieser Schrift nicht übrig gelassen. Alle Teile die Wahrheit enthalten wurden entfernt und die bleibenden Wahrheiten so kaschiert das keiner wirklich weiß wie diese aussehen. So gibt es nur zwei Wege. Du lebst mit dem Schöpfer oder du lebst ohne ihn. Das ist und war schon immer die Aufgabe jedes Einzelnen von uns. Daher gibt nicht anderen die Schuld für deine Versäumnisse. Zieh deinen Lehren daraus und dann mach es besser. Mehr erwartet der Schöpfer nicht von uns.

    1. Zunächst einmal: Ich weiß nicht, was die katholische Kirche lehrt, denn ich bin nicht katholisch! Dann: Für mich ist die Bibel kein Märchenbuch. Es gibt etliche Ausführungen zu dem Thema, wie und wann sie entstanden ist usw. Ich persönlich staune als Archäologin, wie präzise Dinge beschrieben sind, die die katholische Kirche oder wer auch immer da angeblich gefälscht hat, nicht wissen konnte ( zum angeblichen Fälschungszeitpunkt). So ist die Ägyptologie eine relativ junge Wissenschaft mit ca 100 Jahren. Trotzdem gibt es im Alten Testament Details, die ein Fälscher gar nicht hätte wissen können. Allein schon der Fakt, dass es eine siebenjährige Hungersnot gab – nicht sechs, nicht acht, sondern sieben! Jahre. Zwar stimmt die Chronologie nicht, aber die Chronologie des Alten Ägypten ist nicht in Stein gemeißelt! Eine ausführliche Beweisführung, dass die Bibel doch kein Märchenbuch ist, würde hier den Rahmen sprengen. Aber wenn die Bibel Recht hat, wenn das wirklich so ist mit Gott, Jesus und der Erlösung (gehen wir „spaßeshalber“ mal davon aus) dann verlangt Gott sehr wohl meinen Gehorsam. (Johannes 14, 23; Jakobus 4,7, Lukas 10, 27…)Mit Gehorsam verbinden Viele etwas Negatives. Aber wenn ich, wie geschrieben, aus Liebe gehorsam bin, dann ist es etwas Anderes. Weil ich erkannt habe, dass Gott mich liebt, tue ich das, was er möchte, weil ich das für richtig erkannt habe. Zum Beispiel halte ich es für eine gute Idee, mich an die 10 Gebote zu halten: Nicht töten, nicht stehlen, kein Ehebruch begehen…
      Der letzte Satz ist das übliche Totschlagargument: Mach es selbst besser! Wenn sich jemand als Leiter hinstellt, dann hat er auch eine entsprechende Verantwortung! Wenn der Leiter die Mitglieder nicht dazu anleitet, Lehren zu hinterfragen, dann können sie das auch nicht lernen. (Das Hinterfragen wurde oft in der Kindheit „ausgetrieben“: „..weil ich das sage!“) Es ist die Verantwortung von dem Leiter, jegliches blindes Abnicken zu unterbinden. Als Leiter kann man sich nicht einfach seiner Verantwortung entledigen.

      1. Ich verstehe dich sehr gut. Nur ist der Satz“, Mache es selbst besser“ kein Totschlagargument. Es ist eine Aufforderung selbst Verantwortung zu übernehmen. Das geschieht viel zu wenig. Christen hat man beigebracht Lämmer zu sein und so verhalten sie sich auch. Das ist falsch. Gott gibt uns die Verantwortung uns selbst gegenüber. Nicht einer Kirche, nicht einer Bibel und auch nicht den 10 Geboten gegenüber. Ich lese, ich sehe, ich höre und dann muss ich entscheiden. Wie ich alleine entscheide was Gott für mich ist. Niemand kann mir sagen was oder wer Gott ist. Das Bild von ihm lebt alleine in mir. Ich sehe ihn oder ich sehe ihn nicht. Ich lebe mit ihm oder ich lebe nicht mit ihm. Und wenn ich mit ihm lebe, dann auf meine Weise, die er mich gelehrt. Die ich mit meiner Geburt angenommen habe. Alles, was ein Mensch über Gott wissen muss, ist das er die bedingungslose Liebe. Alles im Leben kann ich daraus ableiten. Die Art mit mir und meinen Mitmenschen umzugehen. Wie ich Tier und Pflanzen und den Planeten Erde behandle. Dazu muss ich nicht wissen, wie Gott aussieht, wie sein Denken oder was er von mir möchte. Das ist doch so offensichtlich, dass es jeder verstehen müsste. Aber durch die ewigen Fragen nach wer ist Gott, was will er von mir, leben die Menschen gegen das, was er ganz offensichtlich ist. Und die von dir angesprochenen Leiter haben nichts mit Gott zu schaffen. Sie dienen dem der sie bezahlt. Würden er Gott dienen dann würdest du dich jetzt nicht über ihn aufregen. Jede Religion entspringt einer Geldbörse die gefüllt werden muss. Würde Gott Kathedralen, Kirchen, Moscheen erschaffen? Warum sollte er das machen? Gott lebt in jedem Menschen welchen Tempel braucht es dann noch? Jede Religion, die mit Geld zu schaffen hat, hat für mich nichts mit Gott zu schaffen. Jede Religion die Macht ausübt hat für mich nichts mit Gott zu schaffen. Ich brauche auch keinen Glauben. Den brauche ich nur wenn ich nicht mit Gott lebe.

      2. Jein. Also ja, Christen sollen für ihren Glauben selbst Verantwortung übernehmen. Das habe ich auch in meinem aktuellen Beitrag so geschrieben: Lies selbst! Denke selbst! Glaube selbst!
        Und nein, so grundsätzlich würde ich die Kirche und die damit verbundene Ordnung nicht ablehnen. Ich habe auch Priester und andere Leiter getroffen, die sich nicht von Machtgier lenken lassen. Ich denke, trotz meiner Erfahrungen, dass eine Gemeinschaft/ Gemeinde wichtig ist. Das ist wie eine Sportgruppe. Man kann sich gegenseitig motivieren und voran bringen. Macht man dagegen alleine Sport, macht man bald keinen Sport mehr…
        Den letzten Satz sehe ich als Widerspruch: Ich kann nur mit Gott leben, wenn ich an ihn glaube. Glaube heißt für mich Vertrauen. Ich vertraue Gott. Ich glaube es, dass er mich bedingungslos liebt.

      3. Wenn ich an etwas glaube dann weiß ich nicht. Daher fallen viele vom Glauben ab. Ich muss nicht, also ich., darauf vertrauen das es ihn gibt. Es gibt ihn ohne Frage. Ich habe als Kind geglaubt es gibt den Weihnachtsmann. Den Glaube habe ich verloren. Ich wusste als Kind es gibt den Schöpfer und das weis ich Immer noch.

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